Dossier FH
Justiz und Rechtsstaat
Kernergebnis: Der Rechtsstaat funktioniert weiterhin und erledigt jährlich Millionen Verfahren. Der messbare Engpass liegt nicht in einem allgemeinen Zusammenbruch, sondern in ungleicher Belastung: besonders bei staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, einzelnen Verwaltungs- und Familienverfahren, digitaler Umstellung sowie dem Zugang zum Recht. Ende 2024 erreichte der Bestand offener staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen mit 950.900 Verfahren den Höchstwert der Zeitreihe.
Status: [F] amtlich belegt · [P] Projektion · [I] plausible Folgerung · [O] offen bzw. unzureichend vergleichbar.
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## Dossier FH — Justiz und Rechtsstaat **Kernergebnis:** Der Rechtsstaat funktioniert weiterhin und erledigt jährlich Millionen Verfahren. Der messbare Engpass liegt nicht in einem allgemeinen Zusammenbruch, sondern in ungleicher Belastung: besonders bei staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, einzelnen Verwaltungs- und Familienverfahren, digitaler Umstellung sowie dem Zugang zum Recht. Ende 2024 erreichte der Bestand offener staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen mit **950.900 Verfahren** den Höchstwert der Zeitreihe. **Status:** [F] amtlich belegt · [P] Projektion · [I] plausible Folgerung · [O] offen bzw. unzureichend vergleichbar. ### 1. Kernbefund - [F] 2024 gingen bei Staatsanwaltschaften 5,49 Mio. Ermittlungsverfahren ein, während 5,46 Mio. erledigt wurden. Der offene Bestand stieg auf 950.900 Verfahren. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_360_2421.html) - [F] Die Belastung ist gerichtsartenspezifisch: Verwaltungsgerichte verzeichneten 2024 rund 198.000 neue Hauptsacheverfahren, etwa hälftig in Asyl- und allgemeinen Kammern. [Destatis](https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEAusgabe_derivate_00001778/WISTA_5_2025_akt21102025.pdf) - [F] Die elektronische Aktenführung für neu angelegte Gerichtsakten ist seit 1. Januar 2026 verpflichtend. Das ist eine notwendige Modernisierung, erzeugt aber Übergangs-, Schulungs- und Betriebslasten. [BMJ](https://www.bmj.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/0306_Weitere_Digitalisierung_Justiz.html) - [F] 2024 wurden 632.115 Personen rechtskräftig verurteilt; 80 % erhielten eine Geldstrafe. Das widerspricht der Vorstellung, Strafjustiz bestehe überwiegend aus Freiheitsstrafen. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_452_24311.html) ### 2. Definition und Abgrenzung Dieses Dossier behandelt Gerichte, Staatsanwaltschaften, Justizverwaltung, Vollzug, Zugang zum Recht und Opferschutz. Nicht enthalten sind die Entwicklung der registrierten Kriminalität, Polizeiarbeit, Extremismus oder Nachrichtendienste; diese folgen im Sicherheitsdossier. Ein offenes Verfahren ist nicht automatisch ein rechtsstaatlicher Mangel: Viele Verfahren befinden sich regulär in Bearbeitung. Kritisch wird der Bestand, wenn Zugänge, Erledigungen, Dauer und Personal dauerhaft auseinanderlaufen oder zeitkritische Rechte nicht wirksam durchsetzbar sind. ### 3. Teilprobleme 1. Wachsende Ermittlungsbestände 2. Unterschiedliche Verfahrensdauer nach Gerichtszweig und Land 3. Personalkapazität und Nachwuchs 4. Komplexere digitale Beweismittel 5. E-Akte-Umstellung und Altakten 6. Uneinheitlicher digitaler Zugang für Bürger/innen 7. Zugang zu Beratung und Prozesskostenhilfe 8. Klein- und