Dossier 5

Bildungssystem – Kita, Schule, Ausbildung und Hochschule

Stand: August 2026

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# Dossier 5: Bildungssystem – Kita, Schule, Ausbildung und Hochschule

Stand: August 2026

## 1. Kernaussage

Deutschlands Bildungsproblem ist kein einzelner flächendeckender Zusammenbruch. Es ist eine Kombination aus sinkenden Basiskompetenzen, stark ungleichen Bildungschancen, Personalengpässen und einer fragmentierten Steuerung.

Besonders problematisch:

- Ein wachsender Anteil der Kinder verfehlt grundlegende Standards in Lesen, Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften.
- Bildungserfolg hängt weiterhin stark von Elternhaus, Sprache und Wohnort ab.
- Kita-Plätze, Betreuungszuverlässigkeit und pädagogische Qualität unterscheiden sich erheblich zwischen Ländern und Kommunen.
- Lehrer- und Erziehermangel führen zu größeren Gruppen, Ausfällen, verkürzten Öffnungszeiten und einem steigenden Anteil formal nicht voll ausgebildeter Lehrkräfte.
- Gleichzeitig bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt, während Zehntausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden.
- Der Bund stellt Milliardenprogramme bereit, hat aber nur begrenzte unmittelbare Steuerungsrechte. Länder, Kommunen und Träger verantworten verschiedene Teile derselben Wirkungskette.

Deutschland gibt keineswegs generell „zu wenig“ pro Lernendem aus. Das Kernproblem liegt ebenso in Verteilung, Personalverfügbarkeit, Zielgenauigkeit, Umsetzung und fehlender Vergleichbarkeit der Resultate.

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## 2. Begriffe und Abgrenzungen

- **Basiskompetenzen:** Mindestfähigkeiten in Lesen, Schreiben, Zuhören, Mathematik und Naturwissenschaften, die für weitere Bildung und gesellschaftliche Teilhabe erforderlich sind.
- **Mindeststandard:** Untere Kompetenzschwelle der Kultusministerkonferenz. Wer sie verfehlt, hat ein hohes Risiko, dem weiteren Unterricht nicht ausreichend folgen zu können.
- **Regelstandard:** Kompetenzniveau, das Schülerinnen und Schüler im Regelfall erreichen sollen.
- **Betreuungsquote:** Anteil der Kinder einer Altersgruppe, die tatsächlich institutionell betreut werden. Sie ist nicht mit dem Betreuungsbedarf der Eltern gleichzusetzen.
- **Personalschlüssel:** Rechnerisches Verhältnis betreuter Kinder zum pädagogischen Personal. Er entspricht nicht immer der tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation während der unmittelbaren pädagogischen Arbeit.
- **Seiteneinstieg/Quereinstieg:** Unterrichtstätigkeit ohne regulär abgeschlossenes Lehramtsstudium oder ohne klassischen Vorbereitungsdienst. Diese Personen können fachlich qualifiziert sein, benötigen aber regelmäßig pädagogische Nachqualifizierung.
- **Ausbildungsmarkt-Mismatch:** Gleichzeitiges Auftreten unbesetzter Ausbildungsstellen und unversorgter Bewerber aufgrund regionaler, beruflicher oder qualifikatorischer Nichtübereinstimmung.
- **Studienabbruch:** Verlassen des Hochschulsystems ohne Abschluss. Fachwechsel, Hochschulwechsel oder ein Abschluss nach mehr als acht Semestern dürfen nicht automatisch als Abbruch gezählt werden.
- **Bildungsföderalismus:** Primäre Verantwortung der Länder für Schulen und Hochschulen; Kommunen tragen häufig Gebäude- und Sachaufwand, der Bund finanziert Forschung, Ausbildungsförderung und zeitlich beziehungsweise verfassungsrechtlich begrenzte Programme.

Die bereits als DE-004 erfassten kommunalen Gebäude- und Investitionsrückstände werden hier aktualisiert, aber nicht erneut als eigenständiges Bildungsproblem gezählt.

