Dossier AC

Landwirtschaftliche Belastungen, Lebensmittelversorgung und Importabhängigkeit

Stand: 24. August 2026

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# Dossier AC – Landwirtschaftliche Belastungen, Lebensmittelversorgung und Importabhängigkeit

Stand: 24. August 2026

## 1. Kernbefund

Deutschland droht gegenwärtig keine allgemeine Lebensmittelknappheit. Das Agrar- und Ernährungssystem ist produktiv, stark in den europäischen Binnenmarkt eingebunden und erzeugt bei Kartoffeln, Milchprodukten und Teilen der Fleischerzeugung Überschüsse.

Die eigentliche Schwäche ist eine Kombination aus:

- stark schwankenden Betriebseinkommen,
- weiterem Strukturwandel und ungeklärter Hofnachfolge,
- hohen Pacht-, Investitions- und Betriebsmittelkosten,
- flächenbezogenen Subventionen mit begrenzter Zielgenauigkeit,
- konzentrierten Verarbeitungs- und Handelsstufen,
- niedriger Eigenversorgung bei Obst, Gemüse, Ölsaaten und Eiweißfuttermitteln,
- Abhängigkeit von Energie, Arbeitskräften, Logistik und internationalen Vorprodukten,
- ungelösten Umwelt-, Klima- und Tierwohlkosten,
- wechselnden politischen Vorgaben.

Ernährungssicherheit darf daher nicht mit einem einzigen Selbstversorgungsgrad gleichgesetzt werden. Entscheidend ist, ob Produktion, Verarbeitung, Transport, Energieversorgung, Wasser, Vorleistungen und Zahlungsfähigkeit der Verbraucher gleichzeitig funktionieren.

## 2. Abgrenzung

Untersucht werden Landwirtschaft, landwirtschaftliche Vorleistungen, Lebensmittelverarbeitung, Handel, Außenhandel und staatliche Krisenvorsorge.

Nicht erneut vollständig behandelt werden die allgemeinen Klimafolgen aus Dossier AB oder die allgemeine Lebenshaltungskostenkrise. Hier geht es ausschließlich um deren agrar- und ernährungsspezifische Schnittstellen.

„Selbstversorgungsgrad“ bedeutet rechnerisch Inlandserzeugung im Verhältnis zur Inlandsverwendung. Er sagt nicht, ob:

- alle gewünschten Sorten und Teilstücke verfügbar sind,
- die heimische Erzeugung ohne importiertes Futter oder Energie möglich wäre,
- Verarbeitung und Logistik funktionieren,
- Lebensmittel für alle Haushalte bezahlbar sind,
- ein Angebot saisonal und regional verfügbar ist.

## 3. Zentrale Teilprobleme

### 3.1 Anhaltender Strukturwandel

2023 gab es rund 255.000 landwirtschaftliche Betriebe – 7.800 weniger als 2020 und rund 44.000 weniger als 2010. Die bewirtschaftete Gesamtfläche blieb annähernd konstant; die durchschnittliche Betriebsgröße stieg von 56 Hektar 2010 auf 65 Hektar 2023. Das ist nicht automatisch ein Versorgungsverlust, erhöht aber regionale Konzentrations-, Nachfolge- und Abhängigkeitsrisiken. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_021_41.html)

### 3.2 Pachtabhängigkeit und Bodenmarkt

Rund 60 Prozent der 16,6 Millionen Hektar Agrarfläche sind gepachtet. Der durchschnittliche Pachtpreis lag 2023 bei 357 Euro je Hektar, neun Prozent höher als 2020; zwischen Nordrhein-Westfalen mit 560 Euro und dem Saarland mit 99 Euro bestehen enorme Unterschiede. Förderungen, Flächenknappheit, Energieprojekte, Viehdichte und außerlandwirtschaftliche Nachfrage können sich teilweise in Boden- und Pachtpreisen niederschlagen. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_153_41.html)

