Dossier CM
Sportvereine, Sportstätten, Schwimmbäder und Schulsport
Register: DE-3351 bis DE-3400
Gesamtstand: 3.400 erfasste Probleme in 67 Dossiers
Datenstand: 24. August 2026
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# Dossier CM – Sportvereine, Sportstätten, Schwimmbäder und Schulsport **Register:** DE-3351 bis DE-3400 **Gesamtstand:** 3.400 erfasste Probleme in 67 Dossiers **Datenstand:** 24. August 2026 ## 1. Kernbefund Deutschland verfügt mit **29,31 Millionen gemeldeten Mitgliedschaften** und ungefähr **86.000 Sportvereinen** über eine außergewöhnlich starke organisierte Sportstruktur. Die Mitgliedszahl erreichte 2025 einen Höchststand. Das bedeutet jedoch weder, dass 29 Millionen unterschiedliche Menschen erreicht werden, noch dass Sportstätten, Personal und Teilhabe gleichermaßen gut entwickelt sind: Mehrfachmitgliedschaften werden mitgezählt, während informeller Sport und Nichtmitglieder fehlen. [DOSB-Bestandserhebung 2025](https://cdn.dosb.de/user_upload/www.dosb.de/uber_uns/Bestandserhebung/Bestandserhebung_2025.pdf) Die zentralen Problemlagen sind: - Die Zahl der Vereine sinkt langfristig, obwohl die Zahl der Mitgliedschaften steigt. - Kommunen schätzen den Investitionsrückstand ihrer Sportstätten inzwischen auf rund **22–23 Milliarden Euro**. - Hallen, Schwimmbäder und Sanitärbereiche sind besonders betroffen. - Bewegungsmangel nimmt im Jugendalter stark zu; nur rund ein Viertel der Erwachsenen erfüllt gleichzeitig Ausdauer- und Kraftempfehlungen. - Region, Geschlecht, Einkommen und Behinderung beeinflussen den Zugang deutlich. - Die Schwimmfähigkeit von Kindern wird nicht regelmäßig standardisiert erhoben; die jüngste große DLRG-Elternbefragung wies 20 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen als Nichtschwimmer aus. - Schulsportausfall, fachfremder Unterricht und tatsächliche Schwimmstunden werden bundesweit nicht belastbar erfasst. - 44 Prozent der befragten Vereine berichteten 2023 mindestens ein Problem, das sie selbst als existenziell einschätzten. - Schutz vor psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt wird ausgebaut, ist aber noch nicht flächendeckend überprüfbar. Das unabhängige Zentrum für Safe Sport soll erst 2027 seine Arbeit aufnehmen. Das ist keine Diagnose eines zusammenbrechenden Sportsystems. Es ist die Diagnose eines erfolgreichen, stark nachgefragten Systems, dessen Infrastruktur, Personalbasis, Datenlage und Schutzmechanismen mit der Nachfrage nicht zuverlässig Schritt halten. ## 2. Abgrenzung und Doppelzählung Erfasst werden Breitensport, Nachwuchssport, Vereinsstrukturen, kommunale Sportstätten, Schwimmbäder, Schulsport, Ganztagskooperationen, Inklusion und Safe Sport. Nicht erneut als eigene Probleme gezählt werden: - allgemeine kommunale Finanznot, - allgemeine Gesundheitsfolgen von Bewegungsmangel, - allgemeine Ehrenamts- und Bürokratielasten, - allgemeine Bildungsungleichheit, - allgemeine Geschlechter- oder Behindertendiskriminierung, - allgemeine Gewaltprävention, - allgemeine Ganztagsbetreuung. Gezählt werden nur deren **sportspezifische Ausprägungen**. Ertrinkungszahlen werden nicht als unmittelbare Folge geschlossener Bäder oder ausgefallenen Schwimmunterrichts dargestellt. Ertrinken ist multikausal: Exposition, Wetter, Strömung, Alkohol, Selbstüberschätzung, gesundheitliche Ereignisse und Aufsicht spielen ebenfalls eine Rolle. ## 3. Zehn Problemkomplexe 1. **Unzureichende Steuerungsdaten:** Mitgliedschaften sind keine Personen; aktuelle Zustands-, Barrierefreiheits- und Schulsportdaten fehlen. 