Dossier M

Öffentliche Geldflüsse Deutschlands ins Ausland

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# Dossier M – Öffentliche Geldflüsse Deutschlands ins Ausland

## 1. Kernaussage

Es gibt keine seriöse Einzelzahl dafür, wie viel Geld Deutschland jährlich „ins Ausland verschenkt“. Unter dieser Überschrift werden wirtschaftlich völlig verschiedene Vorgänge vermischt:

- echte, nicht rückzahlbare Zuschüsse,
- Pflichtbeiträge an EU und internationale Organisationen,
- rückzahlbare Kredite,
- Beteiligungen mit Vermögenswert,
- Garantien ohne unmittelbaren Zahlungsabfluss,
- mehrjährige Zusagen,
- Sach- und Waffenlieferungen,
- Ausgaben für Geflüchtete oder Studierende innerhalb Deutschlands,
- sowie rein private Überweisungen.

Die zentrale Schwäche ist deshalb weniger ein nachweislos zu hoher Gesamtbetrag als eine unzureichend konsolidierte Berichterstattung. Der Bundesrechnungshof stellte für 2022 Bundesbeiträge von 8,7 Mrd. € an internationale Organisationen fest; die Bundesregierung hatte davon nur 6,8 Mrd. € zentral erfasst. Ein vollständiger Überblick fehlt trotz Beanstandungen seit 2004. [Bundesrechnungshof](https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/bemerkungen-2024-hauptband.html)

## 2. Definition und Abgrenzung

Für dieses Dossier werden Geldflüsse nach ihrem wirtschaftlichen Gehalt getrennt:

| Instrument | Wirtschaftliche Bedeutung |
|---|---|
| Zuschuss/Schenkung | endgültige Haushaltsausgabe ohne Rückzahlungsanspruch |
| Pflichtbeitrag | vertraglich oder institutionell geschuldete Zahlung |
| Kredit | Auszahlung gegen Rückzahlungsforderung |
| Schenkungsäquivalent | statistischer Wert der vergünstigten Kreditkonditionen, nicht der ausgezahlte Kreditbetrag |
| Beteiligung | Erwerb eines Vermögenswertes mit Gewinn- und Verlustrisiko |
| Garantie/Bürgschaft | zunächst nur Eventualverbindlichkeit; Ausgabe erst im Schadensfall |
| Sachleistung | Übertragung von Material; Wert hängt von Buch-, Zeit- oder Wiederbeschaffungswert ab |
| Verpflichtungsermächtigung | Erlaubnis für künftige Verträge, noch keine aktuelle Auszahlung |
| mobilisiertes Privatkapital | Geld privater Investoren, kein deutsches Steuergeld |
| Inlandskosten in der ODA | deutsche Ausgaben für anrechenbare Geflüchtete oder Studierende in Deutschland |
| private Rücküberweisung | Verfügung privater Haushalte über ihr eigenes Einkommen |

Bilateral bedeutet zudem nicht automatisch „an eine ausländische Regierung“: Bilaterale ODA kann über GIZ, KfW, UN-Organisationen, NGOs, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen laufen.

## 3. Unterprobleme

1. Es fehlt ein staatliches Gesamtkonto aller internationalen Beiträge und Instrumente.
2. Beim EU-Haushalt werden Bruttobeitrag, Rückflüsse, Nettosaldo und schuldenfinanzierte EU-Mittel vermischt.
3. ODA wird fälschlich mit tatsächlich ins Ausland überwiesenem Steuergeld gleichgesetzt.
4. ODA enthält erhebliche Ausgaben innerhalb Deutschlands.
5. Zusagen, Auszahlungen und Schenkungsäquivalente werden nicht konsequent getrennt.
6. Klimafinanzierung überschneidet sich weitgehend mit ODA und enthält Kredite sowie Privatkapital.
7. Kernbeiträge und zweckgebundene Zahlungen an UN-Organisationen werden gemeinsam kommuniziert.
8. Entwicklungsmittel erreichen die ärmsten Länder nur teilweise.
9. Humanitäre Hilfe schwankt stark und wird häufig kurzfristig gekürzt.
10. Garantierahmen werden politisch wie tatsächliche Ausgaben behandelt.
11. Schuldenerlass, Zahlungsaufschub und Umschuldung werden sprachlich vermischt.
12. Militärhilfe kombiniert Ausgaben, Sachabgaben, Ausbildung und künftige Verpflichtungen.
13. Kosten deutscher Durchführungsorganisationen und nachgelagerter Intermediäre sind schwer zusammenzuführen.
14. Private Heimatüberweisungen werden zu Unrecht als staatlicher Geldabfluss dargestellt.

