Dossier L
Marode Infrastruktur, Sanierungsstau und Ausfallrisiken
Datenstand: 23. August 2026
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# Dossier L – Marode Infrastruktur, Sanierungsstau und Ausfallrisiken **Datenstand: 23. August 2026** ## 1. Kernaussage Deutschland besitzt einen erheblichen, über Jahrzehnte aufgebauten Infrastrukturstau. Er ist jedoch weder einheitlich messbar noch betrifft er alle Netze gleichermaßen: - Besonders kritisch sind kommunale Schulen, Straßen, Verwaltungs-, Feuerwehr- und Sportgebäude, zahlreiche Straßenbrücken, alte Schleusen und Wehre sowie bestimmte Anlagen der Deutschen Bahn. - Bei Hochschulen und Krankenhäusern bestehen erhebliche Modernisierungs- und Transformationsbedarfe, aber keine belastbare bundesweite Zustandsinventur. - Strom-, Trinkwasser- und Mobilfunknetze funktionieren gegenwärtig im Durchschnitt zuverlässig. Ihre hohen Investitionssummen entstehen überwiegend aus künftigem Ausbau, Dekarbonisierung und Ersatz alter Anlagen – nicht aus einem flächendeckenden heutigen Zusammenbruch. - Der infrastrukturelle Engpass besteht inzwischen nicht nur beim Geld. Planungskapazitäten, Fachpersonal, Genehmigungen, Vergaben, Baukapazitäten und fehlende priorisierte Anlagenregister begrenzen die Umsetzung. Die kommunalen Kämmereien beziffern ihren wahrgenommenen Investitionsrückstand 2026 auf **231,2 Milliarden Euro**. Hinzu kommen bei der Bahn Anlagen mit einem Wiederbeschaffungswert von **105,9 Milliarden Euro**, die zustandsbedingt erneuert werden müssen. Diese Werte dürfen nicht addiert werden: Sie beruhen auf unterschiedlichen Definitionen und Bewertungsmethoden. [KfW-Kommunalpanel 2026](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2026.pdf), [DB-Zustandsbericht 2025](https://www.deutschebahn.com/resource/blob/13865548/20add12224f2c4eb00394670fc5f8be8/InfraGO-Zustandsbericht_2025_Final-data.pdf) ## 2. Definition und Abgrenzung Vier Größen müssen getrennt werden: 1. **Investitionsrückstand:** In der Vergangenheit unterlassene Investitionen, die heute erforderlich wären, um eine Infrastruktur auf einen angemessenen Standard zu bringen. 2. **Erhaltungsbedarf:** Regelmäßige Instandhaltung und Erneuerung vorhandener Anlagen. 3. **Ausbaubedarf:** Zusätzliche Kapazitäten, etwa neue Stromleitungen oder Glasfaseranschlüsse. 4. **Transformationsbedarf:** Umbau aufgrund neuer technischer, klimatischer, sicherheitsbezogener oder gesetzlicher Anforderungen. Ein alter Vermögensbestand ist nicht automatisch marode. Umgekehrt kann eine einzelne kritische Brücke oder Schleuse bei ansonsten akzeptablem Durchschnittszustand ein enormes Systemrisiko darstellen. Der KfW-Wert ist eine repräsentativ hochgerechnete Einschätzung kommunaler Finanzverantwortlicher. Der DB-Wert bezeichnet dagegen den Wiederbeschaffungswert schlecht bewerteter Anlagen. Stromnetzprognosen sind überwiegend Zukunftsszenarien. Hochschul- und Hafenwerte stammen teilweise von Interessenverbänden. Eine „Gesamtsumme der maroden deutschen Infrastruktur“ ist daher derzeit nicht seriös berechenbar. ## 3. Teilprobleme ### 3.1 Fehlende einheitliche Infrastrukturinventur Deutschland besitzt kein ebenen- und sektorübergreifendes Register, das Alter, Zustand, Restlebensdauer, Ausfallkritikalität und Erneuerungskosten aller öffentlichen Infrastrukturen vergleichbar ausweist. Ausgegliederte Stadtwerke, Krankenhäuser, Hochschulen, Häfen und öffentliche Unternehmen werden zudem unterschiedlich bilanziert. ### 3.2 Kommunaler Gesamtstau Der wahrgenommene kommunale Investitionsrückstand stieg 2026 auf **231,2 Milliarden Euro**. 