Dossier AN
Kita-Mangel, frühkindliche Bildung, Sprachförderung, Personalschlüssel und Vereinbarkeit
Stand: 24. August 2026 · Registerfortschreibung DE‑944 bis DE‑973
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## Dossier AN – Kita-Mangel, frühkindliche Bildung, Sprachförderung, Personalschlüssel und Vereinbarkeit **Stand: 24. August 2026 · Registerfortschreibung DE‑944 bis DE‑973** ### 1. Kernbefund **Belegte Tatsache:** Deutschland hat sein Betreuungssystem seit 2006 stark ausgebaut. Trotzdem fehlen besonders für Einjährige und in Westdeutschland weiterhin bedarfsgerechte Plätze. Zugleich werden vorhandene Plätze durch verkürzte Öffnungszeiten, ungeplante Schließungen und Personalausfälle entwertet. **Zentrale Diagnose:** Das Problem besteht aus drei voneinander zu trennenden Defiziten: 1. **Zugang:** Eltern bekommen trotz Bedarf und teilweise trotz Rechtsanspruch keinen Platz. 2. **Verlässlichkeit:** Ein vertraglich vorhandener Platz steht nicht immer im vereinbarten Umfang zur Verfügung. 3. **Qualität:** Der formale Personal-Kind-Schlüssel hat sich verbessert, wird im Alltag durch Ausfälle aber häufig unterschritten. Sprachförderung, Diagnostik und Zugangschancen unterscheiden sich erheblich nach Land, Region und sozialer Herkunft. Sinkende Geburtenzahlen lösen das Problem nicht automatisch: Während in Teilen Ostdeutschlands Einrichtungen geschlossen werden, werden für Westdeutschland kurzfristig weiterhin rund 189.000 zusätzliche U3-Plätze prognostiziert. Gleichzeitig könnten frei werdende Kapazitäten für bessere Personalschlüssel und gezielte Förderung genutzt werden. [BMBFSFJ, Kindertagesbetreuung Kompakt 2025](https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/288270/6a94b1a0be0e0390be322df5c1320019/kindertagesbetreuung-kompakt-ausbaustand-und-bedarf-2025-data.pdf) --- ### 2. Abgrenzung und Definitionen - **U3:** Kinder unter drei Jahren. - **U6:** hier Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt. - **Beteiligungsquote:** Anteil aller Kinder einer Altersgruppe, die am Stichtag in einer Kita oder öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut werden. - **Elterlicher Bedarf:** gewichtete Elternantwort auf die Frage, ob aktuell ein Betreuungsplatz gewünscht wird. Bereits betreute Kinder gelten definitionsgemäß als Kinder mit Bedarf. - **Bedarfslücke:** Differenz zwischen Bedarfs- und Beteiligungsquote. Sie ist keine kommunale Warteliste und erlaubt nur eine näherungsweise Umrechnung in fehlende Plätze. - **Personal-Kind-Schlüssel:** Verhältnis vertraglich vereinbarter Betreuungs- und Personalstunden. Krankheit, Urlaub, Fortbildung, Leitung, Dokumentation und mittelbare pädagogische Arbeit können dazu führen, dass die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation im Alltag schlechter ausfällt. - **Kindertagespflege:** öffentlich geförderte Betreuung durch Tagesmütter oder Tagesväter; nicht gleichbedeutend mit informeller Betreuung durch Verwandte. - **Öffnungszeiten, Vertragsumfang und tatsächliche Betreuung** sind drei verschiedene Größen. Die Beteiligungsquoten wurden 2025 erstmals auf Grundlage des Zensus 2022 berechnet. Zeitvergleiche mit früher veröffentlichten Quoten sind deshalb nur eingeschränkt möglich; der Bundesbericht hat 2024 für seine Vergleiche neu berechnet. --- ### 3. Zerlegung in Teilprobleme 1. Bundesweite U3-Bedarfslücke trotz jahrelangen Ausbaus. 