Dossier CC

Lebensmittelhandwerk, Direktvermarktung und kleinteilige Nahversorgung

Register: DE-2851–2900
Kumulativer Stand: 2.900 dokumentierte Probleme in 57 Dossiers
Datenstand: soweit verfügbar 2023–2026

Evidenzkennzeichnung:
A = aktuelle amtliche Direktmessung · B = amtlich, aber älter/indirekt · C = nachvollziehbare Schlussfolgerung · D = nicht belastbar quantifizierbar

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# Dossier CC – Lebensmittelhandwerk, Direktvermarktung und kleinteilige Nahversorgung

**Register:** DE-2851–2900  
**Kumulativer Stand:** 2.900 dokumentierte Probleme in 57 Dossiers  
**Datenstand:** soweit verfügbar 2023–2026

**Evidenzkennzeichnung:**  
**A** = aktuelle amtliche Direktmessung · **B** = amtlich, aber älter/indirekt · **C** = nachvollziehbare Schlussfolgerung · **D** = nicht belastbar quantifizierbar

## 1. Kernbefund

Das Lebensmittelhandwerk ist weder eine nostalgische Randerscheinung noch automatisch eine flächendeckende Nahversorgungsstruktur. Im Jahr 2023 umfasste es 18.764 Unternehmen und 48,8 Milliarden Euro Umsatz. Bäckereien und Fleischereien stellten zusammen 83 Prozent der Unternehmen; allein dort arbeiteten 301.311 beziehungsweise 143.720 Menschen. Damit ist der Sektor beschäftigungsintensiv und regionalwirtschaftlich bedeutend. [BMLEH/BLE-Ernährungshandwerk](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/ernaehrungsgewerbe/ernaehrungshandwerk)

Gleichzeitig sank die Zahl der Unternehmen von 21.486 im Jahr 2019 auf 18.764 im Jahr 2023 – rechnerisch um 12,7 Prozent. Von 2022 auf 2023 betrug der Rückgang 3,6 Prozent. Diese Unternehmenszahlen sind jedoch keine Filial- oder Erreichbarkeitsstatistik: Eine Bäckerei kann viele Verkaufsstellen betreiben, während Backstationen in Supermärkten teilweise außerhalb der Handwerkszählung liegen.

Der belastbare Befund lautet deshalb:

> Deutschland misst die Wirtschaftskraft des Lebensmittelhandwerks, aber nicht ausreichend, ob Bürger tatsächlich noch eine eigenständige Bäckerei, Fleischerei, Hofverarbeitung, Wochenmarktversorgung oder mobile Verkaufsstelle erreichen können.

Bei Ausbildung, Nachfolge und administrativen Fixkosten bestehen ernsthafte Belastungen. Es gibt aber auch positive Gegenentwicklungen: Die Zahl neuer Bäckerausbildungsverträge stieg 2025 von 1.995 auf 2.337. Eine pauschale Erzählung vom unaufhaltsamen Aussterben wäre daher ebenso ungenau wie die Annahme, höhere Umsätze bedeuteten automatisch stabile Ortsversorgung. [BIBB 2025](https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_219433.php)

## 2. Definition und Abgrenzung

Erfasst werden hier:

- Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien einschließlich Verkaufsstellen;
- kleine Hofverarbeitungs- und Direktvermarktungsbetriebe;
- Hofläden, Wochenmärkte, mobile Verkaufswagen und Selbstbedienungsangebote;
- Ausbildung, Betriebsübergabe, Arbeitszeiten und Personalgewinnung;
- Hygiene-, Kennzeichnungs-, Kassen- und Verpackungspflichten;
- die tatsächliche räumliche Erreichbarkeit kleinteiliger Lebensmittelangebote.

Nicht erneut gezählt werden industrielle Schlacht-, Molkerei-, Mühlen- und Großverarbeitungsstrukturen aus Dossier CB. Überschneidungen werden nur erfasst, wenn sich deren Konzentration konkret auf handwerkliche Weiterverarbeitung oder lokale Verkaufsstellen auswirkt.

