Dossier AB
Klimaresilienz, Hochwasser, Dürre, Wasserknappheit, Waldzustand und Hitzefolgen
Stand: 24. August 2026
Registerfortschreibung: DE-562 bis DE-611
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# Dossier AB – Klimaresilienz, Hochwasser, Dürre, Wasserknappheit, Waldzustand und Hitzefolgen **Stand: 24. August 2026** **Registerfortschreibung: DE-562 bis DE-611** ## 1. Kernaussage Deutschland ist nicht generell wasserarm und auch nicht jedes Extremwetterereignis lässt sich unmittelbar dem Klimawandel zurechnen. Die belastbare Diagnose lautet differenzierter: - Deutschland erwärmt sich deutlich; 2024 war mit 10,9 °C das wärmste Jahr seit Messbeginn 1881. - Die durchschnittliche Zahl heißer Tage hat sich seit 1951 von etwa drei auf ungefähr zehn pro Jahr mehr als verdreifacht. - Rund 2.500 bis 3.200 hitzebedingte Todesfälle wurden jeweils für die Sommer 2023 bis 2025 geschätzt. - Die Dürrejahre 2018 bis 2020 hinterließen lang anhaltende Grundwasser-, Boden- und Waldschäden. - Gleichzeitig war 2024 überdurchschnittlich nass und regional hochwasserreich; 2025 folgte das trockenste Frühjahr seit Messbeginn. - Nur 21 Prozent der 2024 untersuchten Waldbäume waren ohne Kronenverlichtung. - Nur ungefähr ein Drittel der früheren Flussauen steht noch als natürlicher Überflutungsraum zur Verfügung. - Erst zwölf Prozent der Kommunen berichteten 2023 von einem eigenen Klimaanpassungskonzept. - Beim seit 2014 bestehenden Nationalen Hochwasserschutzprogramm befand sich Ende 2025 ein Großteil der raumgebenden Maßnahmen weiterhin in Konzeption, Vorplanung oder Genehmigung. Deutschland hat seit 2024 erstmals einen verbindlicheren gesetzlichen Anpassungsrahmen und messbare Bundesziele. Die Schwachstelle liegt jetzt weniger im völligen Fehlen von Strategien als in deren Finanzierung, lokaler Umsetzung, rechtlicher Verbindlichkeit und Erfolgskontrolle. --- ## 2. Definition, Abgrenzung und Doppelzählungskontrolle **Klimaschutz** begrenzt die weitere Erwärmung durch Emissionsminderung. **Klimaanpassung** soll nicht mehr vermeidbare Auswirkungen beherrschbar machen. Sie umfasst unter anderem: - Hitzevorsorge, - Wasserrückhalt und Grundwasserschutz, - Hochwasser- und Starkregenvorsorge, - klimaangepasstes Bauen, - resilientere Wälder und Landwirtschaft, - Küsten- und Infrastrukturschutz, - Anpassung von Gesundheitssystem und Arbeitswelt. Dossier AB behandelt langfristige Prävention, Raum- und Landnutzung sowie strukturelle Resilienz. Nicht erneut gezählt werden: - Warnung, Evakuierung und akute Katastrophenabwehr aus Dossier AA, - allgemeine Wasserleitungs- und Kanalsanierung, - reguläre Krankenhaus- und Pflegeprobleme, - Energiepreise oder Verkehrsinfrastruktur ohne spezifischen Klimabezug, - allgemeine Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik, die im folgenden Dossier AC behandelt wird. Klimaschutz und Anpassung sind keine Alternativen. Mit zunehmender Erwärmung steigen die Anpassungskosten und schließlich die nicht mehr vermeidbaren Schäden. --- ## 3. Konkrete Teilprobleme ### 3.1 Beschleunigte Erwärmung 2024 erreichte die Jahresmitteltemperatur in Deutschland 10,9 °C und lag damit 2,7 Grad über dem Mittel 1961–1990. Sie übertraf den erst 2023 gesetzten Rekord um 0,3 Grad. Der DWD sieht seit den 1960er-Jahren jede Zehnjahresperiode wärmer als die vorherige. Der aktuelle langfristige