Dossier CA
Agrarlogistik, Transporte, Lagerung, Kühlketten und ländliche Wirtschaftswege
Stand: 24. August 2026 · Problemregister DE-2751–2800 · kumuliert 2.800 Probleme
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## Dossier CA – Agrarlogistik, Transporte, Lagerung, Kühlketten und ländliche Wirtschaftswege **Stand: 24. August 2026 · Problemregister DE-2751–2800 · kumuliert 2.800 Probleme** ### 1. Kernbefund Deutschlands Agrarlogistik bewältigt große, saisonal stark schwankende Mengen überwiegend auf der Straße. 2024 transportierten in Deutschland zugelassene Lastkraftwagen rund **172,0 Millionen Tonnen** Erzeugnisse aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei; auf der Schiene waren es 9,0 Millionen, per Binnenschiff 12,8 Millionen und im Seeverkehr 14,6 Millionen Tonnen. Die Angaben haben unterschiedliche Erhebungsgrenzen und dürfen nicht zu einem exakten Modal Split addiert werden. Sie zeigen dennoch die Größenordnung der Straßenabhängigkeit. [Destatis: Verkehrsträger nach Güterabteilung 2024](https://www.destatis.de/EN/Themes/Economic-Sectors-Enterprises/Transport/Goods-Transport/Tables/mode-of-transport-product-division-a.html) Die Schwachstellen liegen nicht hauptsächlich in einem nachgewiesenen allgemeinen Kapazitätskollaps. Sie liegen in: - der Abhängigkeit von Straßen und unvermeidbaren ersten und letzten Transportabschnitten, - saisonalen Spitzen und engen wetterabhängigen Erntefenstern, - regional konzentrierten Lager- und Verarbeitungskapazitäten, - fehlenden nationalen Zustandsdaten für Wirtschaftswege und kleine Brücken, - unklaren Zuständigkeiten und begrenzten kommunalen Unterhaltungsmitteln, - Risiken der Kühlkette, Energieversorgung und Temperaturüberwachung, - einer fragmentierten Statistik, die Transport, Lager, Kühlung, Verarbeitung und Verluste nicht zu einer durchgängigen Kette verbindet. Die Agrarstrukturerhebung 2023 weist erhebliche betriebliche Lagerkapazitäten nach: **2,90 Millionen m³** für gekühlte tierische Produkte, **8,13 Millionen m³** für gekühlte pflanzliche Produkte und **35,81 Millionen m³** für Saatgut und Mähdruschfrüchte. Sie sagt aber nichts Belastbares über Auslastung, Alter, Energieeffizienz, technische Zuverlässigkeit oder den zusätzlich verfügbaren gewerblichen Lagerraum aus. [Destatis: Maschinen und Lagerung 2023](https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftliche-Betriebe/Publikationen/_publikationen-betriebe.html) ### 2. Definition und Abgrenzung Erfasst werden: - Transporte vom Feld oder Stall zu Lagerung, Erstaufnahme und Erstverarbeitung, - innerbetriebliche und überbetriebliche Transportketten, - Straßen-, Schienen-, Binnenwasser- und Seetransporte landwirtschaftlicher Rohprodukte, - Silos, Flach-, Trocken-, Kühl- und Tiefkühllager, - ländliche Wirtschaftswege, Durchlässe und kleine Brücken, - Temperaturführung, Umschlag, Disposition und logistische Notfallvorsorge. Nicht erneut als eigener Schaden verbucht werden: - Tierwohl- und Tierschutzschäden bei Tiertransporten, - allgemeine Straßen- und Brückenprobleme Deutschlands, - Energie- und Stromausfallrisiken landwirtschaftlicher Gebäude, - Lebensmittelabfälle als Gesamtmenge, - Klimaschäden, Bodenschäden und Cyberrisiken, - Marktmacht von Schlachthöfen, Molkereien oder Handel. Diese erscheinen hier nur, soweit sie eine logistische Ursache oder Übertragungskette