Dossier 2

Wachstum, Produktivität, Industrie, Investitionen und Fachkräfte

Datenstand: 23. August 2026. Geldbeträge nominal, sofern nicht anders angegeben.

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## Dossier 2: Wachstum, Produktivität, Industrie, Investitionen und Fachkräfte

Datenstand: 23. August 2026. Geldbeträge nominal, sofern nicht anders angegeben.

### 1. Kernaussage

Deutschland erlebt keine vollständige oder flächendeckende Deindustrialisierung. Das Verarbeitende Gewerbe erwirtschaftete 2024 weiterhin 19,9 % der deutschen Bruttowertschöpfung, gegenüber 15,9 % im EU-Durchschnitt. Deutschland besitzt also noch immer einen außergewöhnlich großen industriellen Kern. [Destatis/Eurostat](https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Industrie-Handel-Dienstleistungen/Industrie.html)

Dieser Kern steht jedoch unter erheblichem strukturellem Druck:

- Das reale BIP sank 2023 und 2024 und wuchs 2025 lediglich um 0,2 %.
- Die industrielle Wertschöpfung ging drei Jahre hintereinander zurück.
- Die energieintensive Produktion lag im März 2026 um 15,2 % unter Februar 2022.
- Ausrüstungsinvestitionen und insbesondere Maschineninvestitionen gingen weiter zurück.
- Deutschlands frühere Exportstärken – Kraftfahrzeuge, Maschinen und Chemie – verlieren in China und teilweise in den USA Marktanteile.
- Unternehmensinsolvenzen sind deutlich gestiegen, bewegen sich aber noch nicht auf dem Niveau der Finanzkrise.
- Fachkräftemangel ist real, aber berufs- und regionsspezifisch. Einen allgemeinen Arbeitskräftemangel weist die Bundesagentur für Arbeit ausdrücklich nicht nach.
- Gleichzeitig bleiben Millionen potenzieller Arbeitskräfte wegen Betreuungspflichten, Krankheit, Qualifikationsproblemen und finanziellen Fehlanreizen ungenutzt.
- Für eine massenhafte Abwanderung hochqualifizierter Beschäftigter gibt es derzeit keine ausreichende amtliche Statistik. Belegt ist lediglich eine seit 2005 bestehende Nettoabwanderung deutscher Staatsangehöriger.

Die treffendste Diagnose lautet daher: **schleichender Verlust industrieller Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumskapazität – bei weiterhin erheblicher industrieller, wissenschaftlicher und finanzieller Substanz.**

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### 2. Definitionen und Abgrenzung

**Deindustrialisierung** sollte nur verwendet werden, wenn industrielle Produktion, Wertschöpfung, Beschäftigung oder Kapitalstock über einen längeren Zeitraum relativ oder absolut schrumpfen. Einzelne Werksschließungen oder ein konjunkturelles Minus reichen nicht.

Zu unterscheiden sind:

- **Konjunkturelle Rezession:** vorübergehender Nachfragerückgang.
- **Struktureller Produktionsverlust:** dauerhafte Stilllegung oder Verlagerung von Kapazitäten.
- **Transformationsverlust:** alte Produkte verschwinden schneller, als neue entstehen.
- **Produktivität:** reale Wertschöpfung je Arbeitsstunde; nicht gleich Arbeitsintensität oder persönlicher Fleiß.
- **Investitionen:** Bruttoanlageinvestitionen. Ihr Rückgang bedeutet nicht zwingend einen schrumpfenden Kapitalstock, solange die Investitionen noch über den Abschreibungen liegen.
- **Insolvenz:** gerichtliches Verfahren, nicht gleich endgültige Unternehmensschließung oder vollständiger Forderungsverlust.
- **Gründung:** je nach Statistik Gewerbeanmeldung, Betriebsgründung oder erstmals aktives Unternehmen. Diese Größen sind nicht austauschbar.
- **Fachkräftemangel:** Mangel an Personen mit passender Berufsqualifikation. Nicht gleich allgemeiner Arbeitskräftemangel.
- **Erwerbspotenzial:** Personen, die grundsätzlich arbeiten möchten oder ihre Stunden ausweiten könnten. Nicht alle sind kurzfristig vermittelbar.
- **Abwanderung:** Fortzug über die Grenze. Die Wanderungsstatistik erfasst weder Bildungsabschluss noch Einkommen oder berufliche Produktivität ausreichend, um automatisch von „Brain Drain“ zu sprechen.