Massenschäden im Zivilrecht 9. Verwaltungsgerichte unter wechselnder Sonderlast 10. Familienverfahren mit hoher Zeitkritik 11. Opferschutz und Information im Verfahren 12. Zeugen- und Sachverständigenmanagement 13. Vollstreckung rechtskräftiger Entscheidungen 14. Justizvollzug, Behandlung und Resozialisierung 15. Bewährungshilfe und Nachsorge 16. Qualitäts- und Leistungsdaten 17. Verständlichkeit von Recht und Verfahren 18. Föderale IT- und Beschaffungsstrukturen 19. Rechtsstaatliche Beschleunigung ohne Rechtsschutzverlust 20. Finanzierungs- und Verantwortungsfragen ### 4. Messbild | Indikator | Befund | |---|---:| | Neue staatsanwaltschaftliche Ermittlungen 2024 | 5,49 Mio. | | Erledigte Ermittlungen 2024 | 5,46 Mio. | | Offene Ermittlungen Ende 2024 | 950.900 | | Anteil eingestellter Ermittlungsverfahren 2024 | rund 60 % | | Neue verwaltungsgerichtliche Hauptverfahren 2024 | rund 198.000 | | Erledigte Hauptverfahren Verwaltungsgerichte 2024 | 172.417 | | Offene Familiensachen am Amtsgericht, Ende 2024 | 320.092 | | Rechtskräftige Verurteilungen 2024 | 632.115 | | Geldstrafenanteil | 80 % | | Strafgefangene laut Destatis-Themenseite | 44.232 | | Beschäftigte im Bereich Rechtsschutz 2024 | rund 126.000 Beamt/innen, Richter/innen und Soldat/innen; nicht gleich Gesamtpersonal | | Elektronische Akte | Pflicht für neue Akten seit 1.1.2026 | Quellen: [Staatsanwaltschaften](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_360_2421.html), [Verwaltungsgerichte](https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEAusgabe_derivate_00001778/WISTA_5_2025_akt21102025.pdf), [Familiensachen](https://genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/24241/table/24241-0002), [Personal](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N027_741.html). ### 5. Entwicklung - [F] Der Bestand offener Ermittlungsverfahren stieg seit 2020 von 709.400 auf 950.900 Ende 2024, also um 34 %. - [F] Die Eingänge 2024 sanken leicht, aber die Erledigungen sanken ebenfalls; deshalb wuchs der Bestand weiter. - [F] Teillegalisierung von Cannabis veränderte 2024 das Verfahrensaufkommen im Betäubungsmittelbereich erheblich. Vergleich mit Vorjahren ist dort nur eingeschränkt möglich. - [F] Verwaltungsgerichte haben wieder hohe Eingangszahlen; asylrechtliche und allgemeine Kammern waren 2024 ähnlich stark betroffen. - [F] Die Justiz digitalisiert verbindlich, aber bürgernahe Online-Verfahren befinden sich vielfach noch in Pilotierung. ### 6. Regionale Lage - [F] Die Geschäftsstatistiken zeigen deutliche Länder- und Gerichtszweigunterschiede. - [I] Ein Personalzuwachs oder Rückgang auf Bundesebene lässt nicht erkennen, ob Fachlichkeit, Verfahrensarten, IT, regionale Fallzahlen und Altersabgänge lokal ausreichen. - [I] Großstadtgerichte, Asylkammern, wirtschaftsstarke Regionen und familiengerichtlich belastete Bezirke stehen vor verschiedenen Anforderungen. - [O] Einheitlich veröffentlichte Daten zu tatsächlichen Wartezeiten auf Termine, Sitzungsausfällen, IT-Störungen und Vollstreckungsdauer fehlen. ### 7. Internationale Einordnung - [F] Deutschland lag im EU-Vergleich bei streitigen Zivil- und Handelssachen laut EU-Justizbarometer 2024 auf Basis von Daten 2022 mit 241 Tagen bei der Verfahrensdauer im europäischen Vergleich günstig; Verwaltungsverfahren lagen mit 408 Tagen deutlich höher. [EU-Kommission](https://economy-finance.ec.europa.eu/document/download/0826d6c6-4c97-44be-8b9e-1a0b5c4361c8_en?filename=SWD_2024_605_1_EN_Germany.pdf) - [I] Der