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## 3. Zentrale Teilprobleme

### 3.1 Fehlende und unzuverlässige Kita-Betreuung

Am 1. März 2025 wurden 37,8 Prozent der unter Dreijährigen und 95,0 Prozent der Drei- bis unter Sechsjährigen institutionell betreut. Die bloße Betreuungsquote verdeckt jedoch eine weiterhin erhebliche Bedarfslücke.

Für 2024 wurde der ungedeckte Bedarf bei unter Dreijährigen auf 14,6 Prozentpunkte geschätzt. Bei Kindern zwischen drei Jahren und Schuleintritt betrug die Lücke 6,3 Prozentpunkte. Kurzfristige Ausfälle und Schließungen wurden überwiegend mit akutem Personalmangel begründet. [Destatis: Betreuungsquoten](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/betreuungsquote.html), [BMBFSFJ: Kindertagesbetreuung kompakt](https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/269132/26d3438f490871b6c22cea0e8383f208/kindertagesbetreuung-kompakt-2024-data.pdf)

### 3.2 Stark unterschiedliche Kita-Qualität

Der rechnerische Personalschlüssel lag 2025 bundesweit bei 3,6 unter Dreijährigen beziehungsweise 7,3 älteren Kita-Kindern je pädagogisch tätiger Person.

Die Spannweite war erheblich: Bei unter Dreijährigen reichte sie von 2,7 in Baden-Württemberg bis 5,3 in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Bei älteren Kindern standen einer pädagogischen Kraft in Baden-Württemberg rechnerisch 5,9, in Sachsen dagegen 10,4 Kinder gegenüber. [Destatis: Personalschlüssel 2025](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kindertagesbetreuung/Tabellen/personal-kind-schluessel-2025.html)

### 3.3 Gefährdeter Ausbau der Grundschul-Ganztagsbetreuung

Im Schuljahr 2023/24 nutzten rund 1,9 Millionen Kinder beziehungsweise 57 Prozent der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot oder einen Hort. Mit dem seit August 2026 stufenweise geltenden Rechtsanspruch werden bis 2029/30 nach Modellannahme noch etwa 190.000 bis 339.000 zusätzliche Plätze benötigt.

Neben der Platzanzahl ist offen, ob ausreichend qualifiziertes Personal und qualitativ tragfähige pädagogische Angebote bereitstehen. [BMBFSFJ: Ganztagsausbau](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/dritter-bericht-zum-ganztagsausbau-an-grundschulen-beschlossen-276684), [Rechtsanspruch ab 2026](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/rechtsanspruch-auf-ganztag-startet-zum-1-august-2026-292232)

### 3.4 Sinkende schulische Basiskompetenzen

Im IQB-Bildungstrend 2021 verfehlten am Ende der Grundschule:

- 18,8 Prozent den Mindeststandard im Lesen,
- 18,3 Prozent im Zuhören,
- 30,4 Prozent in Orthografie,
- 21,8 Prozent in Mathematik.

Gegenüber 2016 stieg der Anteil unterhalb der Mindeststandards je nach Bereich um etwa sechs bis acht Prozentpunkte. [IQB-Bildungstrend 2021](https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/primarstufe/bildungstrend/2021/)

Der IQB-Bildungstrend 2024 zeigte auch für Neuntklässler deutliche Rückgänge gegenüber 2018 und 2012. Unter Jugendlichen mit angestrebtem mittlerem Schulabschluss verfehlten etwa 24 Prozent den Mindeststandard in Mathematik, 25 Prozent in Chemie, 16 Prozent in Physik und 10 Prozent in Biologie. [IQB-Bildungstrend 2024](https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/sekundarstufe-i/bildungstrend/2024/)