Änderungstrend liegt je nach statistischer Methode bei ungefähr 2,5 Grad seit 1881 ([DWD-Klimastatusbericht 2024](https://www.dwd.de/DE/leistungen/klimastatusbericht/publikationen/ksb_2024.html), [UBA-Temperaturtrends bis 2025](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/trends-der-lufttemperatur)). Das bedeutet nicht, dass jedes Jahr trockener oder heißer als das vorige sein muss. Der Trend wird von starken jährlichen Schwankungen überlagert. ### 3.2 Mehr heiße Tage und urbane Wärmeinseln Seit 1951 stieg die durchschnittliche Zahl der Tage mit mindestens 30 °C von etwa drei auf ungefähr zehn pro Jahr. 2025 wurden im Deutschlandmittel 11,1 heiße Tage registriert; 2018 waren es 20,4. Der Anstieg ist statistisch signifikant ([UBA-Indikator Heiße Tage](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-heisse-tage)). Städte sind besonders belastet: - versiegelte Flächen speichern Wärme, - Gebäude behindern nächtliche Abkühlung, - Grün- und Wasserflächen fehlen, - Abwärme verstärkt lokale Wärmeinseln. In einzelnen Jahren registrierte Frankfurt bis zu 13 und Berlin bis zu 20 Tropennächte, während das Deutschlandmittel bei etwa ein bis 1,5 lag ([UBA zum Wärmeinseleffekt](https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/bauwesen/bau-i-1_bau-i-2/indikator)). ### 3.3 Tausende hitzebedingte Todesfälle Das RKI schätzte: - etwa 3.200 Todesfälle im Sommer 2023, - etwa 3.000 im Sommer 2024, - etwa 2.500 im Sommer 2025. 2018 und 2019 wurden jeweils mehr als 7.000 geschätzt. Diese Zahlen sind statistische Modellschätzungen mit Unsicherheitsintervallen, keine direkt auf Totenscheinen gezählte Kategorie. Für 2024 lag die Schätzung bei 3.000, mit einem 95-Prozent-Prädiktionsintervall von 1.500 bis 4.400. Rund 1.810 entfielen auf Menschen ab 85 Jahren ([RKI-Mortalitätsbericht](https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html), [BMG, Stand Juli 2026](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/hitze)). ### 3.4 Kein verbindliches, flächendeckendes Hitzeschutzsystem Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht Musterpläne und Informationsmaterialien. Zuständig für konkrete Hitzeaktionspläne sind aber Länder und Kommunen. Das BMG besitzt nach eigener Darstellung kein durchgreifendes Organisationsrecht. Die 2020 von der Gesundheitsministerkonferenz angestrebte flächendeckende Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne bis 2025 ist nicht als erreicht belegt. Musterpläne für Krankenhäuser, Pflege, Apotheken und Sport sind überwiegend Empfehlungen, keine bundesweit kontrollierten Mindeststandards. ### 3.5 Gebäude und soziale Einrichtungen sind häufig nicht sommerfest Viele bestehende Wohnungen, Schulen, Kitas, Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden für ein kühleres Klima gebaut. Probleme sind: - große Glasflächen ohne außenliegenden Sonnenschutz, - schlecht verschattete Schulhöfe, - aufgeheizte Dachgeschosse, - fehlende Nachtlüftung, - geringe Begrünung, - unzureichende passive Kühlung. Eine pauschale Klimatisierung aller Gebäude wäre energie- und kostenträchtig. Vorrang sollten Verschattung, Dämmung, helle Oberflächen, Verdunstung, Nachtlüftung und angepasste Nutzungszeiten haben. ### 3.6 Sozial ungleich verteilte Hitzebelastung Besonders betroffen sind: - ältere und chronisch kranke Menschen, - Säuglinge und