Dossier EQ
Existenzgründungen, Gründungsfinanzierung, Unternehmensnachfolge und Markteintrittshürden
Stand: 24. August 2026
Register: DE-6151 bis DE-6200
Gesamtregister danach: 6.200 Probleme in 123 Dossiers
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## Dossier EQ – Existenzgründungen, Gründungsfinanzierung, Unternehmensnachfolge und Markteintrittshürden Stand: 24. August 2026 Register: DE-6151 bis DE-6200 Gesamtregister danach: 6.200 Probleme in 123 Dossiers ### 1. Kernbefund Deutschland erlebt derzeit tatsächlich mehr Gründungsaktivität: Die KfW schätzt für 2025 rund 690.000 Gründerinnen und Gründer, 18 % mehr als 2024. Der Anstieg besteht aber fast vollständig aus Nebenerwerbsgründungen. Diese erreichten mit 483.000 einen Rekordanteil von 70 %, während die 206.000 Vollerwerbsgründungen seit drei Jahren praktisch stagnieren. Nur 24 % der Gründungen hatten Beschäftigte; 86 % wurden allein gestartet. [KfW-Gründungsmonitor 2026](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Gr%C3%BCndungsmonitor/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor-2026.pdf) Auch die Gewerbestatistik bestätigt den Aufschwung: 2025 entstanden 130.100 Betriebe größerer wirtschaftlicher Bedeutung, im ersten Halbjahr 2026 weitere 69.600, jeweils mehr als im Vorjahreszeitraum. Diese Zahlen dürfen jedoch nicht mit der KfW-Schätzung gleichgesetzt werden: Sie erfassen andere Einheiten und schließen Freiberufler teilweise aus. [Destatis 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_074_52311.html?nn=2110), [Destatis erstes Halbjahr 2026](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_287_52311.html) Der strukturelle Befund bleibt deshalb gemischt: - Die Gründungsbreite nimmt zu, aber Vollerwerb, Beschäftigung, Teamgründungen und Unternehmensübernahmen bleiben schwach. - Finanzierung ist nicht das häufigste Problem, aber das Problem mit der stärksten nachweisbaren Abbruchwirkung. - Bürokratie verhindert nicht jede Gründung, bindet nach dem Start jedoch ungewöhnlich viel Unternehmerzeit. - Dem großen Nachfolgewunsch vieler Eigentümer steht eine deutlich kleinere Zahl wirtschaftlich übernahmewürdiger Unternehmen gegenüber. - Im europäisch vergleichbaren Unternehmensregister lag Deutschlands Gründungsrate 2023 unter dem EU-Wert und die Schließungsrate über der Gründungsrate. Das Gründungsplus ist daher kein Beleg für einen bereits vollzogenen strukturellen Gründerboom. Das ist eine Schlussfolgerung aus der Zusammensetzung, keine direkt gemessene Kausalwirkung. ### 2. Definition und Abgrenzung Vier häufig vermischte Größen sind zu trennen: | Größe | Letzter Wert | Was wird gezählt? | |---|---:|---| | KfW-Existenzgründungen 2025 | 690.000 | Personen; Voll-/Nebenerwerb, Gewerbe/Freiberufler, Neugründung/Übernahme/Beteiligung | | Gewerbliche Neugründungen 2025 | 640.500 | Gewerbebetriebe; ohne die meisten freien Berufe | | Betriebsgründungen größerer Bedeutung 2025 | 130.100 | Rechtsform, Registereintrag, Beschäftigte oder Handwerkskarte signalisieren größere Substanz | | „Echte“ Unternehmensgründungen 2023 | rund 269.000 | Wirtschaftlich aktive Unternehmen nach europäischer Unternehmensdemografie | | Neue Start-ups 2025 | 3.568 | Engeres, innovations- und wachstumsorientiertes Segment; BMWE übernimmt Daten eines spezialisierten Beobachters | Gewerbeanmeldungen sind keine Gründungen: Die 762.400 