Dossier FM

Produktivität, Investitionen, Industrie, Insolvenzen, Gründungen und Technologieabhängigkeiten

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## Dossier FM – Produktivität, Investitionen, Industrie, Insolvenzen, Gründungen und Technologieabhängigkeiten

### 1. Kernergebnis

Die deutsche Wirtschaft wuchs 2025 real nur um 0,2 %, nach zwei Rezessionsjahren. Das Verarbeitende Gewerbe schrumpfte im dritten Jahr in Folge, Ausrüstungsinvestitionen sanken und Unternehmensinsolvenzen nahmen weiter zu. Das sind belastbare Warnsignale für die Standort- und Transformationsfähigkeit.

Von einer bereits bewiesenen, unumkehrbaren „Deindustrialisierung“ kann man aber nicht sprechen: Forschungsausgaben lagen 2024 mit 3,17 % des BIP auf Rekordniveau, die Zahl der Gründenden stieg 2025 deutlich. Entscheidend ist, ob Forschung, Kapital, Fachkräfte und Infrastruktur schneller in produktive neue Wertschöpfung überführt werden. [Destatis BIP 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html), [Destatis FuE](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Forschung-Entwicklung/_inhalt.html)

### 2. Abgrenzung

Dieses Dossier trennt:

- kurzfristige Konjunkturschwäche von struktureller Produktivitätsschwäche;
- Insolvenzen von allen sonstigen Geschäftsaufgaben;
- reale von nominalen Export- und Investitionsdaten;
- Industrieproduktion von industrieller Wertschöpfung;
- Existenzgründungen von innovationsstarken Wachstumsunternehmen;
- strategische Abhängigkeit von normalem internationalem Handel.

Energiepreise, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Bürokratie werden nicht erneut als eigene Probleme gezählt, sondern als Einflussfaktoren verknüpft.

### 3. Konkrete Teilprobleme

1. schwaches reales BIP-Wachstum  
2. geringe Produktivitätsdynamik  
3. rückläufige Ausrüstungsinvestitionen  
4. anhaltend schwache Bauinvestitionen  
5. Rückgang der industriellen Wertschöpfung  
6. Produktionsniveau unter 2021  
7. Exportdruck bei Autos, Maschinen und Chemie  
8. zunehmende Unternehmensinsolvenzen  
9. hohe Belastung von Bau, Verkehr und Gastronomie  
10. Finanzierungskosten und schwache Innenfinanzierung  
11. zu geringe Gründungen im Vollerwerb  
12. Nachfolgeprobleme im Mittelstand  
13. Forschungsstärke mit regionalen Lücken  
14. schwierige Kommerzialisierung neuer Technologien  
15. Rohstoff-, Vorprodukt- und Technologieabhängigkeiten  

### 4. Zentrale Kennzahlen

| Kennzahl | Stand | Einordnung |
|---|---:|---|
| Reales BIP | +0,2 %, 2025 | nur leichte Erholung nach 2023 und 2024 |
| BIP je Erwerbstätigen | +0,2 %, 2025 | geringe Produktivitätsdynamik |
| Bruttoanlageinvestitionen | −0,5 %, 2025 | real |
| Ausrüstungsinvestitionen | −2,3 %, 2025 | Maschinen, Geräte, Fahrzeuge |
| Bauinvestitionen | −0,9 %, 2025 | fünfter Rückgang in Folge |
| Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe | −1,3 %, 2025 | drittes Rückgangsjahr |
| Unternehmensinsolvenzen | 24.064, 2025 | +10,3 % gegenüber 2024 |
| Gläubigerforderungen | 47,9 Mrd. Euro, 2025 | keine volkswirtschaftliche Schadenssumme |
| FuE-Ausgaben | 137,1 Mrd. Euro, 2024 | 3,17 % des BIP, Rekordwert |
| Gründende | 690.000, 2025 | KfW-Befragung; 70 % Nebenerwerb |
| Handel mit China | 251,8 Mrd. Euro, 2025 | wichtigster Handelspartner |
| Warenimportüberschuss mit China | 89,3 Mrd. Euro, 2025 | kein automatischer „Verlust“, aber Abhängigkeitsindikator |