## 4. Kennzahlen

### Das belastbare Größenbild

| Kategorie | Aktueller Wert | Richtige Interpretation |
|---|---:|---|
| Nationale EU-Beiträge Deutschlands 2024 | 27,39 Mrd. € | laufende Beitragszahlung, ohne Zölle |
| Für die EU erhobene Zölle 2024 | 4,02 Mrd. € | traditionelle EU-Eigenmittel |
| Deutschland zugeordnete reguläre EU-Ausgaben 2024 | 12,62 Mrd. € | Rückflüsse aus dem regulären Haushalt |
| NextGenerationEU-Zuordnung 2024 | 15,22 Mrd. € | überwiegend schuldenfinanzierte EU-Aufbaumittel |
| standardisierter deutscher EU-Nettosaldo 2024 | –13,1 Mrd. € | rund –0,3 % des BIP beziehungsweise etwa 157 € je Einwohner |
| deutsche ODA 2024 | rund 30 Mrd. € / 32,83 Mrd. US-$ | statistisches Zuschussäquivalent, 0,68 % des BNE |
| vorläufige ODA 2025 | rund 26 Mrd. € / 29,1 Mrd. US-$ | 0,56 % des BNE; real –17,4 % |
| ODA-Inlandskosten für Geflüchtete 2024 | 6,3 Mrd. US-$ | 21,6 % der bilateralen Brutto-ODA; kein Auslandsabfluss |
| humanitäre Hilfe des AA 2024 | 2,26 Mrd. € | weitgehend ODA-Bestandteil |
| humanitäre Hilfe des AA 2025 | 1,06 Mrd. € | gegenüber 2022 um rund zwei Drittel gesunken |
| internationale Klimafinanzierung 2024 | 11,8 Mrd. € | davon nur 6,11 Mrd. € Haushalts-/Schenkungsäquivalentmittel |
| Beiträge an internationale Organisationen 2022 | 8,7 Mrd. € | überschneidet sich mit ODA und UN-Zahlungen |
| deutsche IDA-21-Zusage | 1,62 Mrd. € | mehrjährige Zusage, keine Einmalzahlung |
| neue Exportkreditgarantien 2024 | 17,2 Mrd. € | abgesichertes Exportvolumen, keine Ausgabe |
| Ausgaben für internationale Bundeswehreinsätze 2025 | 460 Mio. € | nur einsatzbedingte Zusatzkosten |
| Ukraine-Unterstützung bis Ende 2025 | 39 Mrd. € zivil; 55 Mrd. € militärisch | Mischsummen aus geleisteten und künftigen Mitteln, Inlandskosten, Garantien und Sachwerten |
| deutsche Schuldenerlasse an Entwicklungsländer, kumuliert | 21,67 Mrd. € | historischer Gesamtbestand bis Ende 2025 |
| Heimatüberweisungen privater Haushalte 2024 | netto 7,734 Mrd. € | privates Einkommen, kein Steuergeld |

Die EU-Werte wurden direkt im offiziellen Arbeitsbuch der Europäischen Kommission abgeglichen. Der Nettosaldo darf nicht einfach um sämtliche NextGenerationEU-Zuflüsse „verbessert“ werden, weil diese durch gemeinsame EU-Schulden finanziert sind und später bedient werden müssen. [EU-Kommission](https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/eu-budget/long-term-eu-budget/2021-2027/spending-and-revenue_en), [BMF zu den 13,5 Mrd. € ARF-Auszahlung](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2024/12/2024-12-23-aufbau-und-resilienzfazilitaet.html), [Nettosaldo-Auswertung](https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/europa/70580/nettozahler-und-nettoempfaenger-in-der-eu/)