79 Prozent der Kommunen melden mindestens einen nennenswerten Rückstand, 13 Prozent einen gravierenden. Gleichzeitig betrug das kommunale Finanzierungsdefizit 2025 **31,9 Milliarden Euro**; 44 Prozent bewerten ihre Finanzlage als mangelhaft. [KfW](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Kommunalpanel.html) ### 3.3 Schulen Mit **68,9 Milliarden Euro** entfallen fast 30 Prozent des kommunalen Rückstands auf Schulen. Darin stecken undichte Dächer, Sanitär- und Brandschutzprobleme, energetische Sanierungen, Barrierefreiheit, Digitalisierung sowie zusätzliche Räume für Ganztagsbetreuung. Es handelt sich deshalb nicht ausschließlich um Reparaturen. ### 3.4 Kommunale und regionale Straßen Kommunale Straßen und Verkehrsinfrastruktur weisen einen wahrgenommenen Rückstand von **53,7 Milliarden Euro** auf. 84 Prozent der Kommunen sprechen von mindestens nennenswerten Problemen. Für Landes- und Kreisstraßen existiert dagegen keine bundesweit harmonisierte Zustandsrechnung; die Länder verwenden unterschiedliche Erfassungs- und Haushaltsverfahren. ### 3.5 Autobahn- und Bundesstraßenbrücken Nach Angaben des Bundesrechnungshofs ist ungefähr jedes dritte Brückenteilbauwerk an Autobahnen und jedes siebte an Bundesstraßen modernisierungsbedürftig. Das 2022 gestartete Programm sollte bis 2032 rund 5.000 besonders wichtige und schlechte Autobahn-Teilbauwerke modernisieren. Bis Ende 2024 wurden lediglich 40 Prozent des bis dahin geplanten Pensums erreicht. Für 2024 standen 280 Modernisierungen im Plan, als programmgerecht fertiggestellt wertete der Rechnungshof 69. Rechnerisch wären nun ungefähr 590 Teilbauwerke pro Jahr erforderlich. [Bundesrechnungshof](https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2025/brueckenmodernisierung/kurzmeldung.html) Die Bundesregierung verweist demgegenüber darauf, zuerst große und besonders relevante Bauwerke zu erneuern. Beide Aussagen können gleichzeitig zutreffen: Nach Brückenfläche kann mehr erreicht worden sein als nach Anzahl, während das offizielle Stückzahlprogramm trotzdem deutlich zurückliegt. Die vierjährige Sperrung der A45-Talbrücke Rahmede von Dezember 2021 bis Dezember 2025 zeigt das lokale Ausfallrisiko: Eine einzelne Tragwerksverformung unterbrach eine überregionale Verkehrsachse und verlagerte den Verkehr jahrelang in umliegende Städte. [Autobahn GmbH](https://www.autobahn.de/planen-bauen/projekt/a45-ersatzneubau-talbruecke-rahmede) ### 3.6 Schieneninfrastruktur Der bewertete Bestand von DB InfraGO hatte 2025 einen Wiederbeschaffungswert von **655,5 Milliarden Euro**. Davon entfielen **105,9 Milliarden Euro beziehungsweise 16,2 Prozent** auf Anlagen mit zustandsbedingtem Erneuerungsbedarf. Betroffen waren unter anderem: - rund 9.600 Kilometer Gleis; - rund 15.800 Weichen; - etwa 58 Prozent der Stellwerke; - Brücken mit einem Erneuerungswert von 30,9 Milliarden Euro. Der Netzzustand stagnierte 2025 bei der Note 3,00. Gleichzeitig sank der bewertete Erneuerungsbedarf um 3,9 Milliarden Euro. Das spricht für eine beginnende Stabilisierung, nicht für eine bereits erreichte Sanierung. Die Bahn investierte 