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### 3. Konkrete Teilprobleme

#### 3.1 Sehr niedriges Potenzialwachstum

Die Bundesbank veranschlagt das deutsche Potenzialwachstum nur noch auf ungefähr 0,4 % jährlich. Dahinter stehen demografischer Rückgang, schwache Investitionen und geringe Produktivitätszuwächse. Das erschwert gleichzeitig die Finanzierung von Verteidigung, Infrastruktur und Sozialstaat. [Bundesbank](https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/eingangsstatement-936748)

#### 3.2 Schwache Arbeitsproduktivität

Die reale Wirtschaftsleistung je Arbeitsstunde sank 2023 um 1,2 % und 2024 um 0,3 %. 2025 folgte lediglich ein Anstieg um 0,4 %. Gleichzeitig stiegen die Lohnstückkosten 2023 um 7,6 %, 2024 um 5,6 % und 2025 um 4,5 %. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/inlandsprodukt-stundenkonzept.html)

Das bedeutet nicht, dass Arbeitnehmer „weniger leisten“. Ursachen können auch geringe Kapazitätsauslastung, veralteter Kapitalstock, Krankheit, Bürokratie, schlechtere Infrastruktur oder eine Verschiebung zu weniger produktiv gemessenen Dienstleistungen sein.

#### 3.3 Dreijähriger Rückgang der Industrie

Die reale Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes sank 2023 um 1,6 %, 2024 um 4,3 % und 2025 nochmals um 1,3 %. Besonders betroffen waren Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie. [Destatis, BIP 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html)

Das ist mehr als eine einzelne schlechte Quartalszahl. Ob daraus ein dauerhafter industrieller Substanzverlust wird, hängt davon ab, ob Produktionskapazitäten stillgelegt, verlagert oder durch neue Technologien ersetzt werden.

#### 3.4 Besonders starker Einbruch energieintensiver Produktion

Von Februar 2022 bis März 2026 sank die Produktion energieintensiver Industriezweige um 15,2 %, gegenüber 9,5 % in der gesamten Industrie. In diesen Branchen gab es 53.200 Beschäftigte weniger.

Besonders stark waren die Rückgänge bei Glas, Keramik, Steinen und Erden mit 25,0 %, Papier mit 18,5 %, Chemie mit 18,1 % sowie Metallerzeugung und -bearbeitung mit 12,9 %. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N032_42.html)

Energiepreise sind ein wichtiger Faktor, aber nicht die einzige Ursache. Auch Baukrise, internationale Überkapazitäten, Nachfrageschwäche und technologische Veränderungen wirken mit.

#### 3.5 Rückgang produktivitätssteigernder Investitionen

Die realen Bruttoanlageinvestitionen sanken 2025 um 0,5 %. Ausrüstungsinvestitionen gingen um 2,3 %, Maschinen und sonstige Ausrüstungen sogar um 3,3 % zurück. Bei Maschinen war es bereits das vierte Minus in Folge. Wohnungsbauinvestitionen sanken um 2,4 %. [Destatis, Jahreswirtschaft 2025](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressekonferenzen/2026/bip2025/statement-bip.pdf?__blob=publicationFile&v=4)

Das ist besonders problematisch, weil moderne Maschinen, Software, Energieanlagen und Automatisierung den Arbeitskräftemangel teilweise kompensieren könnten.

#### 3.6 Wirtschaftspolitische und regulatorische Unsicherheit

Unternehmen verschieben Investitionen bei unsicheren Energiepreisen, wechselnden Förderbedingungen, langen Genehmigungen und unklaren Absatzperspektiven. Die Bundesbank erwartet deshalb erst mit Verzögerung stärkere Investitionsimpulse. [Bundesbank, Juni 2025](https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-juni-2025-959270?article=deutschland-prognose-us-zoelle-belasten-zunaechst-fiskalpolitik-sorgt-verzoegert-fuer-auftrieb-959268)

Der Normenkontrollrat beziffert die laufenden Bürokratiekosten auf rund 64 Milliarden Euro jährlich. Von Juli 2024 bis Juni 2025 sank der durch neue Bundesregelungen verursachte Erfüllungsaufwand zwar um 3,2 Milliarden Euro, das bestehende Belastungsniveau blieb aber hoch. [NKR-Jahresbericht 2025](https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103050.pdf)

#### 3.7 Exportmodell unter geopolitischem und technologischem Druck

Kraftfahrzeuge und Teile machten 2025 noch 16,3 %, Maschinen 13,7 % der deutschen Warenexporte aus. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/handelswaren-jahr.html)

Gleichzeitig:

- Exporte nach China sanken 2025 um 9,7 %.
- Exporte in die USA sanken um 9,4 %.
- Kraftfahrzeugexporte in die USA sanken um 17,8 %.
- Der deutsche Importüberschuss gegenüber China stieg auf 89,3 Milliarden Euro.
- Der gesamte deutsche Warenexportüberschuss sank von 242,9 auf 200,5 Milliarden Euro. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_056_51.html)

China ist nicht mehr nur Absatzmarkt und Lieferant, sondern bei Autos, Maschinen, Chemie, Batterien und Elektronik zunehmend direkter Wettbewerber.

