Dossier AK
Pflegeversicherung, Pflegekräftemangel, Eigenanteile und Versorgung im Alter
Stand: 24. August 2026
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## Dossier AK – Pflegeversicherung, Pflegekräftemangel, Eigenanteile und Versorgung im Alter **Stand: 24. August 2026** ### 1. Kernaussage Deutschland steckt nicht in einem einzelnen „Pflegeproblem“, sondern in einer dreifachen Strukturkrise: 1. Die Zahl der Leistungsberechtigten wächst schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet. 2. Pflegepersonal, Kurzzeitpflegeplätze und regionale Versorgungsangebote wachsen nicht entsprechend mit. 3. Die Pflegeversicherung deckt bewusst nur einen Teil der Kosten. Steigende Personal-, Unterkunfts- und Investitionskosten landen deshalb über Eigenanteile bei Pflegebedürftigen, Angehörigen und Sozialhilfeträgern. Die Versorgung funktioniert weiterhin, vor allem durch Angehörige und ausländische Beschäftigte. Genau diese beiden Stützen werden jedoch strukturell überbeansprucht. Die Finanzierung wird inzwischen mit Beitragsanhebungen und Bundesdarlehen stabilisiert, ohne die langfristige Lastenverteilung zu lösen. --- ## 2. Definition, Abgrenzung und Doppelzählungsschutz Die soziale Pflegeversicherung, SPV, ist eine umlagefinanzierte **Teilleistungsversicherung**. Sie bezahlt gesetzlich begrenzte Leistungen, nicht sämtliche tatsächlichen Pflege- und Lebenshaltungskosten. Privat Pflegeversicherte gehören nicht zur SPV, werden in manchen BMG-Gesamtzahlen aber mitgezählt. Folgende Zahlen dürfen nicht addiert oder unmittelbar gleichgesetzt werden: | Kennzahl | Bedeutung | |---|---| | 6,43 Mio. Leistungsempfänger 2025 | BMG-Geschäftsstatistik einschließlich sozialer und privater Pflegeversicherung | | 5,69 Mio. Pflegebedürftige 2023 | zweijährliche amtliche Pflegestatistik von Destatis | | 73,82 Mrd. Euro SPV-Ausgaben 2025 | Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung | | 135,9 Mrd. Euro „pflegerische Leistungen“ 2024 | breitere Gesundheitsausgabenrechnung mit Pflege in Einrichtungen, Krankenhäusern und Privathaushalten | | fast 7 Mio. informell Pflegende | SOEP-Schätzung für Pflege oder Betreuung an Werktagen | | 1,19 Mio. rentenversicherte Pflegepersonen | engerer Kreis, für den Pflegekassen Rentenbeiträge zahlen | | 1,26 Mio. Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen | gesamtes Personal ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen, nicht ausschließlich Pflegefachkräfte | | 1,62 Mio. Pflegekräfte 2019 | breitere Destatis-Personalvorausberechnung einschließlich Krankenhaus und weiterer Einrichtungen | Unterschiede entstehen durch Stichtage, Erhebungsmethoden, Versicherungssysteme und institutionelle Abgrenzungen. Sie sind keine automatisch widersprüchlichen Angaben. --- ## 3. Konkrete Teilprobleme ### 3.1 Rascher Anstieg der Leistungsberechtigten Ende 2025 bezogen nach BMG-Geschäftsstatistik **6,43 Millionen Menschen** Pflegeversicherungsleistungen, gegenüber 6,02 Millionen 2024. Davon wurden 5,52 Millionen ambulant beziehungsweise zu Hause versorgt und rund 771.000 vollstationär. Der Anstieg ist nicht ausschließlich demografisch: Destatis stellte für 2021 bis 2023 einen Zuwachs von 730.000 Pflegebedürftigen fest, während ein reiner Demografieeffekt modellhaft nur etwa 100.000 erklärt hätte. Ein