Anmeldungen 2025 enthalten auch Übernahmen, Umwandlungen und Zuzüge. Ebenso sind Abmeldungen nicht sämtlich endgültige Marktaustritte. Nicht erneut gezählt werden die in Dossier EP behandelten allgemeinen Risiken der Solo-Selbstständigkeit. Hier zählt „solo“ nur als Merkmal der Gründungs- und Skalierungsstruktur. Minijobs, Teilzeitrecht und Plattformarbeit bleiben den Dossiers EO, EN und EP zugeordnet. ### 3. Teilprobleme Mindestens folgende eigenständige Problemlinien sind belegt: 1. Das Gründungsplus konzentriert sich auf den Nebenerwerb. 2. Vollerwerbsgründungen stagnieren. 3. Nur ein kleiner Teil der Nebenerwerbsgründungen wächst tatsächlich in den Vollerwerb. 4. Teamgründungen und Arbeitgebergründungen bleiben Minderheiten. 5. Die langfristige Präferenz für Selbstständigkeit ist stark gesunken. 6. Frauen sind besonders bei Vollerwerbsgründungen unterrepräsentiert. 7. Das hohe Gründungsinteresse von Menschen mit Einwanderungsgeschichte wird nicht vollständig ausgeschöpft. 8. Gründungen konzentrieren sich auf Dienstleistungen; kapitalintensive Produktion ist selten. 9. „Start-up“, „Existenzgründung“ und „Gewerbeanmeldung“ werden politisch und medial vermischt. 10. Kundengewinnung und tragfähige Gewinnerzielung sind zentrale Markteintrittsprobleme. 11. Bürokratie bindet erhebliche Arbeitszeit, besonders nach der ersten Einstellung. 12. Gründungsprozesse sind über Gewerbeamt, Finanzamt, Kammern, Register, Notariat und Fachgenehmigungen verteilt. 13. Finanzierungsschwierigkeiten erhöhen das Risiko eines Planabbruchs stark. 14. Kapitalbedarf wird häufig falsch geplant. 15. Kleine Kredite bleiben trotz Haftungsfreistellung vom Urteil einer Hausbank abhängig. 16. Überlebenswahrscheinlichkeiten unterscheiden sich massiv nach Branche. 17. Insolvenzen sind gestiegen, dürfen aber nicht mit Gründungsabbrüchen gleichgesetzt werden. 18. Unternehmensübernahmen machen nur 10 % der Existenzgründungen aus. 19. Nachfolgewünsche, geplante Stilllegungen und wirtschaftlich übernahmewürdige Betriebe driften auseinander. 20. Geeignete Nachfolger, Kaufpreise sowie steuerliche und rechtliche Komplexität erschweren Übergaben. 21. Regulierte Berufe weisen besondere Markteintrittshürden auf. 22. Eine amtliche, zusammenhängende Nachfolgestatistik fehlt. 23. Zahlreiche Förderprogramme bilden noch keinen einfachen, einheitlichen Zugang. 24. Politisch beschlossene Entlastungen sind bisher überwiegend Inputs oder erwartete Wirkungen, keine gemessenen Alltagsergebnisse. ### 4. Kennzahlen | Kennzahl | Wert | |---|---:| | KfW-Gründungen 2025 | 690.000 | | Gründungsintensität | 136 je 10.000 Menschen von 18–64 Jahren | | Nebenerwerb | 483.000 / 70 % | | Vollerwerb | 206.000 / 30 % | | Wechselabsicht Neben- zu Vollerwerb | 21 % | | Tatsächlicher Wechsel nach einem Jahr, langjährig | rund 8 % | | Unter 30 Jahre | 40 % | | Frauenanteil insgesamt / Vollerwerb | 35 % / 27 % | | Anteil mit Einwanderungsgeschichte | 34 %, gegenüber 28 % in der Vergleichsbevölkerung | | Digitale Angebote | 44 % | | Dienstleistungen | rund 70 % | | Sologründungen / Teamgründungen | 86 % / 14 % | | Gründungen mit Beschäftigten | 24 % | | Übernahmen / Beteiligungen | 10 % / rund 4 % | | Bürokratie als Hemmnis | 64 % | | Bürokratiezeit | Ø 5,1 Stunden/Woche, Median 3 | | Bürokratieanteil an der Arbeitszeit | Ø 25 %, Median 17 % | | Finanzierungsschwierigkeiten unter