Dossier AW

Allgemeinbildende Schulen

Thema: Lernleistungen, Unterrichtsausfall, Lehrkräftemangel, Schulabgänge und Bildungsgerechtigkeit
Datenstand: 24. August 2026
Register: DE-1268 bis DE-1307
Gesamtstand der Problemlandkarte: 23 Dossiers, 1.307 erfasste Probleme

Kennzeichnung: [F] gesicherter Befund · [M] Modellrechnung · [I] begründete Schlussfolgerung · [U] erhebliche Unsicherheit/Datenlücke

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IDTitelForm
DE-1268 Historischer PISA-Tiefstand Tabelle
DE-1269 Grundschüler verfehlen Mindeststandards Tabelle
DE-1270 Mathematikdefizite Klasse 9 Tabelle
DE-1271 Mindeststandards in Naturwissenschaften Tabelle
DE-1272 Rückgang in Deutsch Tabelle
DE-1273 Ungleichzeitige Fachentwicklung Tabelle
DE-1274 Schwache digitale Informationskompetenz Tabelle
DE-1275 Starke soziale Leistungslücke Tabelle
DE-1276 Zuwanderungs- und Sprachlücken Tabelle
DE-1277 Leselücke der Jungen Tabelle
DE-1278 Störungs- und Ablenkungsprobleme Tabelle
DE-1279 62.000 Abgänge ohne ESA Tabelle
DE-1280 Abgangsquote auf 8 % gestiegen Tabelle
DE-1281 Abschlussstatistik verzerrt Förderschulrealität Tabelle
DE-1282 Regionale Abgangsunterschiede Tabelle
DE-1283 Geringer direkter Ausbildungszugang Tabelle
DE-1284 148.100 Klassenwiederholungen Tabelle
DE-1285 Kurzfristig wachsende Schülerzahl Tabelle
DE-1286 Kumulierte Lehrkräfteangebotslücke Tabelle
DE-1287 Fach-, Schulart- und Regionalmismatch Tabelle
DE-1288 Keine Bundeszahl unbesetzter Stellen Tabelle
DE-1289 Hoher altersbedingter Ersatzbedarf Tabelle
DE-1290 Rekordhohe Teilzeit Tabelle
DE-1291 11,2 % ohne anerkannte Lehramtsprüfung Tabelle
DE-1292 Fachfremder Unterricht konzentriert sich Tabelle
DE-1293 Lehrkräfteausbildung reagiert zu langsam Tabelle
DE-1294 Uneinheitliche Seiteneinstiegsqualität Tabelle
DE-1295 Keine vergleichbare Ausfallstatistik Tabelle
DE-1296 Millionen ersatzlos ausgefallene Stunden Tabelle
DE-1297 Verdeckter Qualitätsverlust bei Vertretung Tabelle
DE-1298 Krankheit und Belastung treiben Vertretungsbedarf Tabelle
DE-1299 Lehrkräfte übernehmen fachfremde Verwaltung Tabelle
DE-1300 Multiprofessionelle Teams unzureichend Tabelle
DE-1301 Unzureichende Schulpsychologie Tabelle
DE-1302 Inklusion stagniert Tabelle
DE-1303 Sozial selektiver Gymnasialübergang Tabelle
DE-1304 Konzentration von Belastungen an einzelnen Schulen Tabelle
DE-1305 Pandemie-Langzeitfolgen Tabelle
DE-1306 Föderale Steuerungsfragmentierung Tabelle
DE-1307 Erkenntnis-Umsetzungs-Lücke Tabelle
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# Dossier AW – Allgemeinbildende Schulen

**Thema:** Lernleistungen, Unterrichtsausfall, Lehrkräftemangel, Schulabgänge und Bildungsgerechtigkeit  
**Datenstand:** 24. August 2026  
**Register:** DE-1268 bis DE-1307  
**Gesamtstand der Problemlandkarte:** 23 Dossiers, **1.307 erfasste Probleme**