## 3. Zentrale Problemkomplexe

1. Unternehmensstatistiken bilden Verkaufsstellen und Erreichbarkeit nicht ab.
2. Eigenständige Lebensmittelhandwerksunternehmen werden weniger.
3. Filialisierung kann stabile Verkaufsstellenzahlen vortäuschen, während lokale Produktionskompetenz verschwindet.
4. Ländliche Haushalte ohne Auto haben schlechteren Zugang zu Lebensmittelangeboten.
5. Ausbildungsstellen in Fleischerei und Lebensmittelverkauf bleiben häufig unbesetzt.
6. Betriebsnachfolge und Investitionsentscheidungen hängen eng zusammen.
7. Direktvermarktung wird statistisch nur unvollständig und mit deutlicher Verzögerung erfasst.
8. Hygiene-, Kennzeichnungs-, Kassen- und Verpackungspflichten erzeugen größenunabhängige Fixkosten.
9. Wochenmärkte und mobile Angebote hängen von kommunalen Regeln, Standgebühren, Personal und ausreichender Routendichte ab.
10. Frischeproduktion führt bei schlechter Nachfrageprognose zu Retouren und Lebensmittelabfällen.
11. Öffentliche Großaufträge sind trotz Mittelstandsschutz nicht automatisch für kleine Anbieter erreichbar.
12. Regionale Lieferketten können lokale Wertschöpfung stärken, sind aber nicht automatisch billiger oder ökologischer.
13. Fördermaßnahmen existieren, bleiben jedoch häufig projektbezogen statt flächendeckend.
14. Eine bundesweite, geocodierte Nahversorgungs- und Resilienzbeobachtung fehlt.

## 4. Schlüsselkennzahlen

| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---:|---|
| Unternehmen im Ernährungshandwerk 2023 | 18.764 | A |
| Umsatz 2023, ohne Umsatzsteuer | 48,8 Mrd. € | A |
| Anteil Bäckereien/Fleischereien | 42 % / 41 % | A |
| Beschäftigte Bäckereien | 301.311 | A |
| Beschäftigte Fleischereien | 143.720 | A |
| Unternehmen 2019 | 21.486 | A |
| Veränderung 2019–2023 | −12,7 % | eigene Berechnung aus amtlichen Werten |
| Unternehmen 2022 | 19.467 | A |
| Veränderung 2022–2023 | −3,6 % | eigene Berechnung |
| Neue Bäckerausbildungsverträge 2025 | 2.337 | A; 2024: 1.995 |
| Unbesetzte Fleischer-Ausbildungsangebote 2025 | 642 bzw. 31,4 % | A |
| Unbesetzte Angebote im Lebensmittelhandwerksverkauf 2025 | 2.067 bzw. 29,4 % | A |
| Höfe mit Einkommensdiversifizierung 2020 | etwa die Hälfte | A |
| Verarbeitung/Direktvermarktung darunter | 18 % | A; Mehrfachnennungen möglich |
| Landwirtschaftliche Einzelunternehmen mit möglicher Nachfolge | 37 % | A; Stand 2020 |
| Bevölkerung im ländlichen Raum ohne Lebensmittelgeschäft unter 1 km | ungefähr zwei Drittel | B; zugrunde liegende Adressdaten 2013 |
| Mittelstandsinhaber ab 55 Jahren | 57 % | A, aber nicht handwerksspezifisch |
| Geplante KMU-Stilllegungen bis Ende 2029 | rund 114.000 jährlich | A, aber nicht handwerksspezifisch |

Eine bundesweite Zahl der erreichbaren Handwerksbäckereien, Fleischtheken, Hofläden, Wochenmarktstände oder mobilen Verkaufsrouten ist **nicht belastbar quantifizierbar**.

## 5. Historische Entwicklung

2019 zählte die Handwerksstatistik 21.486 Unternehmen des Lebensmittelgewerbes, darunter 9.183 Bäckereien und 9.006 Fleischereien. Bis 2023 fiel die Gesamtzahl auf 18.764. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum nominal von rund 41,7 auf 48,8 Milliarden Euro. Das ist mit Inflation, Preissteigerungen und möglicher Konzentration vereinbar und kein Beweis steigender realer Wertschöpfung oder besserer Versorgung.