PISA 2022 bestätigte den Trend: Deutschland erzielte 475 Punkte in Mathematik, 480 im Lesen und 492 in Naturwissenschaften. Rund 30 Prozent waren leistungsschwach in Mathematik, 25 Prozent im Lesen und 23 Prozent in Naturwissenschaften. Deutschland lag dennoch ungefähr im OECD-Mittel bei Mathematik und Lesen und darüber in Naturwissenschaften. [OECD: PISA-2022-Länderbericht Deutschland](https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2023/11/pisa-2022-results-volume-i-and-ii-country-notes_2fca04b9/germany_bf0846ee/1a2cf137-en.pdf)

### 3.5 Bildungsungleichheit nach Elternhaus, Sprache und Wohnort

Soziale Kompetenzunterschiede bleiben laut IQB stark ausgeprägt. Jugendlichen mit eigener Migrationserfahrung fehlen im Durchschnitt häufiger deutsche Sprachkenntnisse und bildungsbezogene Ressourcen. Ein erheblicher Teil der gemessenen Unterschiede schrumpft, wenn soziale Lage, kulturelle Ressourcen und Deutschkenntnisse statistisch berücksichtigt werden.

Das Problem ist deshalb nicht „Migration“ als Eigenschaft, sondern das Zusammenwirken von später oder unzureichender Sprachförderung, sozialer Konzentration, Schulsegregation und ungleich verteilten Ressourcen.

Nach OECD-Angaben erlangt nur ungefähr jeder fünfte junge Erwachsene aus einem Elternhaus ohne oberen Sekundarabschluss einen tertiären Abschluss. Bei tertiär gebildeten Eltern sind es ungefähr drei von fünf. [OECD: Education at a Glance 2025 – Deutschland](https://www.oecd.org/en/publications/education-at-a-glance-2025_1a3543e2-en/germany_fa91d155-en.html)

### 3.6 Lehrkräftemangel und Qualifikationsverdünnung

Die KMK projiziert für 2025 bis 2035 ein kumuliertes Angebot von rund 329.000 vollständig ausgebildeten Lehrkräften bei einem Bedarf von rund 356.000. Daraus ergibt sich rechnerisch eine Lücke von etwa 27.000. Tatsächlich kann sie größer wirken, weil Überhänge eines Fachs, Lehramtstyps, Landes oder Jahres nicht ohne Weiteres Defizite an anderer Stelle ausgleichen. [KMK: Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot 2025–2035](https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_247_Bericht_LEB_LEA_2025.pdf)

Im Schuljahr 2024/25 hatten 11,2 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden und 16,7 Prozent an beruflichen Schulen keine anerkannte Lehramtsprüfung. 2015/16 waren es an allgemeinbildenden Schulen 4,5 Prozent gewesen. Das bedeutet nicht automatisch fachliche Ungeeignetheit, zeigt aber die zunehmende Abhängigkeit von Quer- und Seiteneinstieg. [Destatis: Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsindikatoren/lehrkraefte-ohne-anerkanntes-lehramtspruefung-tabelle.html)

### 3.7 Mehr Schulabgänger ohne ersten Abschluss

Der Anteil der Abgänger ohne ersten Schulabschluss erhöhte sich nach Destatis von 5,2 Prozent im Jahr 2013 auf 7,8 Prozent 2024. Die Statistik umfasst dabei auch Förderschulabschlüsse, die nicht dem ersten allgemeinbildenden Abschluss entsprechen. Gleichwohl ist die steigende Entwicklung eindeutig. [Destatis: Absolventen und Abgänger](https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsindikatoren/absolventen-tabelle.html)

### 3.8 Fehlpassungen am Ausbildungsmarkt

Im Ausbildungsjahr 2024/25 standen gleichzeitig rund 54.000 unbesetzte Ausbildungsstellen und 40.000 vollständig unversorgte Bewerber gegenüber. Weitere 44.000 befanden sich in einer Alternative, suchten aber weiterhin einen Ausbildungsplatz.