2. Besonders große Lücke bei Einjährigen. 3. Rechtsanspruch besteht, wird aber nicht überall praktisch erfüllt. 4. Deutlich schlechtere Bedarfsdeckung im Westen. 5. Sehr große Unterschiede zwischen Bundesländern und Kommunen. 6. Abweichende Bedarfslagen zwischen Großstädten, Mittelstädten und ländlichen Räumen. 7. Noch vorhandene Restlücke bei Kindern ab drei Jahren. 8. Fehlende Wahlmöglichkeiten bei Betreuungsform, Lage und Umfang. 9. Vertragliche Stunden stimmen teilweise nicht mit gewünschten Stunden überein. 10. Randzeiten passen nicht zu Schichtarbeit und frühen Arbeitsbeginnzeiten. 11. Häufig gekürzte Öffnungszeiten. 12. Zunehmende ungeplante Schließtage. 13. Kurzfristige Personalausfälle destabilisieren ganze Einrichtungen. 14. Unbesetzte Stellen und längerfristige Personallücken. 15. Große Länderunterschiede beim Personal-Kind-Schlüssel. 16. Vertragliche Personalschlüssel überschätzen die Anwesenheit am Kind. 17. Hoher Anteil kurzer oder reduzierter Beschäftigungsumfänge. 18. Regional alternde Belegschaften und Verrentungsrisiken. 19. Schrumpfende Kindertagespflege als flexible Ergänzung. 20. Zugangsnachteile von Familien mit Transferleistungsbezug. 21. Zugangsnachteile bei niedrigerem Bildungsabschluss der Eltern. 22. Zugangsnachteile bestimmter Familien mit Einwanderungsgeschichte. 23. Räumliche und institutionelle Konzentration mehrsprachiger Kinder. 24. Nicht flächendeckende, uneinheitliche Sprachdiagnostik. 25. Unterschiedlicher Beginn und Umfang gezielter Sprachförderung. 26. Trotz Fortschritten noch keine durchgehend inklusive Versorgung. 27. Stark unterschiedliche Elternbeiträge. 28. Betreuungsausfälle verschärfen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. 29. Zersplitterte Verantwortung zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Trägern. 30. Gefahr, demografisch frei werdende Ressourcen vorschnell abzubauen, anstatt sie für Qualität zu verwenden. --- ### 4. Wichtigste Kennzahlen | Kennzahl | Aktueller Befund | |---|---:| | Kinder in formaler Betreuung insgesamt, 1.3.2025 | 4,059 Mio. | | Davon in Kitas | 3,913 Mio. | | Davon Kindertagespflege | 145.957 | | U3-Kinder in Betreuung | 801.281 | | Veränderung U3 gegenüber 2024 | −47.140 bzw. −5,6 % | | U3-Beteiligungsquote | 37,8 % | | U3-Elternbedarf | 49,3 % | | U3-Bedarfslücke | 11,5 Prozentpunkte | | Rechnerische Größenordnung dieser Lücke | rund 244.000 Kinder; keine administrative Warteliste | | Bedarfslücke Einjährige | 21,4 Prozentpunkte | | Bedarfslücke Zweijährige | 12,5 Prozentpunkte | | Beteiligungsquote 3–5 Jahre | 95,3 % | | Bedarf 3–5 Jahre | 98,1 % | | Bedarfslücke 3–5 Jahre | 2,8 Prozentpunkte | | U3-Beteiligung West/Ost einschließlich Berlin | 34,5 % / 54,9 % | | U3-Bedarfslücke West/Ost | 12,7 / 5,8 Prozentpunkte | | Größte Länder-U3-Lücke | Bremen: 19,5 Prozentpunkte | | Kleinste Länder-U3-Lücke | Hamburg: 3,2 Prozentpunkte | | Kitas bzw. Tageseinrichtungen insgesamt | 61.031 | | Beschäftigte insgesamt | 795.694 | | Kindertagespflegepersonen | 37.407; −5,9 % binnen eines Jahres | | Personal-Kind-Schlüssel 2025, U3-Gruppen | Deutschland 1:3,6; Länder 1:2,7 bis 1:5,3 | | Personal-Kind-Schlüssel, 3 Jahre bis Schule | Deutschland 1:7,3; Länder 1:5,9 bis 1:10,4 | | Leitungen mit auszugleichenden Personalausfällen, 2024 | 69 % | | Ausfalltage in betroffenen Einrichtungen | durchschnittlich 53,8 Tage