Dossier BB
Forschung, Innovation, Technologietransfer und industrielle Erneuerung
Register: DE-1501 bis DE-1550
Datenstand: 24. August 2026
Evidenzlogik: F = unmittelbar belegter Fakt, M = modell-/definitionsabhängige Messung, I = aus Fakten abgeleitete Interpretation, U = derzeit nicht belastbar quantifizierbar.
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# Dossier BB – Forschung, Innovation, Technologietransfer und industrielle Erneuerung **Register:** DE-1501 bis DE-1550 **Datenstand:** 24. August 2026 **Evidenzlogik:** **F** = unmittelbar belegter Fakt, **M** = modell-/definitionsabhängige Messung, **I** = aus Fakten abgeleitete Interpretation, **U** = derzeit nicht belastbar quantifizierbar. ## 1. Kernbefund Deutschland hat kein pauschales Forschungsdefizit. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben erreichten 2024 mit **137,1 Milliarden Euro beziehungsweise 3,17 % des BIP** einen Höchststand. Deutschland liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt, aber noch unter dem nationalen Ziel von 3,5 %. [Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_107_218.html) Das strukturelle Problem liegt an anderer Stelle: - Forschung und betriebliche FuE konzentrieren sich stark auf große, etablierte Industrieunternehmen. - Die Innovationsbeteiligung kleiner Unternehmen bleibt wesentlich niedriger. - Wissenschaftliche Erkenntnisse gelangen zu langsam oder nicht systematisch genug in neue Unternehmen, Produkte und industrielle Skalierung. - Patente und Publikationen dokumentieren technologische Fähigkeiten, garantieren aber keine inländische Wertschöpfung. - In digitalen Schlüsseltechnologien ist Deutschland wissenschaftlich stark, beim Aufbau global skalierender Unternehmen und eigener Technologieplattformen aber schwächer. - Die industrielle Erneuerung muss gleichzeitig bestehende Stärken erhalten und neue Wertschöpfungsfelder erschließen. **Gesamturteil:** Das deutsche System erzeugt viel Wissen, aber zu wenig breite Diffusion und teilweise zu wenig neue, in Deutschland oder Europa skalierende Wertschöpfung. Das ist keine reine Mengenfrage, sondern ein Organisations-, Transfer-, Finanzierungs- und Portfolioproblem. ## 2. Definition und Abgrenzung „Innovation“ umfasst nach OECD-naher Statistik nicht nur neue Hochtechnologieprodukte, sondern auch verbesserte Prozesse, Organisation und Vermarktung. Eine hohe Innovatorenquote beweist daher nicht automatisch technologische Führerschaft. Dieses Dossier behandelt: - staatliche, universitäre und betriebliche FuE, - Beteiligung von KMU am Innovationsgeschehen, - Patente und Wissensdiffusion, - Hochschultransfer und wissenschaftsbasierte Ausgründungen, - Skalierung ausgewählter Schlüsseltechnologien, - technologische Erneuerung der Industrie, - Steuerung und Evaluation der Forschungsförderung. Zur Vermeidung von Doppelzählungen werden folgende Themen nur als externe Bedingungen berücksichtigt: - allgemeine Investitionsschwäche, Wagniskapital und Gründungsbedingungen: Dossier BA, - Fachkräftemangel: Dossier AY, - Bürokratie und Verwaltung: Dossier AZ, - Energiepreise, Netze und Infrastruktur: frühere Fachregister, - allgemeine Schul- und Hochschulprobleme: Bildungsdossiers. ## 3. Zentrale Teilprobleme ### 3.1 Zielerreichung und Forschungsstruktur 1. Die FuE-Quote liegt mit 3,17 % unter dem politischen 3,5‑%-Ziel für 2030. 