Kennzeichnung: **[F]** gesicherter Befund · **[M]** Modellrechnung · **[I]** begründete Schlussfolgerung · **[U]** erhebliche Unsicherheit/Datenlücke

## 1. Kernbefund

**[F]** Deutschlands allgemeinbildendes Schulsystem befindet sich nicht in einem undifferenzierten „Zusammenbruch“. Es weist aber eine gleichzeitig auftretende Kombination aus fallenden Kompetenzen, wachsender Mindeststandard-Unterschreitung, stärkerer sozialer Selektivität, mehr Abgängen ohne Ersten Schulabschluss sowie Personal- und Qualitätsengpässen auf.

Besonders belastbar sind fünf Befunde:

1. PISA 2022 brachte für Deutschland die niedrigsten bisher gemessenen Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Der Rückgang gegenüber 2018 entsprach in Mathematik und Lesen ungefähr dem Lernzuwachs eines Schuljahres. Die Trendwende begann allerdings schon vor der Pandemie. [OECD](https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2022-results-volume-i-and-ii-country-notes_ed6fbcc5-en/germany_1a2cf137-en.html)

2. Im IQB-Bildungstrend 2024 verfehlten 34 % aller Neuntklässler den Mathematik-Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Selbst unter den Jugendlichen, die mindestens diesen Abschluss anstreben, waren es 24 %. [IQB](https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/sekundarstufe-i/bildungstrend/2024/)

3. Die Zahl der Abgehenden ohne Ersten Schulabschluss stieg 2024 auf 62.000; gemessen an der gleichaltrigen Bevölkerung waren es 8,0 %. [KMK-Schulstatistik](https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_248_SKL_2024.pdf)

4. Die KMK erwartet 2025–2035 rund 356.000 Einstellungen voll ausgebildeter Lehrkräfte, aber nur rund 329.000 entsprechende Berufseintritte – eine kumulierte Modelllücke von 27.000 Personen. Hinter dem Gesamtsaldo stehen wesentlich größere Engpässe nach Fach, Schulart und Region. [Bundesagentur für Arbeit/KMK](https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Akademikerinnen/Berufsgruppen-Nav.html)

5. Für unbesetzte Stellen und Unterrichtsausfall existiert keine aktuelle, methodisch vereinheitlichte Bundesstatistik. Das verhindert eine belastbare deutschlandweite Quantifizierung des akuten Personalmangels.

**[I]** Das zentrale Staatsversagen liegt daher nicht nur in einer möglicherweise zu geringen Ressourcenausstattung. Es liegt ebenso in verspäteter Personalplanung, ungleicher Ressourcenverteilung, schwachem Transfer wirksamer Unterrichtsmethoden, fragmentierten Daten und der unzureichenden Fähigkeit, erkannte Defizite schnell zu korrigieren.

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## 2. Abgrenzung und Definitionen

Dieses Dossier umfasst:

- Grundschulen und weiterführende allgemeinbildende Schulen;
- Förderschulen, soweit ihre Ergebnisse die Abschlussstatistik beeinflussen;
- Kompetenzen in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und digitaler Informationsverarbeitung;
- Unterrichtsversorgung, Vertretung, fachfremden Unterricht und Personalqualifikation;
- Schulabgänge, Klassenwiederholungen und Übergang in Ausbildung;
- soziale, zuwanderungsbezogene, geschlechtliche und regionale Unterschiede.

Nicht vollständig eingerechnet werden:

- frühkindliche Bildung und Kita – nächstes Dossier;
- berufliche Schulen und Ausbildungssystem – eigenes späteres Dossier;
- allgemeiner kommunaler Sanierungsstau;
- Kinder- und Jugendpsychiatrie;
- die gesamtgesellschaftliche Integrationspolitik.

