Dossier AL

Wohnungsnot, Mietbelastung, Wohnungsbau, Baukosten und staatliche Fehlsteuerung

Bearbeitungsstand: 24. August 2026
Registererweiterung: DE-891 bis DE-915
Gesamtregister: 915 Probleme

Kennzeichnung

- Tatsache: unmittelbar aus amtlichen Daten oder Rechtsakten ableitbar.
- Modell: Ergebnis einer Bedarfsrechnung oder Prognose.
- Schlussfolgerung: aus mehreren Befunden abgeleitete Bewertung.
- Unsicher: wegen fehlender oder nicht vergleichbarer Daten nicht belastbar quantifizierbar.

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# Dossier AL – Wohnungsnot, Mietbelastung, Wohnungsbau, Baukosten und staatliche Fehlsteuerung

**Bearbeitungsstand:** 24. August 2026  
**Registererweiterung:** DE-891 bis DE-915  
**Gesamtregister:** 915 Probleme

**Kennzeichnung**

- **Tatsache:** unmittelbar aus amtlichen Daten oder Rechtsakten ableitbar.
- **Modell:** Ergebnis einer Bedarfsrechnung oder Prognose.
- **Schlussfolgerung:** aus mehreren Befunden abgeleitete Bewertung.
- **Unsicher:** wegen fehlender oder nicht vergleichbarer Daten nicht belastbar quantifizierbar.

## 1. Kerndiagnose

Deutschland hat keinen einheitlichen, flächendeckenden Mangel an physisch vorhandenen Wohnungen. Es hat vor allem ein gravierendes **regionales, preisliches und strukturelles Verteilungsproblem**:

- Ende 2025 existierten rund **44,0 Millionen Wohnungen**. Gleichzeitig standen beim Zensus 2022 rund **1,92 Millionen Wohnungen beziehungsweise 4,5 %** leer. Die Leerstände liegen jedoch häufig in schrumpfenden oder strukturschwachen Regionen und sind zum großen Teil nicht kurzfristig nutzbar.
- 2025 wurden nur **206.600 Wohnungen fertiggestellt**, 18 % weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 2012. Das BBSR schätzt den jährlichen Neubedarf bis 2030 modellabhängig auf etwa **320.000 Wohnungen**. Daraus ergibt sich für 2025 eine rechnerische Lücke von rund 113.000 Wohnungen – aber kein Beweis für einen ebenso großen bundesweiten Bestandsmangel.
- Die politischen **400.000 Wohnungen pro Jahr** waren ein Ziel der früheren Bundesregierung, keine wissenschaftlich gesicherte Bedarfszahl. 2025 wurden davon nur 51,6 % erreicht.
- Bestehende Mietverhältnisse verteuerten sich vergleichsweise moderat. Der stärkste Druck trifft Neuvermietungen: 2024 lagen Wiedervermietungsangebote durchschnittlich bei **10,92 Euro/m²**, Erstvermietungen im Neubau bei **14,42 Euro/m²**, während die durchschnittliche Bestandsmiete bei **7,62 Euro/m²** lag.
- Der Staat stabilisiert Haushalte zunehmend über Wohngeld und die Übernahme von Unterkunftskosten. Diese Transfers schützen Betroffene, erhöhen aber nicht automatisch das Wohnungsangebot. Die Politik behandelt damit teilweise die finanziellen Folgen des Mangels, während dauerhaft preisgebundener Wohnraum knapp bleibt.
- Das Grundproblem ist nicht ein einzelnes Gesetz. Es entsteht aus teurem Bauland, hohen Baukosten, Finanzierungskosten, langwieriger Baurechtschaffung, kommunaler Flächenpolitik, föderal unterschiedlichen Bauordnungen, Kapazitätsengpässen, anspruchsvollen Standards und einer lückenhaften sozialen Wohnraumstrategie.

**Gesamtbewertung:** **hohe bis kritische Priorität** in wachsenden Städten und für einkommensarme Haushalte; bundesweit keine einheitliche Wohnungsnot.