#### 3.8 Steigende Insolvenzen

2025 registrierten die Gerichte 24.064 Unternehmensinsolvenzen, 10,3 % mehr als 2024. Bereits 2023 und 2024 waren die Zahlen jeweils um mehr als 20 % gestiegen. Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich 2025 auf 47,9 Milliarden Euro.

Allerdings:

- Die Zahl lag ungefähr auf dem Niveau von 2014.
- 2009 waren es 32.687 Insolvenzen.
- Großinsolvenzen gingen 2025 gegenüber 2024 um 15,6 % zurück.
- Insolvenzen sind teilweise eine Nachholung nach Corona-Hilfen, Niedrigzinsen und ausgesetzten Insolvenzantragspflichten. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_085_52411.html)

Die These eines allgemeinen Zusammenbruchs der deutschen Unternehmenslandschaft ist daher überzogen. Der Anstieg bleibt dennoch ein ernstes Warnsignal.

#### 3.9 Schwache Unternehmensdynamik – aber keine einheitliche Gründungskrise

Deutschland weist seit längerem niedrige Markteintrittsraten und geringes Wachstum junger Unternehmen auf. Die OECD sieht administrative Hürden, schwache Nachgründungsdynamik und geringe Wettbewerbsintensität als Ursachen. [OECD-Wirtschaftsbericht Deutschland 2025](https://www.oecd.org/de/publications/oecd-wirtschaftsberichte-deutschland-2025_edfb037f-de.html)

Entlastend ist: 2025 gab es rund 762.400 Gewerbeanmeldungen und 612.900 Abmeldungen. Die Zahl größerer Betriebsgründungen nahm um 7,6 % zu. Gewerbeanmeldungen dürfen aber nicht mit dauerhaft aktiven, innovativen Wachstumsunternehmen gleichgesetzt werden. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/Gewerbemeldungen-Insolvenzen/_inhalt.html)

#### 3.10 Hohe Belastung von Arbeit

Für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder betrug der deutsche Steuer- und Abgabenkeil 2025 insgesamt 49,3 % der Arbeitskosten. Nur Belgien lag höher; der OECD-Durchschnitt betrug 35,1 %. [OECD, Taxing Wages 2026](https://www.oecd.org/en/publications/taxing-wages-2026_3a5169ef-en/full-report/overview_d93131c3.html)

Das verteuert Beschäftigung und vermindert den finanziellen Ertrag zusätzlicher Arbeitsstunden. Die Aussage gilt aber nicht gleichermaßen für alle Haushaltsformen: Familienleistungen und Einkommensteuertarif verändern die Belastung erheblich.

#### 3.11 Berufs- und regionaler Fachkräftemismatch

Die Bundesagentur für Arbeit identifizierte für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Engpässe bestehen vor allem in Pflege, Medizin, Handwerk, Bau, Erziehung, Gastronomie und Berufskraftverkehr.

Die BA hält zugleich ausdrücklich fest: **Es gibt keinen Beleg für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel.** In zahlreichen Berufen übersteigt das Arbeitskräfteangebot die Nachfrage. [BA-Engpassanalyse 2025](https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Fachkraefteengpassanalyse/Fachkraefteengpassanalyse.html)

#### 3.12 Konjunkturell sinkende Arbeitsnachfrage trotz struktureller Engpässe

Im vierten Quartal 2025 gab es rund 1,26 Millionen offene Stellen. Das waren zwar 22 % mehr als im schwachen Vorquartal, aber 10 % weniger als ein Jahr zuvor. [IAB-Stellenerhebung](https://iab.de/presseinfo/iab-stellenerhebung-fuer-das-vierte-quartal-2025-zahl-der-offenen-stellen-steigt-von-1-03-auf-1-26-millionen-und-damit-staerker-als-saisonueblich/)

Das erklärt, warum gleichzeitig von Fachkräftemangel und steigender Arbeitslosigkeit berichtet werden kann: Die gesuchten Qualifikationen und die vorhandenen Arbeitsuchenden passen häufig nicht zusammen.

#### 3.13 Erhebliches ungenutztes Arbeitskräftepotenzial

2025 wollten 4,9 Millionen nicht erwerbstätige Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren grundsätzlich arbeiten. Darunter waren 1,7 Millionen Erwerbslose und 3,2 Millionen Personen in der sogenannten stillen Reserve.