2. Der Ausgabenzuwachs 2024 ist nominal; ein vollständiger realer Mengenzuwachs lässt sich daraus nicht ableiten. 3. Die Wirtschaft trägt mit 92,5 Milliarden Euro mehr als zwei Drittel der FuE, doch der nominale Zuwachs betrug nur 2,3 %. 4. Betriebliche FuE ist stark auf große Unternehmen konzentriert. 5. Innerhalb der Industrie dominiert der Fahrzeugbau; das ist zugleich Stärke und Portfoliorisiko. 6. Frauen sind unter den Forschenden weiterhin unterrepräsentiert. ### 3.2 Breite Innovationsbeteiligung 7. Nur 41 % der KMU führten im Dreijahreszeitraum 2022–2024 mindestens eine Innovation ein. 8. Zwischen kleineren und größeren KMU besteht eine erhebliche Lücke: 37 % gegenüber 73 %. 9. Die Innovationsausgaben sind stark auf wenige größere Unternehmen konzentriert. 10. Trotz der jüngsten Erholung liegt die Innovationsbeteiligung langfristig unter dem Niveau der Mitte der 2000er-Jahre. 11. Besonders schwach ist die Diffusion in Unternehmen ohne eigene FuE-Abteilung. 12. Breite Innovationskennzahlen können geringe technologische Tiefe verdecken. ### 3.3 Patente und technologische Verwertung 13. Die DPMA-Anmeldungen stiegen 2025, während deutsche Anmeldungen beim Europäischen Patentamt zurückgingen. Die Kennzahlen erfassen unterschiedliche Systeme, zeigen aber kein einheitliches Bild. 14. Das Patentportfolio bleibt stark von Fahrzeugtechnik und etablierten Industriegebieten geprägt. 15. Zuwächse bei Computertechnik, Elektrotechnik und Quantentechnologien beweisen noch keine erfolgreiche Skalierung. 16. Die Patentdichte ist regional extrem ungleich. 17. Patentanmeldungen je wissenschaftlich Beschäftigten an Hochschulen sind seit 2010 zurückgegangen. 18. Der Rückgang fällt bei Hochschulen für angewandte Wissenschaften besonders deutlich aus. ### 3.4 Hochschultransfer und Ausgründungen 19. Es gibt keine einheitliche nationale Statistik, die Ausgründungen und Transferleistung der Hochschulen valide vergleichbar macht. 20. Je nach Definition werden jährlich 6.000–7.000 akademische Gründungen oder nur etwa 350–400 eng forschungsbezogene Gründungen identifiziert. 21. Die breite akademische Gründungsaktivität ist seit 2007 tendenziell rückläufig; der engere Indikator stagniert seit Jahren. 22. Transferstellen verfügen vielfach nicht über ausreichendes Personal, Marktwissen und Verhandlungskapazität. 23. Lange Verhandlungen über geistiges Eigentum können Gründungen und Investitionen verzögern. 24. Hochschulbeschäftigte haben oft zu wenig Zeit und institutionelle Anreize für Transfer. 25. Zwischen Forschungsprojekt, Demonstrator, Zulassung und privater Anschlussfinanzierung bestehen Finanzierungslücken. 26. Erfolgreiche DFG- oder ERC-Forschung wird nicht systematisch auf mögliche Markt- oder Anwendungstauglichkeit weiterentwickelt. 27. Standardisierte IP-Modelle werden noch nicht flächendeckend eingesetzt. 28. Transfer über Absolventen, Kooperationen, offene Software, Normen und Beratung wird statistisch nur unvollständig erfasst. ### 3.5 Schlüsseltechnologien und industrielle Erneuerung 29. Deutschland ist bei KI-Publikationen stark, aber bei führenden Modellen und globalen Plattformunternehmen deutlich schwächer. 30. Die KI-Nutzung in Unternehmen nimmt schnell zu, ist aber bei kleinen Unternehmen erheblich geringer. 31. Die Qualität und Wertschöpfungswirkung der gemeldeten KI-Nutzung bleibt weitgehend unbekannt. 