Ursachen sind unter anderem regionale Distanz, nicht passende Berufswünsche, Zugangsanforderungen, schwache Schulkompetenzen, geringe Attraktivität einzelner Berufe und fehlender bezahlbarer Wohnraum am Ausbildungsort. [Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsmarktbilanz 2024/25](https://www.arbeitsagentur.de/presse/2025-45-ausbildungsmarktbilanz-2024-2025)

### 3.9 Unvollständige digitale Transformation

Der erste DigitalPakt erreichte bis Juni 2025 rund 29.400 Schulen. Von 4,9 Milliarden Euro des Basisprogramms waren zu diesem Zeitpunkt rund 3,7 Milliarden abgeflossen. Die Ausstattung hat sich sichtbar verbessert.

Die verbleibenden Probleme liegen stärker bei Administration, Support, Wartung, Lehrkräftefortbildung, sicheren Plattformen und pädagogisch sinnvoller Nutzung. Der DigitalPakt 2.0 sieht für 2026 bis 2030 fünf Milliarden Euro von Bund und Ländern vor. [BMBFSFJ: Bilanz DigitalPakt](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/service/publikationen/bilanzbericht-digitalpakt-schule-2019-2025-285970), [DigitalPakt 2.0](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/digitalisierung-von-schulen-bund-und-laender-einig-ueber-den-digitalpakt-2-0-278566)

### 3.10 Langsame Studienverläufe und frühe Hochschulabgänge

Von den Bacheloranfängern des Jahres 2019 schlossen 30 Prozent innerhalb von acht Semestern denselben Studiengang erfolgreich ab. Diese Zahl darf nicht als 70-prozentige Abbruchquote missverstanden werden: Ein großer Teil studiert länger, wechselt Fach oder Hochschule. [Destatis: Studienverlaufsstatistik](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_257_213.html)

Elf Prozent der Studienanfänger von 2019 hatten das Hochschulsystem allerdings bereits innerhalb der ersten drei Semester ohne Abschluss verlassen. [Destatis: Frühe Studienabbrüche](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_200_213.html)

### 3.11 Sinkende Reichweite des BAföG

2024 bezogen 612.800 Personen BAföG, darunter 483.800 Studierende. Das waren vier Prozent weniger als 2023 und so wenige Geförderte wie seit 2000 nicht mehr. Die durchschnittliche Förderung der Studierenden betrug 657 Euro monatlich. [Destatis: BAföG 2024](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_283_214.html)

Sinkende Empfängerzahlen beweisen für sich allein keine Unterversorgung: Auch Einkommen, Studierendenzahlen und Anspruchsregeln beeinflussen die Entwicklung. Zusammen mit hohen Wohnkosten und der starken sozialen Selektivität des Hochschulzugangs ist die geringe Reichweite jedoch ein ernstzunehmender Zugangsindikator.

### 3.12 Fragmentierte Steuerung und unzureichende Daten

Deutschland verfügt über umfangreiche Bildungsstatistik, aber nicht über ein einheitliches, zeitnahes Steuerungssystem von Kita bis Hochschule. Beispielsweise gibt es keine bundesweit konsistente Statistik zum Unterrichtsausfall. Definitionen, Erhebungsmethoden und Veröffentlichungsrhythmen unterscheiden sich zwischen den Ländern.

Der Bildungsföderalismus ermöglicht regionale Anpassung und institutionellen Wettbewerb. Er erschwert aber gemeinsame IT-Systeme, schnelle Anerkennungsverfahren, vergleichbare Daten und verbindliche länderübergreifende Umsetzung.