erheblicher Teil hängt mit dem seit 2017 erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff und dessen fortschreitender Umsetzung zusammen. [BMG-Pflegestatistik 2026](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/Pflegeversicherung/Zahlen_und_Fakten/Zahlen-Fakten_Pflegeversicherung.pdf), [Destatis-Pflegestatistik 2023](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/12/PD24_478_224.html) ### 3.2 Langfristiger demografischer Mehrbedarf Bei konstanten Pflegequoten rechnet Destatis mit einem Anstieg von fünf Millionen Pflegebedürftigen 2021 auf 5,6 Millionen 2035 und 6,8 Millionen 2055. Unter einer Variante mit weiter steigenden Pflegequoten wären es 6,3 Millionen 2035 und 7,6 Millionen 2055. Das sind Modellrechnungen, keine punktgenauen Prognosen. [Destatis-Pflegevorausberechnung](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/03/PD23_124_12.html) ### 3.3 Strukturelles Finanzierungsdefizit Die SPV nahm 2025 rund **73,33 Milliarden Euro** ein und gab 73,82 Milliarden Euro aus. Trotz eines Bundesdarlehens von 500 Millionen Euro entstand ein Defizit von 490 Millionen Euro. Die liquiden Mittel lagen nur noch bei 5,35 Milliarden Euro beziehungsweise 0,86 Monatsausgaben. Die Leistungsausgaben stiegen innerhalb eines Jahres von 63,26 auf 70,42 Milliarden Euro. [BMG-Finanzentwicklung 2025](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/Pflegeversicherung/Finanzentwicklung/03-Finanzentwicklung-der-sozialen-Pflegeversicherung__2025.pdf) ### 3.4 Darlehen verschieben Lasten in die Zukunft Für 2026 wurde das Bundesdarlehen auf **3,2 Milliarden Euro** erhöht. Darlehen verhindern kurzfristig einen stärkeren Beitragssprung, sind aber keine dauerhafte Finanzierung, weil sie später zurückgezahlt werden müssen. Der aktuelle PNOG-Referentenentwurf würde bestehende Darlehensrückzahlungen weiter in die Jahre 2035 bis 2039 verschieben. [BMG-Haushalt 2026](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/bundestag-beschliesst-bmg-haushalt-27-11-25), [PNOG-Referentenentwurf](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/P/RefE-Pflegeneuordnungsgesetz_PNOG.pdf) ### 3.5 Begrenzte Leistungen verlieren bei Kostensteigerungen an Wert Ambulante Leistungssätze stiegen zwischen 2019 und 2024 um etwa 10,3 Prozent. Die Preise der abgerechneten ambulanten Leistungen stiegen in einer BMG-Evaluation dagegen ungefähr um 40 Prozent. Pflegebedürftige können daher mit derselben Versicherungsleistung weniger professionelle Pflege einkaufen. [BMG-Evaluation zur Pflegeentlohnung](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Abschlussbericht_Evaluation_Entlohnung_nach_Tarif____72_Absatz_3f_SGB_XI_barrierefrei.pdf) ### 3.6 Hohe und steigende Eigenanteile im Pflegeheim Nach einer Auswertung des Ersatzkassenverbands mussten Pflegebedürftige im ersten Heimjahr zum 1. Juli 2026 bundesweit durchschnittlich **3.364 Euro pro Monat** selbst tragen – 256 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Die gesetzlichen Zuschüsse von 15 bis 75 Prozent beziehen sich nur auf den pflegebedingten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, nicht vollständig auf Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. [vdek-Auswertung Juli 2026](https://www.vdek.com/LVen/NRW/Presse/Pressemitteilungen/2026/eigenbeteiligung-in-der-stationaeren-pflege-eigenbeteiligungen-steigen-erneut.html), [BMG