Dossier AF
Generationengerechtigkeit, implizite Zukunftslasten und politische Leistungsversprechen
Stand: 24. August 2026 · Problemregister DE-739 bis DE-782
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## Dossier AF – Generationengerechtigkeit, implizite Zukunftslasten und politische Leistungsversprechen **Stand: 24. August 2026 · Problemregister DE-739 bis DE-782** ### 1. Kernergebnis Deutschlands generationenpolitisches Problem besteht nicht primär in einer einzelnen dramatischen „Schuldenzahl“, sondern in einer **Kombination aus fünf Lastverschiebungen**: 1. Die Zahl älterer Leistungsempfänger steigt schneller als die Zahl potenzieller Beitragszahler. 2. Rente, Kranken- und Pflegeversicherung versprechen Leistungen, deren Finanzierung zunehmend höhere Beiträge, Steuern oder Leistungskorrekturen verlangt. 3. Bund, Länder und Kommunen haben erhebliche Kredit-, Pensions- und Sanierungsverpflichtungen. 4. Unterlassene Infrastruktur-, Bildungs- und Klimainvestitionen erzeugen zukünftige Real- und Reparaturkosten. 5. Politische Entscheidungen gewähren heutigen Gruppen häufig sofort sichtbare Vorteile, während Finanzierung und Anpassung späteren Haushalten überlassen werden. Gleichzeitig wäre es falsch, jede Kreditaufnahme als Belastung kommender Generationen zu werten. **Schulden, denen produktive Infrastruktur, Bildung, Sicherheit oder vermiedene Klimaschäden gegenüberstehen, können generationengerecht sein.** Konsumausgaben ohne dauerhaften Gegenwert, verschleierter Substanzerhalt und ungedeckte Leistungsversprechen sind wesentlich problematischer. --- ### 2. Definition, Bilanz und Doppelzählungskontrolle Generationengerechtigkeit bedeutet hier nicht, dass jede Altersgruppe in jedem Jahr gleich viel erhält. Entscheidend ist, ob politische Entscheidungen **Freiheiten, Vermögen, Risiken und Finanzierungslasten über die Zeit vertretbar verteilen**. Die folgenden Größen dürfen nicht addiert werden: | Größe | Aussage | Warum nicht addieren? | |---|---|---| | Maastricht-Schulden: 2,8 Billionen Euro 2025 | Bereits bestehende staatliche Bruttoschulden | Enthält Kern- und Extrahaushalte nach EU-Abgrenzung | | SVIK: bis zu 500 Mrd. Euro | Kreditermächtigung 2025–2036 | Noch nicht vollständig aufgenommen oder ausgegeben | | Bundes-Pensions- und Beihilferückstellungen: 884,85 Mrd. Euro | Barwert bestehender Bundesansprüche | Keine fällige Kassenschuld; abhängig von Zins-, Lohn- und Sterblichkeitsannahmen | | Tragfähigkeitslücke S2 | Dauerhaft nötige jährliche Primärsaldoverbesserung | Stromgröße in Prozent des BIP, kein Schuldenbestand | | Kommunaler Investitionsrückstand: 231,2 Mrd. Euro | Hochgerechnete Selbsteinschätzung der Kommunen | Weder rechtsverbindliche Schuld noch exakte technische Bedarfsermittlung | | Klimaschäden 2022–2050: 280–900 Mrd. Euro | Szenariobasierte reale Schäden | Überlappt teilweise mit Anpassungs- und Wiederaufbaukosten | | Jährliche Rentenzahlungen | Laufende Bruttoleistung | Bereits durch Beiträge und Steuern finanziert; kein zusätzlicher Schuldenstock | Auch die 2,662 Billionen Euro Schulden des „Öffentlichen Gesamthaushalts“ nach nationaler Finanzstatistik dürfen nicht zusätzlich zu den 2,8 Billionen Euro Maastricht-Schulden gerechnet werden. Es handelt sich um unterschiedliche Abgrenzungen desselben staatlichen Sektors. [Destatis erläutert die Abgrenzung](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_267_713.html). --- ### 3. Zentrale Teilprobleme 1. Steiler Anstieg des Altenquotienten bis 2038 2. Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter 3. Besonders weit fortgeschrittene Alterung in ostdeutschen Flächenländern 4. Hohe Abhängigkeit der Projektionen von Migration, Erwerbsbeteiligung und Produktivität 5. Steigender Rentenbeitrag ab 2028 6. Konflikt zwischen stabilem Rentenniveau, Beitragssatz und Bundeszuschuss 7. Wachsende Bindung des Bundeshaushalts durch Rentenleistungen 8. Zusätzliche Steuerkosten der 48-Prozent-Haltelinie 9. Zusätzliche Steuerkosten der Mütterrente III 10. Weiterbestehende Frühverrentungsanreize 11. Unvollständiger Versichertenkreis 12. Geringe kapitalgedeckte Altersvorsorge 13. Altersarmut trotz hoher Gesamtausgaben 14. Hohe und nur teilweise kapitalgedeckte Beamtenversorgungsansprüche 15. Stark steigende GKV-Ausgaben 16. Zu geringe GKV-Reserven 17. Kurzfristig stark wachsende GKV-Finanzierungslücken 18. Strukturelles Defizit der Pflegeversicherung 19. Verschiebung von Pflege- und Gesundheitslasten durch Bundesdarlehen 20. Stark steigende Zahl Pflegebedürftiger 21. Absehbare Pflegekräftelücke 22. Steigende Sozialabgaben auf Arbeit 23. Erhebliche langfristige Tragfähigkeitslücke 24. Ungünstige budgetäre Ausgangslage schon vor dem größten Alterungsschub 25. Wieder steigende Schuldenquote 26. Zins- und Tilgungsfolgen der 500-Milliarden-Kreditermächtigung 27. Risiko, Kernhaushaltsinvestitionen lediglich in Sondervermögen umzuschichten 28. Fragmentierung durch Kernhaushalt und zahlreiche Extrahaushalte 29. Fehlende gesamtstaatliche Vermögensbilanz 30. Kommunaler Investitions- und Unterhaltungsrückstand 31. Kommunales Rekorddefizit 32. Begrenzte Planungs- und Umsetzungskapazität 33. Verlagerung von Klimaschäden und Emissionsminderung 34. Große Vermögens- und Erbschaftsunterschiede innerhalb der jüngeren Generation 35. Fehlende verbindliche Generationenfolgenprüfung für Gesetze --- ### 4. Schlüsselkennzahlen | Kennzahl | Stand beziehungsweise Projektion | Status | |---|---:|---| | Altenquotient, Personen ab 67 je 100 Personen 20–66 | 33 im Jahr 2024; 43–47 im Jahr 2038 | Wenn-dann-Szenario | | Gesamtquotient | 63 im Jahr 2024; 75 im Jahr 2038 | Amtliches Szenario | | Menschen ab 67 | mindestens 20,1 Mio. Mitte der 2030er | Amtliches Szenario | | Erwerbsbevölkerung bis 2070 | mindestens −4,0 Mio. | Szenariountergrenze | | Bevölkerung 2070 | 63,9–86,5 Mio.; moderate Variante 74,7 Mio. | Keine Prognose | | Rentenbeitrag | 18,6 % 2026; 21,2 % 2039 | Modellrechnung | | Rentenniveau vor Steuern | 48 % bis 2031; 46,3 % 2039 | Modellrechnung nach geltendem Recht | | Bundesleistungen an Rentenversicherung | 127,4 Mrd. Euro 2026 | Haushaltsansatz | | Haltelinie: zusätzlicher Bundesbedarf | 3,6 Mrd. 2029; 9,3 Mrd. 2030; 11 Mrd. 2031 | Gesetzesschätzung | | Mütterrente III | rund 5 Mrd. Euro jährlich | Gesetzesschätzung | | GKV-Ausgabenwachstum 2025 | +7,8 %; Beitragseinnahmen +5,3 % | Vorläufiges Ergebnis | | Durchschnittlich tatsächlich erhobener GKV-Zusatzbeitrag | 3,13 % zum 1. April 2026 | Ist-Wert | | GKV-Finanzierungslücke ohne weitere Maßnahmen | rund 19 Mrd. 2027; 44 Mrd. 2030 | Kommissionsprojektion | | Pflegebeitrag | 3,6 %; Kinderlose 4,2 % | Geltendes Recht | | Pflegekassen-Darlehen 2026 | 3,2 