## 2. Abgrenzungen und Doppelzählungsschutz

| Begriff | Bedeutung | Nicht gleichzusetzen mit |
|---|---|---|
| Wohnungsbestand | Physisch vorhandene Wohnungen | verfügbare oder bezahlbare Wohnungen |
| Leerstand | Am Stichtag unbewohnte Wohnung | kurzfristig vermietbares Angebot |
| Baugenehmigung | Rechtliche Zulassung eines Vorhabens | Baubeginn oder Fertigstellung |
| Bauüberhang | Genehmigte, noch nicht fertiggestellte Wohnungen | sichere künftige Fertigstellungen |
| Neubedarf | Modellrechnung aus Haushalten, Ersatz- und Zusatzbedarf | bereits eingetretener Wohnungsmangel |
| Bestandsmiete | Mietpreis laufender Verträge | Angebots- oder Neuvertragsmiete |
| Angebotsmiete | Preis eines veröffentlichten Inserats | tatsächlich vereinbarte Durchschnittsmiete |
| Bruttokaltmietbelastung | Nettokaltmiete plus kalte Nebenkosten im Verhältnis zum Einkommen | gesamte Wohnkosten einschließlich Heizung und Energie |
| Geförderte Wohneinheit | Kann Neubau, Modernisierung, Bindungsverlängerung oder Eigentumsmaßnahme sein | neu gebaute Sozialmietwohnung |
| Wohnungslosigkeit | Oberbegriff mehrerer Lebenslagen | ausschließlich Obdachlosigkeit auf der Straße |

Wohngeld, Bürgergeld-Unterkunftskosten, Sozialwohnraumförderung und kommunale Unterbringungskosten dürfen nicht pauschal addiert werden: Sie betreffen unterschiedliche Personen, Jahre, Finanzierungsarten und staatliche Ebenen.

## 3. Zentrale Teilprobleme

1. **Einbruch der Fertigstellungen:** 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 45.400 weniger als 2024. Seit 2021 liegt die Fertigstellungszahl deutlich unter früheren politischen Zielmarken. [Destatis, 22. Mai 2026](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_174_31121.html)

2. **Genehmigungen erholen sich nur von niedrigem Niveau:** 2025 wurden 238.063 Wohnungen genehmigt, 10,6 % mehr als 2024, aber noch rund 37,5 % weniger als 2021. Der Anstieg setzt sich 2026 fort, wird wegen langer Bauzeiten aber erst später in Fertigstellungen sichtbar. [Destatis-Genehmigungsstatistik](https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Bauen/Tabellen/baugenehmigungen.html)

3. **Großer Bauüberhang:** Ende 2025 waren rund 760.700 genehmigte Wohnungen noch nicht fertiggestellt. Nur 307.200 befanden sich bereits im Bau; 35.700 Genehmigungen erloschen – der höchste Wert seit 2002.

4. **Längere Realisierungszeiten:** Die durchschnittliche Zeit zwischen Genehmigung und Fertigstellung stieg von 20 Monaten im Jahr 2020 auf 27 Monate 2025. Das bildet nicht die gesamte Dauer der vorherigen Baurechts- und Planungsverfahren ab.

5. **Baukostenproblem:** Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden lagen 2025 rund **89 % über dem Niveau von 2010**. Im Mai 2026 stiegen sie erneut um 5,0 % gegenüber dem Vorjahr. [Destatis-Baupreisübersicht](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Baupreise-Immobilienpreisindex/_inhalt.html)

6. **Sehr hohes deutsches Kostenniveau:** Nach Einschätzung der Europäischen Kommission lagen die deutschen Wohnungsbaupreise 2024 bei rund **147 % des EU-Durchschnitts**, dem höchsten Niveau in der EU. Dabei wirken Material-, Lohn-, Grundstücks-, Finanzierungs- und Regulierungskosten zusammen. [EU-Kommission, Housing Annex Germany 2026](https://housing.ec.europa.eu/document/download/ebacad72-a44e-49e7-9b04-a4a928c917ef_en?filename=2026+DE+Housing+Annex.pdf)

7. **Grundstücks- und Baurechtsknappheit:** In Großstädten über 500.000 Einwohner kostete für Mehrfamilienhäuser geeignetes Bauland 2022 durchschnittlich ungefähr 1.000 Euro/m². In vielen peripheren Landkreisen lagen Preise dagegen unter 50 Euro/m². Das Problem ist nicht Bodenknappheit an sich, sondern baureifes Land am richtigen Ort.