allen „Gründenden“ | 40 % | | Abbruchquote mit/ohne Finanzierungsschwierigkeiten | 64 % / 36 % | | Kapitalbedarf Voll-/Nebenerwerb, Median | 15.000 / 2.000 Euro | | Gewerbliche Neugründungen 2025 | 640.500 | | Größere Betriebsgründungen 2025 | 130.100 | | Größere Betriebsgründungen erstes Halbjahr 2026 | 69.600, +3,0 % | | Unternehmensinsolvenzen 2025 | 24.064, +10,3 % | | Gläubigerforderungen aus Insolvenzen | 47,9 Milliarden Euro | | Nachfolgewunsch bis Ende 2029, KfW | 545.000 KMU | | Geplante Stilllegungen bis Ende 2029, KfW | 569.000 KMU | | Übernahmewürdige und übergabereife Betriebe 2026–2030, IfM | 186.000 | Die durchschnittlichen 5,1 Bürokratiestunden entsprechen bei ganzjähriger Tätigkeit rechnerisch etwa 265 Stunden oder 33 Achtstundentagen. Das ist eine Annualisierung, keine gemessene Jahresgesamtsumme. ### 5. Historische Entwicklung 2002 verzeichnete die KfW noch etwa 1,5 Millionen Existenzgründungen. 2025 waren es trotz größerer Bevölkerung 690.000. Der Rückgang hängt unter anderem mit dem lange attraktiven Arbeitsmarkt, demografischer Alterung, Änderungen der Arbeitsmarkt- und Gründungsförderung sowie sinkender Selbstständigkeitspräferenz zusammen. Nur 26 % der Bevölkerung würden 2025 grundsätzlich eine Selbstständigkeit einer Anstellung vorziehen. Bei jüngeren Menschen sind es 36 %, doch selbst dieser Wert liegt deutlich unter den Präferenzen zu Beginn der 2000er-Jahre. Positiv sind die Verjüngung, die Digitalisierung und das jüngste Mengenwachstum. Negativ bleiben die Stagnation des Vollerwerbs und der langfristig schwache Übergang von Interesse und Nebenerwerb in tragfähige Hauptunternehmen. ### 6. Regionale Unterschiede Berlin und Hamburg weisen die höchste Selbstständigkeitspräferenz auf. 2024 lag sie bei 30 beziehungsweise 28 %. In den ostdeutschen Flächenländern ist sie meist niedriger; Alter, Wirtschaftsstruktur und geringere direkte Gründerkontakte erklären einen Teil, aber nicht die gesamte Differenz. Bei der Unternehmensnachfolge kehrt sich das Bild teilweise um: Das IfM schätzt für Niedersachsen rund 61 bevorstehende Übergaben je 1.000 Unternehmen, für Berlin nur etwa 40. Absolut entfallen die meisten Übergaben auf Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Ursache sind vor allem Branchen-, Alters- und Größenstrukturen, nicht allein unterschiedliche politische Qualität. [IfM-Nachfolgeschätzung](https://www.ifm-bonn.org/fileadmin/data/redaktion/publikationen/daten_und_fakten/dokumente/Daten-und-Fakten-37_2025.pdf) Förderkredite besitzen teilweise Regionalvorteile. Dennoch fehlen aktuelle, standardisierte Erfolgsquoten nach Region, Programm, Gründungstyp und Überlebensdauer. ### 7. Internationaler Vergleich Nach der europaweit harmonisierten Unternehmensdemografie wurden 2023 in Deutschland rund 8,4 % des Unternehmensbestands neu gegründet und 8,9 % geschlossen. EU-weit betrug die Gründungsrate 10,5 %, die vorläufige Schließungsrate 8,5 %. Deutschland gehörte damit zu den sieben EU-Staaten, in denen mehr Unternehmen verschwanden als neu entstanden. [Destatis-Unternehmensdemografie](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2025/PD25_46_p002.html), [Eurostat](https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/9350.pdf) Der OECD-Vergleich ist differenzierter: Deutschlands gesamter produktmarktregulatorischer Rahmen ist wettbewerbsfreundlicher als