darstellen. ### 3. Die 50 Einzelprobleme **Daten und Verkehrsträger, DE-2751–2760** Fragmentierte Kettendaten, inkompatible Verkehrsstatistiken, ausländische Lkw als Erfassungslücke, Straßenabhängigkeit, unvermeidbare erste und letzte Meile, eingeschränkte Bahnzugänge, Niedrigwasserrisiken, Hafenabhängigkeit, begrenzte Intermodalität und fehlende Verlagerung auf Schiene und Wasserstraße. **Mengen, Saisonalität und Struktur, DE-2761–2770** Erntespitzen, enge Wetterfenster, Zulieferlogistik, Milchsammelverkehr, Tiertransportrouten, Konzentration der Erstverarbeitung, Rückgang der Mühlenstandorte, fehlende Auslastungs- und Leerfahrtdaten, unbekannte Personalengpässe sowie mangelnde logistische Notfallpriorisierung. **Wirtschaftswege, Brücken und Sicherheit, DE-2771–2785** Fehlendes Zustandskataster, fehlende einheitliche Zustandsnoten, Breiten- und Tragfähigkeitsprobleme, Fahrbahnrandschäden, alte Brücken, fragmentierte Unterhaltung, schwache Kommunalfinanzen, regional unterschiedliche Förderung, lange Bewilligungsabläufe, Nutzungskonflikte, Traktorunfälle, tote Winkel, Zeitdruck, Fahrbahnverschmutzung sowie komplexe Ausnahmegenehmigungen. **Lagerung und Kühlung, DE-2786–2798** Unvollständige Abbildung gewerblicher Lager, regionale Konzentration, Konzentration der tierischen und pflanzlichen Kühlkapazität, Konzentration von Getreidelagern, fehlende Angaben zur Verfügbarkeit, unbekanntes Anlagenalter, unbekannte Notstromfähigkeit, nicht durchgängige Temperaturdaten, fehlender nationaler Kühlkettenindikator, Hygienegefahren, produktspezifische Trocknungsrisiken und Belastungen kleiner Direktvermarkter. **Kettensteuerung, DE-2799–2800** Logistisch verursachte Lebensmittelverluste und das Fehlen eines integrierten Agrarlogistik-, Infrastruktur- und Krisendashboards. ### 4. Zentrale Kennzahlen | Indikator | Wert | Einordnung | |---|---:|---| | Agrar-, Forst- und Fischereiprodukte per inländischem Lkw, 2024 | 172,003 Mio. t | Ausländische Lkw fehlen | | Per Schiene, 2024 | 8,981 Mio. t | Andere Erhebungsgrenze | | Per Binnenschiff, 2024 | 12,843 Mio. t | Niedrigwasserabhängig | | Im Seeverkehr, 2024 | 14,563 Mio. t | Kein reiner Inlandstransport | | Gesamter Straßengüterverkehr inländischer Lkw, 2024 | 3,341 Mrd. t | Agrarprodukte rund 5,1 % dieser Erfassungsgröße | | Gesamte Binnenschifffahrt, 2024 | 173,8 Mio. t | 15,3 % unter 2019 | | Getreideernte, 2024 | 39,0 Mio. t | Nicht vollständig transportgleich | | Kartoffelernte, 2024 | 12,7 Mio. t | Starke saisonale Lageranforderung | | Zuckerrübenernte, 2024 | 36,7 Mio. t | Kampagnen- und Spitzenverkehr | | Silomaisernte, 2024 | 90,9 Mio. t Grünmasse | Sehr kurze Transport- und Verdichtungsfenster | | Betriebe mit mindestens erfasstem Lagerraum, 2023 | 106.930 | Repräsentative Agrarstrukturerhebung | | Tierische Kühlkapazität | 2,896 Mio. m³ | Davon NRW rund 65 % | | Pflanzliche Kühlkapazität | 8,129 Mio. m³ | Davon Niedersachsen rund 30 % | | Saatgut-/Mähdruschlager | 35,806 Mio. m³ | Davon Bayern rund 27 % | | Milchaufnehmende Molkereien, 2024 | 107 | Zuzüglich 59 Sammelstellen | | Milchverarbeitende Molkereien, 2024 | 137 | 34,2 Mio. t Rohmilch | | Mühlen, 2024/25 | 170 | Vier weniger als im Vorjahr | | Kommunaler Rückstand Straßen/Verkehr, 2026 | 53,7 Mrd. € | Umfasst sämtliche kommunale Verkehrsinfrastruktur, nicht speziell Wirtschaftswege | Quellen: [Destatis Erntemengen](https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Feldfruechte-Gruenland/Tabellen/gtz-zeitreihe-erntemengen-augewaehlter-anbaukulturen.html), [BLE/BMLEH Molkereistruktur](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/strukturberichte), [BLE Mühlenstruktur](https://bmel-statistik.de/ernaehrung/strukturberichte), [KfW-Kommunalpanel 2026](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2026.pdf). ### 5. Historische Entwicklung Die ländlichen Wege wurden häufig für wesentlich kleinere, leichtere und schmalere Fahrzeuge angelegt. Die Modernisierung der Landwirtschaft erhöhte Transportgeschwindigkeit, Fahrzeugbreite, Achslasten und Gesamtmassen. Nach § 32 StVZO sind land- und forstwirtschaftliche Arbeitsmaschinen beziehungsweise Geräte bis **3,00 Meter Breite** allgemein zulässig; breitere Fahrzeuge benötigen regelmäßig weitergehende Erlaubnisse oder Ausnahmen. [§ 32 StVZO](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__32.html) Eine aktuelle Thünen-Evaluation in Niedersachsen dokumentiert unter anderem: - stark beschädigte Fahrbahndecken, - kaum möglichen Begegnungsverkehr, - alte Wege von nur etwa 2,5 Metern Breite, - Brücken, deren Tragfähigkeit auf sechs Tonnen reduziert war, - Ausbauten auf 3,5 Meter Breite beziehungsweise 40 bis 60 Tonnen Tragfähigkeit. Diese Fälle sind belastbare Nachweise realer Probleme, aber keine bundesweite Zustandsquote. [Thünen: Bewertungsbericht Wegebau 2024](https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn067727.pdf) Parallel konzentrierte sich die Erstverarbeitung. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 bestanden noch 170 Mühlen; 2024 nahmen 107 Molkereiunternehmen Rohmilch auf. Weniger Annahmestellen können effizienter arbeiten, sie erhöhen aber tendenziell die Bedeutung zuverlässiger Sammelrouten und regionaler Ausweichmöglichkeiten. Die Aussage über längere Wege ist eine plausible Folgerung, nicht aus den Unternehmenszahlen allein beweisbar. Bei den inländischen Güterverkehrsträgern stieg der Straßenanteil zwischen 2014 und 2024 von 71 auf 73 %, während der Anteil der Binnenschifffahrt von 10 auf 7 % sank. Eine dauerhafte Verkehrsverlagerung ist bislang nicht erkennbar. [Destatis/Eurostat: Güterverkehr in der EU 2024](https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Verkehr/gueterverkehr-eisenbahn.html) ### 6. Regionale Unterschiede Die Lagerkapazitäten folgen den Produktions- und Verarbeitungsstrukturen: - Nordrhein-Westfalen weist rund 1,89 Millionen m³ und damit etwa 65 % der erfassten tierischen Kühlkapazität aus. - Niedersachsen besitzt rund 2,42 Millionen m³ pflanzliche Kühlkapazität. - Bayern weist etwa 9,66 Millionen m³ Lagerkapazität für Saatgut und Mähdruschfrüchte aus. - In ostdeutschen Flächenländern bestehen vergleichsweise große Getreidelager je Betrieb, während die Anzahl der Betriebe geringer ist. - Einzelne Länderwerte sind wegen statistischer Geheimhaltung nicht vollständig veröffentlicht. Das ist nicht automatisch ein Missstand: Kapazitäten sollen dort liegen, wo Erzeugung und Verarbeitung stattfinden. Problematisch wird Konzentration, wenn Ausweichkapazitäten, Transportwege oder Energieversorgung ausfallen. Wirtschaftswege sind besonders kommunal und landesrechtlich geprägt. Nach dem Flurbereinigungsgesetz können Teilnehmergemeinschaften, Gemeinden, Verbände oder