8. **Finanzierungsschock:** Der starke Zinsanstieg nach 2022 reduzierte die tragfähigen Kaufpreise und Neubaurenditen. Die Immobilienpreise sanken 2023 um 8,4 % und 2024 um 1,5 %, stiegen 2025 aber wieder um 3,2 %. Die zwischenzeitliche Preiskorrektur kompensierte die verschlechterte Finanzierung nur teilweise. [Destatis-Häuserpreisindex](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Baupreise-Immobilienpreisindex/Tabellen/Haeuserpreise-Bauland.html)

9. **Wachsende Kluft zwischen Alt- und Neuverträgen:** Mietregulierung und lange Mietverhältnisse schützen Bestandsmieter. Gleichzeitig bezahlen Umziehende, Zuziehende, junge Haushalte und Familien deutlich höhere Angebotsmieten.

10. **Lock-in-Effekt:** Wer einen günstigen Altvertrag besitzt, vermeidet selbst bei veränderter Haushaltsgröße einen Umzug. Dadurch bleiben teilweise große Wohnungen unterbelegt, während Familien passende Wohnungen suchen. Die genaue zusätzliche Wohnraumreserve ist nicht belastbar quantifizierbar.

11. **Überlastung einkommensarmer Haushalte:** 2025 verwendeten Haushalte durchschnittlich 24,1 % ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen; armutsgefährdete Haushalte 43,7 %. Bei 11,2 % der Bevölkerung überschritten die Wohnkosten 40 % des Einkommens, unter Armutsgefährdeten bei 35 %. [Destatis/EU-SILC](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/Tabellen/eurostat-anteil-ueberbelastung-wohnkosten-mz-silc.html)

12. **Überbelegung:** 2025 lebten 11,7 % der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen, gegenüber 10,2 % im Jahr 2020. Minderjährige waren zu 19 %, ausländische Erwachsene zu 30,8 %, deutsche Erwachsene zu 6,7 % betroffen. [Destatis, 28. Mai 2026](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N030_63.html)

13. **Schrumpfender Sozialwohnungsbestand:** Der Bestand sank von rund 2,9 Millionen Wohnungen 1990 auf etwa **1,03 Millionen Ende 2025**. Ursache sind ausgelaufene Bindungen, unzureichende Ersatzförderung und frühere Verkäufe öffentlicher Bestände.

14. **Förderzahlen werden leicht missverstanden:** 2025 wurden insgesamt 56.331 Wohneinheiten gefördert. Darin enthalten sind jedoch Modernisierungen, Bindungsverlängerungen, Eigentumsmaßnahmen und Wohnheime. Tatsächlich neu gebaute geförderte Mietwohnungen waren **27.283**. [Bundestagsdrucksache 21/7212](https://dserver.bundestag.de/btd/21/072/2107212.pdf)

15. **Transferorientierte statt angebotsorientierte Stabilisierung:** Die Wohngeldausgaben stiegen 2023 auf 3,906 Milliarden Euro und 2024 auf 4,684 Milliarden Euro. Wohngeld verhindert Überlastung wirksam, kann aber bei knappem Angebot teilweise in höheren erzielbaren Mieten landen.

16. **Wohnungslosigkeit bleibt hoch:** Am 31. Januar 2026 waren rund 452.900 untergebrachte wohnungslose Menschen registriert. Die Zahl umfasst viele Personen in kommunalen oder vorübergehenden Unterkünften, darunter anerkannte Geflüchtete, aber nicht Menschen auf der Straße oder verdeckt Wohnungslose. [Destatis, 26. Juni 2026](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_222_229.html)

17. **Stadt-Land-Fehlverteilung:** Beim Zensus 2022 standen in Berlin 2,0 % der Wohnungen leer, in den ostdeutschen Ländern ohne Berlin 7,7 %. Bundesweit war mehr als die Hälfte des Leerstands seit mindestens zwölf Monaten unbewohnt; nur gut ein Drittel war innerhalb von drei Monaten bezugsfähig.

18. **Sinkende Wohneigentumschancen:** Nur rund 43,7 % der Haushalte lebten 2022 im selbstgenutzten Eigentum. Hohe Erwerbsnebenkosten, Eigenkapitalanforderungen, Grundstückspreise und Zinsen treffen Haushalte ohne Familienvermögen besonders stark.