Bei Frauen im Haupterwerbsalter spielten Betreuungspflichten eine große Rolle; bei Männern gesundheitliche Einschränkungen. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_154_13.html)

31,9 % der Beschäftigten arbeiteten 2025 in Teilzeit, bei Frauen 50,6 %, bei Männern 14,3 %. Aber nur 4,9 % der Teilzeitbeschäftigten gaben an, unfreiwillig Teilzeit zu arbeiten. Teilzeit darf deshalb nicht pauschal als ungenutzte Arbeitsreserve verbucht werden. [Destatis Arbeitszeiten](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N035_13.html), [Destatis unfreiwillige Teilzeit](https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Indikatoren-Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/unfreiwillig-teilzeitbeschaeftige.html)

#### 3.14 Fachkräftezuwanderung bleibt kleiner als die demografische Aufgabe

Das BAMF erfasste 2024 rund 54.590 Zuzüge von Drittstaatsangehörigen zum Zweck der Erwerbstätigkeit. Darunter waren rund 30.005 Fachkräfte und Hochqualifizierte. Beide Werte lagen deutlich unter 2023.

Das BAMF warnt allerdings vor einer statistischen Untererfassung, weil länger gültige Visa nicht immer zeitnah in entsprechende Aufenthaltstitel überführt werden. [BAMF, Bundesamt in Zahlen 2024](https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/BundesamtinZahlen/bundesamt-in-zahlen-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=3)

Von 2012 bis 2024 wurden insgesamt rund 383.000 Anerkennungsanträge für ausländische Berufsqualifikationen und Zeugnisbewertungen registriert. Die Zuständigkeiten bleiben zwischen Bund, Ländern, Kammern und Berufsrecht fragmentiert. [BIBB-Anerkennungsmonitoring](https://www.anerkennung-in-deutschland.de/assets/content/Medien_Dokumente-Fachpublikum/2025-faktenblatt-anerkennungsmonitoring-de2.pdf)

#### 3.15 Abwanderung deutscher Staatsangehöriger – aber unklarer „Brain Drain“

2025 zogen 288.579 deutsche Staatsangehörige fort und 191.890 wieder zu. Der Saldo betrug somit rund minus 96.700 Personen. Deutschland verzeichnet bei deutschen Staatsangehörigen seit 2005 durchgängig eine Nettoabwanderung. Häufige Ziele waren Schweiz, Österreich und Spanien. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_184_12411.html)

Nicht belegt ist dagegen, welcher Anteil hochqualifiziert ist, wie viele später zurückkehren und welche steuerlichen oder wirtschaftlichen Verluste dauerhaft entstehen. Aus dem negativen Saldo allein lässt sich keine belastbare volkswirtschaftliche „Brain-Drain-Rechnung“ erstellen.

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### 4. Zentrale Kennzahlen

| Indikator | Stand | Einordnung |
|---|---:|---|
| Reales BIP | 2023 −0,9 %, 2024 −0,5 %, 2025 +0,2 % | Mehrjährige Stagnation |
| Industrie-Wertschöpfung | 2025 −1,3 % | Drittes Rückgangsjahr |
| Stundenproduktivität | 2025 +0,4 % | Nur leichte Erholung |
| Lohnstückkosten | 2025 +4,5 % | Wettbewerbsbelastung |
| Bruttoanlageinvestitionen | 2025 −0,5 % | Investitionsschwäche |
| Ausrüstungsinvestitionen | 2025 −2,3 % | Besonders wachstumsrelevant |
| Energieintensive Produktion | Feb. 2022–März 2026 −15,2 % | Strukturelles Warnsignal |
| Industrieanteil an Wertschöpfung | 2024: 19,9 % | Weiter deutlich über EU-Schnitt |
| Unternehmensinsolvenzen | 2025: 24.064 | +10,3 %, etwa Niveau 2014 |
| Offene Stellen | Q4 2025: 1,26 Mio. | −10 % gegenüber Vorjahr |
| Engpassberufe | 2025: 157 | Kein allgemeiner Mangel |
| Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial | 2025: 4,9 Mio. | Nicht vollständig kurzfristig aktivierbar |
| Steuer- und Abgabenkeil | 2025: 49,3 % | Zweithöchster OECD-Wert |
| FuE-Ausgaben | 2024: 137,1 Mrd. €, 3,17 % des BIP | Bedeutende Stärke |
| Nettoabwanderung deutscher Staatsbürger | 2025: rund −96.700 | Qualifikationen unbekannt |

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### 5. Historische Entwicklung