### 5. Historische Entwicklung

2023 sank das reale BIP um 0,9 %, 2024 um 0,5 % und 2025 stieg es nur um 0,2 %. Die leichte Erholung kam vor allem vom privaten und staatlichen Konsum; Exporte und Investitionen blieben schwach. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html)

Die Produktions-Trendkomponente des Verarbeitenden Gewerbes lag im April 2026 bei 91,4 Punkten mit Basisjahr 2021 = 100. Das beschreibt ein niedriges Produktionsniveau, beweist jedoch weder dauerhafte Standortverlagerung noch einen vollständigen Verlust industrieller Kapazität. [Destatis Produktionsindex](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Produktion/kpi112_bv4a.html)

### 6. Regionale Unterschiede

- Baden-Württemberg erreichte 2024 FuE-Ausgaben von 5,71 % des BIP, Mecklenburg-Vorpommern 1,38 % und Sachsen-Anhalt 1,46 %.
- Industrieregionen sind stärker von Exportdruck, Energiepreisen und Zulieferketten betroffen.
- Regionen mit Hochschulen, Forschung, Wagniskapital und großen Leitunternehmen haben bessere Chancen auf neue Wertschöpfung.
- Bau- und strukturschwache Regionen tragen höhere Insolvenzraten, wenn Nachfrage und Finanzierung gleichzeitig nachgeben.

[Destatis: FuE nach Ländern](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Forschung-Entwicklung/Tabellen/bip-bundeslaender-sektoren.html)

### 7. Internationale Dimension

Deutschland bleibt eine stark vernetzte Export- und Importwirtschaft. 2025 wurden Waren im Wert von 1.563 Mrd. Euro exportiert und 1.362,5 Mrd. Euro importiert; der Überschuss betrug 200,5 Mrd. Euro. Gleichzeitig sanken die Exporte nach China und in die USA in wichtigen Industriegruppen. [Destatis Außenhandel](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_056_51.html)

Die EU reagiert mit dem Critical Raw Materials Act auf konzentrierte Rohstoffverarbeitung. Ziel bis 2030 ist unter anderem, bei keinem strategischen Rohstoff mehr als 65 % des Bedarfs aus nur einem Drittstaat zu beziehen. Das ist ein Zielwert, kein Nachweis, dass die Abhängigkeit bereits verringert wurde. [BMWE](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/critical-raw-materials-act.html)

### 8. Ursachenanalyse

**Belegt oder stark gestützt:**

- geringere Investitionen in Maschinen, Geräte und Wohnungsbau;
- schwache Auslandsnachfrage und stärkere Konkurrenz;
- Exportdruck durch US-Zölle, Euro-Aufwertung und chinesische Konkurrenz;
- strukturell schwächeres Produktivitätswachstum, auch im Verarbeitenden Gewerbe;
- gestiegene Finanzierungskosten und schwächere Ertragslage zahlreicher Unternehmen.

**Nicht monokausal belegbar:**

Energiepreise, Bürokratie, Steuern, Fachkräfte, Digitalisierung, Handelspolitik und Planungssicherheit wirken gleichzeitig. Es wäre unseriös, den Standortbefund nur einer Regierung, einem Gesetz oder einer Energieentscheidung zuzuschreiben.

### 9. Verantwortlichkeiten

| Ebene | Verantwortungsbereich |
|---|---|
| Unternehmen | Investitionen, Produkte, Qualifizierung, Lieferketten und Forschungstransfer |
| Bund | Steuer-, Energie-, Handels-, Förder- und Innovationspolitik |
| Länder | Hochschulen, Genehmigungen, Flächen, regionale Transformation |
| Kommunen | Gewerbeflächen, Verwaltung, Verkehr, lokale Infrastruktur |
| EU | Binnenmarkt, Wettbewerbsrecht, Rohstoff- und Handelspolitik |
| Sozialpartner | Löhne, Weiterbildung, Arbeitszeit- und Transformationsmodelle |

### 10. Politische Entscheidungen und Wendepunkte

Die nationale Wirtschaftssicherheitsstrategie befand sich im Sommer 2026 noch in der Erarbeitung. Das Wirtschaftsministerium nennt selbst unzureichendes Wissen über Lieferketten und Technologien als Problem. Die Strategie kann Risiken besser steuern, ist aber kein bereits realisierter Resilienzgewinn. [BMWE](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2026/08/02-nationale-wirtschaftssicherheitsstrategie.html)

Mit dem europäischen Rohstoffrecht, Rohstofffonds, Investitionsförderung und Beschleunigungsvorhaben entstehen neue Instrumente. Ihre Wirkung hängt von Genehmigungen, Projektumsetzung, Kapital und europäischer Kooperation ab.

