Dossier

Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Klimaresilienz und Rohstoffabhängigkeit

Datenstand: 28. August 2026. Bei mehreren Strukturindikatoren sind 2023 oder 2024 weiterhin die jüngsten verfügbaren Berichtsjahre.

Registereinträge dieses Dossiers Im Register filtern

IDTitelForm
DE-6971 Rückgang der Agrarbetriebe Tabelle
DE-6972 Pacht- und Bodenkostendruck Tabelle
DE-6973 Flächenbezogene Förderanreize Tabelle
DE-6974 Verdeckte Einkommensunterschiede Tabelle
DE-6975 Niedrige Obst- und Gemüseversorgung Tabelle
DE-6976 Futtermittel- und Phosphatabhängigkeit Tabelle
DE-6977 Abhängigkeit bei Fisch, Ölen und Eiern Tabelle
DE-6978 Irreführende Verwendung des Selbstversorgungsgrades Tabelle
DE-6979 Nitratbelastetes Grundwasser Tabelle
DE-6980 Biodiversitätsverlust der Agrarlandschaft Tabelle
DE-6981 Verfehlungsrisiko des Öko-Ziels Tabelle
DE-6982 Lebensmittelabfälle Tabelle
DE-6983 Zunehmende Hitzebelastung Tabelle
DE-6984 Hitzebedingte Sterblichkeit Tabelle
DE-6985 Fehlende kommunale Anpassungskonzepte Tabelle
DE-6986 Unklare Klimaanpassungsausgaben Tabelle
DE-6987 Hohe Klimaschäden Tabelle
DE-6988 Abnehmende Bodenfeuchte Tabelle
DE-6989 Niedrige Grundwasserstände Tabelle
DE-6990 Geschädigter Waldzustand Tabelle
DE-6991 Großer Wiederbewaldungsbedarf Tabelle
DE-6992 Lokale Starkregenrisiken bei unsicherem Bundestrend Tabelle
DE-6993 Importabhängigkeit bei Metallrohstoffen Tabelle
DE-6994 Hoher Anteil riskanter Rohstoffprodukte Tabelle
DE-6995 Chinesische Markt- und Verarbeitungskonzentration Tabelle
DE-6996 Abhängigkeit bei schweren Seltenen Erden Tabelle
DE-6997 Lithiumimportabhängigkeit Tabelle
DE-6998 Verschleierte Ursprungsabhängigkeit Tabelle
DE-6999 Niedrige gesamtwirtschaftliche Zirkularität Tabelle
DE-7000 Rohstofffonds noch ohne Wirkungsnachweis Tabelle
Vollständigen Originaltext anzeigen (34.199 Zeichen, unverändert · Nachricht 27757)
## Dossier: Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Klimaresilienz und Rohstoffabhängigkeit

Datenstand: 28. August 2026. Bei mehreren Strukturindikatoren sind 2023 oder 2024 weiterhin die jüngsten verfügbaren Berichtsjahre.

### 1. Kernaussage

Eine akute allgemeine Lebensmittelknappheit in Deutschland ist nicht belegt. Deutschland produziert erhebliche Überschüsse bei Zucker, Kartoffeln, Fleisch und Milchprodukten. Gleichzeitig bestehen ausgeprägte Abhängigkeiten bei Obst, Gemüse, Fisch, pflanzlichen Ölen sowie bei Futtermitteln und Phosphat.

Das größere strukturelle Risiko liegt nicht allein im mengenmäßigen Selbstversorgungsgrad, sondern in der Kombination aus:

- importierten Betriebsmitteln;
- konzentrierten Lieferketten;
- zunehmender Bodentrockenheit;
- Nitrat- und Biodiversitätsproblemen;
- geschädigten Wäldern;
- unvollständig finanzierter kommunaler Klimaanpassung;
- fast vollständiger Importabhängigkeit bei primären Metallrohstoffen.