2025 über 19 Milliarden Euro und erneuerte unter anderem 2.173 Kilometer Gleis und 2.065 Weichen. [DB InfraGO](https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/Bilanz-2025-DB-InfraGO-verbaut-mehr-als-19-Milliarden-Euro-fuer-bessere-Infrastruktur-13705440) ### 3.7 Wasserstraßen, Schleusen und Wehre Etwa 60 Prozent der Schleusen und 50 Prozent der Wehre wurden vor 1950 errichtet; ungefähr 20 Prozent der Schleusen und 10 Prozent der Wehre sogar vor 1900. Bei einer typischen technischen Lebensdauer von rund 80 Jahren haben viele Anlagen ihre rechnerische Lebensdauer erreicht oder überschritten. Als dringlich galten zuletzt ungefähr: - 130 Schleusen; - 70 Wehre; - 160 Brücken im Bereich der Bundeswasserstraßen. Wasserstraßen sind besonders ausfallkritisch, weil an Kanälen häufig keine gleichwertige Umfahrungsmöglichkeit existiert. 2025 wurden allerdings rund 98 Prozent der verfügbaren Investitionsmittel tatsächlich eingesetzt. Das Problem ist hier somit eher ein über längere Zeit zu niedriges Finanzierungs- und Produktionsniveau als mangelnder Mittelabruf. [BMV-Investitionsrahmenplan 2025–2029](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/investitionsrahmenplan-2025-2029.pdf?__blob=publicationFile), [BMV zum Mittelabfluss](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2026/004-schnieder-mittel-erhalt-sanierung-vollstaendig-verbaut.html) ### 3.8 See- und Binnenhäfen Die Nationale Hafenstrategie stellt hohen Modernisierungsbedarf bei Kaimauern, Hinterlandanbindungen, Flächen, Landstrom, alternativen Kraftstoffen und Digitalisierung fest. Eine amtliche, einheitliche Zustands- und Bedarfssumme gibt es jedoch nicht. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe nennt rund **15 Milliarden Euro** Investitionsbedarf. Diese Zahl ist eine Branchenforderung und keine staatliche Anlagenprüfung. Verantwortlich für Hafenanlagen sind überwiegend Länder und Kommunen, während viele Hinterlandverbindungen in Bundeszuständigkeit liegen. Diese geteilte Verantwortung erschwert Priorisierung und Finanzierung. [Nationale Hafenstrategie](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Publikationen/WS/hafenstrategie-24.pdf?__blob=publicationFile) ### 3.9 Hochschulgebäude Die Hochschulrektorenkonferenz beziffert den Finanzierungsbedarf für Gebäudeinfrastruktur und energetische Sanierung inzwischen auf mindestens **90 Milliarden Euro**. Besonders betroffen sind Hochschulbauten der Expansionsphase der 1960er- und 1970er-Jahre. Die Zahl ist eine fortgeschriebene Verbands- und Studienabschätzung, keine amtliche, bundesweit harmonisierte Zustandsinventur. Bund und Länder beschlossen 2026 ein Programm, aus dem 2026 bis 2029 jährlich bis zu einer Milliarde Euro für Wissenschaftsinfrastrukturen und Kitas bereitgestellt werden kann. Das ist ein Einstieg, aber keine vollständige Finanzierung des behaupteten Bedarfs. [HRK](https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/modernisierung-energetische-sanierung-und-neubau-von-hochschulen/), [Bund-Länder-Vereinbarung 2026](https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/bund-laender-vereinbarung-den-sanierungsstau-an-hochschulen-endlich-aufloesen-5161/) ### 3.10 Krankenhäuser Die Länder sind gesetzlich für die Investitionskosten der Plankrankenhäuser verantwortlich. Ihre Förderung stieg nominal von knapp 3,2 