der OECD-Durchschnitt. Bei den administrativen Anforderungen an neue Unternehmen liegt Deutschland jedoch nur auf Rang 40 von 43 betrachteten Volkswirtschaften. Lizenzen und Genehmigungen schneiden dagegen vergleichsweise gut ab. Wirtschaftsprüfer beziehungsweise Buchhalter und Architekten sind strenger reguliert als im OECD-Mittel. [OECD PMR-Ländernotiz Deutschland](https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/topics/policy-sub-issues/product-market-regulation/Germany_PMR%20country%20note.pdf) Damit ist weder „Deutschland ist generell überreguliert“ noch „Regulierung ist kein Problem“ haltbar. Die Schwächen konzentrieren sich auf bestimmte Verfahren und Berufe. ### 8. Ursachen Belegt oder sehr plausibel sind: - attraktiver und sicherer erscheinende abhängige Beschäftigung; - schwache Konjunktur und unsichere Nachfrage; - hohe Lebenshaltungskosten als Motiv für zusätzliche Nebeneinkommen; - Kunden-, Preis- und Rentabilitätsrisiken; - fehlende Sicherheiten und Informationsasymmetrien zwischen Gründenden und Banken; - geringe Skalierbarkeit vieler kleinteiliger Dienstleistungsmodelle; - familienbezogene Zeit- und Einkommensrisiken; - fragmentierte Verwaltungszuständigkeiten; - geringe Zahl direkter Gründer- und Nachfolgerrollen im persönlichen Umfeld; - demografische Alterung der Unternehmerschaft; - Differenzen zwischen Verkäuferpreis und finanzierbarem Ertragswert; - sinkende Profitabilität eines Teils der zur Übergabe stehenden Betriebe. Nicht hinreichend belegt ist, welcher Anteil des jüngsten Nebenerwerbsanstiegs unmittelbar durch Inflation, Arbeitsmarktverschlechterung oder neue digitale Geschäftsmodelle verursacht wurde. ### 9. Verantwortung | Ebene | Hauptverantwortung | |---|---| | Bund | Steuer-, Gesellschafts-, Sozial-, Aufenthalts- und Förderrecht; KfW-/ERP-Rahmen; digitale Register | | Länder | Baurecht, Berufsrecht, Förderbanken, Verwaltungsorganisation, Hochschulgründungen | | Kommunen | Gewerbeanmeldung, Bau- und Fachgenehmigungen, lokale Wirtschaftsförderung | | EU | Beihilfe-, Finanzmarkt-, Binnenmarkt- und Datenregulierung | | Banken/KfW/Bürgschaftsbanken | Kreditprüfung, Haftungsfreistellung, Förderzugang | | Kammern und Berufsorganisationen | Beratung, Qualifikations- und teilweise Marktzugangsregeln | | Hochschulen/Forschungseinrichtungen | Ausgründungskultur, IP-Regeln, Transfer | | Eigentümer | rechtzeitige Nachfolgeplanung, realistische Bewertung, Investitionsfähigkeit | | Gründende | Marktprüfung, Finanz- und Liquiditätsplanung, Qualifikation | „Der Staat“ ist damit keine ausreichend genaue Verantwortungszuordnung. ### 10. Bereits getroffene Entscheidungen - Seit Dezember 2025 beträgt der Höchstbetrag des ERP-Gründerkredits StartGeld 200.000 Euro; die KfW übernimmt 80 % des Bankrisikos. Der Antrag läuft weiterhin über einen Finanzierungspartner. [KfW StartGeld](https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Gr%C3%BCnden-Nachfolgen/F%C3%B6rderprodukte/ERP-Gr%C3%BCnderkredit-Startgeld-%28067%29/) - 2025 wurden über StartGeld 3.507 Vorhaben mit 270,4 Millionen Euro zugesagt. Der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge erreichte 350 Vorhaben und 95,6 Millionen Euro. [KfW-Förderreport 2025](https://www.kfw.de/Presse-Newsroom/Pressematerial/F%C3%B6rderreport/KfW-F%C3%B6rderreport_2025.pdf) - Der Praxischeck „Einfach(er) gründen“ erarbeitete 44 