### 3.3 Zunehmende Unternehmensverflechtung

2024 waren nur zwei Prozent aller Agrarbetriebe Teil einer Unternehmensgruppe, bewirtschafteten aber 13 Prozent der Fläche. 73 Prozent dieser Gruppen wurden von einem nichtlandwirtschaftlichen Gruppenoberhaupt geführt. In Ostdeutschland lagen 92 Prozent der von Gruppen bewirtschafteten Fläche. Die Zahlen zeigen Konzentration, beweisen aber für sich genommen weder missbräuchliche Investitionen noch eine schlechtere Bewirtschaftung. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_135_41.html)

### 3.4 Nachfolgeproblem

Von rund 110.000 Einzelunternehmen mit mindestens 55 Jahre alten Inhabern hatten 2020 nur 37 Prozent eine geregelte Nachfolge. Die Daten werden nur im Zehnjahresrhythmus umfassend erhoben und sind inzwischen veraltet – gerade das ist eine relevante Datenlücke. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/09/PD21_N056_41.html)

### 3.5 Arbeitskräftemangel und Saisonabhängigkeit

2022/23 arbeiteten rund 876.000 Menschen in der Landwirtschaft, sieben Prozent weniger als 2020. 243.000 beziehungsweise 28 Prozent waren Saisonarbeitskräfte; wegen ihres geringeren jährlichen Arbeitsvolumens entsprachen sie jedoch nur rund 54.000 Vollzeiteinheiten. Besonders Obst, Gemüse, Wein und Sonderkulturen sind von verfügbarer Saisonarbeit abhängig. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_176_41.html)

### 3.6 Hohe Einkommensvolatilität

Das durchschnittliche betriebliche Einkommen lag 2024/25 bei ungefähr 46.800 Euro je Arbeitskraft. Im Vorjahr waren es rund 47.000 Euro, nach 57.500 Euro 2022/23 und nur etwa 26.000 Euro 2015/16. Diese starken Schwankungen erschweren langfristige Investitionen. [BMLEH-Testbetriebsnetz](https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/testbetriebsnetz/testbetriebsnetz-landwirtschaft-buchfuehrungsergebnisse)

Das ist kein Nettogehalt: Der Gewinn muss unter anderem unbezahlte Familienarbeit, Eigenkapital, Unternehmerrisiko, Kranken- und Altersvorsorge, Steuern und Eigenfinanzierung abdecken. Der häufige Vergleich mit einem Arbeitnehmerbruttolohn ist daher methodisch irreführend. [Wirtschaftliche Lage 2023/24, PDF](https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/0111001-2024.pdf)

### 3.7 Große Einkommensunterschiede

Im Wirtschaftsjahr 2023/24 erzielten kleine Haupterwerbsbetriebe im Mittel rund 21.800 Euro Einkommen je Arbeitskraft, große rund 63.200 Euro. 12,3 Prozent der Haupterwerbsbetriebe schrieben Verluste, während 29,5 Prozent mindestens 100.000 Euro Gewinn erreichten. Ein sektoraler Mittelwert beschreibt deshalb kaum einen typischen Hof.

### 3.8 Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen

Deutschland stehen in der GAP 2023–2027 rund 30 Milliarden Euro EU-Mittel beziehungsweise mehr als 6,3 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung. Die jährlichen Direktzahlungen liegen ungefähr bei 4,9 Milliarden Euro; rund eine Milliarde Euro pro Jahr ist für freiwillige Öko-Regelungen vorgesehen. [BMLEH](https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/gap/gap-strategieplan.html), [GAP-FAQ](https://www.bmel.de/SharedDocs/FAQs/DE/faq-GAP/FAQ-GAP_List.html)

Im Testbetriebsnetz entsprachen Direktzahlungen und Zuschüsse 2023/24 durchschnittlich 395 Euro je Hektar, bei einem Gewinn von 991 Euro je Hektar. Das ist rechnerisch eine Größenordnung von rund 40 Prozent des Gewinns – kein Beweis, dass jeder Hof ohne Förderung schließen müsste, aber ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung der Zahlungen. [Tabellenteil 2023/24](https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/1100001-2024.pdf)