2. **Bewegungsdefizite:** Je nach Erhebungsmethode erreichen nur rund 14 bis 32 Prozent der Jugendlichen die tägliche Bewegungsempfehlung. Bei Erwachsenen erfüllen 26,3 Prozent gleichzeitig Ausdauer- und Kraftempfehlung. 3. **Regionale Ungleichheit:** Der rechnerische Organisationsgrad der Landessportbünde reicht von rund 15,5 Prozent in Brandenburg bis 38,2 Prozent in Baden-Württemberg. 4. **Soziale und demografische Teilhabe:** Frauen, Menschen mit Behinderungen, einkommensarme Familien und zahlreiche ostdeutsche Regionen sind schwächer im organisierten Sport vertreten. 5. **Sanierungsstau:** Kommunen melden einen stark wachsenden Rückstand bei Hallen, Plätzen, Bädern, Sanitäranlagen und energetischer Ertüchtigung. 6. **Schwimmen:** Kompetenz, Unterrichtsausfall, Poolerreichbarkeit und soziale Unterschiede werden nur sporadisch gemessen. 7. **Schulsport:** Die Länder bestimmen Umfang und Qualität. Eine bundesweit vergleichbare Kontrolle der tatsächlich erteilten Stunden existiert nicht. 8. **Ehrenamt und Fachpersonal:** Besonders Vorstände, Trainer, Übungsleiter, Schieds- und Kampfrichter fehlen. 9. **Finanzierungs- und Verwaltungsdruck:** Nutzungsgebühren, Energieumlagen und projektförmige Förderverfahren belasten Vereine und Kommunen unterschiedlich. 10. **Schutz und Integrität:** Schutzkonzepte, Beschwerdewege, unabhängige Aufarbeitung und Verbindlichkeit des Safe Sport Codes sind noch nicht flächendeckend gesichert. ## 4. Schlüsselkennzahlen | Kennzahl | Wert | Einordnung | |---|---:|---| | DOSB-Mitgliedschaften 2025 | 29.310.669 | Rekordwert; keine Zahl unterschiedlicher Personen | | Mitgliedschaften gegenüber 2024 | +625.704 / +2,18 % | steigende Nachfrage | | Vereine in Landessportbünden | 85.916 | 2011 noch etwa 91.250 | | Erwachsene mit Ausdauer- und Kraftempfehlung | 26,3 % | GEDA 2019/20 | | Jugendliche 14–17 mit täglich 60 Minuten Bewegung | 13,6 % | MoMo, beschleunigungsmesserbasiert; 2014–2022 | | Kommunaler Sportstättenrückstand | ca. 22–23 Mrd. Euro | KfW-Hochrechnung kommunaler Einschätzungen, keine technische Vollinventur | | Vereine mit kommunalen Sportstätten | 62,4 % | hochgerechnet ca. 53.900 Vereine | | Davon mit Nutzungsgebühr | 48,1 % | hochgerechnet ca. 25.900 Vereine | | Vereine: Zustand der Sportstätten großes/sehr großes Problem | 19 % | Selbstauskunft 2023 | | Vereine mit mindestens einem selbst eingeschätzten Existenzproblem | 44 % | Befragung 2023 | | Sechs- bis Zehnjährige ohne Schwimmfähigkeit | 20 % | Elternauskunft 2022 | | Nichtschwimmer bei Haushaltsnettoeinkommen unter 2.500 Euro | 49 % | DLRG/forsa; gegenüber 12 % ab 4.000 Euro | | Meldepflichtige Schulsportunfälle 2024 | 356.460 | 35,22 % aller Schülerschulunfälle | | Neue Unfallrenten durch Schulsport 2024 | 328 | 75,58 % der neuen Schülerschulunfallrenten | | Für Bundes-Sportstättenprogramm beantragtes Volumen | ca. 7,5 Mrd. Euro | 3.600 Projektskizzen | | 2026 ausgewählte Projekte | 314 / 333 Mio. Euro | rund 8,7 % der Projektskizzen | ## 5. Historische Entwicklung - **1961:** Der erste Goldene Plan löst einen umfangreichen Bau von Hallen, Plätzen und Schwimmbädern aus. - **1960er/1970er:** Ein großer Teil der heute genutzten Infrastruktur entsteht. Viele