### 2. Definition und Abgrenzung

Der **Selbstversorgungsgrad** setzt die inländische Erzeugung ins Verhältnis zum inländischen Verbrauch. Er misst weder Autarkie noch Krisenfestigkeit. Deutschland kann gleichzeitig ein Produkt exportieren und andere Sorten, Qualitäten oder saisonale Mengen desselben Produkts importieren.

**Ernährungssicherheit** umfasst zusätzlich Kaufkraft, Transport, Verarbeitung, Energie, Dünger, Saatgut, Futtermittel, Wasser und funktionierende Handelsbeziehungen.

**Klimaanpassung** bedeutet Schadensvorsorge gegenüber bereits eingetretenen oder künftig unvermeidbaren Klimafolgen. Sie ist von Emissionsminderung zu unterscheiden.

**Rohstoffabhängigkeit** ist nicht automatisch ein Missstand. Problematisch wird sie insbesondere bei wenigen Lieferländern, fehlenden Ersatzstoffen, langen Projektvorläufen und Rohstoffen, ohne die zentrale Technologien nicht hergestellt werden können.

### 3. Konkrete Teilprobleme

#### Landwirtschaft und Ernährung

1. Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe sinkt weiter: 255.000 Betriebe im Jahr 2023, rund 7.800 weniger als 2020.
2. Die durchschnittliche Betriebsgröße stieg auf 65 Hektar; das kann Effizienz steigern, erschwert aber teilweise Hofnachfolgen und Marktzugang kleinerer Betriebe.
3. 60 % der landwirtschaftlichen Fläche sind gepachtet; das durchschnittliche Entgelt stieg von 329 auf 357 Euro je Hektar.
4. Flächenbezogene Direktzahlungen können teilweise in Boden- und Pachtpreise einfließen. Wie groß dieser Effekt in Deutschland aktuell ist, ist nicht ausreichend transparent.
5. Durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen waren 2023/24 nicht generell niedrig; der Durchschnitt verdeckt jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Betriebsarten und Jahren.
6. Obst, Gemüse, Fisch, Pflanzenöle und Eier weisen niedrige Selbstversorgungsgrade auf.
7. Hohe Überschüsse bei Fleisch, Milch oder Zucker kompensieren diese produktspezifischen Abhängigkeiten nicht.
8. Proteinreiche Futtermittel wie Soja werden in erheblichem Umfang importiert.
9. Deutschland besitzt keine nennenswerten Phosphatlagerstätten und ist bei anorganischen Phosphaten importabhängig.
10. An rund 25,6 % der überwiegend landwirtschaftlich beeinflussten Nitratmessstellen lag der Mittelwert 2020–2022 über 50 mg/l.
11. Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ist langfristig rückläufig.
12. Der Ökolandbau erreichte 2024 nach nationaler BMLEH-Abgrenzung 11,5 % der Fläche – weit entfernt vom politischen 30-%-Ziel für 2030.
13. 2022 entstanden 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle, einschließlich nicht essbarer Bestandteile.

#### Klimaanpassung

14. Die Zahl heißer Tage hat sich seit 1951 von ungefähr drei auf etwa zehn pro Jahr mehr als verdreifacht.
15. Das RKI schätzte 3.100 hitzebedingte Todesfälle für 2023 und 2.800 für 2024.
16. Bei Beschluss der Anpassungsstrategie verfügte nur ungefähr ein Zehntel der Kommunen über ein Klimaanpassungskonzept.
17. Für 2022 existiert lediglich eine nachträgliche Schätzung der geplanten Bundesausgaben für Klimaanpassung, keine vollständige konsolidierte Ausgabenrechnung.
18. Die Bodenwasserverfügbarkeit landwirtschaftlicher Böden hat während der Vegetationsperioden signifikant abgenommen.
19. In Norddeutschland lagen viele Grundwassermesswerte 2019–2021 über lange Zeit unter früheren Niedrigständen.
20. 2024 waren nur 21 % der untersuchten Waldbäume ohne Kronenverlichtung.
21. Ein gemeldeter Wiederbewaldungsbedarf von etwa 525.000 Hektar trifft auf bislang wesentlich kleinere geförderte Flächen.
22. Bei lokalen Starkregenereignissen bestehen große Schädenrisiken, während Aussagen über einen einheitlichen deutschlandweiten historischen Trend unsicherer sind als bei Hitze und Bodenfeuchte.