### 3.9 Markt- und Verhandlungsmacht

Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe und Aldi kontrollieren zusammen ungefähr 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Die Monopolkommission findet steigende Konzentration und Hinweise, dass sich Preisaufschläge seit 2007 von der Landwirtschaft zu Lebensmittelherstellern und Handel verschoben haben. Kostensenkungen seien im Einzelhandel teilweise nicht vollständig weitergegeben worden. Das belegt Wettbewerbsrisiken, aber nicht, dass jeder niedrige Erzeugerpreis durch missbräuchliches Verhalten verursacht wird. Weltmarktpreise und Überangebote bleiben wichtig. [Monopolkommission](https://monopolkommission.de/de/gutachten/sondergutachten/sondergutachten-auf-eigene-initiative/484-84-sondergutachten-wettbewerb-in-der-lebensmittellieferkette.html)

Das Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetz verbietet unter anderem verspätete Zahlungen und kurzfristige Stornierungen. Die Evaluation bescheinigte dem Instrument eine grundsätzliche Wirkung, sah aber weiteren Anpassungsbedarf. [BMLEH](https://www.bmel.de/DE/themen/internationales/aussenwirtschaftspolitik/handel-und-export/utp-richtlinie.html)

### 3.10 Betriebsmittelschocks

Der Index der Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel stieg 2022 um 26,1 Prozent, nachdem er bereits 2021 um 8,9 Prozent gestiegen war. 2024 lag das Preisniveau immer noch rund 31 Prozent über 2020. Besonders Dünger, Energie, Futter, Maschinen und Baukosten können sich sehr unterschiedlich entwickeln. [Destatis](https://www.destatis.de/EN/Themes/Economy/Prices/Price-Indices-In-Agriculture-And-Forestry/Tables/Purchase-prices-agriculture.html)

Deutschland besitzt nennenswerte Düngerproduktionskapazitäten; eine direkte vollständige Abhängigkeit von russischem Dünger bestand nach Angaben der Bundesregierung nicht. Die Produktion von Stickstoffdünger bleibt jedoch stark energie- und gaspreisabhängig. [Bundestag, Drucksache 20/6626](https://dserver.bundestag.de/btd/20/066/2006626.pdf)

### 3.11 Ungleichmäßige Selbstversorgung

Die neuesten Versorgungsbilanzen zeigen:

| Produkt | Selbstversorgungsgrad |
|---|---:|
| Kartoffeln 2024/25 | 145 % |
| Schweinefleisch 2025 | 139 % |
| Käse 2025 | 125 % |
| Fleisch insgesamt 2025 | 114,6 % |
| Konsummilch 2025 | 106,3 % |
| Getreide 2024/25 | knapp 100 % |
| Geflügelfleisch 2025 | 91,3 % |
| Eier 2025 | 72 % |
| Hülsenfrüchte 2023/24 | 62 % |
| Gemüse 2024/25 | 38,6 % |
| Ölsaaten 2024/25 | 27 % |
| Ölkuchen und -schrote 2024/25 | 26 % |
| Pflanzenöle und -fette 2024 | 25 % |
| Hartweizen 2024/25 | 22 % |
| Obst 2024/25 | rund 18 % |
| Tomaten 2024/25 | 4 % |

Quellen: [BLE-Versorgungsbilanzen](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/), [Obst und Gemüse](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/obst-gemuese-zitrusfruechte-schalen-und-trockenobst), [Getreide](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/getreide), [Ölsaaten](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/oelsaaten), [Fleisch](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/fleisch).

Deutschland exportiert und importiert dieselben Produktgruppen. Ein Fleisch-Selbstversorgungsgrad über 100 Prozent verhindert beispielsweise nicht, dass gefragte Teilstücke oder Geflügelfleisch importiert werden.