### 11. Direkte Kosten

Eine vollständige Schadensrechnung der Standortschwäche ist nicht belastbar möglich.

Messbar sind:

- 47,9 Mrd. Euro voraussichtliche Gläubigerforderungen in Unternehmensinsolvenzen 2025;
- geringere Investitionen in Maschinen, Gebäude und Wohnraum;
- Kosten für Umstrukturierungen, Produktionsverlagerungen und Lieferkettenabsicherung.

Gläubigerforderungen sind weder ausgefallene Wirtschaftsleistung noch automatisch Steuerschäden. Viele Insolvenzen führen zu Sanierung, Übernahme oder Fortführung.

### 12. Indirekte und langfristige Kosten

- Verlust von Wissen, Zulieferbeziehungen und regionalen Arbeitsplätzen;
- geringere Steuer- und Beitragseinnahmen;
- schwächeres Produktivitätswachstum und damit geringere Reallohnspielräume;
- höhere Abhängigkeit von einzelnen Technologie- und Rohstoffquellen;
- geringere Attraktivität für Forschung, Fachkräfte und Investoren;
- sinkende Fähigkeit, Infrastruktur, Rente, Pflege und Verteidigung dauerhaft zu finanzieren.

### 13. Gewinner, Verlierer und Fehlanreize

Exportabhängige Industrieunternehmen und ihre Regionen verlieren bei schwacher Auslandsnachfrage; zugleich profitieren Teile der Dienstleistungswirtschaft, Verteidigung, Infrastruktur und Forschung von neuen Nachfragefeldern.

Gründungszahlen stiegen 2025, aber 70 % entfielen auf Nebenerwerb. Das kann Innovationspotenzial darstellen, kann aber ebenso eine Reaktion auf Einkommensdruck sein. Die höhere Zahl darf daher nicht pauschal als Aufbruch der wachstumsstarken Start-up-Wirtschaft ausgegeben werden. [KfW](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_888064.html)

### 14. Gegenargumente und entlastende Fakten

- 2025 endete die zweijährige Rezession, auch wenn die Erholung schwach blieb.
- FuE-Ausgaben erreichten einen Höchstwert von 137,1 Mrd. Euro und 3,17 % des BIP.
- Unternehmensinsolvenzen lagen noch unter dem Krisenwert des Jahres 2009 von 32.687 Fällen.
- Gründende stiegen laut KfW von 585.000 im Jahr 2024 auf 690.000 im Jahr 2025.
- China-Handel schafft nicht nur Abhängigkeit, sondern auch Absatzmärkte, Vorprodukte und Skalenvorteile.

### 15. Daten- und Wissenslücken

- Insolvenzen erfassen nicht alle Geschäftsaufgaben und nicht jede Standortverlagerung.
- Keine vollständige amtliche Echtzeitstatistik über Produktionsverlagerungen ins Ausland.
- Forschungsausgaben messen nicht zuverlässig Markterfolg, Patente, Skalierung oder Produktivität.
- Technologieabhängigkeit ist oft vertraulich und variiert nach Vorprodukt und Lieferkette.
- Gründungsdaten unterscheiden nur begrenzt zwischen Nebenverdienst, Solo-Selbstständigkeit und wachstumsfähigem Unternehmen.
- Produktivität kann wegen Arbeitszeit, Branche und Messmethodik kurzfristig schwanken.

### 16. Mögliche Reformen

1. Planungs- und Genehmigungszeiten für Industrie-, Energie-, Rohstoff- und Recyclingprojekte verkürzen.  
2. Investitionsförderung an überprüfbare zusätzliche Investition, Beschäftigung und Innovation koppeln.  
3. FuE-Förderung stärker auf Transfer, Pilotproduktion und Skalierung ausrichten.  
4. Unternehmensnachfolge, Beteiligungskapital und Wachstumsfinanzierung vereinfachen.  
5. Cybersicherheit, Rohstoffe, Energie und Logistik als gemeinsame Standortpolitik behandeln.  
6. Öffentliche Beschaffung innovationsfreundlicher und europäisch interoperabel gestalten.  
7. Transformationsregionen mit Weiterbildung, Infrastruktur und Flächenentwicklung absichern.  
8. Standortdaten zu Lieferketten, Investitionen und Genehmigungszeiten besser veröffentlichen.