internationale Vergleich relativiert pauschale Krisenbehauptungen, ersetzt aber keine Betrachtung zeitkritischer Verfahren oder regionaler Überlastung. - [I] Digitalisierung kann Zugang und Geschwindigkeit verbessern, muss aber Verfahrensfairness, Barrierefreiheit und IT-Sicherheit gewährleisten. ### 8. Ursachen - Unterschiedliche Fallzahlen, Verfahrenskomplexität und Rechtsänderungen. - Digitale Beweismittel, internationale Sachverhalte und umfangreiche Akten erhöhen Bearbeitungsaufwand. - Mehrere Länder-IT-Systeme, Beschaffung und Datenschutz erschweren einheitliche Lösungen. - Personallücken entstehen nicht nur durch Richter/innen und Staatsanwält/innen, sondern auch durch Geschäftsstellen, Rechtspfleger/innen, IT und Vollzug. - Rechtsberatung und prozessuale Anforderungen können besonders bei kleinen Streitwerten abschrecken. - Zeitkritische Familien- und Schutzverfahren benötigen spezialisierte Kapazitäten, nicht nur mehr allgemeine Bearbeitung. ### 9. Verantwortung | Akteur | Hauptaufgabe | |---|---| | Länder | Gerichte, Staatsanwaltschaften, Justizvollzug, Personal, Gebäude, Justiz-IT | | Bund | Prozessrecht, Strafrecht, Bundesgerichte, Bundesamt für Justiz, Rahmengesetze | | Gerichte | unabhängige Entscheidung und Verfahrensleitung | | Staatsanwaltschaften | Leitung strafrechtlicher Ermittlungen, Anklage, Einstellung | | Polizei / Ermittlungsbehörden | Ermittlung und Beweissicherung; Sicherheitsdossier | | Anwaltschaft, Beratung, Verbände | Rechtsdurchsetzung und Zugang zum Recht | | Kommunen / Jugendämter | wichtige Schnittstellen in Familien- und Kinderschutzverfahren | | Zivilgesellschaft | Opferberatung und niedrigschwellige Unterstützung | ### 10. Direkte Kosten - [F] Die Justiz wird überwiegend von Ländern finanziert; Personal, IT, Gebäude, Dolmetschen, Sachverständige, Vollzug und Beratungshilfe liegen in unterschiedlichen Haushalten. - [F] Rund 126.000 Beamt/innen, Richter/innen und Soldat/innen arbeiteten 2024 im Bereich „Rechtsschutz“, der Gerichte, Staatsanwaltschaften und Vollzug umfasst; daraus lässt sich kein vollständiger Personal- oder Kostenwert ableiten. - [O] Eine belastbare bundesweite Gesamtsumme für „Kosten langsamer Justiz“ liegt nicht vor. - [I] E-Akte, sichere Kommunikation, Schulung und Altaktenmigration sind kurzfristig ressourcenintensiv; dauerhaft können sie Medienbrüche und Suchaufwand senken. ### 11. Indirekte Kosten - [I] Verzögerte Strafverfahren belasten Opfer, Beschuldigte, Zeugen und Beschuldigtenrechte. - [I] Langsame Zivil- und Verwaltungsverfahren können Investitionen, Sozialleistungen, Baugenehmigungen, Familienentscheidungen oder wirtschaftliche Restrukturierung verzögern. - [I] Nicht vollstreckte Entscheidungen senken die praktische Durchsetzungskraft von Recht. - [I] Wirksame Resozialisierung und Bewährungshilfe können Folgekosten erneuter Straffälligkeit reduzieren; aktuelle bundesweite Wirkungsdaten sind begrenzt. ### 12. Gewinner, Verlierer und Anreize - Bürger/innen und Unternehmen gewinnen durch verständliche, schnelle und rechtssichere Verfahren. - Opfer gewinnen durch Information, Schutz und zumutbare Verfahrensdauer. - Beschuldigte profitieren ebenso von zügiger Klärung und fairen Verteidigungsrechten. - Länder tragen den Großteil von Personal- und Digitalisierungsinvestitionen, während Bundesgesetze neue Verfahrenslast auslösen können. - Projektfinanzierung fördert kurzfristige IT-Lösungen; verlässliche Justiz benötigt langfristige Personal- und Betriebsbudgets. ### 13. Gegenargumente und Einordnung - **„950.900 offene Verfahren bedeuten eine Million unbearbeitete Fälle.