## 5. Historische Entwicklung

- 1961 wurde das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gegründet.
- Das internationale 0,7-%-Ziel für Entwicklungshilfe entwickelte sich ab Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre.
- Seit 1988 dürfen bestimmte Studienplatz- und Flüchtlingskosten in Geberländern als ODA gelten.
- Seit den 1990er-Jahren wurden multilaterale Fonds, Klimaprogramme und Entschuldungsinitiativen ausgeweitet.
- Deutschland forcierte 1999 beim Kölner G7-Gipfel die erweiterte HIPC-Entschuldung.
- Von 2012 bis 2014 zahlte Deutschland 21,7 Mrd. € Kapital in den ESM ein.
- Seit 2018 wird die ODA-Gesamtsumme auf Basis von Schenkungsäquivalenten ausgewiesen.
- Ab 2020 erhöhten Pandemieprogramme, EU-Wiederaufbaufonds und Flüchtlingskosten die berichteten internationalen Leistungen.
- Seit 2022 dominiert die Ukraine-Unterstützung Teile der zivilen und militärischen Auslandsfinanzierung.
- Nach Höchstständen 2022/23 wurden Entwicklungs- und humanitäre Budgets deutlich reduziert.

## 6. Regionale Verteilung

Die bilaterale deutsche ODA 2024 entfiel unter anderem auf:

- Afrika: 5,5 Mrd. US-$,
- Asien ohne Nahost: 4,3 Mrd. US-$,
- Lateinamerika und Karibik: 2,6 Mrd. US-$.

Allerdings waren 51,6 % der bilateralen Brutto-ODA keinem einzelnen Empfängerland zugeordnet. Ein großer Teil davon bestand aus Flüchtlingskosten in Deutschland. Sämtliche zehn größten individuellen Empfängerländer waren Länder mit mittlerem Einkommen. Die am wenigsten entwickelten Länder erhielten 2,3 Mrd. US-$ beziehungsweise nur 7,8 % der bilateralen Brutto-ODA. [OECD-Länderprofil Deutschland](https://www.oecd.org/en/publications/development-co-operation-profiles_04b376d7-en/germany_460a37b1-en.html)

Innerhalb Deutschlands führen EU-Mittel wiederum zu sehr unterschiedlichen regionalen Rückflüssen, etwa über Agrar-, Struktur-, Forschungs- und Wiederaufbauprogramme. Diese Rückflüsse sind nicht identisch mit dem volkswirtschaftlichen Nutzen der EU-Mitgliedschaft.

## 7. Internationaler Vergleich

Deutschland war 2025 mit vorläufig 29,1 Mrd. US-$ erstmals größter ODA-Geber nach Volumen, lag mit 0,56 % des BNE aber nur auf Rang sechs. Der Rangwechsel beruhte auch auf dem besonders starken Einbruch der US-amerikanischen Entwicklungshilfe. [OECD 2025](https://www.oecd.org/en/about/news/press-releases/2026/04/international-aid-fell-sharply-in-2025-says-oecd.html)

2024 lag Deutschland mit 0,68 % knapp unter dem 0,7-%-Ziel. Für die ärmsten Länder erreichte es nur 0,09 % des BNE und verfehlte damit das Ziel von 0,15 bis 0,20 %.

Bei den UN-Pflichtbeiträgen beträgt Deutschlands Anteil 2025–2027 5,692 %. Der reguläre UN-Haushalt 2025 lag bei knapp 3,75 Mrd. US-$; für Friedensmissionen waren rund 5,6 Mrd. US-$ vorgesehen. [Auswärtiges Amt](https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/regelbasierte-internationale-ordnung/uno/01-grundlagen-uno/01-haushalt-uno-274848), [UN-Beitragsschlüssel](https://peacekeeping.un.org/sites/default/files/scale_of_assessments_for_the_apportionment_of_the_expenses_of_un_peacekeeping_operations_1_january_2025_to_31_december_2027.pdf)