19. **Zersplitterte Verantwortung:** Bauplanungsrecht, Landesbauordnungen, kommunale Bebauungspläne, Förderprogramme, Umweltrecht, Infrastrukturplanung und Finanzierung greifen ineinander. Verzögerungen können daher selten eindeutig einer einzigen Ebene zugerechnet werden.

20. **Zielkonflikte:** Barrierefreiheit, Energieeffizienz, Brandschutz, Schallschutz, Flächensparen und Bauqualität haben einen realen Nutzen. Ihre kumulierten Kosten werden aber selten transparent gegen zusätzlich verhinderten oder verteuerten Wohnraum abgewogen.

## 4. Kennzahlenübersicht

| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---:|---|
| Wohnungsbestand Ende 2025 | 44,0 Mio. | Bestand, nicht Verfügbarkeit |
| Wohnfläche je Einwohner 2025 | 49,5 m² | Durchschnitt verdeckt Verteilungsprobleme |
| Fertigstellungen 2025 | 206.600 | –18,0 % zum Vorjahr |
| Modellierter Neubedarf bis 2030 | ca. 320.000 pro Jahr | BBSR-Modell, keine sichere Defizitzahl |
| Frühere politische Zielmarke | 400.000 pro Jahr | davon 100.000 gefördert |
| Genehmigungen 2025 | 238.063 | +10,6 %, aber –37,5 % zu 2021 |
| Bauüberhang Ende 2025 | 760.700 | teilweise noch nicht begonnen |
| Erloschene Genehmigungen 2025 | 35.700 | Höchststand seit 2002 |
| Durchschnittliche Realisierungszeit | 27 Monate | Genehmigung bis Fertigstellung |
| Leerstand Zensus 2022 | 1,92 Mio.; 4,5 % | regional und qualitativ ungleich verteilt |
| Bestandsmiete 2024 | 7,62 €/m² | laufende Mietverhältnisse |
| Wiedervermietungsangebot 2024 | 10,92 €/m² | Internetangebote, nicht alle Verträge |
| Neubau-Erstvermietung 2024 | 14,42 €/m² | bundesweiter Angebotsdurchschnitt |
| Wohnkostenüberlastung 2025 | 11,2 % | Wohnkosten über 40 % des Einkommens |
| Überbelegung 2025 | 11,7 % | kontinuierlicher Anstieg seit 2020 |
| Sozialmietwohnungsbestand 2025 | ca. 1,03 Mio. | trotz neuer Förderung weiter knapp |
| Neu geförderte Mietneubauten 2025 | 27.283 | nicht mit allen Förderfällen verwechseln |
| Untergebrachte Wohnungslose 2026 | 452.900 | Teilmenge aller Wohnungslosen |

## 5. Historische Entwicklung

- In den 1990er- und 2000er-Jahren führten Bevölkerungsrückgangserwartungen, kommunale Finanzprobleme und Verkäufe öffentlicher Wohnungsbestände zu einer schwächeren Neubau- und Bestandspolitik.
- Zwischen 1999 und 2011 veräußerten Länder und Kommunen große Wohnungsbestände. Die späteren Rückkäufe erfolgten teilweise zu deutlich höheren Preisen.
- Der Sozialwohnungsbestand sank von etwa 2,9 Millionen Wohnungen 1990 auf 1,05 Millionen 2023 und etwa 1,03 Millionen 2025. Die zeitliche Befristung der Belegungsbindungen bedeutet, dass Neubauförderung zunächst nur den Bindungsverlust ersetzen muss.
- Seit den 2010er-Jahren verstärkten Zuwanderung, Urbanisierung, mehr Einpersonenhaushalte und wachsende Wohnflächenansprüche den Bedarf in Ballungsräumen.
- Die Niedrigzinsphase erhöhte Immobilien- und Bodenpreise. Der Zinswechsel ab 2022 ließ anschließend Projekte unwirtschaftlich werden, ohne Grundstücks- und Baukosten entsprechend stark zu senken.
- Die Genehmigungen fielen von 380.736 im Jahr 2021 auf 215.289 im Jahr 2024. Die Erholung 2025 und 2026 kommt daher von einem außergewöhnlich niedrigen Ausgangsniveau.