Wichtige Begriffsunterschiede:

- **„Ohne Ersten Schulabschluss“** bedeutet nicht automatisch „ohne jede schulische Qualifikation“. Viele Betroffene haben einen Abschluss eines Förderschwerpunkts, der statistisch nicht als Erster Schulabschluss gilt.
- **Mindeststandard verfehlt** bedeutet bei IQB nicht automatisch, dass der spätere Abschluss endgültig verfehlt wird. Neuntklässler werden teilweise mehr als ein Jahr vor dem Abschluss getestet.
- **Lehrkraft ohne anerkannte Lehramtsprüfung** bedeutet nicht zwangsläufig unqualifiziert. Möglich sind Fachstudium, ausländische Qualifikation oder Quer-/Seiteneinstieg.
- **Unterrichtsausfall** ist nicht gleich Vertretungsanfall, Stundenplanabweichung oder selbstständiges Arbeiten. Die Länder definieren und erheben diese Kategorien unterschiedlich.

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## 3. Zentrale Teilprobleme

1. Rückgang grundlegender Mathematikkompetenzen in Primar- und Sekundarstufe.
2. Erhebliche Mindeststandard-Unterschreitung in Deutsch.
3. Rückgänge auch unter leistungsstarken Schülern.
4. Schwache computer- und informationsbezogene Kompetenzen großer Schülergruppen.
5. Überdurchschnittlich starke Kopplung von Herkunft und Leistung.
6. Sprachliche Nachteile zugewanderter Kinder, teilweise über soziale Unterschiede hinaus.
7. Geschlechtsspezifische Leselücke zulasten der Jungen.
8. Wachsende Zahl von Schulabgängen ohne Ersten Schulabschluss.
9. Starke kommunale und regionale Unterschiede.
10. Begrenzte direkte Ausbildungschancen ohne Schulabschluss.
11. Personalengpässe nach Fach, Schulform und Region.
12. Fehlende bundesweit vergleichbare Stellen- und Ausfallstatistik.
13. Steigende Teilzeitquote bei Lehrkräften.
14. Hoher bevorstehender altersbedingter Ersatzbedarf.
15. Wachsender Anteil nicht grundständig ausgebildeter Lehrkräfte.
16. Fachfremder Unterricht gerade an Schulen mit schwierigeren Ausgangslagen.
17. Hohe Organisations- und Verwaltungsbelastung des Lehrpersonals.
18. Unzureichend ausgebaute multiprofessionelle Teams und Schulpsychologie.
19. Langsamer Fortschritt bei inklusiver Beschulung.
20. Verzögerte Umsetzung bereits vorhandener Erkenntnisse und Programme.

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## 4. Schlüsselkennzahlen

| Indikator | Ergebnis | Einordnung |
|---|---:|---|
| PISA 2022 unter Kompetenzstufe 2 | Mathematik 30 %, Lesen 25 %, Naturwissenschaften 23 % | Niedrigste deutschen PISA-Mittelwerte, aber ungefähr OECD-Durchschnitt |
| IQB 2024: Mathematik-Mindeststandard MSA verfehlt | 34 % aller Neuntklässler | Test mehr als ein Jahr vor möglichem MSA |
| IQB 2024: MSA-Anstrebende unter Mindeststandard | Mathematik 24 %, Biologie 10 %, Chemie 25 %, Physik 16 % | Deutlicher Anstieg gegenüber 2018/2012 |
| IQB 2022: Deutsch-MSA-Mindeststandard verfehlt | Lesen 33 %, Zuhören 34 %, Orthografie 22 % | Erhebliche Rückgänge seit 2015 |
| IQB 2021 Grundschule unter Mindeststandard | Deutsch etwa 18–30 %, Mathematik rund 22 % | Erhebung während der Pandemie |
| ICILS 2023 | 502 Punkte; etwa 40 % nur basale Kompetenzen; 1 % höchste Stufe | Über internationalem Mittel, aber Rückgang von 523 Punkten 2013 |
| Abgehende ohne Ersten Schulabschluss 2024 | 62.000 beziehungsweise 8,0 % der gleichaltrigen Bevölkerung | +30,8 % gegenüber 2015 in absoluten Zahlen; Vergleich durch Bevölkerungsstruktur beeinflusst |
| Wiederholer 2024/25 | 148.100 beziehungsweise 2,2 % | Bayern 3,4 %, Berlin 0,8 %; Regeln unterscheiden sich |
| Schüler allgemeinbildender Schulen 2025/26 | rund 9 Millionen, +0,9 % | Vierter Anstieg in Folge |
| Lehrkräfte 2024/25 | 752.100 | Voll- und Teilzeit, ohne stundenweise Beschäftigte |
| Lehrkräfte ab 50 Jahren | 35,4 % | Sachsen-Anhalt 50,7 % |
| Teilzeitquote | 43,9 % | Frauen 51,4 %, Männer 23,3 % |
| Ohne anerkannte Lehramtsprüfung | 84.100 beziehungsweise 11,2 % | 2014/15: 4,3 % |
| KMK-Modelllücke 2025–2035 | 27.000 voll ausgebildete Lehrkräfte | Kein Maß der aktuell unbesetzten Stellen |
| Öffentliche Schulausgaben 2024 | 97,4 Mrd. Euro | Nominal; Länder und Kommunen tragen den Großteil |
| Ausgaben je Schüler öffentlicher Schulen | 10.500 Euro; allgemeinbildend 11.300 Euro | 75 % Personalausgaben |