Schwangere, - Pflegebedürftige, - Menschen ohne Wohnung, - Personen in schlecht gedämmten Dachwohnungen, - Beschäftigte im Freien oder in heißen Hallen, - Menschen in dicht bebauten, verkehrsreichen Quartieren. Wohlhabende Haushalte können leichter verschatten, kühlen, umziehen oder Homeoffice nutzen. Damit droht Klimaanpassung bestehende soziale Ungleichheiten zu verstärken. ### 3.7 Extreme Schwankungen statt einfacher Austrocknung 2024 war mit 902 Litern Niederschlag je Quadratmeter das zwölftfeuchteste Jahr seit 1881. 2025 war dagegen niederschlagsarm; das Frühjahr 2025 war das trockenste seit Messbeginn. Bayern erhielt 2025 rund 26 Prozent weniger Jahresniederschlag als im Referenzmittel ([DWD-Jahresbilanz 2025](https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20251230_pm_jahr-2025_news.html?nn=16210)). Das Kernproblem ist deshalb nicht ein gleichmäßiger Rückgang des Jahresniederschlags, sondern: - längere trockene Phasen, - höhere Verdunstung, - mehr Winter- statt Sommerniederschlag, - lokal intensiver Starkregen, - schneller oberflächlicher Abfluss, - unzureichende Speicherung in Boden, Auen und Städten. ### 3.8 Anhaltende Grundwasserdefizite nach Dürrejahren 2019 bis 2021 wurden an vielen Messstellen Rekordunterschreitungen langjähriger Niedrigststände gemessen. In Norddeutschland lagen die Monatsmittel 2019 bis 2021 im Durchschnitt der untersuchten Messstellen mehr als 8,5 Monate pro Jahr unter dem langjährigen Mittel der niedrigsten Grundwasserstände oder Quellschüttungen ([UBA-Grundwasserindikator](https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/wasserhaushalt/ww-i-2/indikator)). Die nassen Jahre 2023 und 2024 verbesserten die Situation vielerorts. Daraus folgt weder, dass alle Speicher wieder aufgefüllt sind, noch dass Deutschland dauerhaft in einer Wasserkrise steckt. Die Lage ist regional und geologisch sehr unterschiedlich. ### 3.9 Keine transparente Wasserhierarchie für Knappheitslagen Trinkwasser, Ökosysteme, Landwirtschaft, Industrie, Energieerzeugung und Freizeitnutzungen konkurrieren regional um Wasser. Die Nationale Wasserstrategie sieht transparente Priorisierungsregeln vor. Ein flächendeckend umgesetztes, öffentlich nachvollziehbares System existiert aber noch nicht. Entscheidungen über Entnahmen bleiben überwiegend lokal. Dadurch können benachbarte Behörden unterschiedliche Maßstäbe anwenden. ### 3.10 Wasserstrategie mit 78 Maßnahmen, aber schwacher Ergebnismessung Die 2023 beschlossene Nationale Wasserstrategie enthält 78 bis 2030 schrittweise umzusetzende Maßnahmen. Sie adressiert Wasserrückhalt, Infrastruktur, Nutzungskonflikte, Gewässerschutz und Wasserknappheit ([UBA zur Nationalen Wasserstrategie](https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/nationale-wasserstrategie)). Für viele Maßnahmen fehlen öffentlich leicht nachvollziehbare Angaben zu: - Finanzierung, - Verantwortlichen, - Zwischenzielen, - tatsächlicher Umsetzung, - regionalen Wirkungen. ### 3.11 Hohe Abhängigkeit der Trinkwasserversorgung vom Grundwasser Öffentliche Wasserversorger gewannen 2022 rund 5,32 Milliarden Kubikmeter Wasser. Davon kamen: - 62,5 Prozent aus Grundwasser, - 12,3 Prozent aus Seen und Talsperren, - 8,1 Prozent aus Quellen, - nur 1,2 Prozent unmittelbar aus Flüssen. Von der gewonnenen Menge gingen 469 Millionen Kubikmeter auf tatsächliche oder scheinbare