## 8. Ursachen

- Internationale Verträge und Mitgliedschaften erzeugen Pflichtbeiträge.
- Deutschlands Wirtschaftsgröße führt zu hohen EU-, UN-, IWF- und ESM-Anteilen.
- Außen-, Sicherheits-, Klima-, Handels- und Entwicklungspolitik verwenden überlappende Programme.
- Die OECD-Regeln messen den Subventionswert vergünstigter Finanzierungen und nicht nur Kassenbewegungen.
- Jedes Ressort berichtet entlang seiner eigenen Haushalts- und Fachlogik.
- Mehrjährige Programme erfordern Verpflichtungen lange vor der tatsächlichen Auszahlung.
- Politische Kommunikation bevorzugt große Gesamtzahlen, obwohl diese unterschiedliche Bewertungsarten enthalten.
- Krisen wie Pandemie, Fluchtbewegungen und Ukrainekrieg verschieben Programme kurzfristig.
- Durchführungsorganisationen und internationale Fonds bündeln Gelder verschiedener Geber.
- Ergebnisdaten werden oft später und nach anderen Kriterien erhoben als Finanzdaten.

## 9. Verantwortlichkeiten

- Der Bundestag beschließt Haushaltsmittel, Verpflichtungsermächtigungen, Garantierahmen und Bundeswehreinsätze.
- Das BMF verantwortet EU-Finanzierung, IWF, ESM, internationale Finanzarchitektur und Teile der Ukrainehilfe.
- Das BMZ steuert den größten Teil der Entwicklungszusammenarbeit.
- Das Auswärtige Amt verantwortet humanitäre Hilfe, UN-Politik, Stabilisierung und Pflichtbeiträge.
- Das Verteidigungsministerium verantwortet militärische Unterstützung, Materialbewertung, Ausbildung und Einsätze.
- Das Wirtschaftsministerium verantwortet Export- und Investitionsgarantien.
- KfW, DEG und GIZ setzen Finanzierungen und Projekte um.
- OECD und EU definieren wichtige Berichts- und Anrechnungsvorschriften.
- Empfängerregierungen, multilaterale Organisationen und Projektträger sind für Verwendung und lokale Kontrolle mitverantwortlich.
- Der Bundesrechnungshof, Evaluierungsinstitute und Parlamente kontrollieren Wirtschaftlichkeit und Zielerreichung.

## 10. Politische Entscheidungen

Besonders folgenreich waren:

- das Festhalten am 0,7-%-ODA-Ziel,
- die Anrechnung von Inlandskosten,
- die Verwendung der Schenkungsäquivalentmethode,
- Deutschlands Beteiligung an EU-Wiederaufbauschulden,
- die Klimafinanzierungszusage von mindestens 6 Mrd. € Haushaltsmitteln jährlich,
- die Reduzierung der Entwicklungs- und humanitären Etats ab 2024,
- die IDA-21-Zusage von 1,62 Mrd. €,
- weitreichende Ukraine-Verpflichtungsermächtigungen,
- die Bereitstellung von Bundeswehrmaterial nach Wiederbeschaffungswert,
- die Übernahme von Export- und Investitionsrisiken,
- sowie historische Schuldenerlasse.

## 11. Direkte Kosten

Eine additive Gesamtsumme wäre wegen der Überschneidungen unseriös. Als echte laufende Belastungen kommen insbesondere in Betracht:

- EU-Nettobeitrag statt Bruttobeitrag,
- tatsächlich ausgezahlte Zuschüsse,
- Pflicht- und freiwillige Beiträge,
- Verwaltung, Personal und Beschaffung,
- realisierte Garantieschäden,
- abgeschriebene Forderungen,
- Materialabgaben zu einer konsistenten Bewertungsmethode,
- einsatzbedingte Mehrkosten.

2024 betrug die deutsche ODA rund 30 Mrd. € beziehungsweise grob 360 € je Einwohner. Diese Zahl darf aber nicht als „30 Mrd. € ins Ausland überwiesen“ interpretiert werden: Sie enthält Inlandskosten, Schenkungsäquivalente und sich überschneidende multilaterale Beiträge.