Mrd. Euro | Rückzahlung 2029–2033 | | Pflegebedürftige | 5,0 Mio. 2021; 6,9–7,7 Mio. 2070 | Szenarien | | Pflegekräftelücke 2049 | 280.000–690.000 | Szenarien | | Maastricht-Schulden | 2,8 Billionen Euro; 63,5 % des BIP 2025 | Ist-Wert | | Staatsdefizit | 119,1 Mrd. Euro; 2,7 % des BIP 2025 | Ist-Wert | | erwartete Schuldenquote | 69,6 % 2028 nach Bundesbank-Projektion | Prognose | | SVIK-Kreditermächtigung | bis zu 500 Mrd. Euro bis 2036 | Kein aktueller Schuldenstand | | Bundesrückstellungen Pension/Beihilfe | 884,85 Mrd. Euro | Abgezinster Barwert | | dafür bestimmte Kapitalstöcke | 44,75 Mrd. Euro | Ist-Wert | | kommunaler Investitionsrückstand | 231,22 Mrd. Euro | Befragungshochrechnung | | kommunales Defizit | 31,9 Mrd. Euro 2025 | Ist-Wert | | Klimaschäden 2022–2050 | 280–900 Mrd. Euro | Szenariospanne | --- ### 5. Historische Entwicklung Die deutsche Schuldenquote sank vor der Pandemie bis 2019 auf 59,6 % des BIP, stieg 2020 auf 70 % und lag 2025 wieder bei 63,5 %. Das zeigt vorhandene Konsolidierungsfähigkeit, aber auch die hohe Bedeutung krisenfreier Jahre. Das demografische Problem ist dagegen weitgehend vorgezeichnet: Die geburtenstarken Jahrgänge treten jetzt in den Ruhestand ein. Nach der [16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html) steigt die Zahl der Menschen im Rentenalter bis 2038 um mindestens 3,8 Millionen. Der Rentenbeitrag blieb seit 2018 bei 18,6 %. Diese Stabilität darf nicht in die Zukunft fortgeschrieben werden: Im [Rentenversicherungsbericht 2025](https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Rente/rentenversicherungsbericht-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=3) steigt der Beitrag in der mittleren Variante 2028 auf 19,8 %, 2030 auf 20,1 % und 2039 auf 21,2 %. Gleichzeitig nahmen die Geldleistungen der Rentenversicherung 2025 um 23,2 Milliarden auf 417,9 Milliarden Euro zu. Öffentliche Pensionen erreichten 95 Milliarden Euro. Das sind Bruttoströme, keine zusätzlichen Zukunftsschulden. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_179_813.html). --- ### 6. Regionale Unterschiede Die ostdeutschen Flächenländer hatten 2024 bereits einen Altenquotienten von etwa 42 – ein Niveau, das Deutschland insgesamt erst Ende der 2030er-Jahre erreicht. Dort treffen Alterung und Rückgang der Erwerbsbevölkerung teilweise früher auf dünnere Infrastruktur und geringere kommunale Einnahmen. Pensionsbelastungen sind dagegen besonders für die Länder relevant, weil dort viele Beamte des Schul-, Polizei- und Justizdienstes beschäftigt sind. Anfang 2025 entfielen gut eine Million Versorgungsempfänger auf die Länder. [Destatis-Versorgungsempfängerstatistik](https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentlicher-Dienst/Tabellen/versorgungsempfaenger.html). Kommunale Zukunftsfähigkeit unterscheidet sich ebenfalls stark. Das KfW-Kommunalpanel ist repräsentativ, aber seine 231,2 Milliarden Euro sind eine Selbsteinschätzung der Kämmereien und keine technische Vollinventur. Der größte gemeldete Rückstand entfiel 2025 auf Schulen mit 68,9 Milliarden Euro und Straßen mit 53,7 Milliarden Euro. [KfW-Kommunalpanel 2026](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2026.pdf). --- ### 7. Internationaler Vergleich Deutschland steht im OECD-Vergleich vor einem überdurchschnittlich schnellen Alterungs- und Finanzierungsproblem: | Indikator | Deutschland | OECD | |---|---:|---:| | Personen 65+ je 100 Personen 20–64 im Jahr 2054 | 60 | 55 | | Veränderung Erwerbsbevölkerung 2024–2064 | −23 % | −13 % | | Gesamte Rentenausgaben | 11,5 % des BIP | 9,4 % | | Kapital in Altersvorsorgeplänen | 6 % des BIP | 52 % | | Künftige Nettoersatzrate Durchschnittsverdiener | 53 % | 63 % | | Erwerbsquote 60–64 | 67 % | 57 % | | Effektives Arbeitsmarktaustrittsalter | 64,0 Jahre | 68,5 Jahre | Quelle: [OECD Pensions at a Glance 2025 – Germany](https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/11/pensions-at-a-glance-2025-country-notes_e320013d/germany_19b4c9d2/c480c8fa-en.pdf). Das gemischte Bild ist wichtig: Deutschland gibt relativ viel für Alterssicherung aus, besitzt aber wenig kapitalgedecktes Vorsorgevermögen und verspricht künftigen Durchschnittsverdienern trotzdem eine niedrigere Ersatzrate als der OECD-Durchschnitt. --- ### 8. Ursachen - Altersstruktur der Babyboomer-Jahrgänge - niedrige Geburtenrate und steigendes Gebäralter - steigende Lebenserwartung - geringe durchschnittliche Lebensarbeitszeit - Frühverrentungsanreize und Sonderzugänge - niedrige Arbeitsstunden vieler Teilzeitbeschäftigter - unzureichende Integration von Zugewanderten in qualifizierte Beschäftigung - schwache Produktivitätsentwicklung - beitragsfinanzierte Systeme mit begrenzter Beitragsbasis - medizinisch-technischer Fortschritt und Mengenwachstum im Gesundheitswesen - steigende Pflegebedürftigkeit - kurzfristig orientierte Leistungsversprechen - unzureichender Substanzerhalt öffentlicher Infrastruktur - haushaltspolitische Fragmentierung durch Sondervermögen - fehlende Bilanzierung natürlicher und infrastruktureller Vermögenswerte Migration kann die Alterung dämpfen, aber nicht allein lösen: Entscheidend sind dauerhaft positive Wanderungssalden, Alter, Qualifikation, Erwerbsbeteiligung und Produktivität der Zugewanderten. --- ### 9. Verantwortung **Bundestag und Bundesregierung** Rentenrecht, Bundeszuschüsse, GKV- und Pflegefinanzierung, Steuerpolitik, Schuldenregel, Sondervermögen und Bundesinvestitionen. **Länder** Beamtenversorgung, Bildung, Hochschulen, Polizei, Justiz, Krankenhausplanung und kommunale Finanzausstattung. **Kommunen** Erhaltung wesentlicher Infrastruktur; ihre tatsächlichen Handlungsspielräume hängen jedoch stark von Bund, Ländern und Pflichtausgaben ab. **Sozialversicherungsträger und Selbstverwaltung** Beitragssätze, Wirtschaftlichkeit und Vollzug innerhalb der gesetzlichen Vorgaben. **Tarifpartner und Arbeitgeber** Betriebliche Vorsorge, Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und Beschäftigung Älterer. **Wähler und Interessengruppen** Politische Nachfrage nach sofortigen Leistungen bei geringer Sichtbarkeit späterer Finanzierung. Die Verantwortung liegt nicht pauschal bei „den Alten“. Leistungsansprüche beruhen vielfach auf Beiträgen, und ältere Menschen unterscheiden sich stark nach Einkommen, Vermögen, Gesundheit und Lebenserwartung. --- ### 10. Zentrale politische Entscheidungen - 2007: stufenweise Einführung der Regelaltersgrenze 67 - ab 2014: abschlagsfreie frühere Rente für besonders langjährig Versicherte - mehrere Ausweitungen der Mütterrente - seit 2019: Haltelinie beim Rentenniveau - Rentenpaket 2025: Verlängerung der 48-Prozent-Haltelinie bis 2031 und Mütterrente III - 2025: Grundgesetzänderung für das 500-Milliarden-Sondervermögen und erweiterte Verteidigungsausnahme - 2025/2026: Darlehen statt struktureller Finanzierungslösung für GKV und Pflegeversicherung - Juni 2026: 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission, darunter Kapitalrente, breiterer Versichertenkreis, erneute Anwendung des Nachhaltigkeitsfaktors und Kopplung der Altersgrenze an die Lebenserwartung Die [Alterssicherungskommission 2026](https://www.bmas.de/DE/Soziales/Rente-und-Altersvorsorge/Rentenreform-2025/Rentenkommission-2026/rentenkommission-2026.html) schlug bei mittlerer Lebenserwartung zwischen 2031 und 2041 eine Anhebung der Regelaltersgrenze von 67 auf etwa 67,5 Jahre vor. Das ist eine Empfehlung, noch keine vollständig umgesetzte Rechtslage. --- ### 11. Direkte finanzielle Belastungen **Explizite Staatsschulden** Die Maastricht-Schulden stiegen 2025 um 144 Milliarden auf 2,8 Billionen Euro beziehungsweise 63,5 % des BIP. [Deutsche Bundesbank](https://www.bundesbank.de/de/statistiken/statistische-veroeffentlichungstermine/maastricht-schuldenstand-deutschlands-855584). **Laufendes Defizit** Das Staatsdefizit betrug 119,1 Milliarden Euro oder 2,7 % des BIP. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_060_813.html). **Rentenfinanzierung** Für 2026 sind 127,4 Milliarden Euro Bundesleistungen an die Rentenversicherung vorgesehen – rund ein Viertel des Bundeshaushalts. [BMF-Sollbericht 2026](https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/Ausgabe/2026/02/Inhalte/Kapitel-2-Analysen/2-3-sollbericht-2026.html). **Pensionen und Beihilfe** Der abgezinste Barwert bestehender Bundesansprüche lag Ende 2025 bei 884,85 Milliarden Euro. Dem standen 44,75 Milliarden Euro in eigens dafür gebildeten Versorgungsrücklagen und -fonds gegenüber. Das bedeutet keine sofortige Zahlungslücke von 840 Milliarden Euro; der Barwert reagiert stark auf Diskontsatz, Löhne und Lebenserwartung. [Vermögensrechnung 2025](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/vermoegensrechnung-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=5). **Sondervermögen** Das SVIK erlaubt bis zu 500 Milliarden Euro Kreditaufnahme. 2025 flossen rund 24 Milliarden Euro ab. Die Zinsen trägt der Kernhaushalt. [BMF zur Kreditaufnahme](https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/Ausgabe/2026/03/Inhalte/Kapitel-2-Analysen/2-1-kreditaufnahme-neue-rahmenbedingungen.html). --- ### 12. Indirekte und reale Zukunftskosten - geringere verfügbare Einkommen durch höhere Sozialbeiträge, - höhere Lohnnebenkosten und schwächere Beschäftigungsanreize, - Verdrängung von Bildung, Forschung und Investitionen durch gebundene Sozial- und Zinsausgaben, - steigende Pflegebelastung von Angehörigen, - Wachstumsverluste durch Arbeitskräfteknappheit, - höhere Reparaturkosten aufgrund aufgeschobener Instandhaltung, - Verlust von Freiheits- und Anpassungsmöglichkeiten durch verspäteten Klimaschutz, - regionale Abwanderung und sinkende Tragfähigkeit öffentlicher Angebote, - zunehmende Konflikte zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Leistungsbeziehern. Der BMF-Tragfähigkeitsbericht ermittelt unter unveränderter Politik eine dauerhafte S2-Anpassung von 2,67 bis 6,93 % des BIP. Der neuere EU-Schuldentragfähigkeitsmonitor kommt mit anderer Methodik und neuerer Ausgangslage auf 4,1 Prozentpunkte. Das