32. Rechenleistung, Netzanschlüsse, industrielle Datenräume und Zugang zu hochwertigen Datensätzen bleiben Engpässe. 33. Deutschland ist Europas größter Mikroelektronikstandort, bleibt aber in globalen Lieferketten und bei modernsten Chipgenerationen abhängig. 34. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete 2025 das dritte Jahr in Folge sinkende reale Wertschöpfung. 35. Die Divergenz von Industrieproduktion und Wertschöpfung deutet teilweise auf eine Verlagerung physischer Produktion und stärkere inländische Industriedienstleistungen hin. 36. Transformationsförderung kann etablierte Unternehmen stabilisieren, aber auch überholte Strukturen konservieren. 37. Die Hightech-Agenda benennt prioritäre Technologien; ihre tatsächliche Umsetzung und Wirkung sind noch nicht nachgewiesen. 38. Die Förderlandschaft bleibt zwischen Ressorts, Fachprogrammen, steuerlicher Förderung, Ländern und EU-Angeboten schwer überschaubar. 39. Die Zahl der ZIM-geförderten Vorhaben sank von etwa 2.900 im Jahr 2014 auf rund 1.400 im Jahr 2023, während thematische Fachprogramme ausgeweitet wurden. [EFI 2026, S. 59](https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf) 40. Förderprogramme berichten häufig über Mittelabfluss und Projektzahlen; zusätzliche Innovation, Skalierung und langfristige Produktivität werden erheblich seltener belastbar gemessen. ## 4. Schlüsselkennzahlen | Kennzahl | Ergebnis | Einordnung | |---|---:|---| | Gesamte FuE-Ausgaben 2024 | 137,1 Mrd. € | +3,8 % nominal | | FuE-Quote 2024 | 3,17 % des BIP | Höchststand, unter 3,5‑%-Ziel | | FuE der Wirtschaft 2024 | 92,5 Mrd. € | +2,3 % nominal | | Hochschulen | 24,1 Mrd. € | +4,7 % nominal | | Außeruniversitäre Forschung | 20,4 Mrd. € | +10,1 % nominal | | FuE-Personal | 838.688 Vollzeitäquivalente | Gesamtwirtschaft | | Frauenanteil an Forschenden 2023 | 29,6 % | EU: 34,3 % | | KMU mit Innovation 2022–2024 | 41 % | rund 1,6 Mio. KMU | | Kleine KMU mit Innovation | 37 % | Größenlücke | | Größere KMU mit Innovation | 73 % | Größenlücke | | KMU-Innovationsausgaben 2024 | 35,4 Mrd. € | real knapp +3 % | | EU-Innovationsrang 2026 | Rang 9 | „Strong Innovator“, kein „Leader“ | | DPMA-Patentanmeldungen 2025 | 62.050 | +4,7 % | | Inländische DPMA-Anmeldungen | 42.349 | +5,6 % | | Deutsche EPO-Anmeldungen 2025 | 24.476 | −2,2 %; 292,9 je Mio. Einwohner | | Patentdichte DPMA, Deutschland | 51 je 100.000 | Baden-Württemberg 135, Bayern 95 | | Akademische Gründungen | 6.000–7.000 jährlich | sehr breite personengebundene Definition | | Eng forschungsbezogene Gründungen | ca. 350–400 jährlich | vermutlich Untererfassung | | KI-Publikationen 2024 | 14.415 | weltweit Rang 5, innerhalb EU Rang 1 | | KI-Nutzung, Unternehmen ≥10 Beschäftigte | 26,0 % 2025 | 11,6 % im Jahr 2023 | | Reale industrielle Wertschöpfung 2025 | −1,3 % | drittes Rückgangsjahr | Quellen: [Destatis FuE](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_107_218.html), [KfW](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_883520.html), [DPMA](https://www.dpma.de/digitaler_jahresbericht/2025/jb25_de/patente.html), [EPO](https://www.epo.org/en/about-us/statistics/technology-dashboard-2025/statistics-and-indicators/european-patent-applications/per-mio-inhabitants-europe), [EFI](https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf), [Destatis Industrie](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html). ## 5. Historische Entwicklung - **2002:** Hochschulen erhielten grundsätzlich die Verwertungsrechte an Diensterfindungen ihrer Beschäftigten. Dadurch entstanden professionellere Transferstrukturen, aber auch komplexere IP-Verhandlungen. - **Seit Mitte der 2000er-Jahre:** Rückgang der breiten betrieblichen Innovationsbeteiligung, insbesondere außerhalb kontinuierlich forschender Unternehmen. - **Seit 2007:** Tendenzieller Rückgang der breit definierten akademischen Gründungen. - **Seit 2010:** Rückgang der Hochschulpatente je wissenschaftlich Beschäftigten. - **2014–2023:** Zahl der ZIM-Vorhaben etwa halbiert; themenspezifische Bundesprojekte nahezu verdoppelt. - **Seit 2020:** Forschungszulage ergänzt direkte Projektförderung um einen technologieoffenen steuerlichen Förderkanal. - **2023–2025:** Unternehmensnutzung von KI mehr als verdoppelt. - **2023–2025:** Drei aufeinanderfolgende Jahre sinkender realer Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe. - **2025:** Beschluss der Hightech-Agenda und einer neuen Mikroelektronikstrategie. - **2030:** Politisches Ziel einer FuE-Quote von 3,5 %. ## 6. Regionale Unterschiede Die DPMA-Patentdichte 2025 betrug je 100.000 Einwohner: - Baden-Württemberg: **135** - Bayern: **95** - Deutschland insgesamt: **51** - Nordrhein-Westfalen: **32** - Berlin: **13** - Mecklenburg-Vorpommern: **7** Das zeigt eine starke Konzentration auf süddeutsche Industrie- und Forschungscluster. Die Daten sind jedoch kein reiner Qualitätsvergleich der Länder: Branchenstruktur, Unternehmenssitze, Konzernorganisation und Anmeldepraxis beeinflussen die Werte erheblich. Transferdefizite außerhalb großer Cluster sind besonders relevant, weil etwa **70 % akademischer Gründungen im Umkreis von zehn Kilometern um die jeweilige Hochschule** entstehen. Schwache regionale Transferökosysteme können daher regionale Produktivitätsunterschiede verstetigen. [EFI 2026](https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf) ## 7. Internationaler Vergleich - Deutschland liegt mit 3,17 % FuE-Anteil klar über dem EU-Durchschnitt von rund 2,2 %, aber hinter Schweden, Belgien, Österreich und Finnland. [Destatis EU-Vergleich](https://www.destatis.de/Europa/DE/Home/Functions/_tabellen.html) - Im European Innovation Scoreboard 2026 ist Deutschland **„Strong Innovator“ auf Rang 9**, während Schweden, Dänemark, die Niederlande und Finnland zur Spitzengruppe gehören. [EU-Kommission](https://germany.representation.ec.europa.eu/nachrichten-und-veranstaltungen/pressemitteilungen/innovationsanzeiger-europas-innovationsleistung-verbessert-sich-deutschland-auf-platz-9-2026-07-09_de) - Beim EPO erreichte Deutschland 2025 **292,9 Anmeldungen je Million Einwohner und Rang 6** der europäischen Vergleichsliste. - Deutschland ist innerhalb der EU stark bei KI-Publikationen und transnationalen KI-Patenten, liegt aber hinter den USA und China und teilweise hinter Japan und Südkorea. - Bei bedeutenden europäischen KI-Modellen entfielen 2023–2025 neun auf Deutschland und elf auf Frankreich; die USA lagen weit voraus. - Dass deutsche Publikationen häufig von ausländischen Patentanmeldern zitiert werden, betrifft auch andere europäische Länder. Die USA können wissenschaftliche Erkenntnisse jedoch häufiger in eigenen Unternehmen und Patenten binden. ## 8. Ursachen ### Institutionell - Transfer ist formal Teil vieler Hochschulstrategien, aber in Zeitbudgets, Karrierewegen