Quellen: [OECD PISA](https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2022-results-volume-i-and-ii-country-notes_ed6fbcc5-en/germany_1a2cf137-en.html), [IQB 2024](https://www.iqb.hu-berlin.de/de/schule/sekundarstufe-i/bildungstrend/2024/), [KMK IQB 2022](https://www.kmk.org/aktuelles/pressearchiv/mitteilung/iqb-bildungstrend-2022-kompetenzrueckgaenge-in-deutsch-aber-weitere-fortschritte-in-englisch.html), [ICILS](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/bildung/bildungsforschung), [Destatis Lehrkräfte](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N046_212.html), [Destatis Finanzen](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_082_217.html).

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## 5. Historische Entwicklung

- **2000:** Der erste „PISA-Schock“ offenbart niedrige Durchschnittsleistungen und starke soziale Selektivität.
- **2003–2004:** Einführung gemeinsamer Bildungsstandards und Gründung des IQB.
- **Bis etwa 2012/2015:** Deutschland verbessert sich in mehreren internationalen Leistungsvergleichen.
- **Ab 2012/2015:** Trendwende bei verschiedenen Leistungsindikatoren – vor der Pandemie.
- **Ab 2015:** Schulen bewältigen starke Zuwanderung und einen höheren Bedarf an Sprachförderung. Die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert sich.
- **2020–2022:** Schulschließungen und Wechselunterricht verstärken Lern- und Teilhabedefizite.
- **2021–2024:** IQB-Studien dokumentieren Rückgänge in Grundschule, Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften.
- **2024:** Start des Startchancen-Programms.
- **2025:** Einigung über den Digitalpakt 2.0.
- **2026:** Bund und Länder beschließen eine Roadmap zur Trendumkehr, zunächst mit Schwerpunkt auf datenbasierter Schulentwicklung, Lernvoraussetzungen und Wissenschaftstransfer. [Bund-Länder-Roadmap](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/bund-laender-roadmap-fuer-bessere-bildung-beschlossen-282410)

**[I]** Die zeitliche Abfolge widerlegt zwei monokausale Erklärungen: Weder kann ausschließlich Corona noch ausschließlich Zuwanderung den gesamten Leistungsrückgang erklären.

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## 6. Regionale Unterschiede

Die Länder- und Kommunalunterschiede sind erheblich, aber nicht als einfache Rangliste der „besten“ und „schlechtesten“ Bildungspolitik zu lesen. Bevölkerungsstruktur, Förderschulorganisation, Schularten, Versetzungsregeln und Erhebungsmethoden variieren.