Milliarden Euro 1996 auf **4,2 Milliarden Euro 2024**. Inflationsbereinigt bedeutet das keinen entsprechenden realen Ausbau. [BMG](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/krankenhausfinanzierung/seite) Eine bundesweite bauliche Zustandsbewertung aller Krankenhäuser fehlt. Frühere Erhebungen stellten einem jährlichen Bedarf von ungefähr 6,7 Milliarden Euro nur etwa 3,3 Milliarden Euro Länderförderung gegenüber. Zugleich dürfen wirtschaftliche Betriebsdefizite nicht mit baulicher Unterfinanzierung gleichgesetzt werden. Der Transformationsfonds stellt 2026 bis 2035 bis zu **50 Milliarden Euro** für strukturverändernde Vorhaben zur Verfügung. Davon übernimmt der Bund bis zu 29 Milliarden Euro aus dem Infrastruktursondervermögen; Länder und gegebenenfalls Träger müssen sich beteiligen. Der Fonds finanziert also auch Zusammenlegungen und Strukturumbau, nicht nur Reparaturen. [Bundesamt für Soziale Sicherung](https://www.bundesamtsozialesicherung.de/de/themen/transformationsfo/ueberblick/) ### 3.11 Feuerwehr-, Rettungs- und Katastrophenschutzgebäude Der kommunale Rückstand für Brand- und Katastrophenschutz beträgt **23,2 Milliarden Euro**. Er umfasst Gebäude, Fahrzeughallen, Leitstellen, technische Ausstattung und teils neue gesetzliche oder sicherheitsbezogene Anforderungen. Rettungswachen werden statistisch nicht überall separat erfasst. Eine genaue bundesweite Summe nur für Rettungs- und Feuerwachen existiert deshalb nicht. ### 3.12 Wasser- und Abwassernetze Deutschland verfügte 2022 über rund **619.000 Kilometer öffentliche Abwasserkanäle** und etwa 8.700 öffentliche Kläranlagen. Von 5,32 Milliarden Kubikmetern gewonnenem Trinkwasser entfielen 469 Millionen Kubikmeter auf tatsächliche oder rechnerische Verluste, Messdifferenzen und unkontrollierte Entnahmen. Daraus lässt sich kein reiner Leckagewert ableiten. [Destatis Kanalnetz](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Wasserwirtschaft/Tabellen/ww-04-kanalnetz-1991-2022.html), [Destatis Wasserversorgung](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_304_32311.html) Der Investitionsbedarf der Wasser- und Abwasserwirtschaft wird für 2025 bis 2044 auf **80 bis 120 Milliarden Euro** geschätzt. Das umfasst Ersatz, Klimaanpassung, neue Qualitätsanforderungen und Erweiterungen. Es ist keine reine Rückstandssumme. Gegen die These eines gegenwärtig flächendeckend maroden Trinkwassernetzes spricht, dass bei den meisten überwachten chemischen und mikrobiologischen Parametern die Anforderungen zu mehr als 99 Prozent eingehalten werden. [Umweltbundesamt](https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/trinkwasserqualitaet/daten-zur-trinkwasserqualitaet) ### 3.13 Stromnetze Die Stromnetze sind gegenwärtig sehr zuverlässig: Die durchschnittliche ungeplante Unterbrechungsdauer lag 2024 bei **11,7 Minuten je Letztverbraucher**. Netzbetreiber investierten und verausgabten im selben Jahr insgesamt rund **29,7 Milliarden Euro** für die Strominfrastruktur. [Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2025](https://data.bundesnetzagentur.de/Bundesnetzagentur/SharedDocs/Mediathek/Monitoringberichte/MonitoringberichtEnergie2025.pdf) Der enorme weitere Bedarf ist vor allem transformationsbedingt: - Verteilnetzbetreiber erwarten bis 2045 rund 207 Milliarden Euro netzdimensionierenden Ausbau und etwa 30 