Langfristig ging auch die Zahl neuer Ausbildungsverträge zurück: 2010 wurden 4.554 neue Bäckerausbildungen und 2.118 neue Fleischerlehren ausgewiesen. 2025 waren es 2.337 beziehungsweise 1.404. Wegen möglicher statistischer Revisionen ist das eine Größenordnungs-, keine millimetergenaue Zeitreihe. Der Bäckerberuf verzeichnete 2025 zugleich eine deutliche Erholung.

## 6. Regionale Unterschiede

Ältere Thünen-Daten zeigen eine durchschnittliche Entfernung zum nächsten Lebensmittelgeschäft von rund 1,5 Kilometern in Deutschland, knapp zwei Kilometern im ländlichen und weniger als einem Kilometer im nichtländlichen Raum. Nur ungefähr die Hälfte der ländlichen Bevölkerung wohnte innerhalb eines Kilometers. Da die zugrunde liegenden Adressdaten überwiegend aus 2013 stammen, belegen sie ein strukturelles Problem, aber nicht den heutigen exakten Zustand. [Thünen-Bericht](https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061173.pdf)

Hinzu kommen:

- unterschiedliche Bevölkerungsdichte und Kaufkraft;
- Tourismusregionen mit starken Saisonumsätzen;
- Stadtteile mit vielen Verkaufsstellen, aber hohen Gewerbemieten;
- ländliche Räume mit großen Distanzen und dünnen mobilen Verkaufsrouten;
- unterschiedliche Ladenöffnungsgesetze der Länder;
- kommunal variierende Wochenmarktzeiten, Gebühren und Stellplätze;
- Unterschiede in der Auslegung flexibler Hygienevorgaben durch örtliche Behörden.

Die KfW findet bei der Unternehmensnachfolge besonders hohe Anteile älterer Inhaber in Hessen, Brandenburg und Baden-Württemberg. Das gilt für den gesamten Mittelstand und darf nicht ungeprüft auf Bäckereien oder Fleischereien übertragen werden. [KfW-Nachfolgemonitoring](https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/Nachfolge-im-deutschen-Mittelstand.html)

## 7. Internationaler Vergleich

Deutschland hatte 2022 einen Anteil von 34,9 Prozent am Produktionswert frischen Brotes in der EU und war damit der größte erfasste Produzent. Die Statistik unterscheidet jedoch nicht sauber zwischen Handwerk und Industrie. [Eurostat Key Figures 2023](https://ec.europa.eu/eurostat/documents/15216629/18054337/KS-FK-23-001-EN-N.pdf)

Ein direkter Vergleich der Zahl „handwerklicher“ Lebensmittelbetriebe ist problematisch, weil das deutsche zulassungspflichtige Handwerk eine besondere rechtliche und statistische Kategorie bildet.

Die EU-Kommission sieht in kurzen Lieferketten Chancen für Erzeugereinkommen, Beschäftigung und regionale Resilienz. Sie warnt zugleich vor schlecht koordinierten Transporten, höheren Verbraucherpreisen und lokal-protektionistischen Modellen ohne nachgewiesenen Nachhaltigkeitsnutzen. [EU-CAP-Kurzstudie](https://agriculture.ec.europa.eu/document/download/6d7791a2-5643-4b38-9673-ca57fa25dc70_en?filename=cap-specific-objectives-brief-3-farmer-position-in-value-chains_en.pdf), [EU-Expertengruppe Ernährungssicherheit](https://agriculture.ec.europa.eu/system/files/2023-07/efscm-recommendations-improvment-diversity-sources-supply_en.pdf)

## 8. Ursachen

**Nachgewiesen oder stark belegt:**

- überdurchschnittliche Besetzungsprobleme bei Ausbildungsstellen;
- altersbedingter Nachfolgedruck im Mittelstand;
- größenunabhängige Fixkosten für Dokumentation, Kassen- und Informationssysteme;
- frühe, nächtliche und sonntägliche Arbeitszeiten;
- geringe Kundendichte und weite Wege in ländlichen Gebieten;
- begrenzte Haltbarkeit und Prognoserisiken frischer Produkte;
- Konzentrationsvorteile größerer Filial-, Handels- und Produktionssysteme.