in sechs Monaten | | U3-Eltern mit gekürzten Öffnungszeiten | 63 % | | U3-Eltern mit ungeplanten Schließtagen | 53 % | | 3–5-Jährige: ungeplante Schließtage | 50 %, nach 43 % im Vorjahr | | Ursache „kurzfristiger Personalmangel“, U3-Schließungen | 89 % der betroffenen Eltern, Mehrfachnennung | | Eltern mit mindestens einer Form der Einschränkung | U3 75 %, 3–5 Jahre 77 % | | Öffentliche Kita-Ausgaben 2024 | rund 49 Mrd. Euro | | Median Elternbeitrag Ganztagsplatz 2023 | U3 208 Euro, U6 60 Euro monatlich, Essen ausgenommen | Quellen: [Destatis-Betreuungsdaten](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/kita-betreuung-merkmale.html), [Destatis-Personalschlüssel](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/personal-kind-schluessel-2025.html), [BMBFSFJ-Bedarfsbericht](https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/288270/6a94b1a0be0e0390be322df5c1320019/kindertagesbetreuung-kompakt-ausbaustand-und-bedarf-2025-data.pdf), [DJI-ERiK](https://www.dji.de/veroeffentlichungen/aktuelles/news/article/1756-verbesserte-personalschluessel-aber-belastung-durch-ausfaelle.html). --- ### 5. Historische Entwicklung - 2006 wurden 286.017 U3-Kinder betreut; die Beteiligungsquote lag bei 13,6 %. - Bis 2025 stieg die Zahl auf 801.281 und die Quote auf 37,8 %. - Der Rechtsanspruch für Ein- und Zweijährige gilt seit August 2013. - Seit 2016 zeigen DJI-Auswertungen dennoch nahezu durchgehend soziale Zugangsunterschiede. - Seit 2019 verbesserten sich die rechnerischen Personalschlüssel: bei U3-Gruppen von 1:4,2 auf 1:3,8 im Jahr 2024, bei älteren Kita-Kindern von 1:8,4 auf 1:7,5. - Seit 2024 sinkt die Gesamtzahl betreuter Kinder erstmals in der seit 2006 vergleichbaren Reihe. Hauptursache ist derzeit der Geburtenrückgang, nicht eine plötzlich gesättigte Nachfrage. - In Ostdeutschland wurden 2025 erstmals insgesamt mehr Einrichtungen geschlossen als neu eröffnet; der Saldo lag bei −44. **Bewertung:** Der quantitative Ausbau ist real. Ebenso real ist, dass der Ausbau weder den U3-Bedarf vollständig gedeckt noch eine verlässliche Nutzbarkeit jedes Platzes garantiert hat. --- ### 6. Regionale Unterschiede Die U3-Beteiligung reicht 2025 von rund 31–34 % in Bremen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern bis zu rund 59–61 % in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Qualität verläuft nicht parallel zur Platzquote: - Westdeutschland hat weniger U3-Plätze, aber häufig bessere rechnerische Personalschlüssel. - Ostdeutschland hat höhere Beteiligung und längere Öffnungszeiten, aber in vielen Ländern ungünstigere Personal-Kind-Schlüssel und ältere Belegschaften. - Um 6:30 Uhr waren rund 75 % der ostdeutschen, aber nur 3 % der westdeutschen Einrichtungen geöffnet. - Um 17:00 Uhr waren noch 19 % der ostdeutschen und 4 % der westdeutschen Einrichtungen geöffnet. - Bei U3-Schließtagen berichteten 60 % der westdeutschen, aber 33 % der ostdeutschen Eltern von Ausfällen. Die Befunde widerlegen eine einfache Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Länder: Zugang, Öffnungszeiten, Personalrelation, Gebühren und Verlässlichkeit können sich innerhalb desselben Landes unterschiedlich entwickeln. --- ### 7. Internationaler Vergleich Die OECD weist für 2023 im Durchschnitt 29 % Teilnahme der unter Dreijährigen an frühkindlichen Bildungsprogrammen aus; Deutschland liegt nach nationaler Abgrenzung