### 3.12 Futter- und Ölsaatenabhängigkeit

2024/25 wurden 9,9 Millionen Tonnen Ölsaaten importiert. Bei Ölkuchen und -schroten – überwiegend Futtermittel – stammten rechnerisch nur 26 Prozent aus inländischen Saaten. Rund 38 Prozent des Verbrauchs entfielen auf Sojaschrot. Damit hängen Teile der tierischen Produktion mittelbar von internationalen Flächen, Häfen, Transportwegen und Handelsbeziehungen ab. [BLE](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/oelkuchen-und-schrote)

### 3.13 Umweltfolgen als reale Kosten

Der Stickstoffüberschuss sank im Fünfjahresmittel von 117 Kilogramm je Hektar 1994 auf 70 Kilogramm 2023. Dennoch überschritten 2024 15,7 Prozent der repräsentativen Grundwassermessstellen den Nitratwert von 50 Milligramm je Liter; unter überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen waren es im Erhebungszeitraum 2020–2022 25,6 Prozent. [UBA Stickstoff](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/land-forstwirtschaft/stickstoffeintrag-aus-der-landwirtschaft), [UBA Grundwasser](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/wasser/grundwasserbeschaffenheit)

Rund 92 Prozent der Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft. Für 2025 werden einschließlich energiebedingter Emissionen 53,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente beziehungsweise 8,2 Prozent der deutschen Emissionen geschätzt. [UBA Ammoniak](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/ammoniak-emissionen), [UBA Treibhausgase](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas)

2024 wurden 28.639 Tonnen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe verkauft. Absatzmengen allein messen das Risiko nicht, zeigen aber die Größenordnung des Einsatzes. Der Biodiversitätsindikator für das Agrarland liegt weiterhin weit vom Zielwert entfernt. [UBA Pflanzenschutz](https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/land-forstwirtschaft/pflanzenschutzmittel-in-der-landwirtschaft), [BfN](https://www.bfn.de/daten-und-fakten/gesamtindikator-artenvielfalt-und-landschaftsqualitaet)

Umweltauflagen sind deshalb nicht nur Bürokratie. Ein Teil ihrer Kosten korrigiert Schäden, die sonst Wasserwirtschaft, Steuerzahler und Ökosysteme tragen.

### 3.14 Unklare Perspektive der Tierhaltung

Zwischen 2014 und Mai 2024 sank die Zahl der Schweinebetriebe um 42 Prozent und der Schweinebestand um 25 Prozent. Milchkuhhaltungen gingen um 36 Prozent zurück. Das kann Ausdruck von Produktivitätsfortschritt, Konsumänderungen und Überkapazitäten sein, zeigt aber auch Investitionsunsicherheit. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/06/PD24_245_413.html)

Die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung wurde inzwischen auf den 1. Januar 2027 verschoben. Das 2024 eingeführte Bundesprogramm für den Tierhaltungsumbau wurde vorzeitig verändert beziehungsweise verkürzt; eine Anschlussförderung soll stärker über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur erfolgen. Solche Kurswechsel erschweren Investitionen, deren Laufzeit mehrere Jahrzehnte beträgt. [Bundestag](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw26-de-tierhaltung-1084794), [Bundeshaushalt 2026](https://www.bundeshaushalt.de/static/daten/2026/soll/epl10.pdf)