sind **Modellergebnisse, keine feststehenden Sparsummen**. Quellen: [BMF-Tragfähigkeitsbericht](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/tragfaehigkeitsbericht-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=6), [EU Debt Sustainability Monitor 2025](https://economy-finance.ec.europa.eu/document/download/39b3b61d-42c1-46d7-8088-0aad82e8731e_en?filename=ip332_en.pdf). --- ### 13. Gewinner, Verlierer und Fehlanreize **Kurzfristige Gewinner** - bestehende Leistungsbezieher bei Leistungsausweitungen, - politische Akteure, die sichtbare Vorteile versprechen, - Ressorts, die Ausgaben in Sondervermögen auslagern, - Eigentümer bereits knapper Immobilien und großer Erbvermögen. **Potenzielle Verlierer** - jüngere und künftige Beitrags- und Steuerzahler, - Haushalte ohne Erbschaft oder Wohneigentum, - Geringverdiener mit hoher Abgabenbelastung, - körperlich belastete Beschäftigte bei pauschalen Altersgrenzen, - pflegende Angehörige, - Kinder und Jugendliche, wenn Investitionen verdrängt werden, - Rentner mit niedrigen Ansprüchen, wenn undifferenziert gekürzt wird. **Fehlanreize** - Nutzen heute, Finanzierung nach der Wahlperiode - Steuerfinanzierung wird als „beitragsneutral“ dargestellt, obwohl sie andere Haushaltsmittel bindet - Darlehen halten Beiträge kurzfristig stabil, erzeugen aber spätere Rückzahlungen - Kreditermächtigungen werden mit bereits geschaffenen Vermögenswerten verwechselt - Bruttoinvestitionen werden ausgewiesen, ohne Zustand und Nettovermögenszuwachs nachzuweisen - Altersgruppen werden politisch gegeneinander ausgespielt, obwohl Unterschiede innerhalb der Generationen oft größer sind --- ### 14. Gegenargumente und Entlastungsfaktoren 1. Die deutsche Schuldenquote ist im internationalen Vergleich nicht extrem hoch. 2. Kreditfinanzierte Investitionen hinterlassen neben Schulden auch Vermögenswerte. 3. Die heutige Erwerbsbevölkerung finanziert zwar Renten, erhält dafür eigene Ansprüche. 4. Produktivität, höhere Erwerbsbeteiligung und qualifizierte Zuwanderung können einen erheblichen Teil der Belastung kompensieren. 5. Die Erwerbsquote der 60- bis 64-Jährigen liegt über dem OECD-Durchschnitt. 6. Der optimistische BMF-Pfad ist deutlich günstiger als der pessimistische. 7. Ältere Menschen sind keineswegs durchgehend wohlhabend: 2025 waren 19,5 % der Personen ab 65 armutsgefährdet; 764.000 erhielten Grundsicherung im Alter. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_104_228.html). 8. Auch Kinder und Alleinerziehende tragen hohe Armutsrisiken; Generationengerechtigkeit ist daher keine Rechtfertigung für pauschale Sozialkürzungen. 9. Die neue Rentenkommission hat ein breites Reformpaket vorgeschlagen. 10. Das Sondervermögen kann den realen Kapitalstock erhöhen, wenn Zusätzlichkeit und Umsetzung gesichert werden. 11. Die 500 Milliarden Euro sind eine Obergrenze, nicht bereits vollständig aufgenommene Schulden. 12. „Implizite Schuld“ ist keine rechtlich unveränderbare Forderung: Gesetze, Beiträge, Leistungen, Steuern und Erwerbsalter können angepasst werden. --- ### 15. Daten- und Erkenntnislücken - Keine konsolidierte Bilanz von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen - Unvollständige Erfassung staatlicher Infrastrukturwerte - Keine einheitliche Bewertung aller Länder- und Kommunalpe … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)