## 6. Regionale Unterschiede

- **Großstädte und Umland:** starke Nachfrage, hohe Grundstückspreise, teure Neuvermietungen und Konkurrenz zwischen Wohnen, Gewerbe und Infrastruktur.
- **Berlin:** niedriger Zensus-Leerstand von 2,0 %, hohe Zuzugs- und Umzugsbarrieren sowie besonders starke politische Regulierungskonflikte.
- **Ostdeutsche Flächenländer:** überdurchschnittlicher Leerstand, aber 2025 zugleich ein besonders starker Einbruch der Neubaufertigstellungen um 34,3 %. Einzelne wachsende Städte wie Leipzig oder Dresden unterscheiden sich erheblich vom Umland.
- **Periphere ländliche Räume:** niedrige Bodenpreise und teilweise Leerstand, zugleich aber Sanierungsbedarf, schwache Infrastruktur und geringere Arbeitsmarktnachfrage.
- **Wachsendes Umland:** Entlastet Kernstädte nur, wenn Verkehrs-, Schul-, Kita- und Versorgungsinfrastruktur gleichzeitig ausgebaut werden.
- **Kommunen:** Finanzstarke Kommunen können Flächen entwickeln und Infrastruktur vorfinanzieren; finanzschwache Kommunen verfügen oft weder über Personal noch über Kapital für aktive Bodenpolitik.

## 7. Internationaler Vergleich

- Deutschland hatte 2024 mit **52,8 %** den höchsten Mieteranteil in der EU; EU-weit waren es 31,6 %. Das ist nicht an sich problematisch, erhöht aber die Bedeutung funktionsfähiger Mietmärkte. [Eurostat](https://ec.europa.eu/eurostat/en/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260205-1)
- Die Wohnkostenüberlastung lag 2024 in Deutschland bei 12,0 %, gegenüber 8,2 % in der EU. 2025 sank der deutsche Wert auf 11,2 %; ein direkter Vergleich mit dem EU-Wert von 2024 wäre wegen des unterschiedlichen Jahres nur eingeschränkt zulässig.
- Deutschlands Überbelegungsquote von 11,7 % im Jahr 2025 lag unter dem EU-Durchschnitt von 16,9 % im Jahr 2024. Das entlastet die Gesamtbewertung, verdeckt aber die hohe Belastung einzelner Gruppen.
- Zwischen 2013 und 2024 stiegen bestehende deutsche Mieten nach Berechnung der Kommission um 18,6 %, die Verbraucherpreise um 30,1 % und verfügbare Einkommen um 44,8 %. Neuvertragsmieten stiegen dagegen um 50,8 %, in den sieben größten Städten um 76,3 %.
- Deutschlands Problem ist im EU-Vergleich weniger eine außergewöhnlich hohe durchschnittliche Überbelegung als die Kombination aus sehr hohen Baukosten, niedriger Eigentumsquote, großer Neuvertragslücke und überdurchschnittlicher Wohnkostenbelastung.

## 8. Ursachen

**Nachweisbar bedeutend**

- stark gestiegene Bau-, Boden- und Finanzierungskosten;
- fehlendes baureifes Land in Wachstumsregionen;
- kleiner werdende Haushalte und räumlicher Nachfragemismatch;
- auslaufende Sozialbindungen;
- Kapazitäts- und Fachkräfteengpässe;
- längere Projektlaufzeiten;
- Unsicherheit über Förderbedingungen und technische Standards;
- Infrastrukturkosten neuer Baugebiete.

**Plausibel, aber unzureichend quantifiziert**

- kumulative Mehrkosten unterschiedlicher Bau- und Umweltstandards;
- spekulatives Zurückhalten baureifer Grundstücke;
- unzureichende Digitalisierung der Genehmigungsbehörden;
- kommunale Widerstände gegen Verdichtung;
- Mietregulierung als Investitionshemmnis in einzelnen Segmenten.