“** Nein. Der Bestand enthält auch laufende, regulär bearbeitete Verfahren; sein Wachstum ist dennoch ein Kapazitätssignal. - **„60 % Einstellungen beweisen Untätigkeit.“** Nein. Einstellungen können rechtlich geboten sein, etwa bei fehlendem Tatverdacht, geringer Schuld oder anderen gesetzlichen Voraussetzungen. - **„Mehr Verurteilungen bedeuten bessere Justiz.“** Nicht zwingend. Qualität umfasst auch Freisprüche, Einstellungen, Verfahrensrechte und Rechtsmittel. - **„Digitalisierung löst das Personalproblem.“** Sie kann Abläufe verbessern, ersetzt aber nicht Fachlichkeit, Verhandlungskapazität, IT-Support oder persönliche Unterstützung. - **„Deutschland hat keine Justizprobleme, weil der EU-Vergleich gut ausfällt.“** Der Vergleich ist ein positiver Befund für Teile des Systems, verdeckt aber Zeitkritik und regionale Unterschiede. ### 14. Datenlücken - Keine bundesweit einheitliche Echtzeitstatistik zu Verfahrensdauer vom Erstkontakt bis zur Vollstreckung. - Begrenzte Informationen zu Wartezeiten für Hauptverhandlungen, Gutachten und Dolmetschen. - Bewährungshilfestatistik ist nicht flächendeckend in Deutschland durchgeführt. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Methoden/Qualitaet/Qualitaetsberichte/Justiz-Rechtspflege/bewaehrungshilfe.pdf?__blob=publicationFile) - Vergleichbare Daten zu IT-Ausfällen, E-Akte-Nutzbarkeit und digitalen Zugangsbarrieren fehlen. - Justizgeschäftsstatistiken messen Verfahren, nicht vollständig deren individuelle Komplexität oder Rechtsqualität. ### 15. Reformoptionen 1. Verbindliches, gerichtszweig- und landesübergreifendes Kapazitätsmonitoring. 2. Personalplanung für Richter/innen, Staatsanwält/innen, Rechtspflege, Geschäftsstellen, IT und Vollzug gemeinsam führen. 3. E-Akte mit verbindlichen Nutzungs-, Sicherheits- und Interoperabilitätsstandards weiterentwickeln. 4. Bürgernahe Online-Verfahren über Pilotgerichte hinaus evidenzbasiert ausbauen. 5. Beratungshilfe, Prozesskostenhilfe und digitale Rechtsantragstellen verständlicher zugänglich machen. 6. Komplexe Ermittlungen durch spezialisierte digitale Forensik und Verfahrensmanagement unterstützen. 7. Zeitkritische Familien-, Gewaltschutz- und Kinderschutzverfahren priorisieren. 8. Opferschutz, psychosoziale Prozessbegleitung und Zeugenbetreuung verlässlich finanzieren. 9. Alternativen zur Ersatzfreiheitsstrafe und wirksame Resozialisierung systematisch evaluieren. 10. Gesetzesfolgen für Länderjustiz und IT vor Inkrafttreten verbindlicher prüfen. ### 16. Umsetzungsbarrieren - Länderautonomie und unterschiedliche Fachverfahren. - Enger Arbeitsmarkt für juristische, IT- und Vollzugsfachkräfte. - Hohe Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und richterliche Unabhängigkeit. - Altakten, unterschiedliche Datenformate und langlaufende Verfahren. - Beschleunigung kann ohne ausreichenden Rechtsschutz rechtsstaatlich kontraproduktiv sein. - Wirkungsdaten sind schwieriger zu erheben als reine Fallzahlen. ### 17. Forschungsstand **Recherchiert:** Staatsanwaltschaftsbestand, Strafgerichte, Verwaltungs- und Familiengerichte, Digitalisierung, Vollzug, Personalstruktur und Opferschutz. **Offen:** aktuelle bundesweit vergleichbare Verfahrenszeiten je Instanz, Personalbedarfsprognosen, IT-Betriebsqualität, Vollstreckungsdauer