zu vollstationären Leistungen](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/vollstationaere-pflege-im-heim) Die vdek-Zahl stammt aus Vertrags- und Vergütungsdaten des Kassenverbands, nicht aus einer amtlichen Vollerhebung aller tatsächlich gezahlten Rechnungen. ### 3.7 Pflegebedürftigkeit wird zum Sozialhilferisiko Im Laufe des Jahres 2024 erhielten **431.620 Menschen** Hilfe zur Pflege; Mehrfachzählungen zwischen Versorgungssituationen sind möglich. Zum Jahresende waren es nach BMG-Abgrenzung rund 330.000. Unter vollstationär Versorgten lag der Anteil der Empfänger von Hilfe zur Pflege bei 35,1 Prozent. Die Nettoausgaben betrugen 5,3 Milliarden Euro. [Destatis – Hilfe zur Pflege](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Sozialhilfe/empfaenger-hilfe-pflege.html), [BMG-Zahlen 2026](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/Pflegeversicherung/Zahlen_und_Fakten/Zahlen-Fakten_Pflegeversicherung.pdf) ### 3.8 Länderfinanzierung von Pflegeinvestitionen ist uneinheitlich Die Länder sind nach § 9 SGB XI für eine leistungsfähige Pflegeinfrastruktur mitverantwortlich. 2024 wurden bundesweit rund **1,03 Milliarden Euro** öffentliche Investitionshilfen dokumentiert. Die gemeldeten Beträge waren extrem ungleich verteilt; Nordrhein-Westfalen allein entfiel auf rund 781 Millionen Euro. Gleichzeitig betrugen die auf Heimbewohner umlegbaren Investitionskosten durchschnittlich 16,61 Euro je Platz und Tag, etwa 505 Euro im Monat. Die Verteilung kann teilweise durch unterschiedliche Landesmodelle und Erfassungsmethoden erklärt werden. Sie belegt deshalb nicht für sich allein eine präzise „Finanzierungslücke“ jedes Landes, wohl aber ein intransparentes und uneinheitliches System. [BMG/IGES-Investitionskostenbericht 2024](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Ergebnisbericht_Investitionskosten_Berichtsjahr_2024_bf.pdf) ### 3.9 Abhängigkeit von unbezahlter Angehörigenpflege 2023 leisteten nach einer SOEP-Auswertung nahezu **sieben Millionen Menschen** an Werktagen Pflege oder Betreuung. Fast vier Millionen waren zugleich erwerbstätig und arbeiteten im Mittel 33,1 Stunden pro Woche. Die häusliche Versorgung beruht damit nicht nur auf professionellen Diensten, sondern auf einem großen, unvollständig erfassten privaten Arbeitseinsatz. [Bundestagsdrucksache 21/2702](https://dserver.bundestag.de/btd/21/027/2102702.pdf) ### 3.10 Erwerbs-, Einkommens- und Gesundheitsfolgen für Angehörige Frauen mit privaten Pflegeaufgaben arbeiteten 2021 zu 48 Prozent in Teilzeit, gegenüber 40 Prozent bei Frauen ohne solche Aufgaben. Eine im BMG-Finanzierungsbericht zitierte Untersuchung fand bei 44,7 Prozent der befragten Hauptpflegepersonen private Zusatzkosten; in dieser Gruppe durchschnittlich rund 290 Euro monatlich. Repräsentative aktuelle Gesamtschätzungen zu Verdienstausfällen, Gesundheitsschäden und Altersarmut fehlen. [BAuA – Erwerbsarbeit und Pflege](https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/Pflege.pdf?