### 17. Umsetzungsbarrieren

- hohe Kapitalintensität und lange Amortisationszeiten;
- Fachkräftemangel und Flächenkonflikte;
- EU-Beihilfe-, Wettbewerbs- und Handelsrecht;
- Risiko, unwirtschaftliche Unternehmen dauerhaft zu subventionieren;
- unklare internationale Nachfrage und Handelspolitik;
- Zielkonflikte zwischen Versorgungssicherheit, Umweltstandards, Kosten und Geschwindigkeit.

### 18. Quellen

- [Destatis: BIP 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html)
- [Destatis: BIP und Produktivität](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/bip-bubbles.html)
- [Destatis: Unternehmensinsolvenzen 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_085_52411.html)
- [Deutsche Bundesbank: Ertragslage und Finanzierung 2024](https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-dezember-2025-972182?article=ertragslage-und-finanzierungsverhaeltnisse-deutscher-unternehmen-im-jahr-2024-972190)
- [Destatis: Forschung und Entwicklung](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Forschung-Entwicklung/_inhalt.html)
- [KfW-Gründungstätigkeit 2025](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_888064.html)
- [Destatis: Außenhandel 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_056_51.html)
- [BMWE: Wirtschaftssicherheitsstrategie](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2026/08/02-nationale-wirtschaftssicherheitsstrategie.html)

### 19. Problemregister DE-6751–6800

| IDs | Problemtitel und These | Belegstatus | Entwicklung | Hauptverantwortung | Priorität |
|---|---|---|---|---|---|
| DE-6751–6755 | schwaches BIP, geringe Produktivität, Konsum- statt Investitionsimpuls, Exportdruck, Investitionsschwäche | belegt | verschlechtert/stagniert | Bund, Unternehmen, EU | kritisch |
| DE-6756–6760 | Ausrüstungen, Maschinen, Bauinvestitionen, Wohnungsbau, Finanzierungskosten | belegt | überwiegend verschlechtert | Unternehmen, Bund, EZB-Umfeld | hoch |
| DE-6761–6765 | Industrieproduktion, Wertschöpfung, Automobil, Maschinenbau, Chemie | belegt | rückläufig | Unternehmen, Bund, EU | hoch |
| DE-6766–6770 | Unternehmensinsolvenzen, Gläubigerforderungen, Bau, Verkehr/Lager, Gastgewerbe | belegt | verschlechtert | Unternehmen, Bund, Länder | hoch |
| DE-6771–6775 | Produktivitätstransfer, Digitalisierung, Managementqualität, Investitionshemmnisse, Datenlücken | teilweise belegt | offen | Unternehmen, Bund, Länder | hoch |
| DE-6776–6780 | FuE-Quote, regionale FuE-Lücke, Kommerzialisierung, Wagniskapital, technologieorientierte Gründungen | teils belegt | gemischt | Bund, Länder, Investoren | hoch |
| DE-6781–6785 | Vollerwerbsgründungen, Nebenerwerb, Solo-Gründungen, Unternehmensnachfolge, Skalierung | teils belegt | gemischt | Unternehmen, Bund, Länder | mittel bis hoch |
| DE-6786–6790 | Rohstoffe, Halbleiter, Cloud/KI, kritische Vorprodukte, Lieferkettenwissen | belegt/teilweise belegt | Risiko erhöht | Bund, EU, Unternehmen | sehr hoch |
| DE-6791–6795 | China-Handel, USA-Handel, Exportkonzentration, Zölle, Wechselkurs- und Konkurrenzdruck | belegt | verschlechtert | EU, Bund, Unternehmen | hoch |
| DE-6796–6800 | Industriepolitik, Transformationsregionen, Genehmigungen, Subventionsrisiken, Gesamtsteuerung | teilweise belegt | offen | Bund, Länder, EU | hoch |

**Registerstand:** 6.800 fortlaufende Einträge. Als nächstes folgen Steuern, Abgaben, Lebenshaltungskosten, Tanken/Mobilität und Deutsche Bahn.