höher. Allerdings unterscheiden sich die internationalen Definitionen, insbesondere bei Kindertagespflege und nicht als ISCED klassifizierter Betreuung. [OECD Education at a Glance 2025](https://www.oecd.org/en/publications/education-at-a-glance-2025_1c0d9c79-en/full-report/how-does-the-provision-of-and-participation-in-early-childhood-education-and-care-vary-across-countries_86b8275d.html) Die EU empfiehlt bis 2030 eine U3-Beteiligung von mindestens 45 % und 96 % von drei Jahren bis zum Schuleintritt. Deutschlands nationale Quoten von 37,8 beziehungsweise 95,3 % liegen in dieselbe Richtung knapp darunter, sind wegen abweichender Messmethoden aber nicht als exakter Zielerreichungstest verwendbar. [EU-Ratsempfehlung](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=CELEX%3A32022H1220%2801%29) Positiv: Die OECD meldete bereits für Deutschland eine Beteiligung von 96 % im letzten Jahr vor der Grundschule. Negativ: Auch international sind deutsche U3-Kinder aus dem unteren Einkommensdrittel seltener in Betreuung als Kinder aus dem oberen Drittel – 22 gegenüber 33 %. [OECD-Länderbericht Deutschland](https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/09/education-at-a-glance-2024-country-notes_532eb29d/germany_937cfefb/7060bda5-en.pdf) --- ### 8. Ursachen **Belegt:** - jahrelang stärker steigender Bedarf, besonders im Westen; - lokal unzureichende Bau- und Platzkapazitäten; - Fachkräfteengpässe, Krankheiten, Kündigungen und unbesetzte Stellen; - rückläufige Kindertagespflege; - erhebliche Länderunterschiede bei Finanzierung, Qualifikationsvorgaben und Personalschlüsseln; - soziale Selektivität bei Information, Anmeldung und Platzvergabe; - räumliche Segregation; - schwer planbare Geburten-, Wanderungs- und Neubauentwicklung; - fehlende Reservekapazitäten. **Plausible Schlussfolgerung:** Ein System, das dauerhaft mit knappen Personalreserven betrieben wird, kann rechnerisch gute Vertragsrelationen ausweisen und trotzdem schon bei gewöhnlichen Krankheitswellen Betreuung kürzen. **Nicht bewiesen:** Dass jede Öffnungszeitverkürzung ausschließlich durch einen allgemeinen „Fachkräftemangel“ verursacht wird. Lokal können Trägerentscheidungen, Finanzierung, Arbeitsorganisation, Krankenstand, Bauprobleme oder Tarifkonflikte hinzukommen. --- ### 9. Staatliche Verantwortung - **Bund:** Rechtsanspruch im SGB VIII, zeitweise Finanzhilfen, Monitoring, Investitions- und Qualitätsprogramme. - **Länder:** Kita-Gesetze, Personalschlüssel, Qualifikationsvorgaben, Bildungspläne, Beitragsregeln, Finanzierungsanteile und Aufsicht. - **Örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe:** konkrete Bedarfsplanung und Sicherstellung des Anspruchs. - **Kommunen:** Gebäude, Betriebskostenzuschüsse, Planung, teilweise Gebühren und Platzvergabe. - **Freie, kirchliche, gemeinnützige und private Träger:** Betrieb, Personalorganisation und Umsetzung der Standards. Nach § 24 SGB VIII besteht für Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum dritten Geburtstag ein Anspruch auf Förderung in Kita oder Kindertagespflege; ab drei Jahren besteht ein Anspruch auf einen Kita-Platz. [§ 24 SGB VIII](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__24.html) Der Bundesgerichtshof hat anerkannt, dass bei schuldhafter Nichterfüllung grundsätzlich auch Amtshaftungsansprüche wegen Verdienstausfalls in Betracht kommen. Das