- Beim IQB-Bildungstrend 2022 lag der Länderanteil der Neuntklässler, die den ESA-Mindeststandard im Lesen verfehlten, zwischen **8 und 24 %**.
- Die Quote ohne Schulabschluss liegt laut Bildungsbericht 2026 zwischen den Ländern bei ungefähr **6 bis 14 %**, auf kommunaler Ebene zwischen **2 und 21 %**. [Bildungsbericht 2026](https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026)
- Die Wiederholerquote reicht von **0,8 % in Berlin bis 3,4 % in Bayern**; unterschiedliche Versetzungsregeln erklären einen Teil der Differenz. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_26_p002.html)
- Der Teilzeitanteil der Lehrkräfte reicht von **23,2 % in Thüringen bis 55,4 % in Hamburg**.
- Der Anteil der Lehrkräfte ab 50 Jahren reicht von **28,6 % im Saarland bis 50,7 % in Sachsen-Anhalt**.

Unterrichtsausfall illustriert das Vergleichsproblem:

- Nordrhein-Westfalen erfasste 2024/25 ganzjährig 87,6 Millionen Sollstunden. Davon fielen **4,8 % ersatzlos aus**; weitere 1,4 % wurden ohne Lehrkraft beziehungsweise als eigenverantwortliches Arbeiten erbracht. [NRW-Unterrichtsstatistik](https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/bericht-unterrichtsstatistik_sj2024-2025.pdf)
- Berlin meldete an allgemeinbildenden Schulen **3,0 % Ausfall**. Die Vollerhebung betrifft jedoch das erste Halbjahr und wird auf das Schuljahr hochgerechnet. [Berliner Bildungsstatistik](https://bildungsstatistik.berlin.de/next/opendata/pdf/UAusfall_Bericht_2024_2025.pdf)

**[U]** Aus diesen beiden Zahlen darf kein Bundesdurchschnitt gebildet werden.

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## 7. Internationaler Vergleich

Deutschland lag bei PISA 2022 in Mathematik und Lesen nahe am OECD-Mittel und in Naturwissenschaften darüber. 9 % erreichten in Mathematik, 8 % im Lesen und 10 % in Naturwissenschaften die höchsten Kompetenzstufen. Das System produziert also weiterhin Spitzenleistungen.

Gleichzeitig:

- verfehlten 30 % das mathematische Basisniveau;
- betrug die Mathematikdifferenz zwischen dem sozial oberen und unteren Viertel **111 Punkte**, gegenüber 93 Punkten im OECD-Mittel;
- erklärte der Sozialstatus 19 % der Leistungsvarianz, gegenüber 15 % im OECD-Mittel;
- erzielten Länder wie Estland, Japan, Korea und weitere ostasiatische Systeme wesentlich höhere Mindestkompetenzquoten.

Deutschland gibt nach OECD-Abgrenzung etwa **14.503 kaufkraftbereinigte US-Dollar je Lernenden** von der Primar- bis zur nichttertiären postsekundären Bildung aus und liegt damit im Mittelfeld. Das Problem kann daher nicht als bloßer internationaler Ressourcenmangel beschrieben werden. [OECD Education at a Glance 2025](https://www.oecd.org/en/publications/education-at-a-glance-2025_1a3543e2-en/germany_fa91d155-en.html)

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## 8. Ursachenstruktur

### Strukturelle Ursachen

- demografisch und durch Zuwanderung steigende Schülerzahlen;
- lange Ausbildungs- und Reaktionszeiten bei der Lehrkräfteplanung;
- Fehlverteilung nach Fach, Schulform und Region;
- frühe schulische Aufteilung und sozialräumliche Konzentration;
- kommunal stark unterschiedliche Unterstützungsstrukturen;
- fragmentierte Zuständigkeiten und nicht kompatible Daten.