## 4. Kennzahlenübersicht

| Kennzahl | Befund |
|---|---:|
| Agrarbetriebe 2023 | 255.000 |
| Veränderung seit 2010 | –14,7 % |
| Durchschnittsfläche 2023 | 65 ha |
| gepachtete Fläche | 60 % |
| mittlere Pacht 2023 | 357 €/ha |
| Arbeitskräfte 2022/23 | 876.000 Personen |
| Saisonarbeitskräfte | 28 % der Personen |
| Betriebe mit Zusatzeinkommen | 54 % |
| mittleres Einkommen 2024/25 | ca. 46.800 €/AK |
| GAP-Mittel Deutschland 2023–27 | ca. 30 Mrd. € EU-Mittel |
| Direktzahlungen jährlich | ca. 4,9 Mrd. € |
| Öko-Flächenanteil 2024 | 11,5 % |
| politisches Öko-Ziel 2030 | 30 % |
| Anteil vier größter Lebensmittelhändler | ca. 85 % |
| Betriebsmittelpreisniveau 2024 | ca. 31 % über 2020 |
| Lebensmittelpreise 2024 | 33,2 % über 2020 |
| Lebensmittelabfälle 2022 | 10,8 Mio. t |

## 5. Historische Entwicklung

- 1962 begann die Gemeinsame Agrarpolitik mit Preisstützung, Marktordnungen und dem Ziel, Nachkriegsmangel zu überwinden.
- In den 1980er-Jahren führten Produktivitätszuwächse zu Überschüssen, hohen Haushaltskosten und Produktionsbegrenzungen.
- 1992 wurden Stützpreise reduziert und durch Direktzahlungen ersetzt.
- 2003 wurden große Teile der Zahlungen von der konkreten Produktion entkoppelt und stärker an Auflagen gebunden.
- Seit 2014 wurden Umweltkonditionalität und ländliche Entwicklung ausgeweitet.
- Seit 2023 setzen nationale GAP-Strategiepläne einen größeren Teil der europäischen Regeln national um. [EU-Kommission](https://agriculture.ec.europa.eu/common-agricultural-policy/cap-overview/cap-glance_en), [BMLEH](https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/gap/gap-geschichte.html)

Der historische Zielkonflikt hat sich damit verschoben: Früher stand Produktionssteigerung im Vordergrund; heute sollen dieselben Instrumente Einkommen, Umweltleistungen, Tierwohl, regionale Entwicklung und Resilienz gleichzeitig sichern.

## 6. Regionale Unterschiede

- Große juristische Personen und Unternehmensgruppen prägen insbesondere Ostdeutschland.
- Kleine und mittlere Familienbetriebe dominieren große Teile Süd- und Westdeutschlands.
- 62 Prozent der Schweine standen 2023 in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
- Bayern und Niedersachsen hielten zusammen fast die Hälfte der Rinder.
- Hohe Viehdichten führen regional zu Nährstoffüberschüssen, während reine Ackerbauregionen organischen Dünger benötigen können.
- Pachtpreise, Bodenqualität, Niederschlag, Bewässerungsbedarf und Zugang zu Schlachthöfen oder Molkereien unterscheiden sich stark.
- Obst-, Gemüse- und Weinregionen sind besonders von Saisonarbeit, Wasser und kurzfristiger Vermarktung abhängig.
- Landwirtschaftliche Bewässerung machte 2019 bundesweit nur 2,3 Prozent der Wasserentnahmen aus, kann aber lokal erhebliche Nutzungskonflikte verursachen. [UBA](https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/landwirtschaft/lw-r-6/indikator)

## 7. Internationaler Vergleich

Deutschland liegt mit durchschnittlich 65 Hektar deutlich über dem EU-Mittel von 17,1 Hektar. EU-weit waren 2020 fast 64 Prozent der Betriebe kleiner als fünf Hektar; nur 3,6 Prozent hatten mindestens 100 Hektar, bewirtschafteten aber 51,8 Prozent der Agrarfläche. Strukturkonzentration ist somit kein ausschließlich deutsches Phänomen. [Eurostat](https://ec.europa.eu/eurostat/documents/15216629/20555393/KS-01-24-000-EN-N.pdf)

Das reale landwirtschaftliche Faktoreinkommen je Arbeitskraft lag 2023 in Deutschland mit rund 44.000 Euro über dem EU-Wert von 21.000 Euro, allerdings sind Vollzeitdefinitionen und Kapitalintensität zwischen Ländern nur eingeschränkt vergleichbar. [Eurostat](https://ec.europa.eu/eurostat/documents/15234730/19397895/KS-05-24-071-EN-N.pdf)