Empfehlungen, unter anderem für dynamische Steuerformulare, schnellere Steuernummern und zentralisierte Gewerbeanmeldungen. Die Veröffentlichung einer Empfehlung ist noch keine Umsetzung. [BMWE-Praxischeck](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2024/12/20241216-praxischeck-einfacher-gruenden.html) - EXIST wurde Ende 2025 administrativ vereinfacht. Seit 2007 wurden rund 3.600 Vorhaben mit mehr als 840 Millionen Euro unterstützt; die Auswahl ist allerdings stark innovations- und hochschulorientiert. [BMWE zu EXIST](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2025/03/08-exist.html) - BMWE und EIF stellten 2026 zusätzliche 1,6 Milliarden Euro für technologieorientierte Fondsstrukturen bereit. Das hilft nicht automatisch typischen lokalen oder dienstleistungsorientierten Existenzgründungen. [EIF German Equity](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/01/20260113-bundeswirtschaftsministerium-und-eif-erweitern-start-up-finanzierung.html) ### 11. Direkte Kosten - Gründerkapital: 38 % kamen 2025 mit höchstens 1.000 Euro aus, 33 % benötigten 1.000 bis 10.000 Euro, 29 % mehr als 10.000 Euro und 9 % mindestens 50.000 Euro. - Planabweichungen: Nur 47 % realisierten den vorgesehenen Kapitalbetrag; 30 % benötigten mehr. - Förderkredite: StartGeld entsprach 2025 durchschnittlich rund 77.100 Euro je zugesagtem Vorhaben; der Nachfolgekredit rund 273.000 Euro. Das sind Kreditvolumen, keine staatlichen Nettoausgaben. - Insolvenzen: 2025 meldeten Gerichte 47,9 Milliarden Euro voraussichtliche Forderungen. Diese Summe betrifft alle Unternehmensalter und kann nicht Gründungen zugerechnet werden. [Destatis Insolvenzen 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_085_52411.html) - Verwaltungszeit: Im Mittel 5,1 Stunden pro Woche; mit Beschäftigten bis zu durchschnittlich 12,3 Stunden bei Vollerwerbsgründungen. Eine belastbare gesamtwirtschaftliche Eurobewertung liegt nicht vor. ### 12. Indirekte Kosten - entgangene Innovation, Beschäftigung und Wettbewerbsintensität durch abgebrochene, aber potenziell tragfähige Pläne; - langsamere Skalierung, wenn Unternehmerzeit in Verwaltung statt Vertrieb, Produktentwicklung und Personalführung fließt; - geringere Investitionen bei ungeklärter Nachfolge; - Verlust von Kundenbeziehungen, Fachwissen und Ausbildungsplätzen bei vermeidbaren Stilllegungen; - Ressourcenverluste bei überbewerteten oder nicht mehr rentablen Übernahmeobjekten; - soziale und gesundheitliche Belastung durch Einkommens-, Familien- und Abstiegsrisiken. Nicht jeder Planabbruch und nicht jede Stilllegung ist ein volkswirtschaftlicher Schaden. Unwirtschaftliche Projekte nicht zu realisieren ist ebenfalls eine produktive Auswahlfunktion. ### 13. Gewinner, Verlierer und Anreize Gewinner können etablierte Unternehmen mit geringem neuen Wettbewerbsdruck, spezialisierte Beratungs- und Verwaltungsdienstleister, erfolgreiche Unternehmensverkäufer sowie gut vernetzte technologieorientierte Start-ups sein. Benachteiligt sind kapitalarme Gründende, Personen ohne Bank- oder Beraternetzwerk, Gründerinnen im Vollerwerb, bestimmte regulierte Berufe, Nachfolger ohne ausreichendes Eigenkapital und kleine Betriebe, bei denen fixe Verwaltungsanforderungen einen hohen Umsatzanteil beanspruchen. Problematische Anreize entstehen durch: - sichere Anstellung gegenüber unvollständiger sozialer