Verluste, Messdifferenzen und unkontrollierte Entnahmen zurück. Dieser Wert darf nicht pauschal als Rohrleitungsverlust bezeichnet werden ([Destatis, öffentliche Wasserversorgung 2022](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/08/PD24_304_32311.html)). ### 3.12 Steigende landwirtschaftliche Bewässerung verschärft regionale Konflikte 2022 wurden 554.000 Hektar Freiland bewässert – 49 Prozent mehr als 2009. Die verwendete Wassermenge betrug 431 Millionen Kubikmeter. Mehr als die Hälfte der bewässerten Fläche lag in Niedersachsen: 302.100 Hektar beziehungsweise rund 54,5 Prozent des Bundeswertes ([Destatis zur Bewässerung](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_186_41.html)). Bewässerung kann Ernten sichern und Lebensmittelverluste reduzieren. Ohne Entnahmegrenzen, effiziente Technik und angepasste Kulturen kann sie aber Grundwasserprobleme verlagern. ### 3.13 Zu wenig Wiederverwendung und Speicherung Gereinigtes Abwasser, Niederschlagswasser und betriebliche Kreisläufe werden noch nicht flächendeckend als zusätzliche Ressourcen genutzt. Hindernisse sind: - hygienische Vorgaben, - fehlende Leitungsnetze, - Kosten, - Zuständigkeitsgrenzen, - geringe Anreize bei niedrigen Wasserpreisen, - unklare regionale Bedarfsprognosen. Wasserwiederverwendung ist kein Allheilmittel: Schadstoffe, Energiebedarf und Salzkonzentrationen müssen berücksichtigt werden. ### 3.14 Niedrigwasser gefährdet Lieferketten 2018 transportierten deutsche Binnenschiffe rund 25 Millionen Tonnen beziehungsweise 11,1 Prozent weniger Güter als im Vorjahr. Am Niederrhein nehmen Einschränkungen durch Niedrigwasser seit 1997 signifikant zu. Mehr als drei Viertel des deutschen Binnenschiffsverkehrs findet im Rheingebiet statt ([UBA-Indikator Rhein](https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/verkehr-verkehrsinfrastruktur/ve-i-1_ve-i-2/indikator)). Indirekte Folgen sind: - höhere Frachtkosten, - Produktionskürzungen, - knappere Rohstoffe, - mehr Straßen- und Schienenverkehr, - Preissteigerungen bei Brenn- und Kraftstoffen. ### 3.15 Verlust natürlicher Überflutungsräume Von ehemals rund 1,6 Millionen Hektar Flussauen stehen heute noch etwa 511.900 Hektar als Retentionsraum zur Verfügung – ungefähr ein Drittel. Zwischen 1983 und 2020 wurden nur rund 7.100 Hektar wieder an die natürliche Überflutungsdynamik angeschlossen ([UBA: Rückgewinnung natürlicher Überflutungsflächen](https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/biologische-vielfalt/bd-r-2/indikator)). Das entspricht weniger als einem halben Prozent der historischen Auenfläche. Technische Deiche bleiben in dicht besiedelten Regionen notwendig; ohne zusätzliche Rückhalteräume steigen aber Wasserstände und Schäden flussabwärts. ### 3.16 Langsame Umsetzung des Nationalen Hochwasserschutzprogramms Das 2014 beschlossene Programm umfasst inzwischen 257 Einzel- und Teilmaßnahmen und ein geschätztes Finanzvolumen von etwa 8,1 Milliarden Euro. Vorgesehen sind knapp 40.000 Hektar zusätzliche Rückhaltefläche und etwas mehr als eine Milliarde Kubikmeter neues Rückhaltevolumen. Von 181 raumgebenden Maßnahmen befanden sich Ende 2025: - 38 Prozent in Konzeption, - 27 Prozent in Vorplanung, - 15 Prozent in Genehmigung oder Vergabe, - 14 Prozent im Bau. Damit lag zehn Jahre nach Programmstart der größte Teil noch vor der baulichen