sowie Resozialisierungswirkung. **Benötigte Quellen:** gemeinsame Länderjustizberichte, standardisierte IT- und Personalindikatoren sowie zeitnahe Vollzugs- und Bewährungsdaten. ### 18. Quellen - [Destatis: Staatsanwaltschaften 2024](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_360_2421.html) - [Destatis: Strafgerichte 2024](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_452_24311.html) - [Destatis: Verwaltungsgerichtliche Streitfälle 2024](https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEAusgabe_derivate_00001778/WISTA_5_2025_akt21102025.pdf) - [Destatis: Familiengerichte 2024](https://genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/24241/table/24241-0002) - [Destatis: Strafvollzug](https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Justiz-Rechtspflege/Publikationen/Downloads-Strafverfolgung-Strafvollzug/statistischer-bericht-strafvollzug-2100410247005.html) - [Destatis: Personal im Rechtsschutz](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N027_741.html) - [BMJ: E-Akte](https://www.bmj.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/0306_Weitere_Digitalisierung_Justiz.html) - [Justiz-Services: Online-Verfahren](https://service.justiz.de/geld-einklagen) - [BMJ: Opferschutz](https://www.bmj.de/DE/themen/praevention_opferhilfe/opferschutz_strafverfahren/einleitung_opferschutz_strafverfahren_node.html) - [EU-Kommission: Justizsystem Deutschland](https://economy-finance.ec.europa.eu/document/download/0826d6c6-4c97-44be-8b9e-1a0b5c4361c8_en?filename=SWD_2024_605_1_EN_Germany.pdf) ### 19. Problemregister - **DE-6501 – Ermittlungsbestand:** [F] 950.900 offene Verfahren Ende 2024. P1: Kapazitätsmonitoring. - **DE-6502 – Erledigungsquote:** [F] Eingänge überstiegen Erledigungen leicht. P1: Engpassanalyse. - **DE-6503 – Einstellungsquote:** [F] Rund 60 % Einstellungen; rechtliche Gründe differenzieren. P2: transparente Gründe. - **DE-6504 – Verfahrensdauer:** [O] Nicht in Echtzeit und nicht vollständig vergleichbar. P1: gemeinsame Zeitreihen. - **DE-6505 – Komplexe Ermittlungen:** [I] Digitale Beweise erhöhen Bearbeitungsaufwand. P1: Forensik und IT. - **DE-6506 – Staatsanwaltschaftspersonal:** [I] Personalbedarf ist fall- und komplexitätsabhängig. P1: fachbezogene Planung. - **DE-6507 – Strafgerichte:** [F] 632.115 Verurteilungen 2024. P2: Qualität nicht nur an Menge messen. - **DE-6508 – Geldstrafe:** [F] 80 % der Sanktionen. P2: Vollstreckbarkeit beachten. - **DE-6509 – Freiheitsstrafe:** [F] 14 % der Verurteilungen. P2: Alternativen und Resozialisierung prüfen. - **DE-6510 – Cannabis-Effekt:** [F] Gesetzesänderung verzerrt Zeitvergleiche. P2: bereinigte Analysen. - **DE-6511 – Verwaltungsgerichte:** [F] Rund 198.000 neue Hauptverfahren 2024. P1: flexible Kapazität. - **DE-6512 – Asylkammern:** [F] Etwa Hälfte der neuen Hauptverfahren. P1: mit Migrationsdossier koordinieren. - **DE-6513 – Allgemeine Verwaltungsverfahren:** [F] Etwa Hälfte der Eingänge. P1: nicht durch Asylfokus verdrängen. - **DE-6514 – Eilverfahren:** [I] Zeitkritisch, aber nicht als bloße Zusatzlast bewerten. P1: Priorisierung. - **DE-6515 – Zivilrechtlicher Zugang:** [I] Kosten und Formvorgaben können abschrecken. P1: Rechtsantragstellen. - **DE-6516 – Kleinansprüche:** [I] Aufwand kann den Streitwert übersteigen. P1: Online-Verfahren evaluieren. - **DE-6517 – Online-Klage:** [F] Derzeit Pilot an ausgewählten Amtsgerichten. P2: schrittweise