**Plausibel, aber bundesweit nicht hinreichend quantifiziert:**

- steigende Gewerbemieten und Energiekosten als Schließungsursache einzelner Betriebe;
- Übernahme statt Neugründung als Haupttreiber sinkender Unternehmenszahlen;
- Verdrängung eigenständiger Betriebe durch industrielle Backstationen;
- regionale Unterschiede in der behördlichen Vollzugspraxis;
- fehlende Logistikbündelung als Hemmnis regionaler Beschaffung.

## 9. Staatliche Verantwortung

| Ebene | Verantwortung |
|---|---|
| EU | Lebensmittelhygiene, Lebensmittelinformation, Wettbewerb, Agrar- und Regionalförderrahmen |
| Bund | Handwerksordnung, Verpackungs- und Kassenrecht, Arbeitszeitrahmen, Vergaberecht, Berufsbildungsmonitoring, BULEplus |
| Länder | Lebensmittelüberwachung, Ladenöffnungsrecht, Berufsschulstandorte, ELER-Umsetzung, Kommunalaufsicht |
| Kommunen | Wochenmärkte, Standplätze, Gebühren, Erreichbarkeit, lokale Wirtschaftsförderung, Schul- und Kitaverpflegung |
| Kammern/Innungen | Ausbildung, Prüfungen, Beratung, Übergabe- und Gründungsunterstützung |
| Unternehmen | Personalführung, Kalkulation, Digitalisierung, Kooperation, Hygiene und Produktinnovation |

Politische Verantwortung bedeutet hier nicht, jeden Betrieb dauerhaft zu erhalten. Sie besteht darin, Wettbewerbsregeln, Daten, Ausbildung, Infrastruktur und Vollzug so zu gestalten, dass kleine Betriebe nicht allein an vermeidbaren Fixkosten oder koordinationsbedingten Nachteilen scheitern.

## 10. Politische Entscheidungen und Zielkonflikte

- Bäckerei, Konditorei und Fleischerei gehören nach Anlage A der Handwerksordnung zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Für den Eintrag genügt auch ein entsprechend qualifizierter Betriebsleiter; Ausnahmen und alternative Zugangswege existieren. Das schützt Qualifikation und Ausbildung, erhöht aber die Eintrittshürde. [HwO Anlage A](https://www.gesetze-im-internet.de/hwo/anlage_a.html), [§ 7 HwO](https://www.gesetze-im-internet.de/hwo/__7.html)
- Das EU-Hygienerecht ist grundsätzlich risikoorientiert und flexibel. Die konkrete Angemessenheit einzelner Maßnahmen beurteilt häufig die örtliche Behörde. Flexibilität kann kleine Betriebe entlasten, schafft aber Auslegungsspielräume. [BMLEH-Hygieneinformationen](https://www.bmel.de/DE/themen/verbraucherschutz/lebensmittel-hygiene/lebensmittelhygiene-im-handel.html)
- Allergeninformationen sind auch für lose Ware vorgeschrieben. Das schützt Verbraucher, verursacht aber Dokumentations-, Schulungs- und Fehlerrisiken. [§ 4 LMIDV](https://www.gesetze-im-internet.de/lmidv/__4.html)
- Kleine Betriebe können die Mehrwegangebotspflicht teilweise durch das Befüllen kundeneigener Behälter erfüllen. [§ 34 VerpackG](https://www.gesetze-im-internet.de/verpackg/__34.html)
- Elektronische Kassensysteme unterliegen TSE- und Meldepflichten. Seit 2025 steht dafür ein elektronisches Mitteilungsverfahren bereit. [BMF-Kassenmitteilung](https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Weitere_Steuerthemen/Abgabenordnung/2024-06-28-mitteilungsverpflichtung-nach-AO.html)
- Das Vergaberecht verlangt grundsätzlich die Berücksichtigung mittelständischer Interessen und die Aufteilung in Teil- und Fachlose. Große Bündelvergaben bleiben bei wirtschaftlichen oder technischen Gründen möglich. [§ 97 GWB](https://www.gesetze-im-internet.de/gwb/__97.html)
- RegioKost fördert seit 2025 Modellprojekte für kleinere regionale Verarbeitungsstrukturen mit bis zu 230.000 Euro beziehungsweise 500.000 Euro bei Verbünden. Das ist ein sinnvoller Ansatz, aber noch kein flächendeckendes Strukturinstrument. [RegioKost](https://www.bmel.de/DE/themen/laendliche-regionen/foerderung-des-laendlichen-raumes/bundesprogramm-laendliche-entwicklung/regiokost.html)