andere Eigentümer für Herstellung und Unterhaltung zuständig sein. Eine einheitliche bundesweite Zuständigkeit gibt es nicht. [§ 42 FlurbG](https://www.gesetze-im-internet.de/flurbg/__42.html) Das KfW-Kommunalpanel 2026 zeigt einen allgemeinen kommunalen Investitionsrückstand von 53,7 Milliarden Euro bei Straßen und Verkehr. Rund 30 % der Kommunen berichteten, Unterhaltungsarbeiten dort gar nicht oder nur sehr eingeschränkt leisten zu können. Daraus darf kein Eurobetrag speziell für Wirtschaftswege abgeleitet werden; es belegt aber das angespannte kommunale Finanzierungsumfeld. [KfW-Kommunalpanel](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/KfW-Kommunalpanel.html) ### 7. Internationaler Vergleich Für schwere EU-Güterfahrzeuge wurden 2023: - 85,8 % der Agrar-, Forst- und Fischereiprodukte über weniger als 300 Kilometer transportiert, - 34,2 % über weniger als 50 Kilometer, - 90,1 % der Agrar- und Lebensmittelmengen im nationalen Verkehr befördert. Die deutsche Bedeutung kurzer und mittlerer Agrartransporte ist damit kein Sonderfall. [Eurostat: Key figures on the European food chain 2024](https://ec.europa.eu/eurostat/documents/15216629/20555393/KS-01-24-000-EN-N.pdf) Beim gesamten EU-Binnengüterverkehr erreichten Bahn und Binnenschiff 2023 nur noch 21,9 %. Länder wie Österreich und die Slowakei besitzen deutlich höhere Schienenanteile; die Niederlande und Rumänien höhere Binnenschiffsanteile. Geografie, Häfen, Wasserstraßen und Güterstruktur begrenzen jedoch die Vergleichbarkeit. [Eurostat SDG 9](https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20250813-1) Ein harmonisierter internationaler Vergleich speziell von landwirtschaftlichen Lagerkapazitäten, Kühlkettenunterbrechungen oder Wirtschaftswegezuständen wurde nicht gefunden. ### 8. Ursachen Hauptursachen sind: - räumlich verteilte Produktion bei konzentrierter Verarbeitung, - saisonale und wetterabhängige Ernten, - große Mengen mit teilweise niedrigem Wert je Tonne, - kurze Haltbarkeit zahlreicher Produkte, - fehlende direkte Schienen- oder Wasserstraßenanschlüsse, - historisch dimensionierte Wege und Brücken, - steigende Maschinenbreiten und Gesamtmassen, - zersplitterte Eigentums- und Unterhaltungspflichten, - kommunale Finanz- und Planungsschwäche, - hohe Fixkosten moderner Kühl-, Trocknungs- und Überwachungstechnik, - fehlende Datenstandards zwischen Betrieb, Spedition, Lager und Verarbeitung, - begrenzte Transparenz über freie Kapazitäten und Ausweichrouten. Ein Zielkonflikt besteht zwischen schwereren Transporten mit weniger Fahrten und den Belastungen für Wege, Brücken und Böden. ### 9. Staatliche Verantwortlichkeiten **EU** - Lebensmittelhygiene und Kühlketten, - Verkehrs- und Fahrzeugvorschriften, - GAP- und ELER-Förderrahmen, - europäische Verkehrsstatistik. **Bund** - StVO, StVZO und überregionale Verkehrswege, - Flurbereinigungsgesetz und GAK-Rahmen, - Agrar-, Verkehrs- und Lebensmittelstatistik, - Krisen-, Energie- und Versorgungsvorsorge. **Länder** - Ausführung der Flurbereinigung, - Förderprogramme und Kofinanzierung, - Straßen- und Lebensmittelüberwachung, - landesrechtliche Wege- und Unterhaltungsvorschriften. **Kommunen, Teilnehmergemeinschaften und Verbände** - Eigentum, Ausbau und Unterhaltung vieler Wirtschaftswege, - lokale Brücken, Durchlässe und Wegekonzepte, - Nutzungskonflikte und