- **2000er bis Mitte der 2010er:** Arbeitsmarktreformen, EU-Osterweiterung, günstige Energie und starke chinesische Nachfrage begünstigten Industrie und Exporte.
- **Ab etwa 2018:** Welthandel, Automobilproduktion und Produktivitätsentwicklung schwächten sich ab.
- **2020:** Pandemie und Lieferkettenstörungen.
- **2021:** Teilweise kräftige Erholung, aber Engpässe bei Vorprodukten.
- **Ab 2022:** Energiepreisschock, Verlust russischer Gaslieferungen, Inflation, steigende Zinsen und geopolitische Unsicherheit.
- **2023–2025:** Drei Jahre sinkende Industrieproduktion beziehungsweise industrielle Wertschöpfung; gleichzeitig Rückgang von Bau- und Ausrüstungsinvestitionen.
- **Anfang 2026:** Das BIP lag im ersten Quartal 0,5 % über dem Vorjahresquartal. Bauinvestitionen und Bauwertschöpfung blieben jedoch schwach. Das ist eine Stabilisierung, noch keine belegte strukturelle Trendwende. [Destatis Q1 2026](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_173_811.html)

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### 6. Regionale Unterschiede

- Automobil- und Maschinenbauregionen in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Teilen Ostdeutschlands tragen besonders hohe Transformationsrisiken.
- Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Teile Norddeutschlands sind über Chemie, Metall, Papier, Glas und Grundstoffindustrie besonders energiepreisabhängig.
- Städte mit Hochschulen, Forschungsinstituten und Risikokapital ziehen Gründungen und Hochqualifizierte stärker an als ländliche Regionen.
- Kleine und mittlere Unternehmen tragen einen großen Teil der offenen Stellen: Rund 751.000 der 1,26 Millionen offenen Stellen im vierten Quartal 2025 entfielen auf Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten.
- Im ersten Quartal 2025 kamen in Ostdeutschland etwa 330 Arbeitslose auf 100 offene Stellen, in Westdeutschland 234. Das zeigt stärkere regionale Nachfrageschwäche, schließt berufsspezifische Engpässe aber nicht aus. [IAB-Politikbrief](https://doku.iab.de/politikbrief/2025/pb_juli_2025.pdf)

Eine präzise regionale Deindustrialisierungskarte nach Kreisen, Branchen, Werksschließungen und Investitionsabflüssen bleibt noch zu erstellen.

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### 7. Internationaler Vergleich

Deutschland hat gleichzeitig erhebliche Stärken und Schwächen:

**Stärken**

- Industrieanteil 19,9 %, deutlich über dem EU-Durchschnitt von 15,9 %.
- FuE-Ausgaben 2024 bei 3,17 % des BIP, höchster Wert der deutschen Zeitreihe seit 1995. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Forschung-Entwicklung/_inhalt.html)
- Leistungsfähige industrielle Cluster, Facharbeiterausbildung, Mittelstand, Forschungseinrichtungen und Exportnetzwerke.
- 2025 wieder steigende ausländische Direktinvestitionszuflüsse von 86 Milliarden Euro.

**Schwächen**

- Außergewöhnlich hoher Steuer- und Abgabenkeil auf Arbeit.
- Niedriges Potenzialwachstum.
- Schwache Gründungs- und Skalierungsdynamik.
- Hohe Energie- und Regulierungskosten.
- Alternde Bevölkerung und sinkendes inländisches Arbeitsangebot.
- Im internationalen Vergleich langsame Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse.

Die Direktinvestitionen widersprechen einer einfachen Exodus-Erzählung: Ausländische Zuflüsse stiegen 2025 auf 86 Milliarden Euro. Sie lagen aber noch unter dem Niveau zu Beginn des Jahrzehnts; die Bundesbank bezeichnet die Entwicklung ausdrücklich noch nicht als Trendwende. Deutsche Unternehmen investierten gleichzeitig 97,5 Milliarden Euro zusätzlich in verbundene Unternehmen im Ausland. Diese Ströme enthalten Übernahmen, reinvestierte Gewinne und konzerninterne Kredite und sind deshalb kein direktes Maß für verlegte Fabriken. [Bundesbank](https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-maerz-2026-988542?article=die-deutsche-zahlungsbilanz-fuer-das-jahr-2025-988552)

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### 8. Ursachenanalyse

**Stark belegt**

- Demografisch sinkendes Arbeitskräfteangebot.
- Geringe Produktivitätszuwächse.
- Mehrjährige Investitionsschwäche.
- Energiepreisschock und Unsicherheit seit 2022.
- Rückgang internationaler Nachfrage nach deutschen Kernexporten.
- Lange 
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