## 11. Direkte Kosten

Eine bundesweite Gesamtsumme ist **nicht belastbar quantifizierbar**. Relevante Kostenblöcke sind:

- Löhne, Zuschläge und Ausbildung;
- Öfen, Kühlung, Warmwasser und Lüftung;
- Hygienedokumentation und Eigenkontrollen;
- Kassen-, Warenwirtschafts- und Meldesysteme;
- Verpackungen und Mehrwegorganisation;
- Fahrzeuge, Kühlung und Zeitaufwand mobiler Routen;
- Wochenmarktstände, Gebühren, Strom und Abfallentsorgung;
- Produktverluste und Retouren;
- Beratung, Übergabe, Finanzierung und Umbauten;
- Zertifizierung und Dokumentation regionaler oder ökologischer Lieferketten.

## 12. Indirekte und langfristige Kosten

- zusätzliche Einkaufswege und Autoabhängigkeit;
- weniger selbstständige Arbeits- und Ausbildungsplätze;
- Verlust handwerklicher Produktionskompetenz;
- geringere Absatzkanäle für regionale Landwirtschaft;
- sinkende Attraktivität von Ortskernen;
- größere Abhängigkeit von wenigen zentralen Produktions- und Handelssystemen;
- Investitionsaufschub bei ungeklärter Nachfolge;
- Versorgungslücken bei älteren, mobilitätseingeschränkten und einkommensarmen Menschen;
- Verlust persönlicher Dienstleistungen wie Vorbestellung, kleine Mengen oder mobile Belieferung.

## 13. Gewinner, Verlierer und Anreize

**Potenzielle Gewinner:**

- Filialsysteme mit zentraler Produktion;
- Supermärkte und Discounter mit integrierten Back- oder Fleischangeboten;
- Kassen-, Dokumentations- und Zertifizierungsanbieter;
- größere Logistiker und Großhändler;
- Kommunen mit funktionierenden Wochenmärkten und regionalen Beschaffungsnetzwerken.

**Potenzielle Verlierer:**

- kleine Einzelbetriebe ohne Nachfolger;
- Auszubildende bei weit entfernten Berufsschulen;
- kleine Höfe ohne regionale Verarbeitungspartner;
- Menschen ohne Auto;
- Gemeinden mit geringer Kundendichte;
- Verbraucher, die individuelle Bedienung oder spezielle Produkte benötigen.

Ein häufiger Fehlanreiz besteht darin, einzelne Investitionen zu fördern, ohne dauerhaft Nachfrage, Personal, Verarbeitung, Logistik und öffentliche Beschaffung gemeinsam zu organisieren.

## 14. Gegenargumente und faire Bewertung

**„Weniger Unternehmen bedeuten nur effizientere Strukturen.“**  
Teilweise richtig. Filialbetriebe können effizienter produzieren und stabile Verkaufsstellen erhalten. Die Statistik zeigt aber nicht, ob lokale Produktionskapazität, Wettbewerb und räumliche Erreichbarkeit erhalten bleiben.

**„Der Markt soll unrentable Geschäfte schließen lassen.“**  
Grundsätzlich richtig. Bei Nahversorgung entstehen jedoch externe Effekte: Mobilitätsbedarf, Ortskernattraktivität, Ausbildungsplätze und Versorgung vulnerabler Gruppen werden nicht vollständig im Ladenpreis abgebildet.

**„Bürokratie dient Lebensmittel- und Verbraucherschutz.“**  
Richtig. Abbau darf nicht mit Abschaffung gleichgesetzt werden. Verhältnismäßige Vorlagen, digitale Einmalmeldungen und bundeseinheitlichere Auslegung können Schutz erhalten und Fixkosten senken.

**„Es gibt einen generellen Fachkräftemangel.“**  
Zu pauschal. Die Bundesagentur sieht keinen flächendeckenden Mangel in allen Berufen. Im Lebensmittelhandwerk zeigen jedoch konkrete Ausbildungsberufe hohe Nichtbesetzungsquoten.