Verkehrslenkung. **Unternehmen** - sichere Fahrzeuge und Fahrer, - Hygiene, Temperaturführung und HACCP, - Wartung, Notfallkonzepte und Rückverfolgbarkeit, - rechtzeitige Kapazitäts- und Routenplanung. ### 10. Politische Entscheidungen Relevant waren insbesondere: - jahrzehntelange Förderung des ländlichen Wegebaus über GAK, ELER und Flurbereinigung, - die gemeinsame Finanzierung der GAK durch Bund und Länder, - die Zulassung landwirtschaftlicher Fahrzeuge bis drei Meter Breite unter den Voraussetzungen der StVZO, - Erlaubnis- und Ausnahmeverfahren für überschreitende Maße und Gewichte, - EU-Hygienerecht mit unternehmerischer Verantwortung für Kühlkette und Temperaturkontrolle, - freiwillige statt umfassend gesetzliche Logistikmaßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung, - ein Verkehrsverlagerungsziel ohne bislang erkennbare Trendwende, - fehlende Pflicht zu einem bundesweit einheitlichen Wirtschaftswege- und Agrarlogistikkataster. Der GAK-Rahmenplan 2025–2028 führt die integrierte ländliche Entwicklung einschließlich angepasster Infrastrukturmaßnahmen fort. [GAK-Rahmenplan 2025–2028](https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/gak-plan-2025-2028-2349824) ### 11. Direkte Kosten Eine belastbare nationale Gesamtsumme der Agrarlogistikkosten ist **nicht verfügbar**. Insbesondere fehlen zusammenhängende Angaben zu: - betriebseigenen Transportkosten, - Speditionsleistungen, - Warte- und Standzeiten, - Reparaturen infolge schlechter Wirtschaftswege, - Kühlung, Trocknung und Lagerumschlag, - temperaturbedingten Abschreibungen, - gesonderten öffentlichen Aufwendungen für alle Wirtschaftswege und Agrarbrücken. Die GAK-Berichterstattung 2023 weist für den damaligen Sonderrahmenplan zum ländlichen Wegebau insgesamt 84 Förderfälle, rund 30 Kilometer Wege und 16,15 Millionen Euro öffentliche Mittel aus. Das bildet weder den gesamten deutschen Wegebau noch den gesamten Sanierungsbedarf ab. [GAK-Berichterstattung 2023](https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/1000150-2023.pdf) Der allgemeine kommunale Straßen- und Verkehrsrückstand von 53,7 Milliarden Euro darf nicht als Agrarlogistikkosten angesetzt werden. ### 12. Indirekte und langfristige Kosten Nicht belastbar national quantifizierbar sind: - versäumte Erntefenster, - Qualitäts- und Gewichtsverluste, - zusätzliche Maschinenstunden und Umwege, - geringere Auswahl an Abnehmern, - Störungen der Milch- oder Kühlkette, - Produktionsstillstände bei fehlender Lageraufnahme, - Unfall- und Haftungskosten, - zusätzliche Emissionen, - schnellere Alterung von Wegen und Fahrzeugen, - langfristiger Verlust regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten. Das Niedrigwasser 2022 zeigt die mögliche Größenordnung einer Verkehrsstörung: Im August lag die gesamte Binnenschiffsmenge 26,8 % unter dem Vorjahresmonat. Der agrarwirtschaftliche Anteil dieses Schadens ist nicht separat ausgewiesen. [Destatis: Binnenschifffahrt und Niedrigwasser](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/03/PD23_119_463.html) ### 13. Gewinner, Verlierer und Anreize **Potenzielle Gewinner** - große Betriebe mit eigenen Transport- und Lagerkapazitäten, - spezialisierte Lohnunternehmen und Speditionen, - zentrale Verarbeiter mit hoher Auslastung, - Kommunen und Bevölkerung bei multifunktionalem Wegeausbau, - Betriebe, die durch Lagerung Preisschwankungen