#### Rohstoffe

23. Deutschland ist bei primären Metallrohstoffen fast vollständig importabhängig.
24. In der DERA-Rohstoffliste 2023 wiesen 46 % der untersuchten Handelsprodukte erhöhte Angebotsrisiken auf.
25. China dominierte in der zugrunde liegenden Untersuchung zahlreiche Bergwerks- und Raffinadeprodukte.
26. Schwere Seltene Erden stammen faktisch aus China beziehungsweise werden aus Myanmar nach China geliefert und dort verarbeitet.
27. Der europäische Lithiumbedarf wurde bislang nahezu vollständig durch Importe gedeckt.
28. EU-Lieferländer in der deutschen Handelsstatistik können lediglich Zwischenhändler oder Verarbeiter sein; die tatsächliche Rohstoffherkunft kann außerhalb der EU liegen.
29. Eine hohe Recyclingquote bei Siedlungsabfällen ist nicht mit einer hohen gesamtwirtschaftlichen Kreislaufquote gleichzusetzen.
30. Der deutsche Rohstofffonds hat inzwischen zwei konkrete Investitionsentscheidungen getroffen. Für einen Nachweis dauerhaft verringerter Abhängigkeiten ist es noch zu früh.

### 4. Zentrale Kennzahlen

#### Landwirtschaftliche Struktur

| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---:|---|
| Landwirtschaftliche Betriebe | 255.000, 2023 | −3 % gegenüber 2020 |
| Arbeitskräfte | 876.000, 2023 | −7 % gegenüber 2020 |
| Durchschnittliche Betriebsfläche | 65 ha | 2010: 56 ha |
| Pachtanteil | 60 % der Fläche | 9,9 Mio. ha |
| Durchschnittliches Pachtentgelt | 357 €/ha | +9 % gegenüber 2020 |
| EU-GAP-Mittel | 6,158 Mrd. €/Jahr | 2023–2027; rund 73 € je Einwohner |
| Einkommen je Arbeitskraft | 46.800 € | Durchschnitt aller Rechts- und Bewirtschaftungsformen 2023/24 |
| Ökologisch bewirtschaftete Fläche | 11,5 % | nationale Statistik 2024; Ziel 30 % bis 2030 |

Quellen: [Destatis zur Agrarstruktur](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_021_41.html), [Pachtentgelte](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_153_41.html), [landwirtschaftliche Einkommen](https://www.bmel.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Presse/2025/250505-einkommen.html), [GAP-Finanzierung](https://www.bmel.de/SharedDocs/FAQs/DE/faq-GAP/FAQ-GAP_List.html), [Ökolandbau](https://bmel-statistik.de/landwirtschaft/oekologischer-landbau/struktur-des-oeko-landbaus).

#### Selbstversorgungsgrade

| Erzeugnis | Selbstversorgung |
|---|---:|
| Getreide insgesamt | 99,5 % |
| Weizen | 101,9 % |
| Hülsenfrüchte | 76,0 % |
| Kartoffeln | 145,1 % |
| Zucker | 153,7 % |
| Marktgemüsebau | 40,1 % |
| Marktobstbau | 17,7 % |
| Fleisch insgesamt | 120,5 % |
| Fisch | 20,4 % |
| Frischmilcherzeugnisse | 114,4 % |
| Käse | 129,4 % |
| Pflanzliche Öle und Fette | 32,4 % |
| Eier | 72,2 % |

Pflanzliche Produkte beziehen sich überwiegend auf 2024/25, tierische Produkte auf 2024. Quelle: [BMLEH-Statistik](https://bmel-statistik.de/ernaehrung/tabellen-zu-ernaehrung) und die geprüfte [amtliche Arbeitsmappe](/Users/philipp/Documents/Codex/2026-08-23/files-pasted-by-the-user-du-2/work/self_sufficiency_products.xlsx).