Gebäude erreichen inzwischen das Alter einer grundlegenden Sanierung. - **1992:** Der Goldene Plan Ost adressiert den infrastrukturellen Nachholbedarf nach der Wiedervereinigung. - **2002:** Letzte bundesweit standardisierte Sportstättenstatistik. Bereits damals galt ein erheblicher Teil des Bestands als sanierungsbedürftig. - **2006:** Deutscher Sportbund und Nationales Olympisches Komitee fusionieren zum DOSB. - **2016:** Veröffentlichung der nationalen Bewegungsempfehlungen; diese werden 2025–2027 aktualisiert. - **2020–2022:** Pandemiebedingte Unterbrechungen treffen Vereinsarbeit, Schwimmkurse und Nachwuchsgewinnung. - **2023:** KMK und DOSB beschließen Handlungsempfehlungen für den Schulsport 2023–2028. - **2024:** DOSB veröffentlicht einen modellhaften Safe Sport Code. - **2025:** Neues Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten startet zunächst mit 333 Millionen Euro. - **2026:** Aus 3.600 Projektskizzen werden 314 Projekte ausgewählt. Weitere 250 Millionen Euro werden für kommunale Schwimmbäder eingeplant. - **Juli 2026:** Der Bundestag beschließt das Sportfördergesetz; das Bundesratsverfahren ist am Stichtag noch nicht abgeschlossen. - **2027 geplant:** Arbeitsaufnahme des unabhängigen Zentrums für Safe Sport. ## 6. Regionale Unterschiede Der rechnerische Organisationsgrad der Landessportbünde variiert erheblich: - Baden-Württemberg: 38,24 % - Hessen: 36,06 % - Saarland: 36,59 % - Bayern: 35,31 % - Rheinland-Pfalz: 35,30 % - Niedersachsen: 33,66 % - Nordrhein-Westfalen: 30,36 % - Hamburg: 31,30 % - Schleswig-Holstein: 27,35 % - Bremen: 22,54 % - Berlin: 21,97 % - Mecklenburg-Vorpommern: 19,17 % - Sachsen-Anhalt: 17,97 % - Sachsen: 17,96 % - Brandenburg: 15,49 % Diese Werte dürfen nicht als Anteil unterschiedlicher Einwohner gelesen werden. Mehrfachmitgliedschaften, Vereinspendler und unterschiedliche Organisationsstrukturen verzerren den Vergleich. Besonders ausgeprägt ist die Ost-West-Differenz bei Kindern. Bei Jungen von sieben bis 14 Jahren liegt der rechnerische Organisationsgrad in den alten Ländern bei 89,36 Prozent, in den neuen Ländern bei 60,03 Prozent; bei Mädchen bei 67,81 gegenüber 41,19 Prozent. Die Unterschiede können nicht allein mit individuellem Interesse erklärt werden. Relevante Faktoren sind Vereins- und Siedlungsdichte, Verkehrserreichbarkeit, historische Vereinsstrukturen, demografische Entwicklung, kommunale Finanzkraft und vorhandene Sportstätten. ## 7. Internationaler Vergleich Die WHO bestätigt für Deutschland ein erhebliches Aktivitätsdefizit, vor allem bei Jugendlichen und bei der Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Ein belastbares Ranglistenurteil gegenüber einzelnen Ländern ist dennoch nicht möglich: Erhebungsmethoden, Altersgruppen, Selbstberichte und Messgeräte unterscheiden sich. Deutschlands Stärke ist das dichte, überwiegend gemeinnützige Vereinssystem mit niedrigen medianen Mitgliedsbeiträgen. Schwächen sind die fragmentierte Beobachtung, der alte Gebäudebestand und fehlende einheitliche Daten zu Schulsport, Barrierefreiheit und Schwimmkompetenz. Internationale Lehren sind weniger ein bestimmtes Finanzierungsmodell als: - regelmäßige, methodisch stabile Aktivitätsmessung, - nationale Ertrinkungspräventionsstrategien, - öffentlich zugängliche Infrastrukturregister, - überprüfbare Schutzstandards, - eine Verbindung von