Absicherung; - Hausbankaufwand bei relativ kleinen Krediten; - späte Nachfolgeplanung und überhöhte Preisanker; - Förderprogramme mit unterschiedlichen Anträgen und Definitionen; - Regulierung, deren Fixkosten kleine Neueinsteiger stärker treffen als etablierte Unternehmen. ### 14. Gegenargumente - Das Gründungsplus 2025 und 2026 ist eindeutig positiv. - Nebenerwerb ist ein risikoarmer Markttest und nicht automatisch eine minderwertige Gründung. - 64 % Bürokratiebetroffenheit bedeutet nicht, dass Bürokratie bei 64 % die Gründung verhindert. Die KfW findet für Finanzierung eine deutlich höhere Abbruchwirkung. - Deutschland schneidet bei der gesamten OECD-Produktmarktregulierung besser als der Durchschnitt ab. - Die meisten Gründungen benötigen wenig Kapital; ein flächendeckender Kreditmangel lässt sich daraus nicht ableiten. - Ein höherer Unternehmensumschlag kann produktiven Strukturwandel anzeigen. - Genehmigungen, Steuererfassung, Arbeitsschutz und Qualifikationsregeln erfüllen legitime Schutzfunktionen. - Nicht jedes altersbedingt geschlossene Unternehmen ist übernahmewürdig. - EXIST-Ergebnisse und der jüngste VC-Anstieg zeigen, dass gezielte Förderung funktionieren kann; sie sind wegen starker Auswahl aber nicht auf alle Gründungen übertragbar. ### 15. Datenlücken 1. Keine einheitliche Verknüpfung von Person, Gewerbe, rechtlicher Einheit und statistischem Unternehmen. 2. Unternehmensdemografie erscheint mit erheblicher Verzögerung. 3. Keine amtliche vollständige Nachfolgestatistik. 4. Keine aktuelle branchenübergreifende Fünfjahresüberlebensrate mit Ursachenanalyse. 5. Kaum kausale Evaluation der 44 Praxischeck-Empfehlungen. 6. Fehlende Angaben zu Bearbeitungszeiten vom ersten Antrag bis zur Betriebsaufnahme. 7. Unzureichende Fördererfolgsdaten nach Geschlecht, Einwanderungsgeschichte, Region und Überlebensdauer. 8. Insolvenzen, freiwillige Aufgaben und Wechsel zurück in Beschäftigung werden öffentlich häufig vermischt. 9. Unbekannt ist, wie viele Nebenerwerbsgründungen bewusst dauerhaft klein bleiben. 10. Kaufpreiswunsch, tatsächlicher Transaktionspreis und Finanzierungsvolumen bei Nachfolgen sind nicht integriert beobachtbar. ### 16. Reformoptionen Prioritär erscheinen: 1. Ein bundesweiter digitaler Gründungsprozess mit einmaliger Dateneingabe für Gewerbeamt, Finanzamt, Kammern, Register und Statistik. 2. Verbindliche Bearbeitungsfristen, Statusanzeige und Eskalationsstelle. 3. Risikobasierte Anforderungen statt gleicher Fixpflichten für Kleinst- und Großunternehmen. 4. Automatische Übernahme bereits vorhandener Verwaltungsdaten. 5. Förderportal mit einheitlicher Vorprüfung und Weiterleitung an passende Programme. 6. Standardisierte kleine Finanzierung mit transparenter Begründung bei Ablehnung. 7. Ausbau eigenkapitalähnlicher Instrumente neben Bankkrediten. 8. Spezifischer Übergangspfad vom Neben- in den Vollerwerb. 9. Nachfolgecheck ab einem bestimmten Inhaberalter, ohne Verkaufszwang. 10. Neutrale Ertragswert-, Due-Diligence- und Finanzierungsberatung für Übergeber und Nachfolger. 11. Transparente regionale Nachfolgebörsen mit interoperablen Daten. 12. Überprüfung beruflicher Marktzugangsregeln auf Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit. 13. Kohortenstatistik von Gründung bis Aufgabe, Übernahme oder Wachstum. 14. Erfolgsmes … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)