:codex-file-citation{path="/Users/philipp/Documents/Codex/2026-08-23/files-pasted-by-the-user-du-2/work/self_sufficiency_products.xlsx" purpose="source" artifact_kind="workbook" sheet="SJ 2025 Kapitel D, I" range="A5:R18"}

:codex-file-citation{path="/Users/philipp/Documents/Codex/2026-08-23/files-pasted-by-the-user-du-2/work/self_sufficiency_products.xlsx" purpose="source" artifact_kind="workbook" sheet="SJ 2025 Kapitel D, I" range="A24:R49"}

Die gesonderte BLE-Versorgungsbilanz kommt für Gemüse insgesamt 2024/25 auf 38,6 % und für Obst auf rund 18 %. Die Abweichung beim Gemüse entsteht durch unterschiedliche Produktabgrenzungen. [BLE/BMLEH-Versorgungsbilanz](https://bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/obst-gemuese-zitrusfruechte-schalen-und-trockenobst).

#### Klimaresilienz

| Kennzahl | Wert | Belegart |
|---|---:|---|
| Heiße Tage | etwa 3 auf etwa 10 pro Jahr seit 1951 | gemessener signifikanter Trend |
| Hitzetote 2023 | 3.100, Intervall 1.400–4.900 | Modellschätzung |
| Hitzetote 2024 | 2.800, Intervall 1.000–5.000 | Modellschätzung |
| Kommunen mit Anpassungskonzept | ungefähr 10 % | Bestandsangabe 2024 |
| Ziel für 2030 | 80 % | politisches Ziel |
| Geplante Bundesmittel 2022 | 2,07–3,41 Mrd. € | methodische Schätzung, keine Ist-Ausgabe |
| Klimabedingte Schäden 2000–2021 | mindestens 145 Mrd. € | kumulierte Schätzung |
| Mögliche Kosten 2022–2050 | 280–900 Mrd. € | Szenarien, keine Prognose |
| Bäume ohne Kronenverlichtung | 21 % | Waldzustand 2024 |

Quellen: [UBA-Monitoring](https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/folgen-des-klimawandels/monitoring-zur-das/monitoringbericht-2023-zur-das-klimaentwicklung-in), [RKI-Hitzemortalität](https://edoc.rki.de/handle/176904/12682), [Anpassungsstrategie 2024](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/klimaanpassungsstrategie-2024-2324828), [UBA zu Anpassungsausgaben](https://www.umweltbundesamt.de/wie-viel-gibt-der-bund-fuer-klimaanpassung-aus-eine-0?parent=68610), [Waldzustand 2024](https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html).

#### Rohstoffe

| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---:|---|
| Rohstoffimporte 2023 | 216,2 Mrd. € | Importwert, keine Schadenssumme |
| Importmenge | 298,4 Mio. t | −12,7 % gegenüber 2022 |
| Anteil an allen Warenimporten | 15,8 % | stark von Energiepreisen beeinflusst |
| Erhöhtes Angebotsrisiko | 46 % der untersuchten Produkte | DERA, Bezugsjahr überwiegend 2020 |
| Deutsche Kreislaufquote | 12,7 %, 2021 | Anteil von Sekundärmaterial am gesamten Materialeinsatz |
| Rohstofffonds: Lithium | bis 150 Mio. € | Beteiligung, kein verlorener Zuschuss |
| Rohstofffonds: Seltene Erden | bis 50 Mio. € | Beteiligung am Nolans-Projekt |
| Beabsichtigtes Fondsvolumen | 1,5 Mrd. € | Planungsstand Juli 2026 |

Der Rohstoffimportwert entspricht rechnerisch ungefähr 2.550 Euro je Einwohner. Das ist **keine private oder staatliche Pro-Kopf-Belastung**, sondern lediglich eine Größenrelation für industrielle Einfuhren.