ersetzt jedoch keinen rechtzeitig verfügbaren Platz. [BGH III ZR 278/15](https://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Art=pm&Blank=1&Datum=2016-10&Gericht=bgh&file=dokument.pdf&linked=urt&nr=76521) --- ### 10. Politische Entscheidungen und Ergebnisvergleich - **2013:** U3-Rechtsanspruch – rechtlich weitreichend, praktisch regional bis heute nicht vollständig eingelöst. - **2019–2022:** Gute-KiTa-Gesetz – zusätzliche Bundesmittel, aber überwiegend länderspezifische Maßnahmen statt einheitlicher Standards. - **2023–2026:** KiTa-Qualitätsgesetz; rund acht Milliarden Euro Bundesmittel. Die Personalschlüssel verbesserten sich, zugleich blieben starke Länderunterschiede und massive Personalausfälle. - **2025/26:** weitere rund zwei Milliarden Euro jährlich im Rahmen des KiQuTG. - **2026–2029:** Vier-Milliarden-Euro-Investitionsrahmen, den Länder flexibel für Kindertagesbetreuung sowie Hochschul- und Wissenschaftsinfrastruktur einsetzen können; ein garantierter Kita-Anteil ist aus der Bundesdarstellung nicht ableitbar. [Investitionsprogramm 2026](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/bund-startet-milliardenschweres-investitionsprogramm--291374) - **Juli 2026:** Referentenentwurf des KiTa-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Stellen für belastete Einrichtungen, Fachberatung und bessere Zugänge; geplante Bundesunterstützung rund 9,25 Milliarden Euro 2027–2034. Es handelt sich noch nicht um geltendes Recht. [SCQEG-Entwurf](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/ministerium/gesetze/gesetz-zur-verbesserung-der-startchancen-von-kindern-und-zur-qualitaetsentwicklung-in-der-kindertagesbetreuung-kita-startchancen-und-qualitaetsentwicklungsgesetz-scqeg--291866) --- ### 11. Direkte Kosten - Die öffentlichen Bildungsausgaben für Kindertagesbetreuung betrugen 2024 nach Bildungsfinanzabgrenzung 48,8 Milliarden Euro – rund 585 Euro je Einwohner. Davon kamen rund 23 Milliarden von den Ländern und 25 Milliarden von den Gemeinden. [Destatis-Bildungsfinanzbericht](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_445_21711.html) - In der Kinder- und Jugendhilfestatistik wurden 52,4 Milliarden Euro Bruttoausgaben und nach Abzug von etwa 2,6 Milliarden Euro Einnahmen 49,9 Milliarden Euro Nettoausgaben ausgewiesen. Die Abweichung beruht auf unterschiedlichen statistischen Abgrenzungen. [Destatis Jugendhilfeausgaben](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kinderhilfe-Jugendhilfe/aktuell-kinder-jugendhilfe-ausgaben.html) - Der Medianbeitrag für einen U3-Ganztagsplatz lag 2023 bei 208 Euro monatlich, einschließlich beitragsfreier Familien mit null Euro, aber ohne Mittagessen. Bei U6-Kindern waren es 60 Euro. Zwischen beitragsfreien Ländern und Ländern mit U3-Medianen bis 368 Euro lagen große Unterschiede. [DJI-Elternbeiträge](https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/KiBS/Publikationen2025/Kinderbetreuungsreport_2024_Studie4_Elternbeitraege.pdf) --- ### 12. Indirekte Kosten und Schäden **Belegt:** - Nur 39,7 % der Mütter mit mindestens einem Kind unter drei Jahren waren 2025 tatsächlich erwerbstätig, gegenüber 88,7 % der Väter. - Unter erwerbstätigen Eltern mit Kindern unter sechs Jahren arbeiteten 2024 74,4 % der Mütter, aber nur 8,7 % der Väter in Teilzeit. [Destatis Erwerbstätigkeit](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_19_p002.html), [Destatis