Milliarden Euro Ersatzinvestitionen. - Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans 2025 schätzt das landseitige Übertragungsnetz je nach Szenario auf etwa 182 bis 215 Milliarden Euro. - 2025 genehmigte die Bundesnetzagentur rund 2.000 Leitungskilometer, 45 Prozent mehr als 2024. [Bundesnetzagentur](https://www.bundesnetzagentur.de/1087154) Diese Summen sind nicht als aktueller Sanierungsstau zu verbuchen. ### 3.14 Fern- und Nahwärmenetze Für den Aus- und Umbau der Fernwärme werden je nach Studie sehr unterschiedliche Beträge genannt. Eine von AGFW und VKU beauftragte Prognos-Studie schätzt bis 2030 **43,5 Milliarden Euro**. Darin enthalten sind Netze, Speicher und neue Erzeugungsanlagen. Auch dies ist überwiegend Transformations- und Ausbauaufwand. [Prognos](https://www.prognos.com/de/projekt/investitionsbedarf-staedtische-fernwaerme) Die Risiken liegen vor allem in unsicheren Anschlusszahlen, hohen Vorleistungen, fossiler Bestandswärme, Preisregulierung, kommunalen Finanzproblemen und der Gefahr, parallel Gas-, Strom- und Wärmenetze finanzieren zu müssen. ### 3.15 Glasfaser Ende 2025 bestanden **6,4 Millionen aktive FTTH-/FTTB-Anschlüsse**, entsprechend 16,5 Prozent der aktiven Festnetz-Breitbandanschlüsse. Weitere Anschlüsse waren gebaut, aber noch nicht gebucht oder hausintern nicht vollständig erschlossen. Deutschland verfügt damit vielfach über schnelles Kabel- oder modernisiertes Kupferinternet, liegt beim konsequenten Glasfaseranschluss bis ins Gebäude beziehungsweise in die Wohnung aber weiterhin zurück. Der Befund lautet „Technologiewechsel und regionaler Ausbau fehlen“, nicht „das Internet funktioniert flächendeckend nicht“. [Bundesnetzagentur, Jahresbericht Telekommunikation 2025](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260605_TK_JB.html) ### 3.16 Mobilfunk Im Oktober 2025 waren rund 95 Prozent der Fläche durch mindestens einen Anbieter mit 5G und rund 98 Prozent mit 4G oder 5G versorgt. Die verbleibenden Defizite konzentrieren sich auf ländliche Räume, Verkehrswege, Innenräume und Flächen, die nur von einem einzelnen Betreiber abgedeckt werden. Die Betreiberangaben beschreiben prognostizierten Außenempfang. Sie garantieren weder guten Indoor-Empfang noch ausreichende Kapazität oder die Versorgung durch den eigenen Anbieter. [Bundesnetzagentur](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251215_5G.html) ### 3.17 Verwaltungs-IT und Cyberresilienz Die öffentliche Verwaltung verfügt über heterogene Fachverfahren, dezentrale Rechenzentren, Altsysteme und nicht vollständig modernisierte Register. Das Problem ist zugleich technisch, organisatorisch und föderal. Das BSI bewertet die Cybersicherheitslage weiterhin als angespannt; öffentliche Verwaltungen gehören zu den bevorzugten Zielen professioneller Angreifer. Ransomware kann kommunale Dienstleistungen über Wochen und Nachwirkungen über Monate beeinträchtigen. Ein Bundesrechnungshofbericht zeigte zudem, dass einzelne einsatzwichtige Bundesdienste nicht hinreichend georedundant betrieben wurden. [BSI-Lagebericht 2025](https://medien.bsi.bund.de/lagebericht/de/index.html), [Bundesrechnungshof](https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/bemerkungen-2024-hauptband.html) ### 3.18 Schutzräume und zivile Verteidigung Von ursprünglich ungefähr 2.000 öffentlichen Schutzanlagen sind noch **579 Anlagen mit rund 478.000 formell gewidmeten Plätzen** vorhanden. Sie sind gegenwärtig weder vollständig funktions- noch unmittelbar einsatzbereit. Ursache ist eine bewusste politische Entscheidung: 2007 wurden das Schutzraumkonzept und die funktionale Erhaltung aufgrund der damaligen Sicherheitslage aufgegeben. Die Rückabwicklung wurde nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 gestoppt. [BBK](https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Risikomanagement/Baulicher-Bevoelkerungsschutz/Schutzbauwerke/schutzbauwerke_node.html) Der 2026 beschlossene Bevölkerungsschutzpakt sieht bis 2029 zehn Milliarden Euro vor. Er umfasst jedoch weit mehr als Schutzräume, etwa Fahrzeuge, Warnung, Ausstattung und Zivilschutzstrukturen. [BBK](https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2026/05/om-22-pakt-bevoelkerungsschutz.html) ## 4. Zentrale Messgrößen | Bereich | Aktueller Indikator | Einordnung | |---|---:|---| | Kommunen insgesamt | 231,2 Mrd. € | Wahrgenommener Rückstand | | Schulen | 68,9 Mrd. € | Rückstand einschließlich neuer Standards | | Kommunale Straßen | 53,7 Mrd. € | Wahrgenommener Rückstand | | Brand-/Katastrophenschutz | 23,2 Mrd. € | Gebäude, Technik und Anforderungen | | Verwaltungsgebäude | 22,2 Mrd. € | Kommunale Ebene | | Wasser/Abwasser kommunal | 10,4 Mrd. € | Kernhaushalte; Unternehmen oft nicht enthalten | | Bahn | 105,9 Mrd. € | Wiederbeschaffungswert erneuerungsbedürftiger Anlagen | | Autobahnbrückenprogramm | 5.000 Teilbauwerke | Nur priorisierte Programmmenge | | Schleusen | rund 60 % vor 1950 | Hohes Altersrisiko | | Krankenhausförderung Länder | 4,2 Mrd. € 2024 | Jährliche Mittel, kein Rückstand | | Stromunterbrechung | 11,7 Minuten 2024 | Weiterhin hohe Zuverlässigkeit | | Aktive Glasfaseranschlüsse | 6,4 Mio. Ende 2025 | 16,5 % der aktiven Festnetzanschlüsse | | 5G-Flächenversorgung | rund 95 % | Mindestens ein Netz, Außenversorgung | | Schutzplätze | rund 478.000 | Anlagen nicht sofort einsatzbereit | ## 5. Historische Entwicklung - In den 1950er- bis 1970er-Jahren entstanden große Teile der heutigen Brücken, Hochschulen, Schulen, Schleusen und öffentlichen Gebäude. - Ab den 1990er-Jahren verschoben Wiedervereinigung, Sozialausgaben, Haushaltskonsolidierung und sinkende kommunale Spielräume die Prioritäten. - Seit 2002 waren die kommunalen Nettobauinvestitionen bis mindestens 2023 durchgehend negativ: Abschreibungen überstiegen die Neubildung von Bauvermögen. [KfW-Kommunalpanel 2025](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2025.pdf) - Die Föderalismusreform beendete die frühere Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau; die Länder trugen anschließend weitgehend alleinige Bauverantwortung. - 2007 wurde die Erhaltung öffentlicher Schutzräume eingestellt. - Die Schuldenbremse verstärkte den Konsolidierungsdruck, war aber nicht die einzige Ursache: Kommunale Nettobauinvestitionen waren bereits Jahre vor ihrem vollständigen Inkrafttreten negativ. - Pandemie, Energiekrise und Baupreisinflation ließen nominale Rückstände stark wachsen. Der kommunale Rückstand liegt 2026 nominal 67 Prozent über 2018, real jedoch nur ungefähr sieben Prozent. - Seit 2022 wurden Brücken-, Bahn-, Energie- und Zivilschutzprogramme deutlich ausgeweitet. - 2025 wurde ein kr … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)