Quellen: [BGR – mineralische Rohstoffe und Rohstoffbericht 2023](https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/min_rohstoffe_node.html), [DERA-Rohstoffliste](https://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Nachrichten/Aktuelles/2023/2023-07-26_dera_veroeffentlicht_rohstoffliste_2023.html), [Lithium-Beteiligung](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2025/12/20251203-startschuss-fuer-erstes-projekt-des-rohstofffonds-australien-und-deutschland-begruessen-investitionen.html), [Seltene-Erden-Beteiligung](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/04/20260401-rohstofffonds-beteiligt-sich-am-australischen-nolans-projekt-zur-sicherung-seltener-erden.html), [Deutschlandfonds, Juli 2026](https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/07/20260715-deutschlandfonds.html).

### 5. Historische Entwicklung

- Die Zahl der Betriebe sinkt seit Jahrzehnten, während die durchschnittliche Fläche je Betrieb steigt. Das ist ein langfristiger Strukturwandel, kein ausschließlich aktuelles Krisenphänomen.
- Die Ökofläche wuchs seit 2010 deutlich, liegt aber weiterhin weit unter dem politischen Zielpfad.
- Der Selbstversorgungsgrad schwankt stark mit Ernten, Verbrauch und Marktpreisen. Bei Getreide sank er von 104,1 % im Wirtschaftsjahr 2023/24 auf 99,5 % im Jahr 2024/25.
- Die Zahl heißer Tage zeigt im Unterschied zu vielen lokalen Niederschlagsindikatoren einen statistisch gesicherten Anstieg.
- Die außergewöhnlich trockenen Jahre ab 2018 hinterließen lang anhaltende Spuren bei Böden, Grundwasser und Wäldern.
- Der Rohstoffimportwert erreichte 2022 aufgrund hoher Energiepreise 311,7 Milliarden Euro und sank 2023 auf 216,2 Milliarden. Dieser Rückgang belegt keine vergleichbare Verringerung der strategischen Abhängigkeit.

### 6. Regionale Unterschiede

- Besonders hohe Pachtentgelte wurden 2023 in Nordrhein-Westfalen mit 560 Euro, Niedersachsen mit 548 Euro, Schleswig-Holstein mit 479 Euro und Bayern mit 415 Euro je Hektar gemessen. Im Saarland waren es 99 Euro.
- Trockenstress trifft besonders Teile Ostdeutschlands und das Rhein-Main-Gebiet.
- Wärmebelastung ist in Städten wegen versiegelter Flächen und nächtlicher Wärmespeicherung höher als im deutschlandweiten Flächenmittel.
- Hochwasser-, Starkregen-, Küsten- und Waldbrandrisiken unterscheiden sich stark nach Topografie, Boden, Versiegelung und bestehendem Schutz.
- Landwirtschaftliche Nitratbelastungen konzentrieren sich unter anderem in Regionen mit intensiver Tierhaltung und hohen Nährstoffüberschüssen.
- Die Rohstoffabhängigkeit trifft besonders Automobil-, Elektro-, Chemie-, Maschinenbau-, Energie- und Verteidigungsindustrie.

### 7. Internationaler Vergleich

Deutschland erzeugte 2023 etwa 613 Kilogramm Siedlungsabfall je Einwohner, gegenüber 511 Kilogramm im EU-Durchschnitt. Die deutsche Recyclingquote von 69 % lag über dem EU-Wert von 48 %. Trotzdem lag die gesamtwirtschaftliche deutsche Kreislaufquote 2021 mit 12,7 % nur ungefähr im damaligen EU-Mittelfeld. [Destatis/Eurostat](https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Umwelt-Energie/Muell_und_Recycling.html).