überbrücken können. **Potenzielle Verlierer** - kleine Betriebe ohne eigenes Lager oder flexible Logistik, - abgelegene Regionen mit schwacher Infrastruktur, - Direktvermarkter mit hohen Fixkosten je Einheit, - Kommunen mit großem Wegenetz und kleiner Steuerbasis, - Radfahrer, Fußgänger und Anwohner bei schlecht geregelter Mehrfachnutzung, - Erzeuger mit nur einem regional erreichbaren Abnehmer. **Fehlanreize** - Unterhalt wird aufgeschoben, bis eine investive Förderung verfügbar ist. - Größere Fahrzeuge reduzieren betriebliche Transportkosten, externalisieren aber teilweise Wegeverschleiß. - Zentralisierung senkt Verarbeitungskosten, kann aber Transportabhängigkeit erhöhen. - Unternehmen optimieren ihre eigene Kette; Resilienzreserven für das Gesamtsystem bleiben möglicherweise unbezahlt. ### 14. Gegenargumente und faire Einordnung - Die große Straßenmenge ist nicht automatisch Fehlplanung: Viele Agrartransporte sind kurz, dezentral und nicht schienenfähig. - Konzentration kann Qualität, Hygiene, Auslastung und Kosten verbessern. - Lagerkonzentration entspricht teilweise der regionalen Produktionsstruktur. - Mehr Lagerraum ist nicht stets sinnvoll; Überkapazität bindet Kapital und verbraucht Energie. - Breitere Wege können Verkehrssicherheit und Maschinenkosten verbessern und zugleich Radverkehr, Wohnen und Tourismus dienen. - Ein vollständiger Ausbau aller Wirtschaftswege wäre ökonomisch und ökologisch nicht vertretbar. - Regionale Zuständigkeiten erlauben angepasste Lösungen. - Die dokumentierten schlechten Wege und Sechs-Tonnen-Brücken sind reale Fälle, aber keine Aussage, dass sämtliche deutschen Wirtschaftswege so beschaffen seien. - Die Kühlkette ist bereits rechtlich geregelt. Das Problem ist weniger eine vollständige Regelungslücke als die fehlende öffentliche Gesamtsicht auf Umsetzung und Resilienz. ### 15. Wesentliche Datenlücken Es fehlen bundesweit: 1. Länge, Eigentum, Breite, Belag und Zustand aller Wirtschaftswege. 2. Zustand und Tragfähigkeit kleiner Wirtschaftswegebrücken. 3. Tatsächliche Agrartransportleistung einschließlich ausländischer Lkw. 4. Monatliche Agrartransportmengen nach Produkt und Verkehrsträger. 5. Durchschnittliche Feld-Hof-, Hof-Lager- und Hof-Verarbeiter-Distanzen. 6. Leerfahrten, Auslastung und Wartezeiten. 7. Gewerbliche Lager- und Kühlkapazitäten in gleicher Systematik wie Hoflager. 8. Alter, Effizienz, Ausfallhäufigkeit und Notstromfähigkeit der Lager. 9. Freie statt nur installierte Lagerkapazität. 10. Nationaler Indikator für Kühlkettenabweichungen. 11. Logistikbedingte Lebensmittelverluste. 12. Unfallzahlen, die konkret der landwirtschaftlichen Transportkette zugeordnet werden können. 13. Regionale Ausweichkapazitäten und Krisenrouten. 14. Durchgängige Datenverknüpfung vom Erzeuger bis zur Erstverarbeitung. ### 16. Reformoptionen **Kurzfristig** - öffentliches digitales Wirtschaftswege- und Brückenkataster, - einheitliche Zustands- und Tragfähigkeitsklassen, - offene Karten zu Sperrungen, Engstellen und saisonalen Einschränkungen, - vereinfachte digitale Ausnahme- und Routengenehmigungen, - Schulungen für landwirtschaftliche Fahrzeuggespanne, - Mindestanforderungen an Temperaturaufzeichnung und Datenexport, - regionale Verzeichnisse freiwillig verfügbarer Lager- und Kühlreserven, - Notfallpläne fü … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)