Schule, Gesundheit, Raumplanung und Sportförderung. ## 8. Ursachen Die Problemlage entsteht durch eine Kombination aus: - einer alternden Bauwelle der 1960er- und 1970er-Jahre, - aufgeschobener kommunaler Unterhaltung, - steigenden Bau-, Energie- und Personalkosten, - projektbezogener statt dauerhaft planbarer Förderung, - zersplitterten Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Schulen und Verbänden, - fehlender einheitlicher Datenerfassung, - zunehmender Konkurrenz um Hallenzeiten, - demografischem Wandel und regionaler Abwanderung, - knapper Zeit ehrenamtlich Tätiger, - höheren Qualifikations-, Haftungs-, Datenschutz- und Schutzanforderungen, - sozialen Kosten für Fahrt, Ausrüstung, Beiträge und Wettkämpfe, - fehlender Barrierefreiheit und unzureichenden Assistenzangeboten, - schwacher Verbindlichkeit von Schutz- und Beschwerdesystemen. ## 9. Verantwortungszuordnung | Akteur | Hauptverantwortung | |---|---| | Bund | Gesundheits- und Bewegungsstrategie, investive Förderprogramme, Datengrundlagen, Spitzensportförderung, Mitfinanzierung Safe Sport | | Länder | Schulsport, Lehrkräftequalifikation, Schwimmunterricht, Kommunalfinanzierung, landeseigene Sportförderung | | Kommunen/Landkreise | Bau, Betrieb und Unterhaltung vieler Hallen, Plätze und Bäder; Vergabe von Nutzungszeiten und Gebühren | | Schulen/Schulträger | tatsächliche Durchführung, Sicherheit, Hallen- und Schwimmbadzugang | | Vereine | Angebote, Mitgliederzugang, Qualifizierung, Schutzkonzepte, Beschwerdewege und Vereinsführung | | Fachverbände/DOSB | Regelwerke, Lizenzen, Beratung, Monitoring und verbandsinterne Sanktionen | | Unfallversicherungsträger | Prävention und Unfallstatistik | | Familien und private Anbieter | ergänzende Finanzierung und Angebote, aber kein Ersatz für öffentliche Grundversorgung | Die zersplitterte Verantwortung ist selbst ein Steuerungsproblem: Jeder Akteur kontrolliert nur einen Teil der Wirkungskette. ## 10. Prägende politische Entscheidungen Positiv zu bewerten sind: - der historische Aufbau kommunaler Sportinfrastruktur, - die Fortführung von Sanierungsprogrammen, - die aktuellen Bundesmittel für Sportstätten und Bäder, - die KMK-DOSB-Empfehlungen, - die Aktualisierung nationaler Bewegungsempfehlungen, - die Gründung des Zentrums für Safe Sport, - die geplante Kopplung von Bundesförderung an Safe-Sport-Anforderungen. Kritisch bleiben: - das Fehlen einer aktuellen Sportstättenvollinventur, - jahrzehntelange Unterhaltungsrückstände, - kurzfristige Antragsfenster, - die starke Überzeichnung der Bundesprogramme, - fehlende bundesweit vergleichbare Schulsportdaten, - der bis 2027 verzögerte Start unabhängiger Safe-Sport-Strukturen, - die zunächst begrenzte Reichweite des Zentrums, - die weiterhin teilweise freiwillige Mitwirkung von Verbänden, - die fehlende Ergebnisverantwortung für eine nationale Bewegungsstrategie. ## 11. Direkte Kosten Der KfW-Wert von rund **22–23 Milliarden Euro** ist eine Hochrechnung kommunaler Einschätzungen. Er ist weder eine technische Einzelprüfung noch automatisch der notwendige Ausgabenbetrag. Weitere Größen: - rund 7,5 Milliarden Euro beantragtes Projektvolumen im neuen Bundesprogramm, - 333 Millionen Euro für die erste Auswahl von 314 Projekten, - zusätzlich 250 Millionen Euro für kommunale Schwimmbäder im Bundeshaushalt 2026, - seit 2016 etwa 1,5 Milliarden Euro für 904 Projekte im früheren