Der EU Critical Raw Materials Act setzt für 2030 Richtwerte von:

- 10 % EU-eigener Gewinnung;
- 40 % Verarbeitung innerhalb der EU;
- 25 % Recyclingkapazität;
- höchstens 65 % Abhängigkeit von einem einzelnen Drittstaat je strategischem Rohstoff und Verarbeitungsstufe.

Diese Werte gelten EU-weit; sie sind keine Garantie, dass jede deutsche Lieferkette die Ziele erreicht. [EU-Kommission zum Critical Raw Materials Act](https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/raw-materials/areas-specific-interest/critical-raw-materials/critical-raw-materials-act_en).

### 8. Ursachenanalyse

- Flächenknappheit, Betriebswachstum, Energieanlagen, Siedlungsentwicklung und Kapitalinteressen erhöhen regional den Druck auf Bodenpreise.
- Flächenbezogene Förderung stabilisiert Einkommen, honoriert aber nur teilweise tatsächliche Umwelt- oder Resilienzleistungen.
- Internationaler Handel erlaubt saisonale Vielfalt und preiswerte Versorgung, erzeugt jedoch Abhängigkeiten.
- Spezialisierte Tierhaltung benötigt teilweise importiertes Eiweißfutter und führt regional zu Nährstoffüberschüssen.
- Kommunen tragen einen großen Teil der Anpassungsumsetzung, haben aber oft weder dauerhaftes Fachpersonal noch verlässliche Finanzierung.
- Rohstoffprojekte außerhalb Chinas scheitern häufig an niedrigen Weltmarktpreisen, langen Genehmigungen, technischen Risiken, gesellschaftlichen Konflikten oder fehlenden langfristigen Abnahmeverträgen.
- Recycling kann kurzfristig nur begrenzt helfen, weil viele Rohstoffe jahrzehntelang in Gebäuden, Maschinen und Infrastruktur gebunden bleiben.

### 9. Staatliche Verantwortlichkeiten

- **EU:** Agrarpolitik, Handelsregeln, Umweltvorgaben und Critical Raw Materials Act.
- **Bund:** GAP-Strategieplan, Düngerecht, Ernährungspolitik, Klimaanpassungsgesetz, Rohstoffstrategie, Außenwirtschaftsförderung.
- **Länder:** Landwirtschafts- und Wasseraufsicht, Flächenpolitik, Waldmanagement, Hochwasserschutz und kommunale Aufgabenregelung.
- **Kommunen:** Hitzevorsorge, Entsiegelung, Wasserplanung, örtlicher Katastrophenschutz und Anpassungskonzepte.
- **Unternehmen:** Lieferketten, Lagerhaltung, Rohstoffdiversifizierung, Produktgestaltung und Recyclingfähigkeit.
- **Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft:** Nährstoffmanagement, Bodenpflege, Tierhaltung, Verarbeitung und Abfallvermeidung.
- **Verbraucher:** Nachfrage und Haushaltsabfälle – allerdings innerhalb von Preis-, Angebots- und Informationsstrukturen, die sie nicht allein bestimmen.

### 10. Politische Wendepunkte

- GAP-Förderperiode 2023–2027 mit rund 6,158 Milliarden Euro EU-Mitteln jährlich.
- Bio-Strategie mit dem Ziel von 30 % Ökofläche bis 2030.
- Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes am 1. Juli 2024.
- Anpassungsstrategie vom Dezember 2024 mit messbaren Zielen.
- Rohstofffonds ab 2024; erste konkrete Beteiligung 2025, zweite 2026.
- Geplante Aufstockung der Rohstoffmittel auf 1,5 Milliarden Euro – bislang Absicht, nicht vollständig realisierte Investition.