Umsetzung ([BMUKN zum Hochwasserschutzprogramm](https://www.bundesumweltministerium.de/themen/wasser-und-binnengewaesser/hochwasservorsorge/hochwasserschutzprogramm)). ### 3.17 Fortgesetzte Bebauungs- und Wertkonzentration in Risikogebieten Das Wasserhaushaltsgesetz begrenzt neue Baugebiete in festgesetzten Überschwemmungsgebieten. Schäden können jedoch auch außerhalb dieser Gebiete entstehen, etwa durch Starkregen oder seltenere Hochwasser. Probleme bleiben: - Ausnahmen, - alter Gebäudebestand, - historisch gewachsene Siedlungen, - nicht vollständig berücksichtigter Starkregen, - Wiederaufbau am gleichen Standort, - steigende Immobilienwerte in gefährdeten Gebieten. ### 3.18 Starkregengefahr ist nicht überall einheitlich kartiert Flusshochwassergefahrenkarten sind bundesweit verfügbar. Starkregen kann dagegen nahezu jeden Ort treffen und hängt stark von Gelände, Kanalisation, Bebauung und kleinräumigen Niederschlägen ab. Kommunale Karten verwenden teilweise unterschiedliche Szenarien, Auflösungen und Darstellungen. Damit fehlt ein bundesweit vergleichbarer Standard zur Beantwortung der Frage, welche Gebäude, Straßen, Unterführungen und sozialen Einrichtungen bei Starkregen besonders gefährdet sind. ### 3.19 Versicherungslücke bei Elementarschäden 2025 hatten nach Angaben des Versicherungsverbandes GDV rund 59 Prozent der Wohngebäude eine Elementarschadenabsicherung; 41 Prozent nicht. Baden-Württemberg erreichte aufgrund seiner früheren Versicherungspflicht 94 Prozent, während mehrere norddeutsche Länder deutlich darunter lagen ([GDV-Versicherungsdichte](https://www.gdv.de/gdv/statistik/datenservice-zum-naturgefahrenreport/sachversicherung-elementar/versicherungsdichte-bei-elementarschadenversicherung-regional-sehr-unterschiedlich--147658)). Die Bundesregierung arbeitet seit 2025 an einem gesetzlichen Modell, hatte bis August 2026 aber noch keine verabschiedete Regelung vorgelegt. Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, Neuverträge nur mit Elementarschutz anzubieten und Bestandsverträge zu einem Stichtag zu erweitern ([Bundestagsdrucksache 21/2387, S. 56](https://dserver.bundestag.de/btd/21/023/2102387.pdf)). ### 3.20 Flächenverbrauch verschärft Hitze und Überflutung Zwischen 2021 und 2024 wurden durchschnittlich 50 Hektar täglich neu als Siedlungs- und Verkehrsfläche in Anspruch genommen. Das Ziel für 2030 liegt unter 30 Hektar pro Tag. Neue Siedlungs- und Verkehrsfläche ist nicht vollständig versiegelt, führt aber häufig zu Verlusten von Boden-, Speicher- und Verdunstungsfunktionen ([UBA-Flächenindikator](https://www.umweltbundesamt.de/indikator-siedlungs-verkehrsflaeche)). ### 3.21 Schwammstadt bleibt überwiegend Leitbild Das Schwammstadtprinzip verbindet: - Versickerung, - Rückhaltung, - Verdunstung, - Grünflächen, - Bäume, - Gründächer, - offene Wasserwege, - Entlastung der Kanalisation. Obwohl es in Wasser- und Anpassungsstrategie verankert ist, fehlen flächendeckend verbindliche Leistungswerte, dauerhafte Finanzierung und angepasste Bau- und Wasserrechtsnormen. Das UBA empfiehlt deshalb Änderungen unter anderem am Wasserhaushalts- und Baugesetzbuch ([UBA zur Schwammstadt](https://www.umweltbundesamt.de/klimaresiliente-schwammstaedte)). ### 3.22 Kommunale Klimaanpassung steht noch am Anfang Die erste repräsentative Kommunalbefragung mit 1.062 teilnehmenden Kommunen