**Nicht belegt als monokausale Erklärung**

- „Allein der Zuzug verursacht die Wohnungsnot.“
- „Allein Umweltauflagen verhindern den Wohnungsbau.“
- „Es gibt insgesamt zu wenig Wohnungen in Deutschland.“
- „Enteignungen oder Deregulierung allein würden das Problem lösen.“

## 9. Staatliche Verantwortung

| Ebene | Hauptverantwortung | Problembeitrag |
|---|---|---|
| Bund | Bauplanungs-, Miet-, Steuer-, Energie- und Förderrecht | wechselnde Förderung, Grunderwerbs- und Mietrechtsanreize, politische Zielsetzung ohne gesicherte Umsetzungskapazität |
| Länder | Bauordnungen, Wohnraumförderung, Aufsicht | 16 Bauordnungen, unterschiedliche Standards, uneinheitliche Förder- und Datensysteme |
| Kommunen | Bebauungspläne, Bauland, Genehmigungen, Infrastruktur | langsame Flächenausweisung, fehlendes Personal, lokale Widerstände; zugleich begrenzte Finanzkraft |
| EU | Beihilfe-, Vergabe-, Energie- und Umweltvorgaben | zusätzliche Rahmenbedingungen, aber nicht Hauptursache der deutschen Planungs- und Kostenprobleme |
| Wohnungswirtschaft | Projektentwicklung, Bestand, Investitionen | Rendite- und Risikoselektion, teilweise geringe Bautätigkeit; reagiert aber auch auf reale Kosten |
| Finanzsektor | Kreditvergabe und Beleihung | verschärfte Eigenkapitalhürden; Zinshöhe primär geldpolitisch und marktbedingt |
| Grundstückseigentümer | Verkauf oder Zurückhalten von Flächen | kann Baulandmobilisierung hemmen; Ausmaß nicht bundesweit quantifiziert |
| Anwohner und Verbände | Beteiligung und Rechtsschutz | können Projekte verzögern, schützen aber legitime Eigentums-, Umwelt- und Beteiligungsrechte |

## 10. Wichtige politische Entscheidungen

- Die frühere Bundesregierung setzte das Ziel von 400.000 Wohnungen jährlich, ohne dass Finanzierung, Bauland, Verwaltungskapazität und Bauwirtschaft ausreichend auf dieses Volumen ausgerichtet waren.
- Die Mietpreisbremse wurde bis Ende 2029 verlängert. In ausgewiesenen angespannten Märkten darf die Neuvertragsmiete grundsätzlich höchstens 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen; Ausnahmen bleiben bestehen. Die Regierung sieht eine moderate Dämpfungswirkung, nicht aber eine Lösung des Angebotsmangels. [Bundesregierung](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/neuregelungen-august-25-2368672)
- Der „Bau-Turbo“ trat am 30. Oktober 2025 in Kraft. § 246e BauGB ermöglicht mit Zustimmung der Kommune zeitweilige Abweichungen vom Planungsrecht. Landesbauordnungen, Brandschutz, Statik, Umwelt- und Nachbarrechte bleiben bestehen; eine belastbare Wirkungsevaluation liegt noch nicht vor. [BMWSB](https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/ge-bauturbo/bauturbo.html)
- Die soziale Wohnraumförderung wurde finanziell ausgeweitet. Der Nettoeffekt bleibt jedoch begrenzt, solange gleichzeitig alte Bindungen auslaufen.
- Wohngeld-Plus erhöhte Reichweite und Leistung. Das senkte die Belastung empfangender Haushalte, verlagert die Strategie aber stärker auf nachfrageseitige Transfers.
- Häufig wechselnde Förderbedingungen für energetische Standards und Neubauprogramme erhöhten Planungsunsicherheit.

## 11. Direkte staatliche Kosten

Die folgenden Werte dürfen nicht zu einer vermeintlichen „Gesamtrechnung Wohnungsnot“ addiert werden:

| Position | Betrag | Vergleich je Einwohner | Abgrenzung |
|---|---:|---:|---|
| Wohngeld 2024 | 4,684 Mrd. € | ca. 56 € | Bund und Länder; Transfer an berechtigte Haushalte |
| SGB-II-Unterkunft und Heizung 2023 | 16,468 Mrd. € | ca. 197 € | davon Bund 11,591 Mrd. €; enthält reguläre Existenzsicherung |
| SGB-XII-Unterkunft und Heizung 2023 | ca. 3,934 Mrd. € | ca. 47 € | Grundsicherung im Alter/Erwerbsminderung und Hilfe zum Lebensunterhalt |
| Bundesabfluss soziale Wohnraumförde
… (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)