Ausweitung. - **DE-6518 – Digitale Kommunikation:** [F] Justizpostfach setzt Online-Ausweis und BundID voraus. P2: Assistenzangebote. - **DE-6519 – E-Akte:** [F] Für neue Akten seit 2026 Pflicht. P1: Betriebs- und Supportqualität. - **DE-6520 – Altakten:** [I] Migration verursacht Zusatzaufwand. P2: risikobasierte Digitalisierung. - **DE-6521 – Familienverfahren:** [F] 320.092 offen Ende 2024. P1: zeitkritische Fälle priorisieren. - **DE-6522 – Kindeswohl:** [F] Familiengerichte wurden 2024 in 22.568 Fällen angerufen. P1: Gericht-Jugendamt-Schnittstellen. - **DE-6523 – Sorgerechtsentzug:** [F] 15.168 Anordnungen 2024. P1: sorgfältige, zeitnahe Entscheidungen. - **DE-6524 – Gewaltschutz:** [I] Verzögerungen können Schutzlücken erzeugen. P1: Eilverfahrenskapazität. - **DE-6525 – Opferinformation:** [I] Rechte wirken nur bei Verständlichkeit. P1: proaktive Kommunikation. - **DE-6526 – Prozessbegleitung:** [F] Anspruch für besonders schutzbedürftige Gruppen. P1: Länderangebote absichern. - **DE-6527 – Zeugenschutz:** [I] Belastung kann Aussagen und Verfahren beeinflussen. P2: Betreuung ausbauen. - **DE-6528 – Dolmetschen:** [O] Bundesweite Engpassdaten fehlen. P1: Erhebung und Qualifizierung. - **DE-6529 – Sachverständige:** [O] Wartezeitdaten fehlen. P1: fachbezogenes Monitoring. - **DE-6530 – Verständliche Sprache:** [I] Rechtstexte und Bescheide bleiben oft schwer zugänglich. P2: Plain-Language-Standards. - **DE-6531 – Justizvollzug:** [F] 44.232 Strafgefangene laut Destatis. P1: Kapazität und Behandlung getrennt erfassen. - **DE-6532 – Vollzugsdaten:** [O] Belegung, Personal und Programme sind schwer vergleichbar. P1: Standarddaten. - **DE-6533 – Resozialisierung:** [I] Zentral für Folgekosten und Sicherheit. P1: Wirkungsforschung. - **DE-6534 – Bewährungshilfe:** [O] Statistik nicht flächendeckend. P1: bundesweite Abdeckung. - **DE-6535 – Ersatzfreiheitsstrafe:** [I] Kann soziale Probleme strafverschärfend abbilden. P2: Alternativen evaluieren. - **DE-6536 – Vollstreckung:** [I] Urteil ohne Umsetzung schwächt Rechtsdurchsetzung. P1: Prozessdaten. - **DE-6537 – Insolvenzjustiz:** [I] Konjunktur beeinflusst gerichtliche Last. P2: mit Wirtschaftsdossier koppeln. - **DE-6538 – Sozialgerichte:** [O] Aktuelle Dauerindikatoren nicht hinreichend vergleichbar. P1: Berichtswesen. - **DE-6539 – Arbeitsgerichte:** [O] Dauer- und Vergleichsdaten nach Land vertiefen. P2: Datentransparenz. - **DE-6540 – Finanzgerichte:** [O] Spezialisierte Engpässe separat erfassen. P2: Fachkapazität. - **DE-6541 – Personalfinanzierung:** [I] Gesetze erzeugen oft Länderlasten. P1: Folgekostenprüfung. - **DE-6542 – Justiz-IT:** [I] Föderale Vielfalt erschwert Interoperabilität. P1: gemeinsame Standards. - **DE-6543 – IT-Sicherheit:** [I] E-Akte erhöht Schutzbedarf. P1: unabhängige Sicherheitsprüfungen. - **DE-6544 – Datenschutz:** [I] Schutz und Datennutzung austarieren. P1: klare Rechtsgrundlagen. - **DE-6545 – Gerichtsgebäude:** [I] Sicherheit, Barrierefreiheit und Videotechnik benötigen Investitionen. P2: Infrastrukturdossier. - **DE-6546 – Rechtsberatung:** [F] Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe existieren. P1: Zugang vereinfachen. - **DE-6547 – Verfahrensqualität:** [O] Fallzahlen bilden Fairness nicht ab. P1: qualitative Evaluation. - **DE-6548 – Unabhängigkeit:** [I] Beschleunigung darf richterliche Unabhängigkeit nicht schwächen. P1: … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)