__blob=publicationFile&v=6), [BMG-Finanzierungsbericht](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Bericht_Zukunftssichere_Finanzierung_der_SPV-2024.pdf) ### 3.11 Zu wenig verlässlich verfügbare Entlastungsangebote Die Zahl ausgewiesener Kurzzeitpflegeplätze sank von 10.318 im Jahr 2021 auf 8.293 im Jahr 2023. Bundesweit vergleichbare Auslastungsdaten fehlen. Auch zum ungedeckten Bedarf an Tagespflege gibt es keine belastbare nationale Quantifizierung. Ein Rechtsanspruch oder ein Geldbudget garantiert daher nicht, dass vor Ort ein Platz verfügbar ist. [Bundestagsdrucksache 21/2702](https://dserver.bundestag.de/btd/21/027/2102702.pdf) ### 3.12 Komplizierter Zugang und Fristüberschreitungen 2024 wurden rund 909.000 Anträge auf Höherstufung gestellt. Bei 20,7 Prozent wurde die gesetzliche Begutachtungsfrist überschritten; bei ungefähr acht Prozent aller Anträge war die Überschreitung nach der Kassenstatistik dem Verantwortungsbereich der Pflegekasse zugeordnet. Die übrigen Überschreitungen können etwa aus Krankenhausaufenthalten, fehlenden Unterlagen oder nicht möglichen Terminen resultieren. [GKV-Spitzenverband – Begutachtungsfristen](https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/qualitaet_in_der_pflege/einhaltung_der_begutachtungsfristen/begutachtungsfristen_1.jsp) ### 3.13 Fachkräftemangel trotz vorhandener Beschäftigung Die Bundesagentur für Arbeit bewertet Pflegefachberufe weiterhin als Engpassberufe. 2025 lag die berufsspezifische Arbeitslosenquote für Pflegefachkräfte bei nur 1,1 Prozent; im Jahresdurchschnitt waren rund 31.000 Stellen in Pflegeberufen gemeldet. Arbeitslose Pflegehelfer können Fachkraftstellen wegen gesetzlicher Qualifikationsanforderungen nicht ohne Weiteres besetzen. [Bundesagentur für Arbeit – Arbeitsmarkt Pflege](https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Fokus-Arbeitsmarkt/Pflege.html) ### 3.14 Hohe Teilzeitquote und belastende Arbeitsbedingungen 2024 arbeiteten 39 Prozent der Beschäftigten in Gesundheits- und Krankenpflege sowie 43 Prozent in Altenpflege in Teilzeit. In Pflegeeinrichtungen insgesamt sind die Quoten noch höher, weil dort auch Betreuung, Hauswirtschaft und Verwaltung einbezogen werden. Schichtdienst, hohe Arbeitsdichte, körperliche Belastungen und eingeschränkte Erholungsmöglichkeiten fördern Stundenreduzierung und Berufsausstiege. [Destatis – Teilzeit in Pflegeberufen](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/04/PD24_N017_13.html), [BAuA – Arbeitsbedingungen in der Pflege](https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung/Arbeitsorganisation/Pflege-Gesundheitswesen/Pflege-Gesundheitswesen) ### 3.15 Lohnverbesserungen erhöhen zugleich den Finanzierungsdruck Die Tarifbindungsvorgaben haben die Bezahlung in der Langzeitpflege verbessert. Zwischen April 2022 und April 2023 stiegen die Entgelte von Pflegehilfskräften im ambulanten Bereich um 12,2 Prozent und im stationären Bereich um 8,9 Prozent. Da Personalkosten mehr als 70 Prozent der Heimkosten ausmachen können, steigen ohne ausreichende öffentliche Finanzierung jedoch Eigenanteile und Versicherungsbedarf mit. Niedrigere Löhne wären keine tragfähige Lösung; das Problem ist die Finanzierung guter Löhne. [BMG-Evaluation zur Pflegeentlohnung](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Abschlussbericht_Evaluation_Entlohnung_nach_Tarif____72_Absatz_3f_SGB_XI_barrierefrei.pdf) ### 3.16 Ausbildung wächst, reicht aber nicht automatisch aus 2024 schlossen 37.400 Menschen die generalistische Pflegeausbildung ab. Es wurden 59.400 