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## 4. Schlüsselkennzahlen

| Indikator | Wert | Zeitraum |
|---|---:|---:|
| Betreuungsquote unter drei Jahren | 37,8 % | 2025 |
| Ungedeckter U3-Betreuungsbedarf | 14,6 Prozentpunkte | 2024 |
| Betreuungsquote drei bis unter sechs Jahre | 95,0 % | 2025 |
| Rechnerischer Kita-Personalschlüssel U3 | 1:3,6 | 2025 |
| Grundschulkinder in Ganztag/Hort | 1,9 Mio. / 57 % | 2023/24 |
| Zusätzlicher Ganztagsbedarf | 190.000–339.000 Plätze | bis 2029/30 |
| Viertklässler unter Mindeststandard Mathematik | 21,8 % | 2021 |
| Viertklässler unter Mindeststandard Orthografie | 30,4 % | 2021 |
| PISA-Mathematik Deutschland | 475 Punkte | 2022 |
| PISA-Leistungsschwache Mathematik | rund 30 % | 2022 |
| Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung, allgemeinbildend | 11,2 % | 2024/25 |
| Projizierte kumulierte Lehrkräftelücke | rund 27.000 | 2025–2035 |
| Schulabgänger ohne ersten Abschluss | 7,8 % | 2024 |
| Unbesetzte Ausbildungsstellen | rund 54.000 | 2024/25 |
| Vollständig unversorgte Ausbildungsbewerber | rund 40.000 | 2024/25 |
| Früher Hochschulausstieg ohne Abschluss | 11 % | Studienbeginn 2019 |
| BAföG-Geförderte | 612.800 | 2024 |
| Öffentliche Bildungsausgaben | 198 Mrd. Euro / 4,6 % BIP | 2024 |
| Öffentliche und private Bildungsausgaben insgesamt | rund 305 Mrd. Euro / 7,0 % BIP | 2024 |

Die 198 und 305 Milliarden Euro dürfen nicht addiert werden: Die kleinere Größe ist Bestandteil des umfassenderen Bildungsbudgets.

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## 5. Historische Entwicklung

- Seit den 1990er-Jahren wurden Hochschulen, frühkindliche Betreuung und Ganztagsangebote stark ausgebaut.
- Der erste PISA-Schock Anfang der 2000er-Jahre führte zu Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und verstärkter Sprachförderung.
- Zwischen 2016 und 2021 verschlechterten sich die Grundschulkompetenzen erheblich.
- Die Pandemie verstärkte Lernrückstände und soziale Unterschiede, erklärt aber nicht die gesamte Entwicklung: Der IQB-Bildungstrend 2024 zeigt anhaltende Probleme bei einer Kohorte, deren Bildungslaufbahn nicht vollständig durch Schulschließungen geprägt war.
- Der Anteil formal nicht regulär lehramtsqualifizierter Lehrkräfte hat sich seit 2015/16 deutlich erhöht.
- Der erste DigitalPakt verbesserte die Hardwarebasis, offenbarte jedoch langsame Antrags- und Beschaffungsprozesse sowie fehlenden Support.
- Die Zahl der BAföG-Empfänger erreichte 2024 den niedrigsten Stand seit 2000.
- Positiv sind die hohe Bedeutung der dualen Ausbildung, Deutschlands außergewöhnlich hoher MINT-Anteil unter Hochschulabsolventen und die hohe Attraktivität für internationale Studierende.

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## 6. Regionale Unterschiede

Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei frühkindlicher Betreuung und Personalausstattung:

- U3-Betreuungsquote 2025: 31,3 Prozent in Bremen, 32,1 Prozent in Baden-Württemberg, aber 60,5 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 59,2 Prozent in Sachsen-Anhalt.
- Durchschnitt Westdeutschland: 34,5 Prozent; Ostdeutschland einschließlich Berlin: 54,9 Prozent.
- Der hohe quantitative Ausbau im Osten geht teilweise mit ungünstigeren Personalschlüsseln einher.
- Schulkompetenzen, Seiteneinstiegsquoten und Ausbildungsmarktbedingungen unterscheiden sich erheblich zwischen Ländern und Regionen.
- Strukturschwache ländliche Räume haben häufig Schwierigkeiten, spezialisierte Lehrkräfte, Auszubildende und Hochschulabsolventen zu gewinnen.
- In wachsenden Städten verschärfen Wohnkosten und fehlende Flächen die Kita-, Schul- und Ausbildungsplatzprobleme.