Die humanitären Ausgaben des Auswärtigen Amts gingen von 3,28 Mrd. € 2022 über 2,72 Mrd. € 2023 und 2,26 Mrd. € 2024 auf 1,06 Mrd. € 2025 zurück. [Bundesregierungsbericht 2022–2025](https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2774746/8540a39d90bf951d17222a5b165050bb/huhi2022-2025-data.pdf)

## 12. Indirekte Kosten und Risiken

- spätere EU-Schuldendienstanteile für NextGenerationEU,
- Ausfallrisiken bei KfW-, DEG- und multilateralen Krediten,
- abrufbares ESM-Kapital,
- Garantieschäden,
- Wiederbeschaffung abgegebener Bundeswehrbestände,
- Wechselkursrisiken,
- Verwaltungskosten langer Förderketten,
- Opportunitätskosten gegenüber inländischen Ausgaben,
- geopolitische Abhängigkeiten,
- Reputationskosten bei abrupten Kürzungen.

Deutschland hält beim IWF eine Quote von 5,6 % beziehungsweise rund 33,2 Mrd. €. Diese ist eine Reserve- und Beteiligungsposition, keine verlorene Entwicklungsausgabe. [BMF zum IWF](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/Internationale_Finanzpolitik/Internationaler_Waehrungsfonds/ueber-den-iwf.html)

Beim ESM sind 21,7 Mrd. € eingezahlt; weitere 167,8 Mrd. € sind abrufbares Kapital. Die Einzahlung erfolgte bereits 2012–2014 und darf nicht als heutiger jährlicher Auslandsabfluss verbucht werden. [BMF zum ESM](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Europa/Stabilisierung-Euroraum/europaeische-finanzhilfen-im-ueberblick-pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=14)

## 13. Gewinner, Verlierer und Anreize

Profiteure können sein:

- Menschen in Krisen- und Armutsregionen,
- Empfängerstaaten und lokale öffentliche Einrichtungen,
- deutsche und internationale Durchführungsorganisationen,
- UN-Organisationen und Entwicklungsbanken,
- deutsche Exporteure und Banken,
- Rüstungsunternehmen,
- Beratungs-, Bau-, Logistik- und Prüfunternehmen,
- sowie Deutschland selbst durch Stabilität, Klimaschutz, offene Märkte und politische Kooperation.

Belastet werden Steuerzahler, künftige Haushalte und – bei ineffizienten Programmen – alternative inländische oder ausländische Verwendungszwecke.

Problematische Anreize entstehen, wenn Ressorts hohe Zusage- und Mobilisierungszahlen hervorheben, Rückzahlungen oder Inlandskosten aber wenig sichtbar bleiben. Empfänger und Intermediäre haben zudem Anreize, Projekte entlang von Gebermarkern wie Klima oder Gleichstellung mehrfach politisch anschlussfähig zu machen.

## 14. Gegenargumente und Bewertung

**„Deutschland sollte zuerst seine eigenen Probleme lösen.“**  
Legitimer Prioritätseinwand. Allerdings schützen bestimmte Ausgaben auch deutsche Interessen – etwa Stabilität, Klima, Handelswege, Pandemievorsorge oder Bündnissicherheit. Er ersetzt keine Wirksamkeitsprüfung.

**„Entwicklungshilfe verhindert Migration und Terrorismus.“**  
Plausibel bei geeigneten Programmen, aber nicht automatisch nachweisbar. Kurzfristig kann wirtschaftliche Entwicklung Migration sogar erleichtern. Wirkungen sind projekt- und kontextabhängig.

**„Alles sind Geschenke an korrupte Regierungen.“**  
Falsch. Viele Mittel laufen über multilaterale Organisationen, Projektträger oder Kredite. Korruptions- und Fehlsteuerungsrisiken bestehen dennoch.

**„Kredite kosten den Steuerzahler nichts.“**  
Ebenfalls zu pauschal. Es bleiben Zinsverbilligung, Ausfall-, Währungs- und Verwaltungskosten. Die KfW berichtet aber, dass 2023 94 % der fälligen Zahlungen aus Haushaltsmitteldarlehen pünktlich geleistet wurden; bei mehr als 40 Mrd. € ausstehenden kapitalmarktfinanzierten Krediten habe es nur einen Ausfall von gut 8 Mio. € gegeben. [KfW](https://www.kfw-entwicklungsbank.de/%C3%9Cber-uns/News/News-Details_793408.html)