Bundesprogramm, - 2022/23 weitere 645 Millionen Euro für 222 Projekte, - Nutzungsgebühren bei rund 48 Prozent der Vereine, die kommunale Anlagen nutzen, - Energieumlagen bei rund 15 Prozent dieser Vereine. Nicht belastbar quantifizierbar sind die jährlichen Gesamtkosten ausgefallener Sport- und Schwimmstunden, fehlender Barrierefreiheit, ehrenamtlicher Vakanzen oder unzureichender Schutzstrukturen. ## 12. Indirekte und langfristige Kosten Mögliche Folgekosten entstehen durch: - zunehmende Gesundheitsrisiken infolge dauerhaft geringer Bewegung, - Verlust von Schwimmkompetenz, - soziale Isolation und geringere lokale Bindung, - höhere spätere Sanierungskosten, - Aufgabe kleiner Vereine und Angebote, - stärkere soziale Selektion durch kommerzielle Ersatzangebote, - Nachwuchsmangel bei Trainern und Schiedsrichtern, - Vertrauensverlust nach Gewalt- oder Missbrauchsfällen, - eingeschränkte Bildungs- und Teilhabechancen, - Folgekosten von Schul- und Vereinssportunfällen. Eine monetäre Gesamtsumme wäre wegen Überschneidungen und unsicherer Kausalität unseriös. ## 13. Gewinner, Verlierer und Anreize **Begünstigt sind** gut organisierte Kommunen mit fertigen Planungen, finanzstarke Vereine, Haushalte mit privater Mobilität und Menschen in Regionen mit dichtem Anlagenbestand. **Benachteiligt sind** Kinder aus einkommensarmen Haushalten, Menschen mit Behinderungen, ländliche Räume mit weiten Wegen, finanzschwache Kommunen, kleine Vereine ohne hauptamtliche Antragsexpertise sowie Mädchen und Frauen in Teilen des organisierten Systems. Fehlanreize entstehen, wenn: - Neubau politisch attraktiver ist als laufende Unterhaltung, - Förderprogramme fertige Planungen verlangen, aber Planungskosten nicht ausreichend vorfinanzieren, - Kommunen durch Gebühren ihre Haushalte entlasten, während Vereine Beiträge erhöhen oder Angebote kürzen müssen, - Schutzstandards freiwillig bleiben und bei Nichtumsetzung kaum Konsequenzen entstehen, - erfolgreiche Vereine durch zusätzliche Nachfrage noch stärker auf knappe Hallen und Ehrenamtliche treffen. ## 14. Gegenargumente und faire Einordnung - **„Der Vereinssport boomt.“** Richtig: Die Mitgliedschaften erreichen Rekordwerte. Das widerlegt aber weder Mehrfachzählungen noch regionale, personelle und infrastrukturelle Engpässe. - **„Sport ist weiterhin günstig.“** Ebenfalls richtig: Medianbeiträge vieler Vereine sind niedrig. Fahrt, Ausrüstung, Wettkämpfe und Zusatzangebote können trotzdem soziale Barrieren bilden. - **„Fast drei Viertel der Vereine wirtschaften ausgeglichen.“** Richtig für das Berichtsjahr 2022. Ein ausgeglichener Haushalt sagt jedoch wenig über unbesetzte Vorstände, ausgefallene Angebote oder verschobene Investitionen. - **„Der Sanierungsrückstand ist nur eine Schätzung.“** Richtig. Deshalb wird er nicht als technische Kostenermittlung behandelt. Ergänzende kommunale Berichte über Schließungen und Ausfälle stützen aber die Problemdiagnose. - **„Bewegung findet auch außerhalb von Vereinen statt.“** Richtig. Vereinsdaten erfassen weder Jogging noch informellen, kommerziellen oder selbstorganisierten Sport. - **„Ertrinken ist nicht auf fehlenden Schwimmunterricht zurückzuführen.“** Richtig. Der Zusammenhang ist plausibel, aber aus den verfügbaren Zahlen nicht kausal quantifizierbar. - **„Sport verursacht Unfälle.