und Grundfinanzierung nicht gleichrangig mit Forschung und Lehre. - Länder- und hochschulspezifische IP-Regeln erschweren Standardisierung. - Förderprogramme enden häufig vor Marktreife, Zulassung oder industriellem Demonstrator. - Projekt- und Förderstatistiken messen Inputs leichter als wirtschaftliche Wirkung. ### Unternehmensstrukturell - Große Unternehmen können langfristige FuE, Patentanwälte, Regulierung und Skalierungsrisiken besser finanzieren. - Kleine Unternehmen leiden stärker unter Fixkosten, Fachkräftemangel und Unsicherheit. - Die deutsche Stärke in Auto, Maschinenbau, Chemie und Elektrotechnik lenkt FuE auf etablierte Pfade. - Unternehmen ohne eigene FuE nehmen externes Wissen seltener auf. ### Finanzierungsbezogen - Grundlagenforschung, Proof of Concept, industrielle Demonstration und Wachstumskapital folgen unterschiedlichen Logiken. - Frühe Transferprojekte weisen hohe technische Unsicherheit und wenig verwertbare Sicherheiten auf. - Allgemeine VC- und Kapitalmarktdefizite verstärken das Transferproblem, werden aber im Dossier BA geführt. ### Technologiebezogen - KI und Halbleiter benötigen außergewöhnlich kapitalintensive Rechen-, Daten- und Produktionsinfrastruktur. - Globale Plattform- und Skaleneffekte begünstigen bereits führende Anbieter. - Forschungsexzellenz lässt sich nicht automatisch in marktfähige Produkte übersetzen. ### Politökonomisch - Förderpolitik bevorzugt häufig sichtbare Großprojekte und bekannte Arbeitgeber. - Der Abbruch erfolgloser Projekte ist politisch schwerer vermittelbar als ihre Fortführung. - Regionen und Branchen konkurrieren um Fördermittel, wodurch Prioritäten verwässert werden können. ## 9. Staatliche Verantwortlichkeiten | Ebene | Hauptverantwortung | |---|---| | Bund | Forschungsförderung, Forschungszulage, Hightech-Agenda, ZIM und Fachprogramme, außeruniversitäre Forschung, Schlüsseltechnologie- und Industriepolitik | | Länder | Hochschulgrundfinanzierung, Transferstellen, Hochschulrecht, regionale Innovationsinfrastruktur | | EU | Forschungsrahmenprogramme, Beihilferecht, Chips Act, Kapital- und Datenbinnenmarkt, europäische Forschungsinfrastruktur | | Hochschulen/Forschungseinrichtungen | Transferanreize, IP-Verfahren, Gründungsunterstützung, Qualität und Geschwindigkeit von Verhandlungen | | Unternehmen | eigene FuE, Weiterbildung, Kooperationen, Technologieaufnahme und Skalierungsentscheidungen | | Förderbanken/Investoren | Anschlussfinanzierung, Risikoteilung, Wachstumsfinanzierung | | Normungs- und Zulassungsinstitutionen | technische Standards, Marktzugang, regulatorische Erprobung | Die Verantwortung ist geteilt. Weder „der Staat“ noch „die Wirtschaft“ können das Transferproblem allein beheben. ## 10. Politische Entscheidungen und Programme ### Plausibel positiv - Ausbau außeruniversitärer Forschungsorganisationen. - Technologieoffene Forschungszulage als Ergänzung selektiver Programme. - ZIM als vergleichsweise mittelstandsnahes Instrument. - Hightech-Agenda mit sechs Schwerpunkten: KI, Quanten, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion beziehungsweise klimaneutrale Energie und klimaneutrale Mobilität. [Bundesregierung](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/hightech-agenda-deutschland-2366912) - Mikroelektronikstrategie und Einbettung in den European Chips Act. Deutschland verfügt nach Regierungsangaben über rund 30 % der