### Unterrichtsbezogene Ursachen

- fachfremder Unterricht;
- unzureichende Diagnose und Förderung von Basiskompetenzen;
- Störungen und teilweise schwache kognitive Aktivierung;
- fehlende Zeit für Unterrichtsentwicklung und kollegiale Kooperation;
- uneinheitliche Qualität der Fortbildungen;
- digitale Ausstattung ohne gleichzeitige didaktische und technische Unterstützung.

### Gesellschaftliche und individuelle Faktoren

- soziale Armut, beengte Wohnverhältnisse und unterschiedliche familiäre Lernressourcen;
- fehlende Deutschkenntnisse bei neu zugewanderten Schülern;
- psychische Belastungen und hohe Fehlzeiten;
- geschlechtsspezifische Motivation und Lesesozialisation;
- pandemiebedingte Lern-, Beziehungs- und Entwicklungsunterbrechungen.

**[I]** Diese Faktoren wirken kumulativ. Schulen mit schwierigerer Schülerschaft haben häufiger Personal-, Koordinations- und Fachunterrichtsprobleme – genau dort, wo der zusätzliche Bedarf am höchsten ist.

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## 9. Staatliche Verantwortung

| Ebene | Hauptverantwortung |
|---|---|
| Länder | Lehrkräfte, Lehrpläne, Schulaufsicht, Ausbildung, Unterrichtsversorgung, Abschlussregeln |
| Kommunen/Schulträger | Gebäude, Sachausstattung, lokaler IT-Betrieb, teilweise Schulsozialarbeit und Unterstützungspersonal |
| Bund | Finanzhilfen nach Art. 104c GG, Bildungsforschung, Programme wie Startchancen und Digitalpakt |
| KMK/Bildungsministerkonferenz | Standards, Anerkennung, Koordination und gemeinsames Bildungsmonitoring |
| Hochschulen | Lehramtsstudium, Fachdidaktik und Qualifikation neuer Zugangswege |
| Schulen/Schulleitungen | Personaleinsatz, Vertretung, Unterrichts- und Organisationsentwicklung |
| Jugendhilfe/Gesundheitssystem | Sozialarbeit, psychologische und therapeutische Anschlussversorgung |

Die Hauptverantwortung für die festgestellten schulischen Defizite liegt bei den Ländern. Der Bund trägt Mitverantwortung, wo gemeinsame Programme zu spät, zu kleinteilig oder nicht dauerhaft finanziert wurden. Kommunen tragen Verantwortung für lokale Ausstattungs- und Unterstützungsunterschiede, sind aber häufig finanziell von Land und Bund abhängig.

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## 10. Wichtige politische Entscheidungen

- Bildungsstandards und IQB-Monitoring seit den 2000er-Jahren.
- Startchancen-Programm seit 2024/25: **20 Milliarden Euro über zehn Jahre**, gut 4.000 Schulen und mehr als eine Million Schüler. [BMBFSFJ](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/bildung/schule/startchancen-programm-274440)
- QuaMath 2023–2033: angestrebte Reichweite 10.000 Schulen; 2024/25 starteten mehr als 1.000 Schulen. [KMK](https://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Dokumentation/FaktenUndArgumente/2025_09_00-A4quer-Fakten-Argumente_QuaMath.pdf)
- BiSS/BiSS-Transfer: Transfer sprachlicher Diagnose- und Förderkonzepte; inzwischen mehr als 4.200 Schulen und Kitas beteiligt. [KMK](https://www.kmk.org/bildungsministerkonferenz/bildungsthemen/individuelle-foerderung.html)
- Zusätzliche Zugangswege zum Lehramt seit 2024: Ein-Fach-Lehrkräfte, Quereinstiegsmaster und duale Studiengänge.
- Digitalpakt 2.0: **5 Milliarden Euro bis 2030**, je zur Hälfte von Bund und Ländern; technische Infrastruktur, Support und Lehrkräftebildung sollen gemeinsam betrachtet werden. [BMBFSFJ](https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/bund-und-laender-einigen-sich-auf-digitalpakt-2-0-278552)
- Bund-Länder-Roadmap 2026 als Reaktion auf den IQB-Bildungstrend 2024.