neue Ausbildungsverträge geschlossen, neun Prozent mehr als 2023; insgesamt befanden sich 146.700 Personen in Ausbildung. Aus diesen Jahrgangszahlen kann keine Abbruchquote errechnet werden, weil Anfänger und Absolventen verschiedenen Kohorten angehören. Entscheidend bleiben erfolgreicher Abschluss, Berufseinstieg, Vollzeitvolumen und Verbleib im Beruf. [Destatis – Pflegeausbildung 2024](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_276_212.html) ### 3.17 Wachsende Abhängigkeit von ausländischen Beschäftigten Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an den Pflegebeschäftigten lag 2025 bei rund 20 Prozent. Das gesamte Beschäftigungswachstum seit 2022 wurde nach BA-Angaben von ausländischen Beschäftigten getragen. 2024 wurden 32.500 ausländische Berufsqualifikationen als Pflegefachperson anerkannt. Migration ist damit ein wesentlicher Teil der Versorgungssicherung, aber kein Ersatz für bessere Arbeitsbedingungen und Ausbildung im Inland. [BA-Arbeitsmarkt Pflege](https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Fokus-Arbeitsmarkt/Pflege.html), [Destatis – Anerkennungen 2024](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_321_212.html) ### 3.18 Qualitätsrisiken sind real, aber nicht auf alle Heime übertragbar Bei den 2023 geprüften stationären Einrichtungen stellte der Medizinische Dienst unter anderem bei 7,6 Prozent der hierfür relevanten Bewohner Defizite bei der Medikamentenunterstützung mit negativen Folgen fest. Bei 14,4 Prozent der für Schmerzmanagement relevanten Bewohner bestanden risikobehaftete Defizite; bei 2,9 Prozent bereits negative Folgen. Das sind Stichprobenergebnisse aus Prüfungen, keine Fehlerquote sämtlicher Heimbewohner. Sie belegen ernsthafte Risiken, nicht eine pauschal schlechte Qualität aller Einrichtungen. [8. Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes Bund](https://md-bund.de/fileadmin/dokumente/Pressemitteilungen/2025/2025_06_12/2025_06_12_8.PQ-BERICHT.pdf) ### 3.19 Demenz und komplexe Mehrfacherkrankungen erhöhen den Versorgungsbedarf RKI-Daten weisen für 2022 eine administrative Demenzprävalenz von 6,9 Prozent unter den mindestens 65-Jährigen aus. Je nach Definition werden derzeit etwa 1,4 bis 1,8 Millionen Betroffene angenommen; Projektionen bis 2050 oder 2070 reichen deutlich höher. Unterschiedliche Zahlen sollten wegen verschiedener Datengrundlagen nicht vermischt werden. [RKI – Demenzprävalenz](https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2025_01_Demenz.html), [BMG – Nationale Demenzstrategie](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschung/handlungsfelder/forschungsschwerpunkte/nationale-demenzstrategie) ### 3.20 Prävention und Rehabilitation bleiben schwach verankert Nur 2,9 Prozent der Begutachtungen führten im Berichtszeitraum zu einer Rehabilitationsempfehlung. Von den Personen mit Empfehlung stimmten 30 Prozent der Weiterleitung an die Krankenkasse zu. Die niedrige Empfehlungsquote beweist allein keine systematische Fehlversorgung, weil nicht jeder Pflegebedürftige rehabilitationsfähig ist. Sie begründet aber Prüfbedarf, ob Potenziale zur Verzögerung von Pflegebedürftigkeit ausgeschöpft werden. [GKV-Spitzenverband – Reha-Empfehlungen](https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/pflegeversicherung/richtlinien__vereinbarungen__formulare/pflege_berichte/2024_4/2025-08-31_Bericht_Reha-Empfehlungen_18d_Abs_1_SGB_XI.pdf) ### 3.21 Rechtlich prekäre Live-in-Betreuung Viele Haushalte beschäftigen überwiegend osteuropäische Betreuungskräfte im häuslichen Umfeld. Belastbare Gesamtzahlen fehlen. Ein gemeinsamer Bericht von BMG und BMAS hält fest, dass arbeitsrechtliche Schutzvorgaben nicht selten missachtet werden. Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit ist mit regulären Arbeitszeiten einer einzigen Person grundsätzlich nicht vereinbar. [BMG/BMAS – Rechtssichere Live-in-Betreuung](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/details/rechtssichere-live-in-betreuung) --- ## 4. Zentrale Kennzahlen | Kennzahl | Wert | |---|---:| | Leistungsempfänger aller Pflegeversicherungen 2025 | 6,43 Mio. | | Davon ambulant/häuslich | 5,52 Mio. | | Vollstationär | 770.794 | | Pflegebedürftige nach Destatis, Ende 2023 | 5,69 Mio. | | Anteil zu Hause versorgt, Destatis 2023 | 86 % | | Nur durch Angehörige/überwiegend Pflegegeld | 3,10 Mio. | | Mit ambulantem Pflegedienst | 1,10 Mio. | | SPV-Einnahmen 2025 | 73,33 Mrd. € | | SPV-Ausgaben 2025 | 73,82 Mrd. € | | SPV-Leistungsausgaben 2025 | 70,42 Mrd. € | | Liquide Mittel Ende 2025 | 5,35 Mrd. € / 0,86 Monatsausgaben | | Beitrag 2026, ein Kind | 3,6 % | | Beitrag 2026, kinderlos | 4,2 % | | Ertrag eines Beitragssatzpunktes | ungefähr 20,5 Mrd. € jährlich | | Eigenanteil erstes Heimjahr, Juli 2026 | Ø 3.364 €/Monat | | Hilfe-zur-Pflege-Ausgaben 2024 | netto 5,3 Mrd. € | | Kurzzeitpflegeplätze 2023 | 8.293 | | Rentenversicherte Pflegepersonen Ende 2024 | 1,19 Mio. | | Personal ambulanter/stationärer Pflegeeinrichtungen 2023 | 1,26 Mio., alle Tätigkeiten | | Pflegefachkräfte-Arbeitslosenquote 2025 | 1,1 % | | Gemeldete Stellen in Pflegeberufen 2025 | Ø 31.000 | | Neue Pflegeausbildungsverträge 2024 | 59.400 | | Anerkannte ausländische Pflegequalifikationen 2024 | 32.500 | --- ## 5. Historische Entwicklung - **1995/1996:** Einführung der Pflegeversicherung als Teilkostenabsicherung; stationäre Leistungen folgen 1996. - **2015:** Aufbau eines Pflegevorsorgefonds. Er glättet Belastungen, finanziert aber nicht die gesamte demografische Mehrbelastung. - **2017:** Einführung von fünf Pflegegraden und erweitertem Pflegebedürftigkeitsbegriff. Kognitive und psychische Einschränkungen werden besser erfasst; dadurch wächst auch der Kreis der Leistungsberechtigten. - **2022:** Tarif- beziehungsweise Tarifniveau-Vorgaben für Pflegeeinrichtungen verbessern die Entlohnung, erhöhen aber den refinanzierungsfähigen Aufwand. - **2023/2024:** Das PUEG erhöht Beiträge, Leistungszuschläge im Heim und weitere Leistungen. - **2025:** Beitragssatz steigt auf 3,6 Prozent; Leistungen werden um 4,5 Prozent angehoben. Dennoch bleiben Defizit und sinkende Reserven. - **2026:** Das Befugniserweiterungs- und Entbürokratisierungsgesetz erweitert pflegerische Kompetenzen. Seine Wirkung ist noch nicht belastbar evaluiert. - **Juni 2026:** Das BMG veröffentlicht einen PNOG-Referentenentwurf. Der PNOG ist nach dem amtlich auffindbaren Stand vom 24. August 2026 **noch kein verabschiedetes Gesetz**. Im Bundestags-Lobbyregister wird weiterhin der Referentenentwurf vom 5. Juni geführt. [BM … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)