europäischen Waferkapazität. [Bundesregierung](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/mikroelektronikstrategie-2385748) ### Kritisch beziehungsweise offen - Die 3,5‑%-Quote setzt einen Inputanreiz, sagt aber wenig über zusätzliche Innovation oder Produktivität. - Der Rückgang der ZIM-Projektzahl kann den Zugang kleinerer Unternehmen beeinträchtigen; aus der Projektzahl allein folgt allerdings noch kein Wirkungsverlust. - Großprojekte in Halbleitern, Batterien oder klimaneutraler Industrie können technologische Kapazitäten schaffen, bergen aber erhebliche Mitnahme- und Lock-in-Risiken. - Die Hightech-Agenda ist noch zu jung für eine belastbare Wirkungsbewertung. - Flaggschiffankündigungen und Zeitpläne sind keine Ergebnisnachweise. ## 11. Direkte Kosten Eine seriöse Gesamtsumme des Problems ist **nicht belastbar quantifizierbar**. Wichtig ist die Abgrenzung: - Die **137,1 Milliarden Euro FuE-Ausgaben** sind überwiegend Investitionen in Wissen und kein volkswirtschaftlicher Schaden. - Die **35,4 Milliarden Euro Innovationsausgaben der KMU** dürfen nicht hinzuaddiert werden; Definitionen und Ausgabenbestandteile können sich überschneiden. - Die Differenz zwischen 3,17 % und dem 3,5‑%-Ziel ist kein automatisch entstandener Geldverlust. - Die Forschungszulage kann nach EFI-Schätzung ein jährliches Fördervolumen von bis zu vier Milliarden Euro erreichen. Das ist eine fiskalische Ausgabe, aber nur insoweit ein Problem, wie keine zusätzliche FuE ausgelöst oder andere Förderung lediglich ersetzt wird. - Kosten langer IP-Verhandlungen, verzögerter Zulassungen, mehrfacher Förderanträge und abgebrochener Transferprojekte sind mangels konsistenter Daten **nicht belastbar quantifizierbar**. ## 12. Indirekte und langfristige Kosten Plausibel, aber nur teilweise bezifferbar, sind: - geringere Produktivitätszuwächse, - Verlust von Exportmarktanteilen, - Verlagerung physischer Produktion, - langsamere Erneuerung regionaler Wirtschaftsstrukturen, - geringere Zahl skalierender Technologieunternehmen, - Abhängigkeit von ausländischen Plattformen, Chips, Cloud- und KI-Technologien, - geringere Steuerbasis und hochwertige Beschäftigung, - höhere Transformationskosten, wenn Anpassungen verspätet erfolgen, - Verlust gesellschaftlicher Erträge öffentlich finanzierter Forschung. Die EU-Kommission sieht in der Divergenz von Produktion und industrieller Wertschöpfung Anzeichen einer Verlagerung physischer Produktion ins Ausland bei gleichzeitiger Verlagerung auf industrienahe Dienstleistungen im Inland. Das kann sowohl Verlust als auch funktionale Aufwertung sein; eine eindeutige Nettozahl liegt nicht vor. [EU-Länderbericht 2026](https://economy-finance.ec.europa.eu/document/download/1ba59e9c-048c-49a1-a97f-cc359b74b278_en?filename=DE_SWD_2026_205_1_EN_autre_document_travail_service_part1_v3.pdf) ## 13. Gewinner, Verlierer und Anreize **Tendenzielle Gewinner** - große forschungsintensive Unternehmen mit Förder- und Antragserfahrung, - etablierte süddeutsche Innovationscluster, - Beratungs-, Patent- und Förderintermediäre, - ausländische Unternehmen, die deutsche Forschung schneller kommerzialisieren, - Hochschulen mit großen Transferstellen und starken regionalen Kapitalnetzwerken. **Tendenzielle Verlierer** - kleine Unternehmen ohne eigene FuE-Abteilung, - Hochschulen für angewan … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)