Die EU-Produzentenstützung entsprach 2022–2024 rund 16,4 Prozent der Bruttoagrarerlöse und lag über dem OECD-Durchschnitt. [OECD](https://www.oecd.org/en/publications/agricultural-policy-monitoring-and-evaluation-2025_a80ac398-en/full-report/european-union_2e29a59b.html)

Die internationale Einordnung spricht gegen zwei Extreme:

- Deutschland ist weder ein international abgehängter Agrarstandort,
- noch ist seine Versorgung unabhängig von EU-Binnenmarkt und Welthandel.

## 8. Ursachenstruktur

Die Belastungen entstehen nicht aus einer einzigen Fehlentscheidung:

1. Produktivitätsfortschritt senkt den Arbeitsbedarf und begünstigt größere Einheiten.
2. Globale Märkte übertragen Preis-, Energie- und Ernteschocks auf deutsche Betriebe.
3. Verderbliche Produkte und wenige Abnehmer schwächen die Verhandlungsmacht.
4. Flächenzahlungen stabilisieren Einkommen, belohnen aber zunächst den Besitz beziehungsweise die Nutzung von Fläche.
5. Ein Teil der Förderung kann langfristig in Pacht- und Bodenpreise einfließen.
6. Gesellschaftliche Umwelt- und Tierwohlansprüche werden nicht vollständig über Produktpreise finanziert.
7. Wechselnde Regeln machen langfristige Stall-, Bewässerungs- und Verarbeitungsvorhaben riskanter.
8. Niedrige Konsumentenpreise, hohe Standards und hohe Betriebseinkommen lassen sich nicht gleichzeitig ohne Finanzierung oder Produktivitätszuwachs maximieren.
9. Klima- und Wasserveränderungen verstärken die ohnehin vorhandene Volatilität.
10. Verbraucherpräferenzen verändern sich schneller als langlebige Produktionsanlagen.

## 9. Verantwortung

| Akteur | Hauptverantwortung |
|---|---|
| EU | GAP, Handelsrecht, Pflanzenschutzwirkstoffe, Umwelt- und Wettbewerbsrahmen |
| Bund | nationaler GAP-Plan, Tierhaltungsrecht, Lieferkettenrecht, Steuer- und Förderpolitik, Ernährungsvorsorge |
| Länder | Genehmigungen, Kontrollen, Wasser-, Dünge- und Naturschutzvollzug, Kofinanzierung |
| Kommunen | Flächenplanung, Bauleitplanung, regionale Infrastruktur |
| Bundeskartellamt/Monopolkommission | Wettbewerbsaufsicht beziehungsweise Beratung |
| Lebensmittelindustrie und Handel | Vertragsbedingungen, Preisbildung, Investitionen und Lieferketten |
| Landwirtschaft | Produktionsentscheidungen, Tierhaltung, Nährstoff-, Boden- und Pflanzenschutzmanagement |
| Verbraucher | Nachfrage, Zahlungsbereitschaft und Lebensmittelabfälle |
| Eigentümer und Investoren | Bodenpreise, Pachten und langfristige Flächennutzung |

Die Verantwortung ist geteilt. Die pauschale Zuweisung an „Brüssel“, „die Bauern“ oder „die Supermärkte“ greift jeweils zu kurz.

## 10. Besonders folgenreiche Entscheidungen

- Aufbau einer produktions- und preisorientierten GAP ab 1962.
- Umstellung auf Direktzahlungen ab 1992.
- Entkopplung der Zahlungen von der Produktion ab 2003.
- Fortführung überwiegend flächenbezogener Zahlungen trotz wachsender Umwelt- und Verteilungsziele.
- Zögerliche wettbewerbliche Kontrolle konzentrierter Lieferketten.
- Wiederholte Verzögerungen bei l
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