**„Garantien sind genauso teuer wie Zuschüsse.“**  
Nein. 2024 wurden 17,2 Mrd. € Exportgeschäfte abgesichert, aber 1,22 Mrd. € Entschädigungen ausgezahlt. Das Jahresdefizit betrug 524 Mio. €; kumuliert erzielte das Instrument seit Einführung rund 8 Mrd. € Überschuss. [Jahresbericht Exportkreditgarantien](https://www.exportkreditgarantien.de/_Resources/Persistent/a/6/4/4/a64488cd2c5f9e715baa7f3a97f0f77844fec669/jb-2024.pdf)

## 15. Datenlücken

- Kein aktuelles, ressortübergreifendes Gesamtregister internationaler Zahlungen.
- Keine durchgehende Verbindung von Zusage, Vertrag, Auszahlung, Empfänger, Endempfänger und Ergebnis.
- Unterschiedliche Bewertung militärischer Sachabgaben.
- Unzureichende Trennung von Ausgaben in Deutschland und tatsächlichen Auslandsabflüssen.
- Kein einheitliches öffentliches Garantierisikokonto.
- Keine vollständige jährliche Übersicht direkter Zahlungen an ausländische Regierungen.
- Unvollständige Darstellung von Rückflüssen, Zinsen und Tilgungen.
- Unklare Periodisierung bei Zahlungen kurz vor dem Jahresende.
- Mobilisiertes Privatkapital ist methodisch nur begrenzt vergleichbar.
- Wirkungsmessung erfolgt häufig anhand modellierter Reichweiten statt langfristiger Ergebnisse.
- Informelle private Rücküberweisungen sind statistisch schwer erfassbar.

## 16. Reformen

1. Einführung eines öffentlichen „Internationalen Finanzierungsregisters“ des Bundes.
2. Jede Position nach Zuschuss, Kredit, Beteiligung, Garantie, Sachleistung und Pflichtbeitrag kennzeichnen.
3. Zusage, Vertrag, Auszahlung und Rückzahlung separat ausweisen.
4. Empfängerland, erster Intermediär und Endempfänger soweit rechtlich möglich verknüpfen.
5. Inlandskosten in jeder ODA-Gesamtdarstellung sichtbar abziehen.
6. Brutto- und Nettowerte sowie Haushalts- und Marktmittel parallel darstellen.
7. Klimamarker nicht als additive Finanzierungskategorie präsentieren.
8. Militärmaterial einheitlich mit Buch-, Zeit- und Wiederbeschaffungswert ausweisen.
9. Garantiebestand, erwarteten Verlust, Entschädigungen und Rückflüsse offenlegen.
10. Ergebnisse mit unabhängigen Evaluationen und Abbruchquoten verknüpfen.
11. Mehr Mittel direkt beziehungsweise über höchstens einen Intermediär an lokale Akteure geben.
12. Periodische Ausgabenüberprüfungen mit Fortführung, Änderung oder Beendigung jedes größeren Programms.
13. Bundestagsberichte maschinenlesbar und ressortübergreifend standardisieren.
14. Private Rücküberweisungen konsequent außerhalb staatlicher Ausgabenstatistiken behandeln.

## 17. Reformhindernisse

- Ressorthoheit und unterschiedliche IT-Systeme,
- internationale Geheimhaltungs- und Datenschutzregeln,
- komplexe Mehrgeberfonds,
- politische Interessen an möglichst hohen Leistungszahlen,
- unterschiedliche Währungen und Berichtsperioden,
- lange Projektlaufzeiten,
- schwer messbare Präventionswirkungen,
- Sicherheitsinteressen bei Militärhilfe,
- kommerzielle Vertraulichkeit bei Garantien und Beschaffungen,
- wechselnde OECD-, EU- und Klimaberichtsregeln,
- sowie Widerstand von Organisationen gegen einheitliche Kosten- und Ergebnisvergleiche.

## 18. Vollständige Quellenliste

- [EU-Kommission: EU spending and revenue 2021–2027](https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/eu-budget/long-term-eu-budget/2021-2027/spending-and-revenue_en)
- [BMF: EU-Haushalt](https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Europa/EU_Haushalt/eu_haushalt.html)
- [BMF: 13,5 Mrd. € aus der Aufbau- und Resilienzfazilität](http
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