“** Richtig. Unfallzahlen erfordern Prävention und qualifizierte Anleitung, sind aber kein Argument gegen Bewegung. - **„Föderalismus erlaubt passende regionale Lösungen.“** Richtig. Er rechtfertigt jedoch nicht das Fehlen vergleichbarer Kernindikatoren. - **„Vereinsautonomie ist wichtig.“** Richtig. Autonomie darf Schutz vor Gewalt, unabhängige Beschwerden und Aufarbeitung nicht unverbindlich machen. - **„Gewaltstudien sind nicht repräsentativ.“** Richtig. Die SicherImSport-Erhebung erlaubt keine Hochrechnung auf 29 Millionen Mitgliedschaften, belegt aber einen ernst zu nehmenden Handlungsbedarf. ## 15. Zentrale Datenlücken Es fehlen insbesondere: - eine aktuelle, einheitliche Sportstättenstatistik, - technisch geprüfte Zustandsklassen, - vollständige Angaben zu Barrierefreiheit und Energieverbrauch, - eine Zahl unterschiedlicher Vereinsmitglieder, - regelmäßige standardisierte Schwimmkompetenztests, - bundesweit vergleichbare Daten zu ausgefallenem Schulsport, - Daten zu fachfremdem Sportunterricht, - verlässliche Zahlen zur Sportteilnahme von Menschen mit Behinderungen, - vergleichbare Daten zu Migration, Rassismus und Diskriminierung, - ein Register der Schutzkonzepte und unabhängigen Beschwerdewege, - Expositionsdaten für eine aussagekräftige Bewertung von Sportunfällen, - langfristige Wirkungsanalysen der Investitionsprogramme. ## 16. Reformen ### Priorität 1: sofort beziehungsweise bis 2028 1. **Nationaler Sportstättenatlas:** Zustand, Eigentum, Nutzung, Barrierefreiheit, Energiebedarf, geplante Sanierung und Ausfalltage einheitlich erfassen. 2. **Mehrjähriger Sanierungspakt:** Bundes- und Landesmittel stärker planbar machen; Unterhaltung, Planung und energetische Sanierung ausdrücklich einbeziehen. 3. **Schulsportmonitor:** Erteilte und ausgefallene Stunden, fachliche Qualifikation, Schwimmunterricht und Hallenzugang anonymisiert erfassen. 4. **Regelmäßiges Schwimmmonitoring:** Standardisierte praktische Tests an repräsentativen Stichproben statt alleiniger Elternauskunft. 5. **Sozialer Zugang:** Ausrüstungspools, Fahrtkostenzuschüsse, automatische Leistungsermäßigung und kostenlose Schwimmangebote für Kinder aus Haushalten mit geringem Einkommen. 6. **Ganztagsverträge:** Vereine nicht nur um kostenlose Hilfe bitten, sondern Koordination, Personal, Versicherung und Qualifizierung verlässlich finanzieren. 7. **Ehrenamtsentlastung:** Einheitliche digitale Nachweise, vereinfachte Förderanträge, pauschale Kleinförderung und gemeinsame Verwaltungsstellen. 8. **Safe Sport:** Schutzkonzept, Risikoanalyse, benannte Ansprechpersonen, unabhängiger Beschwerdeweg und dokumentierte Qualifizierung als Mindeststandard. ### Priorität 2: bis 2030 9. **Bäder- und Schwimmstrategie:** Einzugsgebiete, Schulbedarf, Kurskapazitäten, Barrierefreiheit und ganzjährige Verfügbarkeit regional planen. 10. **Transparente Hallenvergabe:** Belegung, Wartelisten und Vergabekriterien offenlegen; Kinder-, Inklusions- und Schulsportzeiten absichern. 11. **Personalstrategie:** Trainer-, Übungsleiter- und Schiedsrichterqualifizierung stärker finanzieren und niedrigschwelliger gestalten. 12. **Barrierefreiheit:** Nicht nur Gebäudezugang, sondern Umkleiden, Sanitäranlagen, Kommunikation, Assistenz und Sportgeräte einbeziehen. 13. **Klimaresilienz:** Hitzeschutz, Verschattung, Wasserbewirtschaftung, Hochwasserschutz und energieeffiziente Gebäudetechnik ver … (Ansicht gekürzt; der gespeicherte Text ist vollständig)