**„Kurze Lieferketten sind immer nachhaltiger.“**  
Falsch. Ohne gebündelte Logistik können viele kleine Fahrten höhere Emissionen je Produkteinheit verursachen. Regionale Herkunft muss mit Auslastung, Produktionsweise und Preiswürdigkeit bewertet werden.

**„Die Bäckerausbildung erholt sich.“**  
Richtig: 2025 gab es 17 Prozent mehr Neuverträge als 2024. Das verbessert den kurzfristigen Trend, hebt den langfristigen Rückgang aber noch nicht auf.

## 15. Datenlücken

Besonders gravierend fehlen:

- aktuelle Geodaten sämtlicher Verkaufsstellen nach Angebotsart;
- Trennung von lokaler Produktion, Filiale und Aufbackstation;
- bundesweite Zeitreihen zu Hofläden, Wochenmärkten und mobilen Routen;
- Schließungsgründe statt bloßer Nettobestandszahlen;
- branchenspezifische Alters- und Nachfolgedaten;
- Kosten der Regulierung nach Betriebsgröße;
- Energieverbrauch und Lebensmittelabfall speziell im Handwerk;
- regionale Ausbildungsstellen-, Berufsschul- und Pendeldistanzen;
- Umsatz- und Einkommenswirkung der Direktvermarktung;
- Versorgungsergebnisse der Förderprogramme nach Förderende.

## 16. Reformoptionen

1. Geocodiertes bundesweites Nahversorgungsregister aufbauen.
2. Unternehmen, Produktionsstätten und Verkaufsstellen getrennt ausweisen.
3. Schließungen, Übernahmen, Fusionen und echte Neugründungen unterscheiden.
4. Hofläden, mobile Angebote und Wochenmärkte regelmäßig erfassen.
5. Einheitliche digitale Hygienevorlagen mit risikogestufter Dokumentation bereitstellen.
6. Mehrfachmeldungen bei Kasse, Lebensmittelüberwachung und Verpackung vermeiden.
7. Berufsschulstandorte, Wohnheime und regionale Ausbildungsverbünde absichern.
8. Übergabeberatung und Finanzierung vor dem Investitionsstau ansetzen.
9. Kommunale Küchenaufträge konsequent in erreichbare Lose zerlegen.
10. Regionale Logistik-, Kühl-, Verarbeitungs- und Bestellplattformen gemeinsam fördern.
11. Mobile Läden dort unterstützen, wo ein messbarer Versorgungsauftrag besteht.
12. Förderprogramme an dauerhafte Auslastung und Erreichbarkeit statt nur Investitionen knüpfen.
13. Lebensmittelabfälle anonymisiert und größenverträglich messen.
14. Nahversorgung mit ÖPNV-, Ortskern- und Pflegeplanung verknüpfen.
15. Alle Maßnahmen anhand von Entfernung, Preis, Sortiment, Öffnungszeiten und Krisenrobustheit evaluieren.

## 17. Umsetzungsbarrieren

- Zuständigkeiten über EU, Bund, Länder und Kommunen verteilt;
- fehlende gemeinsame Definition von „Nahversorgung“;
- Datenschutz- und Betriebsgeheimnisfragen bei Standortdaten;
- geringe Verwaltungskapazität kleiner Kommunen;
- unzureichende Nachfrage für einzelne mobile oder regionale Angebote;
- unterschiedliche Länder- und Vollzugspraxis;
- begrenzte Zahl geeigneter Übernehmer;
- Zielkonflikt zwischen niedrigen Verbraucherpreisen und kostendeckender Kleinproduktion;
- Gefahr dauerhafter Subventionierung nicht tragfähiger Einzelmodelle;
- Förderlogik in zeitlich begrenzten Projekten.

## 18. Quellenverzeichnis

**S1** [BMLEH/BLE: Ernährungshandwerk in Deutschland, Daten 2023](https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/ernaehrungsgewerbe/ernaehrungshandwerk)  
**S2** [Destatis: Handwerkszählung 2019](https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Handwerk/Publikationen/Downloads-Handwerk/unternehmen-personen-umsatz-2040720197004.pdf?__blob=publicationFile)  
**S3** [Agrarstatistisches Jahrbuch 2024, Daten 2022](https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/SITE_MASTER/content/Jahrbuch/Agrarstatistisches-Jahrbuch-2024.pdf)  
**S4** [Des
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