**[U]** Für mehrere Programme liegen wegen ihres frühen Umsetzungsstands noch keine belastbaren Wirkungsnachweise auf Schülerleistungen vor.

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## 11. Direkte Kosten

**[F]** Die öffentlichen Schulaufwendungen betrugen 2024 rund **97,4 Milliarden Euro**. An öffentlichen Schulen wurden durchschnittlich 10.500 Euro je Schüler ausgegeben, an allgemeinbildenden Schulen 11.300 Euro. Drei Viertel entfielen auf Personal. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_082_217.html)

Zusätzliche Programmkosten:

- Startchancen: 20 Milliarden Euro über zehn Jahre;
- Digitalpakt 2.0: 5 Milliarden Euro bis 2030;
- erster Digitalpakt: 6,5 Milliarden Euro Bundesmittel;
- Kosten für Vertretungsreserven, Seiteneinstiegsqualifizierung, Schulpsychologie und Sozialarbeit sind auf viele Haushalte verteilt.

**[M]** Würde man die 148.100 Klassenwiederholungen 2024/25 mit den durchschnittlichen allgemeinbildenden Pro-Kopf-Ausgaben multiplizieren, ergäbe sich ein Bruttokostenrahmen von etwa **1,67 Milliarden Euro**. Das ist keine Einsparprognose: Grenzkosten sind niedriger, freiwillige Wiederholungen können sinnvoll sein und ein Teil der Betroffenen hätte ohnehin noch eine Schule besucht.

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## 12. Indirekte Kosten

- verzögerter Eintritt in Ausbildung und Erwerbsleben;
- geringere Steuereinnahmen und Sozialbeiträge;
- höhere Arbeitslosigkeits-, Transfer- und Nachqualifikationsrisiken;
- unbesetzte Ausbildungsplätze und Fachkräfteengpässe;
- private Nachhilfe- und Betreuungsaufwendungen;
- geringere gesellschaftliche und digitale Teilhabe;
- psychische Belastung von Schülern, Eltern und Beschäftigten;
- Vertrauensverlust in staatliche Institutionen.

Nur 29 % der jungen Menschen ohne Schulabschluss gelang 2024 unmittelbar der Einstieg in eine vollqualifizierende Ausbildung. [Bildungsbericht 2026](https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_web.pdf/%40%40download/file/Bildung_in_Deutschland_2026_web.pdf)

Als weiter gefasster Folgebefund: Junge Erwachsene ohne Sekundar-II-Abschluss hatten 2024 eine Arbeitslosenquote von 9,3 %, gegenüber 3,3 % mit Sekundar-II-Abschluss. Beschäftigte ohne diesen Abschluss verdienten im Durchschnitt 27 % weniger. Das darf nicht als ausschließlich kausaler Effekt der Schule interpretiert werden. [OECD](https://www.oecd.org/en/publications/education-at-a-glance-2025_1a3543e2-en/germany_fa91d155-en.html)

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## 13. Gewinner, Verlierer und Anreize

### Besonders belastete Gruppen

- Schüler aus einkommensarmen und bildungsfernen Haushalten;
- neu zugewanderte Kinder ohne ausreichende Sprachförderung;
- Schüler an Schulen mit hoher sozialer Konzentration;
- Kinder mit sonderpädagogischem oder psychologischem Unterstützungsbedarf;
- Jungen mit schwacher Lesekompetenz;
- Lehrkräfte in Mangelfächern und Schulen mit hohen Belastungen;
- Eltern ohne Geld oder Zeit für private Kompensation.

### Relative Begünstigte

- Haushalte, die Nachhilfe, Privatschule, Umzug oder intensive Betreuung finanzieren können;
- Schulen in attraktiven Regionen mit besserer Bewerberlage;
- Nachhilfe- und Bildungsdienstleister;
- Schulformen und Fächer mit relativem Personalüberangebot.

### Fehlanreize

- Länder können Personallücken durc
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