ergab 2023: - zwölf Prozent hatten ein Klimaanpassungskonzept, - 41 Prozent hatten einzelne Maßnahmen umgesetzt, - 64 Prozent sahen hohen oder sehr hohen Handlungsbedarf, - fehlendes Personal und Geld waren die wichtigsten Hindernisse. Bis August 2025 wurden 279 Klimaanpassungsmanagerinnen und -manager durch die Bundesförderrichtlinie gefördert. Das ist nicht die Gesamtzahl aller kommunalen Fachkräfte, zeigt aber die begrenzte Reichweite der Bundesförderung gegenüber 10.775 Gemeinden ([UBA-Kommunalbefragung](https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/mehrheit-der-deutschen-staedte-gemeinden-stellt), [Bundestagsdrucksache 21/1324, S. 44](https://dserver.bundestag.de/btd/21/013/2101324.pdf)). ### 3.23 Klimaanpassung ist keine dauerhaft finanzierte Gemeinschaftsaufgabe Lokale Anpassung liegt grundsätzlich bei Ländern und Kommunen. Der Bund darf sie aufgrund der Finanzverfassung nur über bestimmte Ausnahmen, Modellprogramme oder bestehende Gemeinschaftsaufgaben unterstützen. Programme fördern häufig befristetes Personal und Projekte, aber nicht unbedingt langfristigen Betrieb und Unterhaltung. Ein Gutachten des Umweltministeriums hält eine neue Gemeinschaftsaufgabe für verfassungsrechtlich gestaltbar; dafür wäre jedoch eine politische und gegebenenfalls grundgesetzliche Entscheidung erforderlich ([BMUKN-Finanzierungsgutachten](https://www.bundesumweltministerium.de/download/rechtsfragen-der-gemeinsamen-finanzierung-von-massnahmen-der-klimaanpassung-und-des-naturschutzes-durch-bund-und-laender)). ### 3.24 Klimaanpassungsgesetz schafft Planung, aber begrenzte Durchsetzung Das seit Juli 2024 geltende KAnG verpflichtet zu Strategien, Risikoanalysen, Berücksichtigung von Klimafolgen und kommunalen Konzepten. Es enthält jedoch: - erhebliche Gestaltungsspielräume der Länder, - Haushaltsvorbehalte, - keine durch das Gesetz begründeten subjektiven Rechte, - keine bundesweit identische kommunale Frist, - keine automatische Finanzierung einzelner Maßnahmen. Ein Konzept muss daher nicht zwangsläufig umgesetzt sein. Der Gesetzestext ist unter [Gesetze im Internet](https://www.gesetze-im-internet.de/kang/BJNR1890A0023.html) verfügbar. ### 3.25 Waldzustand bleibt schlecht Deutschland besitzt rund 11,5 Millionen Hektar Wald. In der Waldzustandserhebung 2024 waren: - 21 Prozent der Bäume ohne Kronenverlichtung, - 43 Prozent in der Warnstufe, - 36 Prozent deutlich verlichtet. Bei älteren Bäumen lag die deutliche Verlichtung bei 43 Prozent, bei jüngeren bei 16 Prozent. 51 Prozent der untersuchten Eichen und 46 Prozent der Buchen waren deutlich verlichtet. Die Stichprobe umfasste 9.816 Bäume an 409 Punkten ([BMLEH-Waldzustandserhebung 2024](https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html)). Kronenverlichtung ist ein wichtiger Vitalitätsindikator, aber keine vollständige Diagnose des gesamten Ökosystems. ### 3.26 Langsame Erholung von Dürre- und Käferschäden Trotz günstigerer Witterung 2023 und 2024 hatte sich der Wald noch nicht von 2018 bis 2020 erholt. Bis Februar 2025 wurden seit 2018 ungefähr 308 Millionen Festmeter Schadholz erfasst; mehr als 500.000 Hektar müssen nach Schätzung von Fachleuten wiederbewaldet werden. Über 20 Prozent des 2012 erfassten Fichtenvorrats fielen außerplanmäßig an. Schwerpunkte liegen unte … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)