Das Klimaanpassungsgesetz verpflichtet zur Planung, garantiert aber keine unbegrenzte Finanzierung: Bundesunterstützung steht ausdrücklich unter Haushaltsvorbehalt. [§ 12 KAnG](https://www.gesetze-im-internet.de/kang/__12.html).

### 11. Direkte Kosten und Doppelzählungskontrolle

- Die 6,158 Milliarden Euro GAP-Mittel sind EU-Ausgaben zugunsten Deutschlands. Sie dürfen nicht zusätzlich zum deutschen EU-Beitrag als zweite deutsche Auslandsbelastung verbucht werden.
- Die geschätzten 2,07–3,41 Milliarden Euro Klimaanpassung im Bundeshaushalt 2022 waren **geplante anpassungsbezogene Anteile** von 255 Haushaltstiteln, keine geprüfte Ist-Auszahlung.
- Mindestens 145 Milliarden Euro Klimaschäden sind keine einheitliche Haushaltsausgabe. Enthalten sind unterschiedliche volkswirtschaftliche Schäden.
- Die Szenarien von 280–900 Milliarden Euro bis 2050 sind keine bereits entstandenen Kosten und keine sichere Prognose.
- Die 216,2 Milliarden Euro Rohstoffimporte sind bezahlte Vorleistungen und Energieträger, nicht der Schaden der Importabhängigkeit.
- Fondsbeteiligungen von bis zu 150 beziehungsweise 50 Millionen Euro sind staatliche Investitionen mit Vermögenswert und Risiko – keine gewöhnlichen Zuschüsse.

### 12. Indirekte und langfristige Kosten

- Ernteausfälle und stärkere Preisschwankungen;
- steigende Bewässerungs- und Versicherungskosten;
- aufwendigere Trinkwasseraufbereitung;
- Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Ökosystemleistungen;
- Gesundheits- und Produktivitätsverluste durch Hitze;
- Schäden an Gebäuden und Infrastruktur;
- Produktionsausfälle bei unterbrochenen Rohstofflieferungen;
- höhere Transformationskosten, wenn Diversifizierung erst nach einer Versorgungskrise beginnt;
- Verlust industrieller Wertschöpfung, wenn Rohstoffe oder Vorprodukte nicht verfügbar sind.

Diese Folgekosten lassen sich nicht seriös zu einer einzigen belastbaren Gesamtsumme addieren.

### 13. Gewinner, Verlierer und Fehlanreize

**Mögliche Gewinner:** Eigentümer knapper Agrarflächen, größere förderfähige Betriebe, spezialisierte Exportunternehmen, Rohstoffhändler und Anbieter gefragter Anpassungstechnik.

**Besonders gefährdet:** kleine Betriebe ohne Eigentumsflächen, Haushalte mit geringem Einkommen, ältere Menschen in Hitzeperioden, wasserarme Kommunen, Forstbetriebe sowie rohstoffabhängige Industrieunternehmen.

**Fehlanreize:**

- Förderung nach Fläche statt überwiegend nach messbarer Leistung;
- kurzfristige Modellförderung statt dauerhafter kommunaler Finanzierung;
- niedrige Rohstoffpreise, die Diversifizierungsprojekte unrentabel machen;
- hohe Recyclingquoten, die den Eindruck umfassender Kreislauffähigkeit erzeugen;
- Krisenhilfen ohne ausreichende vorherige Eigenvorsorge;
- Lebensmittelpreise, in denen Umwelt- und Abfallkosten nur teilweise sichtbar werden.

### 14. Gegenargumente und entlastende Fakten

- Weniger, größere Höfe sind nicht automatisch schlechter: Größere Betriebe können effizienter investieren und Fachkräfte beschäftigen.
- Die Einkommen 2023/24 lagen im Durchschnitt über dem Fünfjahresmittel; eine allgemeine Einkommenskatastrophe aller Höfe ist nicht belegt.
- Importe ermöglichen Vielfalt, saisonale Versorgung und günstigere Preise.
… (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)