Damit existiert keine einfache Ost-West-Erfolgshierarchie: Quantität, Qualität und Personalrelation zeigen teilweise gegenläufige Muster.

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## 7. Internationaler Vergleich

Deutschland lag bei PISA 2022 ungefähr im OECD-Durchschnitt in Mathematik und Lesen und oberhalb des Durchschnitts in Naturwissenschaften. Das Problem ist weniger ein absoluter letzter Platz als der langfristige Rückgang und der hohe Anteil leistungsschwacher Jugendlicher.

Bei den Bildungsausgaben ergibt sich ein gemischtes Bild:

- Pro Lernendem investiert Deutschland kaufkraftbereinigt mehr als der OECD-Durchschnitt.
- Der Anteil der Ausgaben für Primar- bis Tertiärbildung am BIP lag mit 4,4 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 4,7 Prozent.
- Der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit tertiärem Abschluss lag 2024 bei 40 Prozent, gegenüber 48 Prozent im OECD-Mittel.
- Die niedrigere Hochschulquote ist wegen des leistungsfähigen dualen Ausbildungssystems nicht automatisch ein Rückstand.
- Rund 35 Prozent der Bachelorabschlüsse entfallen auf MINT-Fächer – der höchste Anteil im OECD-Vergleich.
- Deutschland zählt rund 423.000 internationale Studierende beziehungsweise 12,7 Prozent und ist damit unter den nicht englischsprachigen Ländern besonders attraktiv.

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## 8. Ursachen

Die zentralen Ursachen bilden eine Wirkungskette:

1. **Demografie und Arbeitsmarkt:** Pensionierungswelle, konkurrierende Berufe und regionale Abwanderung begrenzen das Personalangebot.
2. **Ausbildungsengpässe:** Zu wenig Studienabschlüsse in einzelnen Lehrämtern; hohe Abbruch- und Wechselquoten; begrenzte Referendariatskapazitäten.
3. **Arbeitsorganisation:** Hohe Dokumentationslast, Vertretungsprobleme, fehlende multiprofessionelle Teams und Teilzeitstrukturen.
4. **Soziale Segregation:** Belastete Kinder konzentrieren sich häufig in denselben Einrichtungen, ohne dass Personal und Finanzierung proportional angepasst werden.
5. **Sprachförderung:** Förderung beginnt teilweise zu spät, ist nicht durchgängig diagnostisch gesteuert oder endet an institutionellen Übergängen.
6. **Steuerungsfragmentierung:** Zuständigkeiten für Personal, Gebäude, Jugendhilfe, Lehrpläne, IT und Finanzierung liegen bei verschiedenen Ebenen.
7. **Langsame Umsetzung:** Komplexe Förderprogramme und befristete Finanzierungslogiken erschweren nachhaltige Personalplanung.
8. **Unzureichende Wirkungsorientierung:** Geld wird häufig nach Einrichtungen, Schülerzahlen oder Programmtiteln verteilt, weniger konsequent nach Bedarf und nachgewiesener Wirkung.
9. **Wohnungs- und Verkehrsprobleme:** Ausbildungs- und Studienplätze bleiben ungenutzt, wenn Umzug oder Pendeln nicht finanzierbar sind.
10. **Pandemie und Zuwanderung:** Beide erhöhten kurzfristig den Förderbedarf, sind aber keine vollständige Erklärung für strukturelle Probleme, die bereits vorher bestanden.

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## 9. Verantwortlichkeiten

| Ebene/Akteur | Hauptverantwortung |
|---|---|
| Bund | BAföG, Berufsbildungsrecht, Forschungs- und Hochschulprogramme, begrenzte Finanzhilfen für kommunale Bildungsinfrastruktur und Digitalisierung |
| Länder | Lehrkräfte, Lehrpläne, Schulaufsicht, Lehrerbildung, Hochschulfinanzierung, Standards und landesweite Datenerhebung |
| Kommunen | Schulgebäude, Sachausstattung, Jugendhilfeplanung, häufig Kita- und Ganztagsinfrastruktur |
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