Teilzeit](https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/eltern-teilzeitarbeit.html) - Nur 29 % der U3-Eltern fanden bei mindestens einwöchiger Schließung nach eigener Einschätzung leicht Ersatzbetreuung. **Plausible Folgekosten:** - entgangene Arbeitsstunden, Steuern und Sozialbeiträge; - Karriere-, Lohn- und Rentennachteile, vor allem für Mütter; - Fehlzeiten und Planungsaufwand bei Arbeitgebern; - private Ersatzbetreuung; - Belastung von Großeltern; - unterbrochene Sprach-, Bindungs- und Bildungsprozesse; - spätere schulische Förderkosten. Eine seriöse bundesweite Gesamtsumme dieser indirekten Schäden liegt nicht vor. Erwerbsunterschiede zwischen Müttern und Vätern dürfen zudem nicht vollständig dem Kita-System zugerechnet werden; Elternzeit, Präferenzen, Steuerrecht, Lohnunterschiede und gesellschaftliche Normen wirken ebenfalls. --- ### 13. Gewinner, Verlierer und Fehlanreize **Besonders belastet:** - Alleinerziehende und Familien ohne verfügbares privates Netzwerk; - Schichtarbeitende; - Einjährige mit Betreuungsbedarf; - Eltern in westdeutschen Mangelregionen; - Familien mit Transferbezug, niedrigerem Bildungsabschluss oder bestimmten Einwanderungskonstellationen; - Kinder in Einrichtungen mit hoher sozialer Belastung; - Fachkräfte, die Personalausfälle dauerhaft kompensieren müssen; - Kommunen mit Bevölkerungswachstum und schwacher Steuerbasis. **Relative Gewinner:** - Eltern in beitragsfreien Ländern oder gut versorgten Kommunen; - Familien mit Informationsvorsprung, flexibler Arbeitszeit oder privater Ersatzbetreuung; - Arbeitgeber in Regionen mit verlässlichen Ganztagsangeboten. **Fehlanreize:** - Länder können Bundesprogramme nutzen, ohne dass daraus dauerhaft einheitliche Standards entstehen. - Ein geschaffener Platz zählt statistisch weiter, auch wenn seine reale Nutzbarkeit regelmäßig eingeschränkt wird. - Sinkende Kinderzahlen können Haushaltskürzungen auslösen, obwohl die Ressourcen zur Qualitätsverbesserung gebraucht würden. - Kommunen mit knappen Haushalten haben den größten Bedarf, aber oft die geringsten Investitions- und Personalspielräume. - Erwerbstätigkeitskriterien bei der Platzvergabe können nicht erwerbstätige Mütter in einem Kreislauf halten: kein Arbeitsplatz ohne Betreuung, schlechtere Platzchance ohne Arbeitsplatz. --- ### 14. Gegenargumente und entlastende Fakten - Die Zahl der Beschäftigten und Einrichtungen erreichte 2025 einen Höchststand. - Die formalen Personal-Kind-Schlüssel haben sich seit 2019 verbessert. - Der U3-Bedarf sank 2025 erstmals seit 2021; ob Trendwende oder Schwankung, ist offen. - Die Betreuung der Drei- bis Fünfjährigen ist mit 95,3 % nahezu flächendeckend. - Eltern bewerten Öffnungszeiten und Verlässlichkeit trotz Problemen im Durchschnitt noch relativ positiv. - Inklusion hat sich über zehn Jahre verbessert. - Einrichtungen mit vielen Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache sind inzwischen im Durchschnitt personell besser ausgestattet als früher. - Nicht jede Nichtnutzung bedeutet einen staatlich verursachten Platzmangel; manche Eltern entscheiden sich bewusst gegen Betreuung. - Größere Vertragsumfänge als gewünscht können auch bewusste Zeitreserven der Eltern darstellen. Diese Fortschritte widerlegen die Behauptung, das System sei insgesamt zusam … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)